Heißer Sommer in der Eurozone: Chaos & Kapitalverkehrskontrollen

Jeff Berwick, The Dollar Vigilante, 14.06.2012

Es sieht ganz danach aus, als würde es in Europa nun zum nächsten heißen Sommer kommen. Bis auf weiteres sollten wir hier bei The Dollar Vigilante unser Logo ändern.

Die aktuelle Liquiditätskrise im Süden der Eurozone greift immer weiter um sich. Seit geraumer Zeit laufen bei den griechischen und spanischen Banken bereits stille elektronische Bank-Runs. Und auch in Italien scheint die Lage angespannt.

Und jetzt kommt auch noch ein weiterer Aspekt hinzu, der von den Medien unseres Wissens nicht aufgegriffen wird. Pierre J., ein TDV-Leser aus Frankreich, erklärte uns, dass die französischen Banken praktisch überall im Land die Bargeldabhebungen einschränken würden. Laut Pierre verlangen die Banken nun, dass man fünf Tage zuvor Bescheid gibt, wenn man EUR 2.000 abheben will.

Pierre hat uns auch das nachfolgende Foto von der Caisse d´Epargne geschickt:

Vor einem Jahr hatten die Banken bereits erklärt, dass man Abhebungen von EUR 1.500 Euro zwei Tage vorher ankündigen muss. Jetzt fordern sie das Doppelte an Zeit, um ein paar Tausend Euros aufzutreiben.

Laut Pierre gibt es einige Bankfilialen wie bei der Caisse d´Epargne, die nachmittags überhaupt keine Auszahlungen mehr durchführen. Andere wie BRED haben Abhebelimits von EUR 500, wie das folgende, gestern geschossene Foto zeigt:

Ferner sagte Pierre, dass die Lage in Frankreich bereits seit einigen Monaten ziemlich schlecht ist. Vor vier Monaten ging ein Vorgesetzter von ihm zu SocGen im 8. Pariser Distrikt, um EUR 1.000 abzuheben, woraufhin er dann mit der Frage gegängelt wurde, wofür er dieses Geld denn brauchen würde.

Laut Pierre wird die ganze Thematik von der französischen Mainstream-Propaganda totgeschwiegen.

Uns erreichte auch die Zuschrift eines anderen TDV-Abonnenten. Shaun G., der gerade in Frankreich seinen Sommerurlaub verbringt, schrieb uns gestern:

„Ich habe gestern den Zug von Paris nach Versailles genommen, und er war voll mit französischen Militärs, die schwere Maschinengewehre dabei hatten. Die Einheimischen sagten auf Französisch, dass ´das nicht normal ist`.“

Heute meldete er sich noch einmal aus Frankreich zurück:

„Gestern gab es noch mehr Typen mit Sturmgewehren in Gare de Lyon [Bahnhof in Paris], und noch mehr schockiert dreinblickende Franzosen. Zwei Tage, und an beiden Tagen eine Vielzahl an bedrohlich aussehenden Waffen. Sollte es diesen Sommer zu Unruhen kommen, dann, so scheint es, geht die Regierung davon aus, dass sie in Paris stattfinden werden. Es scheint, als hätte die Regierung Angst. Das dürfte ein interessanter Sommer werden.“

In den Massenmedien konnten wir hierzu nichts finden, was uns aber nicht weiter wundert.

Kapitalverkehrs- und Reisekontrollen

Die Irish Times meldete am 12.06.2012:

„Die europäischen Finanzbeamten haben über Abhebebeschränkungen an Geldautomaten, die Durchführung von Grenzkontrollen und die Implementierung von Kapitalkontrollen in der Eurozone diskutiert, sollte es zum schlimmstmöglichen Szenario kommen und Athen sich entschließen, den Euro zu verlassen.“

Die Abhebebeschränkungen an den Geldautomaten sind im Süden Europas ja bereits eine vollendete Tatsache. Die Regierungen haben unmissverständlich zu erkennen gegeben, dass sie bereit sind, unschuldige Menschen aufzugreifen, die sich im Netz des nächsten staatlich verursachten Zusammenbruchs verheddern – und Kapital- wie auch Reisekontrollen durchführen würden.

