Auf Sand gebaut: Der Wirtschafts-Crash ist kein singuläres Ereignis

Der globale Wirtschafts-Crash ist kein Hollywood-Blockbuster, der nach kurzer Zeit wieder vorbei ist, sondern eine in mehreren Wellen stattfindende extrem schmerzliche Entwicklung. Die nächste Welle dürfte in Europa ihren Ausgang nehmen

Michael Snyder, The Economic Collapse, 11.06.2012

Viele Leute bauschen den „kommenden Wirtschaftszusammenbruch“ auf, als handele es sich dabei um eine Art Hollywood-Blockbuster. Es gibt eine Unmenge an Leuten, die über den globalen Wirtschaftszusammenbruch schreiben, als würde er innerhalb eines Tages oder weniger Wochen vorbei sein und die Art, wie die Welt funktioniert, schlagartig vollständig auf den Kopf stellen. So funktioniert die Finanzwelt aber nicht.

Die Finanzwelt ist eher wie ein Schachspiel – alles geht sehr langsam und methodisch vonstatten. Sicherlich gibt es auch Zeiten, wo sich die Dinge überschlagen wie in 2008, aber selbst diese Krise brauchte eine ganze Reihe von Monaten.

Bedauerlicherweise sind die meisten Amerikaner nicht daran gewöhnt, in Monaten oder gar Jahren zu denken. Heutzutage verfügen die meisten Amerikaner über die Aufmerksamkeitsspanne eines Goldfischs und wurden so trainiert, dass sie für alles umgehend eine Belohnung bekommen müssen. Sie sind es einfach nicht gewöhnt, Geduld zu üben und die Entwicklungen abzuwarten.

Und trotz all der Dinge, die Sie bereits dazu gelesen haben, wird es sich beim Wirtschaftszusammenbruch nicht um ein singuläres Ereignis handeln. Der Zusammenbruch wird sich über mehrere Jahre hinziehen. In vielerlei Hinsicht machen wir den Wirtschaftskollaps aktuell bereits durch.

Wenn die nächste große Finanzkrise einsetzt, wird das von vielen als „ein Wirtschaftszusammenbruch“ bezeichnet werden, doch wer wirklich verstehen will, was uns gegenwärtig eigentlich widerfährt, muss langfristig denken.

Wir befinden uns jetzt auf direktem Wege in einen vollständigen Albtraum, aber es wird einige Zeit brauchen, bis das Ganze vorbei ist. Ja, es wird mit Sicherheit extrem chaotische Phasen geben. Die Finanzkrise des Jahres 2008 war eine solche Phase.

Die Finanzkrise des Jahres 2008 hat uns aber nicht komplett vernichtet. Und bei der nächsten Krise wird das ebenfalls nicht der Fall sein. Ich denke, es ist hilfreich, wenn wir uns die Ereignisse eher als eine Serie von Wellen vorstellen.

Wenn man sich am Strand eine wunderschöne Sandburg baut, wird sie ja auch nicht gleich von der ersten Welle vernichtet. Es ist eher so, dass die erste Welle die Sandburg destabilisiert und die darauffolgenden Wellen dann Stück für Stück abtragen. Und genau das erleben wir gerade.

Die Finanzkrise des Jahres 2008 war eine Welle. Das Epizentrum der nächsten großen Finanzkrise wird in Europa sein, und das ist dann die nächste Welle.

Für viele wird sich die nächste Finanzkrise wie das „Ende der Welt“ anfühlen, aber es wird nicht das Ende sein. Es wird eine Welle nach der anderen aufschlagen, und jede dieser Wellen wird schlimmer sein als die vorangegangene.

Die Wellen werden in immer kürzeren Zeitabständen kommen, während sie an Intensität zulegen. Das ist vielleicht mit Geburtswehen vergleichbar. Aber genauso wenig wie sich diese Probleme über Nacht aufbauen, werden sie über Nacht wieder verschwinden.

Es gibt viele Leute, die über den kommenden Wirtschaftszusammenbruch schreiben und dabei andeuten, dass wir ihn einfach stattfinden lassen sollten, damit die „Erholung“ einsetzen kann. Bedauerlicherweise ist es aber nicht ganz so einfach.

Die USA brauchten Jahrzehnte, um eine Staatsverschuldung von fast USD 16 Billionen anzuhäufen.
Es dauerte Jahrzehnte, um die wirtschaftliche Infrastruktur der USA auszuweiden und Millionen von Arbeitsplätzen ins Ausland zu verlagern. Diese Probleme plagen uns bereits seit sehr langer Zeit.

