Weltweite Wirtschaftsrezession: Wirft die US-Notenbank jetzt USD 1,4 Billionen auf den Markt?

Die globalen Wirtschaftsdaten sind entsetzlich und die weltweiten Zentralbanken sind bereits eifrig dabei, ihre Währungen mithilfe verschiedenster geldpolitischer Werkzeuge zu entwerten. Es ist durchaus denkbar, dass die US-Notenbank jetzt versuchen wird, die bei ihr geparkten Gelder der US-Geschäftsbanken in Höhe von rund USD 1,4 Billionen auszukehren – ein enormer Berg an Geld, der sich in den Märkten aufgrund des Mindestreserve-Bankensystems sogar noch verzehnfachen könnte

Michael Pento, King World News, 08.07.2012

Die Renditen für spanische und italienische Staatsanleihen befinden sich jetzt wieder auf den Niveaus, wo sie vor dem jüngsten EU-Gipfel lagen. Darüber hinaus wissen wir seit Freitag, dass das US-Arbeitsplatzwachstum weiterhin schwach vor sich hindümpelt und netto lediglich 80.000 neue Arbeitsplätze geschaffen wurden.

Der globale Einkaufsmanagerindex ist das erste Mal seit 2009 auf 48,9 Punkte abgestürzt, und die Schwellenmärkte müssen mit anschauen, wie ihre Wachstumsraten einbrechen, während die europäische Wirtschaft immer stärker in die Rezession abrutscht.

Vor diesem Hintergrund ist es dann auch keine Überraschung mehr, dass die Zentralbanken in China, Großbritannien, Europa und Amerika allesamt nahelegen, dass weitere Gelddruckmaßnahmen nun unmittelbar bevorstehen würden.

Fakt ist, dass die chinesische Zentralbank ihren Ausleihesatz für einjährige Kredite jüngst um 31 Basispunkte auf 6% reduziert hat. Die Europäische Zentralbank senkte den Leitzins um 25 Basispunkte auf 0,75%, während sie den Zinssatz für Bankeneinlagen auf 0% setzte.

Die britische Zentralbank hat jetzt wieder mit ihrem Anleiheaufkaufprogramm begonnen – und das obwohl das letzte Aufkaufprogramm erst vor zwei Monaten beendet wurde. Es scheint so, als würde die Bank nun weitere GBP 50 Milliarden an Staatsschulden aufkaufen.

Dank der vergangene Woche veröffentlichten US-Beschäftigungsdaten für Arbeitnehmer im nichtlandwirtschaftlichen Bereich können wir uns jetzt praktisch sicher sein, dass die US-Notenbank Federal Reserve in den nächsten paar Monaten Maßnahmen ergreifen wird, um die Kreditvergabe bei US-Geschäftsbanken anzuheizen.

Es wäre unrealistisch zu glauben, dass der Fed-Chef Ben Bernanke einfach tatenlos dabei zusieht, wie die US-Inflation sinkt, die bedeutenden Marktindizes fallen und das Beschäftigungswachstum stagniert. Natürlich wird er auf den Gedanken verfallen, die Geldversorgung auszuweiten, besonders jetzt, wo die anderen ausländischen Zentralbanken bereits aggressive quantitative Lockerungsmaßnahmen eingeleitet haben und versuchen, den Wert ihrer Währungen abzusenken.

Ich hatte bereits im Juni 2010 erklärt, dass die US-Notenbank in nächster Zeit versuchen wird, die Zinszahlungen für überschüssige Geldreserven einfach auszusetzen. Seit Oktober 2008 zahlt die Fed 0,25% Zinsen auf bei ihr gehaltene Bargeldeinlagen der Geschäftsbanken. Da Bernanke aber Angst vor der Deflation hat, wird er sich letzten Endes dafür entscheiden, alle notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, um die Geldversorgung wieder auszuweiten und diese Gelder zu aktivieren.

Und da der Leitzins bereits bei 0% liegt und die Bilanz der US-Notenbank schon heillos aufgebläht wurde, ist der nächste logische Schritt, dass Bernanke alle Anreize abschafft, die die Banken dazu animieren, ihre überschüssigen Geldreserven nutzlos bei der Fed zu parken. Ja, er könnte sogar Gebühren dafür verlangen, dass die Einlagen bei der Fed geparkt werden, um sicherzustellen, dass er diese Gelder auch los wird!

Diese Maßnahme wäre politisch auch bedeutend einfacher durchzusetzen, als die Bilanz der Fed noch stärker auszudehnen, was sich vornehmlich dadurch begründet, dass die Bevölkerung überhaupt keine Ahnung davon hat, mit welchen inflationären Konsequenzen ein Auskehren der Bankeneinlagen einhergehen würde.

Würde die US-Notenbank die Zinszahlungen auf überschüssige Reserven einfach aussetzen, könnte sie den Wert des US-Dollars absenken und die Kreditvergabe massiv ausweiten – ohne dafür auch nur einen einzigen neuen Dollar drucken zu müssen.

Wenn die Geschäftsbanken für ihre Bargeldeinlagen bei der Fed kein Geld mehr bekommen, werden sie mit Sicherheit jemanden auftreiben, der bereit ist, einen Kredit aufzunehmen. Ja es könnte sogar sein, dass die Banken die Kredite buchstäblich im Schnellvergabeverfahren zum Fenster rauswerfen, schließlich sind die Banken darauf angewiesen, dass sie mit ihren Einlagen (Verbindlichkeiten) Gelder erwirtschaften.

Sollten die Banken für ihre bei der Fed gehaltenen Bargeldeinlagen keine Zinsen mehr erhalten, sind sie automatisch gezwungen, ihr Glück bei den Konsumentenkrediten zu versuchen – und das zu einer Zeit, wo die Banken ihre bestehenden Schulden eigentlich abbauen müssten. Den Banken ist aber bereits unmissverständlich klargemacht worden, dass die US-Regierung Gewehr bei Fuß steht, um sie zu retten, sollte irgendetwas schief gehen.

In Wahrheit brauchen sich die US-Banken daher überhaupt keine Sorgen zu machen, sollten sie erneut damit beginnen, den US-Verbrauchern Kredite zu geben, die dann am Ende nicht zurückgezahlt werden können.

Die US-Geschäftsbanken parken zurzeit überschüssige Bargeldreserven in Höhe von USD 1,42 Billionen bei der US-Notenbank. Sollten diese Gelder plötzlich ausgekehrt werden, verfügen sie dank des Mindestreserve-Bankensystems über das Potenzial, sich in eine Geldversorgung von über USD 15 Billionen zu verwandeln!

So unsinnig sich das auch anhören mag, aber es finden sich immer noch prominente Wirtschaftswissenschaftler wie Jeremy Siegel, die genau solche Maßnahmen fordern. Sollten diese Ökonomen bekommen, wonach sie verlangen, ist davon auszugehen, dass es am Goldmarkt zu einer Preisexplosion kommt, während der US-Dollar abschmiert.

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