Katastrophale Ausgangslage: Die US-Wirtschaft schmiert ab

Die Größere Depression tritt jetzt in ihre nächste Phase ein: Die USA rutschen innerhalb kürzester Zeit in die zweite Rezession ab und befinden sich dabei dank der Nachwirkungen der letzten Rezession auch noch in der schwächsten Ausgangslage seit Ende des Zweiten Weltkriegs

Graham Summers, Gainspainscapital.com, 08.07.2012

Der überwiegende Teil meiner Analysen konzentriert sich ja auf Europa. Wenn wir jedoch auf die andere Seite des Atlantiks blicken, so sehen wir dort bedeutende Hinweise, die auf einen wirtschaftlichen Niedergang deuten.

Die Arbeitsmarktdaten sind – selbst nachdem sie durch die US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik (BLS) frisiert wurden – einfach nur entsetzlich. Die BSP-Prognose für das erste Quartal dieses Jahres wurde abermals abgesenkt. Die Wirtschaftsdaten der Fed of Philadelphia sind nun bereits das zweite Quartal in Folge schlecht. Hierzu gehört auch die Meldung, dass die durchschnittliche Wochenarbeitszeit des US-Arbeitnehmers schon seit zwei Monaten zurückgeht. Und auch der Empire-Herstellerindex hat Verluste zu verzeichnen.

Darüber hinaus haben die nachfolgenden Konzerne ihre Prognose für 2012 gesenkt: Pall, Nucor, Ryder Systems, Proctor & Gamble, Cardinal Health, Texas Instruments, Starbucks, Autodesk, FedEx, Jabil Circuit, Bed, Bath & Beyond und Adobe Systems.

Viele dieser Konzerne dienen als wirtschaftliche Frühindikatoren. Und jeder aus dem Finanzbereich kann Ihnen erklären, dass die Konzerne ihren Ausblick nur dann senken, wenn sich die Lage massiv eintrübt, da die Konzernchefs enorme Anreize haben, einen positiven Ausblick aufrechtzuerhalten, da andernfalls zu befürchten steht, dass ihre Aktien herabgestuft und im Preis einbrechen werden.

Mit anderen Worten: Wir erhalten gegenwärtig eine ganze Reihe von Hinweisen, die darauf hindeuten, dass die US-Wirtschaft im Rahmen der Größeren Depression jetzt tatsächlich in ihre zweite Rezession abrutscht.

Sollte sich bestätigen, dass sich die USA abermals in einer Wirtschaftsrezession befinden – die USA sind bereits in einer Rezession, aber die US-Regierungsvertreter werden das erst nach den Präsidentschaftswahlen einräumen – bedeutet das,

(1.) dass die USA das erste Mal seit dem Zweiten Weltkrieg in eine Rezession abrutschen, obwohl die Industrieproduktion ihren letzten Höhepunkt noch garnicht überschritten hat:

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(2.) Es bedeutet, dass die USA erstmals in eine Rezession abrutschen, zu deren Beginn die durchschnittliche Arbeitslosendauer bereits auf Rekordniveaus verharrt:

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(3.) Ferner liegt der Arbeitnehmeranteil an der Gesamtbevölkerung gegenwärtig auf einem Niveau, das zuletzt in den 70er und 80er Jahren zu verzeichnen war. Das heißt, dass heutzutage zunehmend weniger US-Bürger zur Arbeiterschaft gehören:

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(4.) Und es bedeutet, dass die USA erstmals in eine Rezession abrutschen, zu deren Beginn die Zahl der auf staatliche Lebensmittelmarken angewiesenen US-Bürger bereits nahe ihrer Allzeithochs liegt.

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Und als wäre das alles nicht bereits schlimm genug, findet diese Entwicklung auch noch zu einem Zeitpunkt statt, wo sich die US-Notenbank Federal Reserve – die die US-Wirtschaft die letzten paar Jahre über Wasser gehalten hat – der Tatsache gewahr wird, dass ihre Geldpolitik und ihre Markttheorien mit der Realwirtschaft überhaupt nichts zu tun haben. Das Wall Street Journal meldete hierzu am 19.06.2012:

„Die Vertreter der Fed sind frustriert, dass die niedrigen Zinssätze letztes Jahr nicht genügend Amerikaner erreichten, um stärkeres Wachstum hervorzurufen, so wie es laut den Lehrbüchern der Ökonomen eigentlich der Fall sein sollte.“

Das Wall Street Journal weist darauf hin, dass das billige Geld laut den Wirtschaftstheorien der Fed eigentlich dazu führen müsste, dass die Privatkonsumenten wie auch die Unternehmen ihre Ausgaben erhöhen. Ja und nun wundern sich alle darüber, warum dieser Plan nicht aufgeht.

Diese Entwicklung bestätigt aber nur das, worauf ich bereits seit Monaten hinweise: Die US-Notenbank hat mittlerweile begriffen, dass die negativen Auswirkungen der quantitativen Lockerungsmaßnahmen stärker ausfallen als die damit einhergehenden positiven Effekte.

Das ist auch der Grund, warum man sich beim letzten Treffen des Fed-Offenmarktausschusses im Juni lediglich für die Verlängerung von Operation Twist entschieden hat. Das politische Klima in den USA erlaubt gegenwärtig keine weiteren groß angelegten geldpolitischen Maßnahmen der US-Notenbank – solange es nicht zum Zusammenbruch einer Großbank oder zu irgendeiner anderen Art von systemischem Risiko kommt.

Und das heißt, dass die Stützpfeiler des US-Aktienmarkts und des Finanzsystems – namentlich die Fed-Interventionen – langsam aber sicher zurückgebaut werden. Die bevorstehende Entwicklung wird ziemlich unschön werden, und gewiefte Investoren sollten sich entsprechend darauf vorbereiten.

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