Der Crash kommt: Krieg um Spanien ist aussichtslos!

Die Finanzmärkte wirbeln den Monetisierungszeitplan der Europäischen Zentralbank kräftig durcheinander. Die Zinsen steigen viel früher als ursprünglich angenommen. Die Einrichtung eines Rettungsfonds für Spanien dürfte viel zu lange dauern. Als letzte Alternative bliebe noch die Druckerpresse der EZB, die ihre Funktionsfähigkeit die vergangenen Monate ja bereits bravourös unter Beweis gestellt hat

John Mauldin, Millenium Wave Advisors, 15.04.2012

In meinem Buch „Endgame” haben der Co-Autor Jonathan Tepper und ich ein Kapitel verfasst, wo die Probleme, mit denen Spanien zu kämpfen hat, detailliert beschrieben werden. Als wir das Buch Ende 2010 geschrieben haben, war uns bereits klar, dass es für Spanien keine einfache Lösung geben und das Ganze schließlich mit jeder Menge Elend und Tränen enden wird.

Tepper wuchs sogar in einem Drogenrehabilitationszentrum in Madrid auf … Sein Spanisch ist daher ausgezeichnet, weshalb er von den spanischen TV-Sendern ständig um Interviews gebeten wurde – zumindest bis zu dem Zeitpunkt, als die spanische Regierung eine Liste von fünf Leuten herausgab, zu denen auch Tepper gehörte und die im Grunde als „Feinde Spaniens“ galten, und den Medien nahelegte, dass diese Personen nicht mehr länger eingeladen oder in den Programmen zitiert werden sollten.

Wie sich herausstellte, war der wirkliche Feind Spaniens aber die Vorgängerregierung. Wir wussten damals bereits, dass die Situation weit schlimmer war, als die öffentlichen Daten vermuten ließen, aber bis die neue Regierung an die Macht kam und damit anfing, den wahren Zustand des Landes zu offenbaren, hatten wir vom wirklichen Ausmaß auch keine Ahnung. Die Vorgängerregierung hatte die Bücher frisiert, und anhand dessen, was wir bisher wissen, geschah das Ganze sogar völlig ohne Zutun von Goldman Sachs! …

Das wahre spanische Schulden/BSP-Verhältnis liegt nicht etwa bei 60%, sondern eher im Bereich von 90%. Vielleicht ist es auch noch höher, wenn man die verschiedenen Schulden der Lokalregierungen hinzunimmt, die wiederum von der spanischen Bundesregierung garantiert werden und von denen der überwiegende Teil schlicht nicht zurückgezahlt werden wird.

Die spanischen Banken sind unglaublich überschuldet, und das obwohl sie bisher noch nicht einmal 50% der Abschreibungen und Neubewertungen vorgenommen haben. Sollte der spanische Eigenheimmarkt so stark einbrechen wie der US-Eigenheimmarkt – was passieren wird, wenn der Einbruch am Ende nicht sogar noch stärker ausfällt –  werden die Bewertungen um 50% in den Keller rauschen.

Es ist einfach nur unglaublich, wie viele Immobilien in Spanien hingesetzt wurden. Für jeden bei der Bevölkerungszahl neu hinzugekommenen Spanier wurde ein neues Eigenheim errichtet. Aktuell wissen wir von einer spanischen Arbeitslosenrate von 23%, während die Jugendarbeitslosigkeit bei über 50% liegt. Wir könnten jetzt 50 Seiten schreiben, wollten wir alle wirtschaftlichen Verwerfungen aufzählen, mit denen Spanien zurzeit zu kämpfen hat.

Und da wären wir auch gleich bei den Ereignissen von letzter Woche. Es ist ja erst ein paar Wochen her, wo praktisch jeder (auch ich) davon ausging, dass sich die EZB mit der EUR 1 Billion LTRO-Schockmethode etwas Zeit gekauft hat. Viele Analysten erklärten, dass sie sich nun mindestens ein Jahr Zeit verschafft hätten, um Programme zur Bekämpfung der bevorstehenden Krise aufzulegen.

