Systemneustart: Monster-Crash des westlichen Bankensystems

Das 250 Jahre alte westliche Geld- und Finanzsystem steht vor einem baldigen Neustart. Was mit Kerbhölzern und der Gründung der Bank von England seinen Anfang nahm, dürfte in den kommenden Jahren mit einem Monster-Crash enden. Danach geht das Ganze wohl wieder von vorne los. Anleger und Sparer können sich nur schützen, indem sie sich dem Mindestreserve-Bankensystem entziehen und in harte Vermögenswerte wie Gold, Silber oder andere Rohstoffe gehen

Robert Fitzwilson, King World News, 13.07.2012

Eine der interessantesten geldgeschichtlichen Episoden hat mit etwas zu tun, das man „Kerbhölzer“ nannte. Die im Mittelalter verwendeten Kerbhölzer bestanden gewöhnlich aus Holz, Knochen, Stein oder einem anderen geeigneten Material und hatten Einkerbungen, mit denen geschuldete Sachleistungen dokumentiert wurden. Im Laufe der Zeit verwandelten sich diese zunächst nur der Dokumentation dienenden Kerbhölzer in eine Art Wertpapier und nahmen später die Funktion von Geld an.

Der englische König Heinrich I. (1068 – 1135) wollte seine strenge Kontrolle über die Geldschaffung und Geldnutzung innerhalb seines Königreichs aufrechterhalten, weshalb er der erste war, der die Kerbhölzer auf eine neue Stufe hob.

Er ließ polierte Kerbhölzer schaffen und versah sie mit Einkerbungen, um die entsprechenden Werte festzuhalten. Dann wurden die Kerbhölzer in zwei Hälften geteilt, wobei der Schatzmeister des Königs eine Hälfte behielt und die andere Hälfte an die Bewohner des Herrschaftsbereichs ausgegeben wurde. Man verfügte, dass die Kerbstöcke zur Steuerbegleichung verwendet werden müssen, so stellte man sicher, dass sie als Geld auch tatsächlich Verwendung fanden.

Dank dieser Art der monopolistischen Geldschaffung konnte sich Heinrich I. überdies sicher sein, dass die Geldfälschung auf ein Minimum beschränkt blieb. Wenn das Kerbholz zur Zahlung vorgelegt wurde, musste es zum Gegenstück des Schatzmeisters passen, da man ansonsten mit harten Strafen zu rechnen hatte.

Über 700 Jahre dienten diese in der Hälfte durchtrennten Kerbhölzer als Geld. Es ist eine entsetzliche Ironie der Geschichte, dass sich verschiedene Anteilseigner bei der Gründung der Bank von England im Jahre 1669 mit Kerbhölzern einkauften. Ein Stück Holz wurde also gegen die größte Vermögensabschöpfungsmaschinerie eingetauscht, die jemals erfunden wurde.

Die Bank von England machte sich nach ihrer Schaffung daran, die öffentliche Verwendung von Kerbhölzern auszumerzen, und implementierte sukzessive das Mindestreserve-Bankensystem.

Um zu begreifen, warum uns heutzutage alles um die Ohren fliegt, müssen wir ins späte 17. Jahrhundert zurückkehren, wo die Kerbhölzer durch eine im Grunde aus dem Nichts geschaffene Geldversorgung ersetzt wurden.

Die Idee des Mindestreserve-Bankensystems geht auf die Erkenntnisse der Goldschmiede zurück. Sie fanden im Laufe der Zeit heraus, dass sie ein Vielfaches von dem, was sie tatsächlich an physischem Gold aufbewahrten, an Goldzertifikaten in Umlauf bringen konnten.

Und während sie für ihre Dienste der Goldlagerung von den Kunden Gebühren verlangten, weiteten sie ihr Einkommen zusätzlich noch massiv aus, indem sie einfach das 8- bis 10-Fache an Goldzertifikaten ausgaben.

Das einzige Risiko bestand darin, dass mehrere Besitzer von Goldzertifikaten zu ein und derselben Zeit die Aushändigung von mehr physischem Gold verlangten, als tatsächlich aufbewahrt wurde. Die Goldschmiede hofften darauf, dass die erhöhten Einnahmen und das abgeschöpfte fremde Vermögen groß genug war, um die Goldzertifikate bedienen zu können oder außer Landes zu flüchten, bevor der Betrug aufflog.

Im Laufe der Zeit verwandelten sich diese Edelmetall-Derivate in Geld, das weiterverliehen werden konnte. Und wie wir eingangs gesehen haben, gab es bezüglich der Kreditvergabe keinerlei Einschränkungen.

