Durchaus möglich: USD 10.000 Gold

Dan Amoss, Daily Reckoning, 02.06.2012

Ja, es gibt tatsächlich ein plausibles Szenario für einen Goldpreis von USD 10.000 pro Unze, und dafür bedarf es nicht einmal eines Zusammenbruchs der Gesellschaft.

Die Spekulanten erachten die Zentralbanker ja als Superhelden, die in der Lage sind, die Märkte mit einem einzigen Satz, einer einzigen Aussage beeinflussen zu können. Aus Sicht der meisten Investoren könnten Ben Bernanke, Mario Draghi und Masaaki Shirakawa genauso gut Umhänge und Masken tragen, so wie es sich für Superhelden gehört. Diese Superhelden-Zentralbanker intervenieren fortwährend in den Finanzmärkten, um Markteinbrüche zu vermeiden und sicherzustellen, dass die Märkte stets Profite abwerfen.

In Wahrheit handelt es sich bei diesen Superhelden aber um Betrüger. Wenn wir hier mal von der Macht der Massenhypnose absehen, haben sie keinerlei übernatürliche Fähigkeiten. Die Macht von Mario Draghi und den anderen europäischen Zentralbankern schwindet zusehends.

Die überschüssigen Schulden verwandeln sich in Giftmüll: Mit jeder neuen Gelddruckmaßnahme nehmen die positiven Wirkungen auf die Märkte weiter ab. Und wie heißt es so schön: „Das ist ein Solvenzproblem und kein Liquiditätsproblem.“

Mit anderen Worten: Eine erneute Geldmengenausweitung kann nicht dazu beitragen, die Gesundheit der Ramsch-Kredite und Staatsanleihen wiederherzustellen. Das einzige Mittel, mit dem die Solvenz des Systems wiederhergestellt werden könnte, ist, die Deflation und die Wirtschaftsabschwächung zuzulassen und die Schulden im System mithilfe massenhafter Pleiten auszulöschen.

Gibt es noch einen anderen Weg? Gibt es einen „Neustart-Knopf“, den die Zentralbanker (mit Rückendeckung der politischen Führer) drücken könnten, um das Gleichgewicht im System wiederherzustellen?

Wie wir wissen, würden die Zentralbanker eine Deflation und Abschwächung der Wirtschaft oder einen Zusammenbruch des Werts der Schulden niemals zulassen, da dadurch auch das Bankensystem vernichtet würde. Und was ist mit der Ausweitung der Geldmenge, um den Wert der Schulden immer stärker zu verwässern, am besten alles im Rahmen einer einmaligen groß angelegten Maßnahme?

Zurzeit wird der Wert der Schulden nur ganz langsam verwässert, was die Zentralbanker dadurch bewerkstelligen, dass sie die Zinssätze unter der Inflationsrate halten. Einige bezeichnen dieses Vorgehen als Finanz-Repression. Es ist eine informelle geldpolitische Strategie, die zahlreiche negative Auswirkungen hat.

Doch angesichts der Tatsache, dass bisher alle Versuche, das gegenwärtige System mithilfe neuer Kredite und frischen Geldes zu reparieren, gescheitert sind, stellt sich in der Tat die Frage nach einer Alternative.

Wie wäre es mit dem klassischen Goldstandard – also dem System, das unter allen bisher erprobten die wenigsten Fehler aufweist? Jedes Land könnte seine Währung an einen individuellen Goldpreis koppeln, der bei den Bankenreserven immer noch ein ausreichend starkes Wachstum erlaubt und so die Last der staatlichen und privaten Verschuldung massiv reduzieren würde.

Würde man eine Währung wie den US-Dollar zum aktuellen Goldpreis von rund USD 1.550 pro Unze an das gelbe Metall koppeln, wäre das jedoch außerordentlich unvorteilhaft, da es beim völlig überschuldeten Bankensystem keinen Fremdkapitalabbau zur Folge hätte. Würde man den Dollar hingegen im Bereich von USD 10.000 pro Unze an Gold koppeln, würde ein solcher Fremdkapitalabbau erreicht werden.

Die Hedge-Fonds-Manager Lee Quaintance und Paul Brodsky von QB Asset Management veröffentlichten im Juni dieses Jahres einen faszinierenden Artikel, in welchem die mit einer Wiedereinführung von Gold einhergehenden Chancen und Vorteile beschrieben werden. Im Rahmen dieses Prozesses käme überdies etwas zum Tragen, das man auch als eine Art Schuldenerlass bezeichnen könnte.

„Aus technischer Sicht wäre eine politisch gesteuerte Monetisierung der Vermögenswerte ein Leichtes. Nehmen wir beispielsweise die USA: Die US-Notenbank würde vom US-Finanzministerium Gold zu einem festgelegten Preis kaufen, der weit über dem aktuellen Goldpreis liegt. Umso höher der Preis, desto größer fiele die dadurch geschaffene Geldbasis aus und desto mehr Staatsschulden würden dadurch ausgelöscht.