Aktuell scheint es jedoch so zu sein, dass der entscheidende Knall bereits früher kommen könnte – ganz einfach weil die Märkte sich weigern, an die Feuerkraft zu glauben, welche die Regierungsinstitutionen auch immer aufbringen mögen. Das passierte bereits in Griechenland und es ließ sich auch bei allen anderen früheren Schuldenkrisen beobachten.

Die Dinge laufen mehr oder weniger reibungslos, bis – was von Ken Rogoff und Carmen Reinhart in ihrem Buch „Dieses Mal ist alles anders: Acht Jahrhunderte Finanzkrisen“ so treffend beschrieben wurde – wir eines Tages aufwachen und feststellen, dass der Markt anscheinend das Interesse daran verloren hat, ein Land zu tragfähigen Zinsen zu finanzieren. Als die Zinsen in Griechenland auf die Marke von 15% kletterten, begriffen selbst die in ihren mathematischen Fähigkeiten stark eingeschränkten europäischen Politiker, dass keine Hoffnung mehr darauf besteht, dass Griechenland seine Schulden jemals wieder zurückzahlt.

Als die Zinsen in Italien auf fast 7% und in Spanien auf 6% kletterten – also bevor die EZB-Monetisierung einsetzte – erreichten die beiden Länder immer schneller die Grenze der finanziellen Belastbarkeit. Die Zinsen gingen wieder zurück, weil die EZB direkte Käufe tätigte bzw. einen Anleihekauf dieser zwei Länder managte.

Der LTRO-Effekt scheint aber bereits wieder verpufft zu sein. Ende letzter Woche kletterten die Zinsen für zehnjährige spanische Staatsanleihen erneut auf 5,99%. Und diese Woche steht eine große Auktion für zehnjährige Staatsanleihen bevor, was dem Markt offenkundig einige Sorgen zu bereiten scheint. Die italienischen Zinsen steigen aber nicht im Gleichschritt mit den spanischen Zinsen, was bedeutet, dass die Ängste und Sorgen zurzeit ganz eindeutig auf Spanien konzentriert sind. Gehen Sie weiter, hier in Rom gibt es nichts zu sehen!

Spanien setzt alles auf eine Karte

Ich stieß im Rahmen meiner Recherchen auf einen Bericht von Typicallyspanish.com. Das Entscheidende findet sich im zweiten Absatz:

„Spanien führte die europäischen Länder in 2011 mit den größten Rückgängen bei den Selbständigen an. Jeder zweite Selbstständige, der in der EU in 2011 seine Arbeit verloren hat, war Spanier. 70% aller spanischen Selbständigen haben keine Angestellten. Europa verlor vergangenes Jahr insgesamt 203.200 Selbständige, das waren 0,6% weniger als in 2010.

Laut Medienberichten sollen Bargeldtransaktionen von über EUR 2.500 verboten werden, so das spanische Finanzministerium, wobei man versprach, das keine Strafen erfolgen würden, wenn jemand eingesteht, innerhalb der letzten drei Monate Bargeldzahlungen getätigt zu haben, die diese Höhe überschreiten. Das Bargeldlimit ist Bestandteil der Antibetrugsbestrebungen der spanischen Regierung, die am Freitag beschlossen werden. Spanier, die ein Auslandskonto haben, sind nun rechtlich dazu verpflichtet, das spanische Finanzministerium darüber in Kenntnis zu setzen. Die Regierung hofft, mit diesen Antibetrugsmaßnahmen zusätzliche Einnahmen in Höhe von EUR 8,171 Milliarden zu erzielen.“

Die US-Bürger werden sich jetzt natürlich sagen: „Ja und? Wir müssen unsere Auslandskonten auch angeben und große Bargeldtransaktionen werden ebenfalls erfasst.“ Ja richtig lieber Leser, aber in Spanien verhält es sich anders. In Spanien handelt es sich um ein neues Gesetz. Im Grunde sind es Maßnahmen zur Währungskontrolle, die in ganz Europa die Alarmglocken klingeln lassen.

Zunächst einmal hat Griechenland nie versucht, seine Bürger dazu zu bringen, Bargeldtransaktionen oder Auslandskonten zu melden. Die neue spanische Regierung offenbart durch diese Maßnahmen, dass sie völlig verzweifelt ist. Die Regierung steht mit dem Rücken zur Wand. Sie dürfte sich darüber im Klaren sein, dass sie nicht in der Lage sein wird, die Steuern einzunehmen, die sie eigentlich braucht, versucht es aber trotzdem, um den Rest Europas (lies: Deutschland) zu zeigen, dass sie alles in ihrer Macht stehende tut.

