Alternativlos: Nach dem Gelddrucken kommt das … Gelddrucken

Zum Glück haben die Politiker und Ökonomen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt und wissen, dass das Drucken von immer größeren Mengen an Papiergeld das einzige Mittel ist, um einen Wirtschafts-Kollaps zu verhindern

Steve Saville, The Speculative Investor, 01.05.2012

Die Große Depression in den USA nahm 1929 ihren Anfang und hielt bis 1945 an, aber die deflationäre Phase der Depression war im Grunde bereits im Jahre 1932 zu Ende. Ganz egal, ob man Deflation nun als Ausweitung der Geldmenge oder als Preissteigerungen definiert, nach 1932 ließ sich in den USA praktisch fortwährend Inflation beobachten.

Die Inflation wurde in den Jahren 1937 und 1938 jedoch kurzzeitig unterbrochen, als es zu einer Stabilisierung der Geldmenge kam und plötzlich ein erneuter Abwärtstrend einsetzte, der zu drastischen Einbrüchen bei den Aktien- und Rohstoffpreisen führte. Dieser Rückgang der Jahre 1937 und 1938 wird manchmal auch als „der Fehler des Jahres 1937“ bezeichnet, und zwar von denjenigen, die der Auffassung sind, dass die Entwicklung nur deshalb einsetzte, weil die US-Notenbank Federal Reserve die Geldpolitik zu zeitig straffte.

Laut den Anhängern dieser Theorie hätte die US-Wirtschaft ihre Erholung vom Zusammenbruch der Jahre 1929 bis 1932 weiter fortgesetzt, hätte die Fed nur nicht vorzeitig mit den geldpolitischen Straffungsmaßnahmen begonnen. Wichtig ist hier, dass der jetzige Fed-Chef Ben Bernanke einer dieser Gläubigen ist.

Die Anhänger der Theorie, dass der Kollaps der Jahre 1937 und 1938 durch vorzeitige geldpolitische Straffungsmaßnahmen der Fed verursacht worden sei, haben zum Teil sogar Recht, und zwar dahingehend, dass die moderaten Straffungsmaßnahmen der US-Notenbank während der zweiten Hälfte des Jahres 1936 und der ersten Hälfte von 1937 (1) wahrscheinlich tatsächlich der Auslöser für den Kollaps gewesen sind.

Bei dieser Theorie wird aber eine Frage überhaupt nicht adressiert: Wenn seit 1933 tatsächlich eine echte Wirtschaftserholung stattfand, ja warum brach die Wirtschaft dann so rasch und vollständig in sich zusammen, obwohl nur minimale geldpolitische Veränderungen vorgenommen wurden? Die Antwort ist, dass die Erholung überhaupt nicht echt war. Die Wirtschaftserholung war eine Illusion, die auf der Ausweitung der Geldmenge basierte. Wenn Wirtschaftswachstum vornehmlich ein Ergebnis der Ausweitung der Geldmenge ist, ist es halt auch wahrscheinlich, dass das Aussetzen oder auch nur das Absenken der Rate des Geldmengenwachstums zu einem Wirtschaftskollaps führt.

(Übrigens: Die äußerst schwache geldpolitische Grundlage der aktuellen Wirtschaftserholung, die 2009 ihren Anfang nahm, ist zum Teil auch dafür verantwortlich, dass es sich im Grunde um eine „arbeitsplatzlose“ Erholung handelte. Auch während der Jahre 1933 bis 1937 verharrte die Arbeitslosigkeit auf sehr hohen Niveaus. Hinter der hartnäckig hohen Arbeitslosigkeit der 30er Jahre steckte jedoch mehr als nur die kontraproduktiven geldpolitischen Machenschaften der US-Notenbank. Die von der Hoover- und der Roosevelt-Administration ergriffenen Maßnahmen, um die Arbeitskosten zu erhöhen, haben ebenfalls entscheidend dazu beigetragen, dass die Menschen keine Arbeit fanden.)

Es drängt sich die Frage auf: Hätte die Fed ihre „Unterstützung“ für die Wirtschaft mittels eines permanenten Stroms neuen Geldes nicht fortsetzen müssen, zumindest solange, bis eine echte Wirtschaftserholung Fuß gefasst hätte?

Bei der obenstehenden Frage wird aber die Tatsache ignoriert, dass der Strom neuen Geldes (Geldinflation) zu immer mehr Fehlinvestitionen führt und einer wirklichen Wirtschaftserholung somit nicht nur im Wege steht, sondern die wirtschaftliche Struktur als solche sogar noch stärker schwächt. Hätte die Fed ihre geldpolitischen Stützungsmaßnahmen noch ein weiteres Jahr fortgesetzt, wäre der Kollaps halt Mitte 1938 und nicht Mitte 1937 eingeleitet worden.

