Geldinflation & Gold: Erst stürzt Frankreichs Führung und dann der Rest Europas

Die Grippe der europäischen Einheitswährung dürfte in eine Euro-Seuche ausarten. Investoren können den Euro abschreiben und sollten stattdessen in Gold & Silber investieren. Es wäre keine Überraschung, sollte der Tausch von Euros in Gold künftig unter dem Namen „Hollande-Trade“ bekannt werden

Peter Schiff, Europacmetals.com, 04.05.2012

Laut der Europäischen Zentralbank hält die italienische Bankenbranche zurzeit mehr Staatsschulden als die Banken anderer europäischer Wirtschaften: Fast EUR 324 Milliarden an heiklen Anleihen. Die spanische Bankenbranche ist bei Staatsanleihen ebenfalls massiv überinvestiert und hält zurzeit EUR 263 Milliarden davon.

Dieser Anleihe-Kaufrausch wurde durch den „Sarkozy-Trade“ ausgelöst. Der „Sarkozy Trade“ ist nichts weiter als wildes Gelddrucken der Europäischen Zentralbank, von dem sich der französische Präsident Nicolas Sarkozy eine Entspannung des eigenen Staatsschuldenproblems erhoffte.

Dank des Wahlkampfes von Sarkozy bekommt aktuell jede Bank so viele Euros, wie sie haben möchte, und zwar über eine Laufzeit von drei Jahren zum Niedrigzins von 1%. Die Banken wandeln diese Gelder dann umgehend in Staatsanleihen um. An den italienischen und spanischen Staatsanleihen mit zehnjähriger Laufzeit, die zurzeit über 5,5% rentieren, verdienen sie dann 4,5% fürs Nichtstun. Ob das Geschäft langfristig ein Erfolg ist, hängt jedoch davon ab, was nach den ersten drei Jahren passiert.

Und genauso wie es bei den USA der Fall ist, können auch die europäischen Regierungen nicht mehr darauf zählen, dass alle Staatsanleihen, die sie ausgeben möchten, von den Investoren gekauft werden. Daher druckt die EZB Euros, um Staatsanleihen zu kaufen – und zwar ziemlich offenkundig, indem die Gelder über den Bankensektor in den Anleihesektor geschleust werden.

Sarkozy vs. Hollande

Der oben beschriebene „Sarkozy-Trade“ wird in Frankreich aber sogar noch als konservative Politik erachtet, weshalb die Investoren nicht auf irgendwelche Verbesserungen hoffen sollten, sollte der Kandidat der Sozialisten, Francois Hollande, am Sonntag die Präsidentschaftswahlen gewinnen.

Hollande hat versprochen, die Austeritätsmaßnahmen zu lockern und die EZB noch stärker zur Geldentwertung anzuhalten. Das ist genauso wie in den USA, wo Obama auch keine Alternativen zur Politik unter Bush anbieten konnte – bis auf die Verdopplung der Staatsausgaben natürlich.

Und obwohl in Spanien jüngst eine Mitte-Rechts-Regierung gewählt wurde, wird damit gerechnet, dass der überwiegende Teil Europas dem Linksruck Frankreichs folgen wird – und sei es nur, weil es sich bei den meisten Amtsinhabern um austeritäts-freundliche moderate Mitte-Rechts-Politiker handelt und den Wählerschaften bezüglich der Reformen langsam der Geduldsfaden reißt.

Der Löwenanteil der hieraus resultierenden Staatsausgaben wird mit Sicherheit durch Anleihekäufe der EZB (bzw. der Banken mit EZB-Geld) geschultert werden. Das ist das beste Rezept für Instabilität und Inflation.

Die Euro-Seuche

Griechenland hatte der Eurozone die Grippe beschert, aber die griechische Wirtschaft ist relativ winzig – kleiner als die von 14 US-amerikanischen Bundesstaaten und 11 EU-Staaten. Die Staatsverschuldung Griechenlands beläuft sich gegenwärtig auf rund EUR 347 Milliarden oder 159% des BSP. In absoluten Zahlen ist die griechische Staatsverschuldung aber immer noch bedeutend geringer als die seiner mediterranen Nachbarn.

Nehmen wir Italien mit über EUR 1.88 Billionen an Schulden (120% des BSP) oder Spanien, dessen Bonität erst vor kurzem abgesenkt wurde, mit mehr als EUR 706 Milliarden (66% des BSP) an Staatsschulden. Diese Zahlen übersteigen den EFSF-Rettungsfonds bei Weitem, der noch EUR 440 Milliarden übrig hat, wenn man die Rettungspakete für Irland und Portugal abzieht. Wenn Griechenland dem Euro eine Grippe eingebracht hat, dann werden Spanien und Italien der europäischen Einheitswährung irgendetwas wie Ebola bescheren.