Vergangenen Mittwoch stellte der spanische Innenminister neue Maßnahmen vor, mit denen die Anheizung von Krawallen eingedämmt werden soll:

„Um Bewegungen zu bekämpfen, die mit Vorbedacht Stadtguerilla-ähnliche Taktiken anwenden, finden wir es unbedingt nötig, die Teilhabe sowie den Aufruf zu solchen Aktionen, deren Ziel es ist, die öffentliche Ordnung schwer zu stören, als Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung einzustufen.”

Unterdessen liest man in den spanischen Zeitungen und den Kommentaren der Ökonomen, dass sich die spanische Wirtschaft noch stärker eintrüben würde, wenn man den Austeritäts-Forderungen der Deutschen Folge leistet, und die Regierung auch nicht berücksichtigt, dass die spanischen Gewerkschaften gegen solche Maßnahmen sind.

„Deutschland ist das Problem!“ Ja es ist schmerzlich für mich, hier anzumerken, dass dem tatsächlich so ist – aber das ist genau das, was ich bereits vor nicht allzu langer Zeit auch im Hinblick auf Griechenland schrieb. Und auch jetzt sehen wir Bilder von Demonstrationen und sich entwickelnden Aufständen. Das Muster ist also dasselbe.

Vor einem Monat erklärte ich auch, dass die spanischen Banken die LTRO-Gelder zum Kauf spanischer Staatsschulden nutzten (italienische Banken kauften italienische Staatsschulden usw.). Das Konzept bestand darin, Europa, besonders jedoch diesen zwei Ländern, zu helfen, seine Staatsschulden zu finanzieren und es den Banken im Rahmen dieser Maßnahmen zu erlauben, ihr Eigenkapital zu stützen. In Wirklichkeit hat das Ganze aber eine unbeabsichtigte Nebenwirkung: Das Auseinanderbrechen der Eurozone geht jetzt noch leichter vonstatten, da es den deutschen und französischen Banken auf diese Art möglich ist, die spanischen und italienischen Staatsanleihen abzustoßen.

Der einzige Grund, warum sich Deutschland, Frankreich und andere überhaupt um Griechenland scherten, war, weil ihre Banken so viel griechische Schulden hielten – in vielen Fällen genug, um die Banken in die Pleite zu stürzen. Eine direkte Bankenrettung wäre sehr kostspielig geworden, also war es besser – so die Auffassung der europäischen Führer – das Ganze mithilfe von Rettungsgeldern zu bewerkstelligen, die seitens der verschiedenen Regierungen (also letztlich vom Steuerzahler) und der Europäische Zentralbank garantiert werden. Die Krise wurde verhindert und Griechenland verkündete im Grunde die Zahlungsunfähigkeit, was jeder, den es interessierte, lange im Voraus antizipieren konnte.

Überdies sei hier darauf hingewiesen, dass sich die Kreditaufnahme der spanischen Banken bei der Europäischen Zentralbank im März verdoppelt hat, was „eine gefährliche Abhängigkeit von der Notfinanzierung offenbart und am Freitag erneut zu Verwerfungen an den Finanzmärkten führte“, so die britische Zeitung Telegraph. Der spanische Aktienmarkt ist alleine in 2011 um rund 30% eingebrochen.

Im Rahmen der Bemühungen der spanischen Regierung dem Betrug Herr zu werden und sicher zu stellen, dass auch jeder seine Steuern entrichtet, wird man also gleich mit herausfinden, welche Bürger ihr Geld außer Landes gebracht haben. Noch einmal: Aus den spanischen und portugiesischen Banken (und zum Teil auch aus den italienischen) ist massiv Geld abgezogen worden, genauso wie es sich heute noch in Griechenland beobachten lässt.

