Finanz-Crash in der Eurozone: Warum die weltweiten Finanzmärkte einbrechen und Gold steigt

Die Wirtschaft in der Eurozone rutscht jetzt zusehends in eine deflationäre Depression ab, und die Situation wird sich mit Sicherheit weiter verschärfen. Der Goldpreis weist darauf hin, dass die Zentralbanken eine neue gigantische Gelddruckorgie einleiten werden, um der chaotischen Lage noch irgendwie Herr zu werden

Michael Pento, King World News, 03.06.2012

Die meisten Investoren und Marktbeobachter erliegen bezüglich der wahren Ursachen für das Kränkeln der Weltwirtschaft nach wie vor einer Fehleinschätzung: Das grundlegende Problem sind nicht etwa „Unsicherheiten“ oder all die anderen seitens Wall Street und der Politiker kolportieren Plattitüden – die Wahrheit ist, dass wir es hier mit massiven Zahlungsausfällen bei den Schulden zu tun haben (wenn die Zentralbanken zuließen, dass diese Papiere ehrlich abgeschrieben würden), die von Natur aus deflationär wirken.

Die Schuldenausfälle vernichten die Vermögenswerte der Privatinvestoren und radieren das Kapital der Finanzinstitutionen aus. Ohne eine adäquate Kapitalausstattung sind die Banken aber überhaupt nicht in der Lage, neue Kredite zu vergeben und die Geldversorgung auszuweiten, was zum Platzen der Blasen führt.

Wall Street war eine ganze Weile von der lächerlichen Idee überzeugt, dass die USA und China von der Kernschmelze der zweitgrößten Wirtschaft des Planeten, der Europäischen Union, verschont bleiben würden. Die Wirtschaftsdaten der letzten Wochen dürften dieser Idee jedoch endgültig den Garaus gemacht haben.

Der Arbeitsmarktbericht der US-Regierung für nicht in der Landwirtschaft beschäftigte Arbeitnehmer wies aus, dass in den USA im Mai lediglich 69.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden, während die offizielle Arbeitslosenrate auf 8,2% stieg. Der besorgniserregendste Aspekt des Berichts ist jedoch, dass in den USA im außerordentlich wichtigen Fertigungsbereich weitere 15.000 Arbeitsplätze verlorengingen.

Das US-BSP weist eine schwache Wachstumsrate von 1,9% aus, während die US-Eigenheimpreise weiter fallen und innerhalb der vergangenen 12 Monate um weitere 2% zurückgingen. Der chinesische Einkaufsmanagerindex brach im Mai scharf ein und sank von 53,3 Punkten im April auf 50,4 Punkte. Der Einkaufsmanagerindex der Eurozone steht zurzeit bei alarmierenden 45,1 Punkten und liegt somit weit unter der Marke, die auf Wirtschaftswachstum hinweist.

Die weltweiten Märkte schlagen jetzt die Alarmglocken bezüglich einer sich rasch intensivierenden Deflation. Die Rohstoffpreise wie der Ölpreis und der Kupferpreis sind im freien Fall, während es auch die Aktienwerte mit nach unten zieht.

Der japanische Leitindex Nikkei musste alleine im Mai 10% abgeben – das ist der schlimmste Monat der vergangenen zwei Jahre! Aber Japan steht mit Sicherheit nicht alleine da. Der Shanghai Composite ist im Jahresvergleich um rund 20% eingebrochen. Der spanische Leitindex IBEX stürzte im selben Zeitraum um fast 50% in die Tiefe, während die Verluste bei italienischen Aktien bei 45% und bei griechischen Aktien bei über 60% lagen.

Der einzige Markt, der von dem Gemetzel bisher verschont geblieben ist, ist der US-amerikanische, der im Jahresvergleich mehr oder weniger unverändert notiert. Nichtsdestotrotz hat der weit gefasste US-amerikanische Aktienindex S&P 500 innerhalb der letzten 30 Tage fast 10% abgeben müssen, und gesellt sich nun der Talfahrt der anderen Leitindizes bei.

Der wahre Grund, warum die weltweiten Märkte einbrechen, ist die Tatsache, dass die Eurozone gegenwärtig immer schneller in eine deflationäre Depression abrutscht. Noch schlimmer: Die Lage wird sich mit Sicherheit noch bedeutend verschärfen.

Nehmen wir beispielsweise das negative BSP-Wachstum von Portugal und seine Arbeitslosenrate von 10% in 2010. Zu jener Zeit rentierte die fünfjährige portugiesische Staatsanleihe gerade einmal 3%. Heute liegt die Arbeitslosenrate Portugals bei 15% und des BSP ist das sechste Quartal in Folge gesunken. Es ist völlig offenkundig, dass die portugiesische Wirtschaft nicht überleben kann, jetzt wo die Rendite für die fünfjährige Staatsanleihe das gesamte vergangene Jahr bei rund 15% lag!

Das ganze Gemetzel nahm seinen Anfang, als die irischen und südeuropäischen Banken aufgrund von faulen Immobilienkrediten in die Insolvenz abrutschten. Die Staaten hatten sich daraufhin für die Bankenrettung derart viel Geld geliehen, dass sie mittlerweile selber insolvent sind. Und jetzt sind die Banken abermals pleite … dieses Mal, weil sie die Schulden der Pleiteländer halten, die ihnen durch das LTRO-Programm der Europäischen Zentralbank aufgezwungen wurden.

Also: Wir haben jetzt eine Situation, wo insolvente Länder versuchen insolvente Banken zu retten, indem sich die insolventen Länder noch mehr Geld leihen. Dies hat natürlich zur Folge, dass die Länder nur noch stärker in die Pleite abrutschen werden. Überdies werden die Banken natürlich gebeten, die Kreditkosten der Länder abzusenken, indem sie noch mehr Schulden der Pleitestaaten aufkaufen. Hört sich das etwa nach einem Plan an, der gut ausgehen wird?

Und ob Sie es nun glauben oder nicht, genau das wird zurzeit als Wundermittel gepriesen, mit dem Europa gerettet werden soll. Wenn dieser Plan erst einmal gescheitert ist, kann man davon ausgehen, dass die Europäische Zentralbank, die US-Notenbank Federal Reserve und die japanische Zentralbanken eine weitere gigantische Gelddruckorgie starten werden.

Mit jeder weiteren schlechten Wirtschaftsmeldung kommen wir dem neuerlichen Geldregen ein Stückchen näher. Das ist auch der Grund, warum Gold am Freitag um USD 65 pro Unze in die Höhe schoss. Gold signalisiert zurzeit, dass die Hubschrauber mit den Geldkoffern bereits am Horizont zu sehen sind.

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