Es gibt jedoch auch Länder, die sich vor der Euro-Seuche geimpft haben, indem sie eine verantwortungsvolle Haushaltspolitik betreiben, überseeische Handelsbeziehungen pflegen und, wichtiger noch, die europäische Einheitswährung garnicht erst einführten.

Die Staatsverschuldung der Schweiz liegt aktuell bei USD 224 Milliarden oder 36% des BSP. Norwegen hat eine Staatsverschuldung von USD 97,4 Milliarden oder 49% des BSP. Das sind nun keine sonderlich beeindruckenden Zahlen, wenn man sie mit, na sagen wir Hongkong (Verschuldungsniveau: 10% des BSP) vergleicht, aber wenigstens droht der Schweiz und Norwegen nicht der Zusammenbruch des gesamten Währungssystems.

Europa wandelt auf sehr dünnem Eis

Die Zukunft Frankreichs und des Rests der Eurozone hängt nicht von dem Ausgang der französischen Präsidentschaftswahlen ab, sondern vom Ausgang der Schlacht um die Ideen und Konzepte.

Werden die Europäer die Kraft haben, die schmerzlichen Reformen umzusetzen, um zu nachhaltigen Wirtschaftswachstum zurückzukehren? Werden die stärkeren Euroländer wie Deutschland die Unabhängigkeit gegenüber der EZB verteidigen? Das wird kaum an den Mann zu bringen sein.

Viele Europäer fragen sich, warum sie die harte und unliebsame Realität wirtschaftlicher Erholung erdulden sollen – über den Prozess der Rezession, des Sparens und der Unannehmlichkeit harten Arbeitens – wo sie doch ganz einfach Gelddrucken können.

Das Problem ist nur, dass einem am Ende die Vollidioten ausgehen, die bereit sind, dieses Spiel zu finanzieren. Fakt ist, dass die Chinesen Europa nicht mit Billionen beistehen werden. Viele Chinesen sind schockiert darüber, dass ihre Regierung bei den zusehends entwertenden US-Staatsanleihen derart massive Risiken eingegangen ist. Die Chinesen werden diesen Fehler ganz bestimmt nicht zweimal machen. Japan hat unterdessen mit seinen eigenen Schuldenproblemen zu kämpfen, und andere Geldgeber-Länder sind schlicht zu klein, um irgendeine substantielle Hilfe anbieten zu können. Europa begibt sich immer weiter aufs dünne Eis hinaus, ohne dass weit und breit eine Rettungsleine in Sicht wäre.

Strategie, um sich vor einem fallenden Euro zu schützen

Aus Investorensicht besteht eine Möglichkeit, um von dem beschleunigten Rückgang der zweitgrößten Währung zu profitieren, darin, sich der ältesten Form von Geld, den Edelmetallen zuzuwenden. Europäische Großbanken melden, dass es zurzeit erhöhte Euro-Abflüsse in Richtung Gold gibt. Der Internationale Währungsfonds meldete, dass die Zentralbanken in 2011 über 430 Tonnen Gold kauften – ja der IWF hält sogar selbst 2.814 Tonnen dieses „barbarischen Relikts“.

Vor dem Hintergrund der allgemeinen Austeritäts-Müdigkeit in Europa haben wir also bereits wieder eine neue Welle an Kapital, die die Edelmetallpreise mittelfristig über Wasser hält. Kurzfristig jedoch werden einige europäische Institutionen zweifellos dumm genug sein, bei ihrer Flucht in Richtung Sicherheit in US-Dollars zu gehen. Wenn diesen Realitätsverweigerern erst einmal klar wird, dass sich das Zeitalter der Papierwährungen gerade auf beiden Seiten des Atlantiks seinem Ende neigt, dürften Gold und Silber ihren Preisanstieg wieder fortsetzen.

Fakt ist, dass es Gold bedeutend länger geben wird als den Euro, ganz egal, wer französischer Präsident ist. Doch sollte der sozialistische Kandidat die Präsidentschaftswahlen gewinnen und seine radikale keynesianische Agenda vorantreiben, würde es mich nicht überraschen, wenn der Tausch von Euros in Gold unter dem Begriff „Hollande-Trade“ bekannt wird.

Weitere Artikel zu diesem Thema