Und leider scheint es auch eine Menge Leute zu geben, die sich eine Wirtschafts-Apokalypse wünschen. Sie scheinen zu glauben, dass der Staat auf einmal verschwinden würde, wenn das weltweite Finanzsystem in sich zusammenbricht, und wir dann wieder mit Holzspeeren gegeneinander antreten. Nun ja, das wird ganz einfach nicht passieren.

Genauso wenig wird einem die US-Regierung beim Überleben helfen, wenn die Situation richtig eskaliert. Die Bundesregierung dürfte sich dann aller Vorausschau nach sogar noch mehr Macht aneignen, um zu versuchen, „die Ordnung wieder herzustellen“.

Und auch die Regierungen Europas werden nicht verschwinden. Europa könnte langfristig sogar noch stärker „föderalisiert“ werden, selbst wenn es kurzfristig zu einem Auseinanderbrechen des Euros kommt.

Viele Leute scheinen zu glauben, dass sie durch den Zusammenbruch des alten Systems die Möglichkeit bekommen, beim Aufbau eines neuen Systems mitzuhelfen. Auch das wird nicht passieren. Die Strippenzieher haben ihre ganz eigenen Vorstellungen davon, welche Maßnahmen notwendig sind.

Bisher haben die Machthaber noch nie eine gute Krise ungenutzt verstreichen lassen, und sie werden mit Sicherheit versuchen, jede einzelne Krise dazu zu nutzen, die Welt noch stärker nach ihren eigenen Vorstellungen zu formen – und Milliarden von Menschen werden dann darunter zu leiden haben.

Am Ende werden wir eine beispiellose Situation vorliegen haben, und ich gehe davon aus, dass es letztlich bedeutend schlimmer werden wird als die Wirtschaftsdepression der 30er Jahren.

Gerade die USA wird es besonders hart treffen. Die Vereinigten Staaten werden ihre Position als weltgrößte Wirtschaftsmacht verlieren und der US-Dollar wird seine Rolle als Weltreservewährung einbüßen.

Und wer nun glaubt, dass die Arbeitslosenzahlen während der letzten Rezession schlimm gewesen sind, hat noch gar nichts gesehen. In den USA steht den Menschen der absolute Arbeitslosen-Albtraum bevor. Die offizielle Arbeitslosigkeit wird weit in den zweistelligen Prozentbereich jagen.

Die Regierung wird daraufhin eine Vielzahl von Maßnahmen ausprobieren, um die Probleme „zu lösen“, und einige dieser Maßnahmen werden vielleicht sogar begrenzt Erfolg haben. Doch die schuldengetriebene Prosperität, die alle von uns so genossen haben, wird auf alle Fälle vorbei sein.

Viele amerikanische Gemeinden werden sich in verrottende Kloaken verwandeln. In den Großstädten wird es zu Aufständen und Bürgerunruhen kommen. Kriminalität und Plünderungen werden explodieren und allgegenwärtig sein. Es wird einem so vorkommen, als bräche die Gesellschaft auseinander. Die US-Regierung wird darauf dann wahrscheinlich mit immer autoritäreren Maßnahmen reagieren – und das wird dann richtig gruselig werden.

Aber all diese Entwicklungen brauchen ihre Zeit. Aktuell ist die Lage nicht so gut wie vor fünf Jahren. In ein paar Jahren wird die Lage noch schlimmer sein. Viele von uns werden dann zurückblicken und sich wünschen, in die „guten alten Tage“ von 2011 und 2012 zurückkehren zu dürfen.

Wir befinden uns im Niedergang, und das wird nicht aufhören. Es wird auch kleine trügerische Hoffnungs-Blasen geben, so wie dies gegenwärtig ebenfalls der Fall ist, doch werden sie auch recht schnell wieder geplatzt sein.

Und nur weil die Wirtschaft zusammenbricht, heißt das ja noch lange nicht, dass das Leben auf einmal vorbei ist. Viele, die sich heute fleißig auf den Wirtschaftskollaps vorbereiten, werden davon selbst inmitten all des Chaos noch profitieren können.

Wenn die Lage am düstersten ist, wird das Licht am dringendsten gebraucht. Sie sollten jetzt den Entschluss fassen, in diesen Zeiten ein solches Licht zu sein. Sie können sich dafür entscheiden, sich von den uns bevorstehenden Entwicklungen vernichten zu lassen, oder sie entscheiden sich dafür, daraus das größte Abenteuer Ihres Lebens zu machen. Das liegt allein bei Ihnen.

Weitere Artikel zu diesem Thema