Und es wird einfacher sein, Auslandsguthaben aufzuspüren, als Sie sich vielleicht vorstellen können. Einige Leute, da bin ich mir ziemlich sicher, werden ihr Geld in Bargeld umgewandelt und dann ins Ausland verbracht haben. Andere werden es einfach ins Ausland überwiesen haben, was natürlich Spuren hinterlässt. Für die spanischen Regulierungsbehörden ist es ein Leichtes, diese Informationen anzufordern, und welche Bank wird sich dem denn entgegenstellen? …

Meine moderate Prognose ist: In bestimmten Ländern der Euro-Peripherie wird es ganz plötzlich zu einer erheblichen Bargeldnachfrage kommen, da die Bürger dieser Länder darauf aus sein werden, keine Spuren zu hinterlassen, wenn sie Auslandskonten eröffnen. Und was hält Italien davon ab, das zu tun, was Spanien getan hat? Oder Portugal? Oder Frankreich? Oder Deutschland? …

Spanien versucht gerade sicherzustellen, dass alle Spanier ordnungsgemäß ihre Steuern zahlen. Wäre dies bereits zu 100% der Fall, gäbe es für die neuen Verordnungen überhaupt keine Notwendigkeit … Ich habe ja bereits vielfach darauf hingewiesen, dass die Steuervermeidung in Italien beispielsweise ein wahrer Volkssport ist.

Meine Freunde in Spanien haben mir erklärt, dass eine Vielzahl der Geschäfte mit Bargeld abgewickelt wird. Aber das ist genauso in den USA oder in anderen Ländern, die ich besuche, der Fall. Eine Menge „selbständiger“ Taxifahrer, Dienstleister usw. nehmen ausschließlich Bargeld. Vielleicht melden sie alles, was schert es mich! Als ich zu meinen College-Zeiten als Kellner gearbeitet habe, habe ich da etwa mein ganzes Trinkgeld angegeben? (Das ist 40 Jahre her, die Fristen für eine Nachbesteuerung sind somit abgelaufen, weshalb ich auch einräumen kann, dass ich hier und da vielleicht ein paar Dollars übersehen habe.)

Ich kann mir gut vorstellen, dass es eine ganze Reihe von Spaniern gibt, die zurzeit nicht besonders gut schlafen. Und es wird auch in anderen Ländern jede Menge Leute geben, die aktuell schlecht zur Ruhe kommen. Sollte der Mai verstreichen, ohne dass es in Europa zu ungewöhnlichen Bargeldbewegungen kommt, ja dann werde ich mich bei den Menschen in der Euro-Peripherie wohl entschuldigen müssen, weil ich ihren Willen, Steuern zu entrichten, angezweifelt habe. Vielleicht stellt sich aber auch heraus, dass sie bei der „Steuervermeidung“ einfach besser sind als der Durchschnittsamerikaner und ihre Maßnahmen lange im Voraus planen …

Kommen wir wieder zum entscheidenden Punkt zurück: Spanien ist viel zu groß, als dass es scheitern dürfte, und viel zu groß, als dass es gerettet werden könnte. Die Anleihemärkte sind ganz eindeutig verunsichert – und das früher als geplant. Spanien versucht zurzeit zu demonstrieren, dass man alles Erdenkliche tun wird, um den neuen Austeritätsanforderungen Europas zu entsprechen. Premierminister Mariano Rajoy hat bereits davor gewarnt, dass die aktuelle Situation einen „Teufelskreis [schaffe], der das Land würgt.“

Rajoy erklärte in einer eindringlichen Rede vor dem spanischen Parlament, es sei völlig klar, dass Spanien kein Rettungspaket im Stile Griechenlands benötigen würde. Doch im Bewusstsein, dass sein Land an den Märkten gerade das Vertrauen verliert, bat er die europäischen Führer, „mit ihren Kommentaren vorsichtig zu sein“, und erinnerte sie daran, dass das, „was für Spanien gut ist, auch für die Eurozone gut ist.“

Wenn man sich anschaut, wie viel Geld Spanien braucht, um sich im kommenden Jahr zu refinanzieren, und sich anschaut, wie die finanziellen Voraussetzungen des Landes sind, und wenn man sich dann noch anschaut, welche Geldmengen durch die europäische Gemeinschaft selbst unter den neuen Rettungsstrukturen bereitgestellt werden könnten, kommt man schlagartig zu der Schlussfolgerung, dass im Falle eines Markt-Crashs schlicht nicht genug Geld da ist, um Spanien zu retten!