Anstatt mit nur einem Kredit 5% an Zinsen einzustreichen, konnten zehn Kredite vergeben werden – und das alles mit ein und demselben Goldbestand. Das bedeutete natürlich, dass man sein Einkommen auf 50% Zinsen verzehnfachen konnte. Die Alchemie war endlich Wirklichkeit geworden.

Vermögen wird nur durch Arbeit, Wissen und Rohstoffe geschaffen und nicht durch Hochfrequenz- oder Derivatehandel. Bei den letztgenannten Dingen handelt es sich lediglich um Mechanismen zur Vermögensabschöpfung.

Wenn man sich die historischen Sehenswürdigkeiten Europas (speziell die römischen) anschaut, dann sind all die erstaunlichen Straßen, Gebäude, Wasserwege und Kunstwerke letztlich nichts weiter als das konfiszierte Vermögen von Millionen von Sklaven und Dienern sowie unterworfenen Völkern. Wenn man in der Endphase des Römischen Reichs leitender Beamter oder Kaiser gewesen ist, hatte man im Grunde die Lizenz, das Vermögen des Territoriums zu stehlen, das einem unterstand.

Ein unbekannter Autor erklärte zum Mindestreserve-Bankensystem Ende des 19. Jahrhunderts:

„Die Wenigen, die das System verstehen, werden entweder so stark an seinen Profiten interessiert oder von seinen Vorteilen so abhängig sein, dass von dieser Klasse kein Widerstand ausgehen wird, während die überwiegende Masse der Menschen nicht fähig ist, die unglaublichen Vorteile zu verstehen, die sich das Kapital durch das System verschafft. Sie werden die Last daher ohne Murren tragen und vielleicht noch nicht einmal vermuten, dass das System so schädlich für sie ist.“

Das weltweite Geldsystem basiert auf Schulden. Es wurde aus der Taufe gehoben, indem ein Herrscher oder eine Regierung damit anfing, einer Institution wie der Bank von England Anleihen zu verkaufen. Die Bank von England bezahlt diese Anleihen dann mit aus dem Nichts geschaffenem Geld.

Der König oder die Regierung erhalten so Zugang zu unbegrenzten Geldmengen, und die Banker erhalten Zugang zu unbegrenztem Einkommen und unbegrenzten Krediten. Und das Sahnehäubchen für die Banker: Das den Schulden zugrunde liegende Geld ist aufs Engste mit der staatlichen Steuergewalt verbunden. Man sichert sich also einen endlosen Einkommensstrom – und falls es zur Zahlungsunfähigkeit kommt, verfügt man ja immer noch über das bestehende wie auch künftige Vermögen der Menschen, das mittels Besteuerung abgeschöpft wird.

Die Regierungen sind daran interessiert, unbegrenzte Mengen an Geld auszugeben. Die Banker sind an unbegrenztem Einkommen interessiert. Und wer diese beiden Sätze begriffen hat, hat eigentlich schon alles verstanden.

Wir haben es zurzeit mit einem Frontalzusammenstoß zweier Systeme zu tun – es ist ein weltweites und historisches Ereignis. Die wenigsten von uns haben begriffen, dass das Mindestreserve-Bankensystem der profitabelste Vermögensabschöpfungsmechanismus in der Geschichte der Menschheit ist.

Die spanischen Konquistadoren, die Engländer und die Holländer wären neidisch gewesen. Es hätte überhaupt nicht die Notwendigkeit bestanden, riskante Überfahrten in feindliche Länder zu unternehmen, um dort Arbeit und Rohstoffe abzuschöpfen. Heutzutage wird das einfach mit ein wenig Technik erledigt, ohne dass man seine Heimat dafür verlassen muss. Und umso mehr Schulden geschaffen werden, desto mehr Arbeitskraft und Ressourcen fließen dem System zu.

Aber warum beginnt das System nun zunehmend stärker zu wanken? Die Antwort ist, dass die Schuldenforderungen mittlerweile ein solch riesiges Ausmaß erreicht haben, dass sie das Angebot von Arbeit und Ressourcen bei Weitem übersteigen.

Am Ende kommt es zum Systemzusammenbruch – und es ist wahrscheinlich, dass eine neue Version des Mindestreserve-Bankensystems ins Leben gerufen wird, um das alte System zu ersetzen. So viele Formen der Alchemie gibt es nun einmal nicht.

Das Entscheidende ist, dass es hier um die Kontrolle einer 250 Jahre alten Vermögensabschöpfungsmaschine geht. Investoren können sich nur schützen, indem sie ihr Vermögen aus dem System abziehen und es in harte Vermögenswerte wie Gold, Silber und andere Rohstoffe umwandeln.

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