Austeritäts-Schock in der Eurozone: Das böse Erwachen kommt so oder so

Michael Pento, King World News, 16.05.2012

Wie der XAU- und der HUI-Index veranschaulichen, preisen die Goldminenaktien gegenwärtig einen bedeutenden Rückgang bei Gold ein, der so stark ausfallen müsste, dass das gelbe Metall wieder auf den Stand von Mitte des vergangenen Jahrzehnts zurückfällt – also auf ein Preisniveau, wo den weltweiten Investoren Begriffe wie „dritte Runde der quantitativen Lockerung“ oder „LTRO-Programm“ noch gänzlich unbekannt waren.

Die Goldinvestoren sind zurzeit mit zwei Szenarien konfrontiert: Entweder haben die Goldminenaktien einen massiven Goldpreisrückgang korrekt eingepreist – in diesem Fall wären die Papiere fair bewertet – oder es wurde eine Goldkorrektur eingepreist, die sich schlicht nicht bewahrheiten wird. Im letzteren Fall wären Goldminenaktien massiv unterbewertet.

Sollten die Goldminenaktien mit ihrer Prognose richtig liegen, müsste Gold eine Korrektur durchlaufen. Und wenn diese stattfinden würde, wären die Minenfirmen dazu gezwungen, weltweit Goldförderstätten stillzulegen.

Die Goldminenfirmen weisen zurzeit Preise auf, die der Annahme zu Grunde liegen, dass die Zentralbanker Däumchen drehen werden, während die Weltwirtschaft vollständig abfackelt – und das wäre nun wahrlich ein beispielloser Vorgang in der Geschichte der Fiatwährungen. Meine Auffassung ist, dass man diese Aktien während der aktuellen Panikverkäufe erwerben sollte.

Die vorherrschende Meinung unter den Keynesianern ist, dass die Austeritätsmaßnahmen, die in Europa ergriffen wurden, um einen vollständigen Zusammenbruch der Währung und des Anleihemarkts zu verhindern, die Ursache für die aktuelle Rezession sind. Doch die Rezession dem Umstand anzulasten, dass eine insolvente Regierung letzten Endes gezwungen ist, ihre Schulden zu reduzieren, ist so, als würde man den Kater am Morgen damit begründen, dass man irgendwann in der Nacht das Saufgelage beendet hat.

Aktuell gibt es eine Riesendiskussion darüber, ob die Industrieländer eine Austeritätspolitik verfolgen oder nicht eher die Staatsausgaben erhöhen sollten, um die Nachfrage anzuheizen und einen vollumfänglichen Wirtschaftszusammenbruch zu verhindern. Robert Reich, einst US-Arbeitsminister und aktuell Professor für Staatswesen an der University of California, veröffentlichte kürzlich eine Kolumne mit dem Titel „Wir sollten die Austerität in Europa nicht nachahmen“. In dieser Kolumne behauptet Reich, dass die USA die Rezession

„der Austeritäts-Ökonomie anlasten sollten – der bizarren Auffassung, dass wirtschaftliche Abschwünge das Ergebnis exzessiver Verschuldung sind, weshalb die Regierung die Ausgaben kürzen sollte … Eine hohe Verschuldung mit schnellerem Wachstum ist einer kleineren Verschuldung bei Nullwachstum vorzuziehen. Und es ist bedeutend besser als eine kleinere Verschuldung bei schrumpfender Wirtschaft.“

Reich und all jene, die wie er die Austerität diffamieren, ignorieren jedoch die Tatsache, dass die Investoren, die Staatsschulden der europäischen Peripherieländer halten, diese Märkte bereits für insolvent erklärt haben. Die drastisch steigenden Anleihezinsen in Südeuropa und Irland sind ein deutlicher Hinweis darauf, dass ihre Schulden/BSP-Verhältnisse bereits das Niveau überschritten haben, wo die Investoren noch davon ausgehen, dass die Schulden mithilfe der Steuereinnahmen bewältigt werden können.

Ist die Staatsverschuldung erst einmal auf ein Niveau gestiegen, wo die Rückzahlung nicht mehr möglich ist, muss das Land per Definition die Zahlungsunfähigkeit erklären – entweder durch Schuldenrestrukturierung oder Hyperinflation.