Die einzig gangbare Lösung scheint zu sein, dass die Europäische Zentralbank mit einem neuen Programm einspringt. Der EZB-Präsident Mario Draghi hat ja bereits bewiesen, dass er auf kreative Art in der Lage ist, ein klein wenig mehr Zeit zu gewinnen. Hoffentlich gehört zu seinem Trick-Repertoire auch, Rettungsgelder für Spanien aufzutreiben. Sein Zentralbankkollege Ben Bernanke hat ja bereits darauf hingewiesen, dass Draghi ebenfalls über eine Druckerpresse verfügt – und das LTRO-Programm hat ja gezeigt, dass er weiß, wie man sie in Gang setzt.

„Wir sind nicht Griechenland!“

Die deutsche Bundesbank schreit so laut es geht: „QE? Nein!!“, doch hat sie unter den 23 Mitgliedern des EZB-Rats gerade einmal zwei Stimmen. Spanien zeigt seinen europäischen Brüdern und Schwestern, dass die Regierung alles in ihrer Macht stehende tut. „Wir sind nicht Griechenland!“, lautet die klare Botschaft. Und: „Wir brauchen und verdienen eure Hilfe.“ Vergangene Woche wies Rajoy noch einmal darauf hin: „Was für Spanien gut ist, ist auch gut für die Eurozone.“

Niemand sollte die Bereitschaft von Politikern, die sich durch und durch einem gemeinsamen Ziel (hier der europäischen Einheit) verschrieben haben, unterschätzen, dass Geld anderer Leute zur Verfolgung dieses Ziels einzusetzen. Das gilt erst recht, wenn dieses Geld als versteckte Steuer in Form der Schuldenmonetisierung daherkommt.

Die Märkte wirbeln den Zeitplan für die nächste große spanische (und vielleicht auch italienische) Schuldenmonetisierung durcheinander. Die Deutschen werden wieder schreien, dass sei inflationär – und für die Deutschen wird es wahrscheinlich auch genau das sein. Der überwiegende Teil Europas befindet sich zurzeit aber fest im Griff der Deflation.

Spanien ist aktuell unzweifelhaft in einer klassischen keynesianischen Liquiditätsfalle gefangen. Das kann passieren, wenn man völlig unterschiedliche Ökonomien unter einer Einheitswährung operieren lässt. Es handelt sich hierbei nicht bloß um eine Banken- oder Staatsschuldenkrise, sondern es geht um gigantische Handelsungleichgewichte und riesige Unterschiede bei der Arbeitsproduktivität. Das Problem der Handelsungleichgewichte zwischen den südlichen Euroländern (Portugal, Spanien, Italien und Griechenland) und dem Norden (vornehmlich Deutschland) muss gelöst werden, bevor man die Wirtschaftskrise überhaupt angehen kann. Das ist Wirtschaftslehre für Anfänger, aber die europäischen Politiker haben da wohl gerade ein Nickerchen gehalten.

Es wird den Versuch geben, eine Art von Fonds einzurichten, um spanische Schulden zu kaufen, doch wird sich dieser als nicht groß genug herausstellen. Und angesichts der jüngsten Marktbewegungen dürfte das alles auch viel zu lange brauchen. Mich würde es jedenfalls nicht wundern, sollte die EZB das Versprechen, dass ein solcher Fonds eingerichtet wird, als Vorwand nutzen, um bereits früher einzugreifen.

Und ja, das wird zu einem Wertverlust des Euros führen. Wir werden ja sehen, wie weit Europa diesen Prozess treiben will. Griechenland wird demnächst wieder zahlungsunfähig sein – das Land befindet sich heute bereits in einer Depression und für Anfang Mai sind Parlamentswahlen anberaumt. Portugal bewegt sich weiter in Richtung des nächsten Rettungspakets, während die Iren es zunehmend leid sind, den Briten, Franzosen und Deutschen die Gelder zurückzuzahlen, mit denen ihre Pleitebanken gerettet worden sind. Ob sich unter den europäischen Wählern eine Rettungs-Müdigkeit breit machen wird? Wir werden sehen …

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