Würde der Goldpreis über diesen Mechanismus um das Acht- bis Zehnfache angehoben, hätte dies zur Folge, dass dadurch alle bestehenden Dollar-Einlagen bei den Banken vollständig goldgedeckt wären. Es käme also zu einem vollumfänglichen Fremdkapitalabbau des Bankensystems.“

Im Folgenden finden Sie eine Grafik, aus der hervorgeht, wie eine Remonetisierung von Gold aussehen würde. Die gelbe Linie, die den aktuellen Goldpreis darstellt, würde zügig zur blauen Linie aufschließen. Die blaue Linie, der „Schatten-Goldpreis“, würde mit fortwährendem Wachstum der Geldmenge ebenfalls weitersteigen.

Der „Schatten-Goldpreis“ von QB Asset Management wird berechnet, indem man die US-Geldbasis durch die offiziellen US-Goldreserven teilt. Und da die politischen Entscheidungsträger immer den Drang verspüren, irgendetwas kontrollieren zu müssen, dürfte ihnen dieses Vorgehen sicherlich gefallen, da es sich hierbei um genau dieselbe Formel handelt, die auch unter dem Bretton Woods System zum Einsatz kam – nur dass der US-Dollar zu jener Zeit noch mit USD 35 pro Unze an Gold gekoppelt war.

Mit anderen Worten: Der Schatten-Goldpreis ist der theoretische Goldpreis, der sich aus einer Goldbindung des Dollars ergibt, nachdem die US-Notenbank die Geldmenge auf ein Niveau ausgeweitet hat, das ausreicht, um die systemischen Verbindlichkeiten der Banken abzudecken.

Auf diese Art würde man den wirtschaftsschädlichen Auswirkungen der Schulden aus dem Weg gehen – Schulden, die seit der Schließung des Goldfensters durch Präsident Nixon immer stärker aufgetürmt worden sind.

Die schuldenbasierte Währung würde so in eine rohstoffgedeckte Währung verwandelt werden. Und dann würde auch niemand mehr die unangenehme Frage stellen, wodurch der Dollar eigentlich gedeckt wird – eine Frage, die ja bekanntlich zu noch viel unangenehmeren Fragen führt.

Aktuell wird der US-Dollar durch US-Staatsanleihen gedeckt, die sich in der Bilanz der US-Notenbank wiederfinden. Diese Staatsanleihen werden wiederum durch den Dollar gedeckt, der wiederum durch den Glauben an Fiatgeld gedeckt wird. Kurzum: Der Dollar wird zurzeit durch überhaupt nichts gedeckt!

Würde man Gold, wie von QB Asset Management vorgeschlagen, zu einem bedeutend höheren Goldpreis remonetisieren, würden dadurch natürlich bestimmte Parteien Verluste einfahren – doch im Gegensatz zu den meisten anderen politischen Vorschlägen, die uns in jüngster Zeit offeriert worden sind, scheinen durch diese Maßnahme letztlich mehr Probleme gelöst als geschaffen zu werden.

Die Politiker könnten beispielsweise argumentieren, dass es durch diesen Neustart zu einer „realen Wertverschiebung von fremdkapitalfinanzierten Vermögenswerten in Richtung nicht fremdkapitalfinanzierter Waren, Dienstleistungen und Vermögenswerte kommt.“ Gehaltsempfänger stünden im Vergleich zu den Vermögensbesitzern besser da, da „stabile bis höhere nominelle Vermögenspreise noch höherer nomineller Gehälter und Verbrauchsgüterpreise bedürften.“

Bei diesem Szenario ist es von Vorteil, Aktien von Rohstoffproduzenten (speziell Goldproduzenten) zu halten, selbst wenn es einem so vorkommt, als befände man sich in einem deflationären Marktumfeld. Der Goldstandard würde nach einer einmaligen Schuldenmonetisierung dazu führen, dass die Weltwirtschaft ausgeglichener und effizienter arbeitet und gegenüber den heftigen Boom-und-Bust-Phasen weniger anfällig ist.

Und es kommt noch ein weiterer Vorteil hinzu: Man würde die Zentralbanker nicht mehr länger für irgendwelche Superhelden halten! Sie wären einfach bloß Beamte, die die Geldmenge an Gold koppeln und den freien Markt darüber befinden lassen, was Geld kostet. Und das wäre ein echter Gewinn – oder ist die Zentralplanung jemals über einen längeren Zeitraum hinweg in der Lage gewesen, die freien Märkte auszustechen?

Wir können nur hoffen, dass die weltweiten Zentralbanker über einen Lösungsvorschlag wie den von QB Asset Management angeregten stolpern werden, bevor sie bei der Weltwirtschaft noch mehr Schaden anrichten. Bedauerlicherweise wird sich die Lage der Finanzmärkte, des weltweiten Bankensystems und der Wirtschaften aber wohl noch bedeutend verschlechtern müssen, bevor die Zentralbanker und Politiker über den Tellerand hinausschauen und solche Gedanken überhaupt in Erwägung ziehen.

Im heutigen Marktumfeld scheint ein defensives Portfolio, in dem sich Gold und andere reale Vermögenswerte finden, das richtige Rezept zu sein.

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