Wenn wir hier einmal das unwahrscheinliche Szenario zu Grunde legen, dass der Anleihemarkt mit seiner Einschätzung tatsächlich komplett daneben liegt, würde eine drastische Reduzierung der Staatsausgaben den Ländern die einzige ihnen noch verbliebene Chance bieten, eine Niederlage und die Implementierung einer Insolvenz-Strategie zu vermeiden.

Wenn die Regierungen in der Lage sind, ihre Haushalte umgehend auszugleichen und das Niveau nominell ausstehender Schulden abzusenken, besteht Aussicht darauf, das Vertrauen der Investoren in den Anleihemarkt wiederherzustellen und das Vertrauen in den Euro zu stärken. Überdies böte es die Hoffnung, dass der Privatsektor die vorherige Abhängigkeit von den Staatsausgaben rasch kompensiert.

Die Keynesianer müssen begreifen, dass es das hohe Niveau der (von willfährigen Zentralbanken gestützten) Staatsausgaben ist, das überhaupt erst zur Explosion des Schulden/BSP-Verhältnisses führt, bis ein Punkt erreicht wird, an dem die Regierungen als insolvent erachtet werden.

Die Regierungen haben ja es ja bereits mit exzessiver Überschuldung und exzessiven Ausgaben versucht, und es hat nicht funktioniert. Wie kann man angesichts dessen davon ausgehen, dass eine weitere Zunahme der Staatsverschuldung – wobei das Meiste aus dem Nichts gedruckt wird – das Problem lösen kann?

Ausgaben des Staatssektors führen nicht zu Wirtschaftswachstum, sondern erhöhen lediglich die Schuldenlast und somit das Schulden/BSP-Verhältnis. Weitere Staatsausgaben – oder Investitionen, wie sie es zu nennen pflegen – garantieren lediglich, dass der Anleihemarkt mit seinem Urteil, dass die europäischen Staaten bankrott sind, völlig richtig liegt.

Durch eine zusätzliche staatliche Kreditaufnahme wird nicht nur die Staatsverschuldung erhöht, sondern es wird dem Privatsektor noch mehr Geld gestohlen, das anderenfalls zum Abbau der drückenden Privatverschuldung genutzt oder im Privatsektor investiert würde – dem einzigen Wirtschaftssektor, der Wachstum stützen kann.

Überdies würde eine Ausweitung der Staatsverschuldung dazu führen, dass die Europäische Zentralbank noch mehr Geld druckt und noch mehr Inflation schafft – was mit einer zusätzlichen Reduzierung des Wirtschaftswachstums und des Lebensstandards einhergeht.

Die traurige Wahrheit ist, dass die Austerität in Europa so oder so Einzug halten wird – sei es nun freiwillig oder weil den Europäern die Austerität von den Kräften des internationalen Anleihemarkts aufgezwungen wird. Eine freiwillig implementierte Austeritäts-Strategie böte Europa (und den anderen Industrieländern) die einzige Chance, bevor es zur Zahlungsunfähigkeit kommt.

Im Vergleich zu Europa verfügen Japan und die USA über bessere Möglichkeiten, dafür zu sorgen, dass die Austeritätsmaßnahmen auch funktionieren, da am US-amerikanischen und japanischen Anleihemarkt zurzeit Ruhe herrscht, und das trotz der Tatsache, dass die Schulden/BSP-Verhältnisse beider Länder bedeutend schlimmer sind als die der Euroländer. Die 17-Euroländer haben ein Schulden/BSP-Verhältnis von 87%, während das der USA bei 103% und das von Japan bei 230% liegt.

Das Entscheidende ist, dass es sich bei der Austerität um den marktbasierten Mechanismus handelt, um Jahrzehnte verschwenderischer Regierungsausgaben anzugehen. Sich einfach noch ein paar Drinks reinzupfeifen, um den danach einsetzenden Kater hinauszuzögern, ist keine sonderlich gute Strategie. Reich und der Rest der Keynesianer sollten sich endlich eingestehen, dass es weder Menschen noch Regierungen möglich ist, auf immer und ewig besoffen zu sein.

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