Überdies wäre der Wirtschaftszusammenbruch dann noch verheerender gewesen, da ein weiteres Jahr an Fehlinvestitionen verstrichen wäre. Ludwig von Mises hatte ja bereits vor langer Zeit darauf hingewiesen:

„Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll.“

Die Frage ignoriert auch die Tatsache, dass sich die Zentralbank im Rahmen ihrer Entscheidungsfindung buchstäblich in einer Zwickmühle befindet. Selbst wenn die Wirtschaft natürlichen deflationären Kräften ausgesetzt ist – so wie es Mitte der 30er Jahre der Fall war – sorgt die unnatürliche Geldschaffung durch die Zentralbank am Ende für ein Inflationsproblem (in Form steigender Preise für essentielle Rohstoffe sowie einige Waren und Dienstleistungen).

Nach geraumer Zeit kann der Druck auf die Zentralbank, das Inflationsproblem einzudämmen, sogar noch größer werden, als der Druck, die Wirtschaft mit einem anhaltenden Strom neuen Geldes „zu stützen“.

Ab dem dritten Quartal 1936 war der Druck auf die Fed, das Inflationsproblem einzudämmen, bereits der vorherrschende Aspekt. Hätte die Fed diesen Druck einfach ignoriert und stattdessen mit ihren preistreibenden geldpolitischen Maßnahmen weitergemacht – ein Weg, der laut Auffassung der keynesianischen Besserwisser-Ökonomen (2) hätte beschritten werden müssen – wäre das Endergebnis, nachdem die Geldpolitik letztlich wieder gestrafft worden wäre, ein noch schlimmerer Wirtschaftseinbruch gewesen.

Alternativ hätte sich die Fed auch dafür entscheiden können, die Geldmenge auf immer und ewig mit hoher Rate auszudehnen. In diesem Fall wäre das Endergebnis eine einzige Katastrophe gewesen – und zwar für den US-Dollar wie auch die US-Wirtschaft.

Die untenstehende Grafik liefert einen Abriss der Ereignisse der Jahre 1937 und 1938. Auf der Grafik sieht der Einbruch von 1937 und 1938 im Vergleich zum Kollaps der Jahre 1929 – 1932 winzig aus, nichtsdestotrotz war er immer noch erheblich. Der Dow Jones Industrial Average verlor über die Hälfte seines Werts und, vielleicht noch wichtiger, die Fertigungsbranche brach um 30% ein. Wenn man bedenkt, dass der Fertigungsbereich zu jener Zeit eine relativ hohe Bedeutung hatte, leuchtet auch ein, warum die US-Wirtschaft innerhalb kürzester Zeit um ein Drittel einbrach.

Ferner geht aus der Grafik hervor, dass die Fed die geldpolitische Straffung nicht über höhere Zinssätze zu erreichen suchte, sondern sich, wie in Anmerkung (1) erläutert wird, anderer Mittel bediente, um den Strom neuen Geldes zu beschränken.

Dass viele der einflussreichsten Politiker und Ökonomen heutiger Zeit der Auffassung sind, Ende der 30er Jahre hätte ein bedeutender Wirtschaftseinbruch vermieden werden können, hätte die Fed nur ihre ultralockere Geldpolitik aufrecht erhalten, bedeutet, dass man aus der Geschichte schlicht die falschen Lehren gezogen hat.

Im Umkehrschluss heißt das aber auch, dass die US-Notenbank ihre lockere Geldpolitik dieses Mal selbst im Angesicht offenkundigster Anzeichen eines Inflationsproblems länger aufrecht erhalten wird und schneller als je zuvor reagieren wird, um mit einer Ausdehnung der Geldversorgung auf die nächste Welle wirtschaftlicher Abschwächung zu reagieren.

(1) Ab August 1936 begann die Fed mit ihren geldpolitischen Straffungsmaßnahmen. Dabei ging sie zwar nie soweit, den Leitzins (Diskontsatz) anzuheben, aber sie erhöhte die Eigenkapitalanforderungen der Banken und ergriff weitere Maßnahmen, um die Goldzuflüsse ins US-Finanzministerium und eine damit einhergehende Ausweitung der Geldmenge zu vermeiden. Das Ergebnis war, dass es während einer Ende 1936 beginnenden Zweijahresperiode zu einer Stabilisierung der US-Geldmenge kam.

(2) Ein Besserwisser-Keynesianer ist ein Ökonom, der im Rückblick immer genau sagen kann, wie viel geldpolitische Belebungsmaßnahmen der Wirtschaft hätten bereitgestellt werden müssen, um eine nachhaltige Erholung zu bewerkstelligen. Da diese Ökonomen mit der Prämisse arbeiten, dass geldpolitische und/oder fiskalische Belebungsmaßnahmen der Wirtschaft helfen, gelangen sie, sollte eine Wirtschaft trotz des konzertierten Einsatzes konjunkturbelebender Maßnahmen einbrechen, unweigerlich zu der Schlussfolgerung, dass das Konjunkturpaket nicht groß genug war. Die Richtigkeit der zu Grunde liegenden Prämisse wird hingegen nie ernsthaft hinterfragt.

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