Es gibt sogar einen Devisenhändler, der aufgrund der am 17.06.2012 stattfindenden griechischen Wahlen garnicht erst aufmacht. OANDA fxTrade erklärte in einer Stellungahme:

„Aufgrund der extremen Volatilität, die wie einige Marktanalysten vorhersagen in den kommenden Tagen zum Tragen kommen könnte, wird OANDA fxTrade am Sonntag d. 17.06.2012 von 6:00 Uhr bis ungefähr 15:00 Uhr keinerlei Handelsaktivitäten akzeptierten. Wir gehen davon aus, dass ein bedeutendes Marktereignis während der Stunden, wo die Märkte geschlossen sind, ein potentielles Trading-Risiko darstellt, weshalb wir diese seltene Maßnahme ergriffen haben, um unsere Händler vor exzessiven Kursschwankungen zu schützen.“

Es könnte durchaus sein, dass sich die Lage nach den griechischen Wahlen am 17.06.2012 wieder beruhigen wird. Gegenwärtig scheint keine der großen griechischen Parteien daran interessiert zu sein, die Zahlungsunfähigkeit auszurufen und aus der Eurozone auszusteigen.

Stattdessen dürfte es am Ende wohl irgendeine Art von Rettungspaket geben. Das ist fast immer der Fall, wenn die Politiker mit den folgenden zwei Entscheidungen konfrontiert werden:

A) Die Erklärung der Zahlungsunfähigkeit auf Schulden: In einem eingeschränkten, unfreien Markt rutschen die faschistischen Banken dann in die Pleite ab, während die Mehrheit der Bevölkerung im Rahmen dieses Prozesses ihre Ersparnisse verliert. Dies führt zu Chaos auf den Straßen und die Menschen fordern, dass Köpfe rollen.

B) Geld drucken, um eine Rettung durchzuführen oder selbst gerettet zu werden: Auf diese Art lässt sich der ganze Müll noch ein wenig länger aufrecht erhalten – alles in der Hoffnung, dass sich der hyperinflationäre Kollaps solange verhindern lässt, bis die aktuellen Politiker und Banker bereits lange aus dem Amt sind und die Schuld jemand anderem in die Schuhe geschoben werden kann.

Die Politiker werden sich immer für Option B entscheiden. Das Problem ist nur, dass Griechenland dieses Mal nicht in der Lage ist, sein eigenes Geld zu drucken – aber die Anreize für die Akteure sind nach wie vor dieselben.

Eine Pleite Griechenlands würde zu einer Pleite Spaniens und diese wiederum zu einer Pleite Italiens führen usw. Dies hätte zur Folge, dass die unter Punkt B aufgeführten Aspekte auf einmal überall gleichzeitig stattfänden.

Es geht also darum, Zeit zu schinden. Der griesgrämige und lächerliche Keynes sagte diesbezüglich: „auf lange Sicht sind wir alle tot.“

Ein ungleich intelligenterer Mensch, Ludwig von Mises, hatte hierzu jedoch etwas Passenderes zu sagen:

„Die Bewertung einer Geldeinheit hängt nicht mit dem Reichtum eines Landes zusammen, sondern mit der Beziehung zwischen der Menge des Geldes und der Nachfrage nach diesem Geld. Somit kann selbst das reichste Land eine schlechte Währung haben und das ärmste eine gute.“

Mehr Rettungen bedeuten mehr Währung. Und eine erhöhte Geldversorgung bedeutet, dass das Geld weniger wert sein wird – und genau das dürfte wohl auch der Weg sein, den der Euro beschreiten wird, bis er am Ende seinen inhärenten Wert erreicht hat.

Chaos

Angesichts der Tatsache, dass gegenwärtig derart viele Variablen im Spiel sind, kann und wird natürlich allesmögliche passieren. Daher ist es auch vernünftig, das zu tun, was wir bei TDV bereits getan haben – nämlich vornehmlich in harte Vermögenswerte zu investieren, diese durch geopolitische Diversifizierung vor dem politischen Diebstahlrisiko zu schützen und darauf zu achten, dass die eigenen Vermögenswerte „das Ende des Geldsystems, so wie wir es heute kennen“, möglichst unbeschadet überstehen.

Überdies würden wir davon abraten, die nächsten paar Jahre in einer der großen europäischen oder US-amerikanischen Städte zu leben, sofern dies möglich ist.

All jene, die sich zurzeit nicht in Europa aufhalten, sollten aufmerksam mitverfolgen, wie die Sache dort ausgeht. Abhebebeschränkungen an Geldautomaten, Bankenfeiertage, Kapitalkontrollen oder gar Reisebeschränkungen werden bald auch in den USA und anderen westlichen Ländern zu beobachten sein. Es ist daher ratsam, die Entwicklung in Europa als Gelegenheit aufzufassen, dazuzulernen und sich auf diese Unvermeidlichkeit entsprechend vorzubereiten.

Wie heißt es seitens der Etatisten immer so schön: Eine Welt ohne Herrscher mit Gewaltmonopol wäre eine Welt des Chaos. Und während ein bedeutender Teil Europas in den kommenden Jahren niederbrennen wird, sollten wir immer daran denken, dass der Staat für diese Entwicklung die Verantwortung trägt.

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