Die nächste Krisenwelle kommt: Düsterer Ausblick für die Weltwirtschaft

Die globale Finanz- und Wirtschaftskrise spitzt sich auf beispiellose Art zu. Die nächsten Monate dürften spannend werden

Brandon Smith, Alt Market, 18.07.2012

Im Januar dieses Jahres schrieb ich einen Artikel mit dem Titel „Baltic Dry Index deutet auf erneuten Markt-Kollaps“. In dem Artikel ging es um das Rekordtief des Baltic Dry Indexes (BDI) und die Implikationen dieses Einbruchs für die Weltwirtschaft.

Der Einbruch des BDI ist ein Hinweis darauf, dass es bei der realen weltweiten Nachfrage nach Rohstoffen, die im Fertigungsbereich zur Herstellung von Konsumgütern verwendet werden, zu einem massiven Rückgang gekommen ist. Der BDI hatte in der Vergangenheit immer wieder auf prophetische Weise die Krisen an den Finanzmärkten vorweggenommen.

Die Massenmedien versuchten, den Einbruch des BDI als unbedeutend zu verwerfen, und sagten, dass der Rückgang auf eine „Überproduktion von Containerschiffen“ zurückzuführen sei und nichts mit einem Nachfrageeinbruch zu tun habe. In den vergangenen sechs Monaten hat sich jedoch gezeigt, dass die Massenmedien mit ihren Behauptungen wieder einmal falsch lagen.

Die Aktivitäten der US-amerikanischen, europäischen und asiatischen Hersteller sind allesamt zurückgegangen. Die Neubestellungen sind auf Niveaus abgesunken, die zuletzt in den Jahren 2008 und 2009 beobachtet werden konnten, als die Kreditkrise Fuß fasste.

Ungeachtet der atemberaubenden Manipulationen der Großbanken am Finanzsystem gibt es immer noch fundamentale wirtschaftliche Gesetzmäßigkeiten, die auch sie nicht umstoßen können. Das Entscheidende ist, dass die weltweite Nachfrage gegenwärtig zurückgeht, was darauf hindeutet, dass die Kaufkraft an vielen Fronten gleichzeitig wegbricht. Und wenn die Nachfrage wegbricht, bricht auch die Wirtschaft ein.

Baltic Dry Index. Zum Vergrößern anklicken.

Wir haben in der Vergangenheit hinlänglich auf die Bedeutung des BDI hingewiesen. Wenn der Baltic Dry Index einbricht, wird das für die Öffentlichkeit in der Regel rund acht Monate später sichtbar. Das heißt, dass die Wirtschaften zahlreicher Länder die Krisen in der Regel erst acht bis zwölf Monate nach einem Crash des BDI zu spüren bekommen.

Es gibt eine sehr merkwürdige Zeitverzögerung zwischen den tatsächlichen Hinweisen auf Abschwächungen im Finanzsystem und dem Zeitpunkt, wo es die Öffentlichkeit mitbekommt. Das ist so wie mit den Zeichentrickfiguren, die über eine Klippe stürmen und dann noch eine Weile in der Luft weiterrennen, bis sie merken, dass sie keinen Boden mehr unter den Füßen haben.

Es ist der Beweis, dass in der Wirtschaft nicht nur nackte Zahlen zählen, sondern auch die Marktpsychologie eine bedeutende Rolle spielt. Die Investmentwelt geht naiverweise davon aus, dass sie fliegen kann – und das obwohl ihr ein aus gigantischen Schuldenmengen bestehender Mühlstein um den Hals hängt. Sicher, für einen sehr kurzen Zeitraum können sich die Märkte aufgrund illusorischer Vorstellungen oben halten – doch am Ende setzt dann unvermeidlich die Gravitation ein und es geht nach unten …

Im Mai dieses Jahres hatte ich über die sich abzeichnenden Katastrophe in der Europäischen Union und die dortigen Wahlen berichtet. Es war offenkundig, dass es zu einem Konflikt zwischen den Austeritäts-Befürwortern und den Verfechtern endloser staatlicher Konjunktur- und Rettungspakete kommen würde. Ich schrieb, dass diese Auseinandersetzung in nächster Zeit zu einer Umgestaltung oder einem vollständigen Zusammenbruch der Europäischen Union führen könnte.

Heute glaube ich, dass die Einschätzung, dass die EU zurzeit immer weiter zersplittert, keineswegs übertrieben ist – obwohl das Establishment immer noch versucht, die Fassade aufrechtzuhalten.

Spanien und Italien haben beide um EZB-Rettungen gebeten. Sie haben somit endgültig eingestanden, dass es das Problem, vor dem alternative Analysten bereits seit Jahren warnen, wirklich gibt.

Während die Massenmedien auf dem toten Gaul Griechenland herumreiten, gibt es in der restlichen Europäischen Union bedeutend schwerwiegendere Probleme, die in der Vergangenheit einfach unter den Teppich gekehrt worden sind.

Die Investoren fangen nun an zu begreifen, dass es so etwas wie die „griechische Ansteckung“ überhaupt nicht gibt. Im Grunde befindet sich ganz Europa in einer Schuldenkrise, die weit über das Griechenland-Problem hinausreicht. Die Zentralbanken und Politiker pushen aber immer noch die Vorstellung, dass Griechenland der böse Bube sei, der zur Vernunft gebracht oder aus der Eurozone geworfen werden müsse, da es ansonsten zu einer europaweiten Ansteckung kommt. In Wahrheit ist Europa von Anfang an komplett verseucht gewesen. Griechenland ist da nur eine Randnotiz.

Auch Großbritannien hat bereits eingeräumt, dass sich das Land nun wieder in einer Rezession befindet. Unterdessen haben die Ratingagenturen Standard & Poor´s und Moody´s in den bedeutendsten EU-Wirtschaften massive Herabstufungen vorgenommen. Betroffen sind auch Frankreich und Spanien.

Italiens Bonität ist jetzt nur noch zwei Stufen über Ramschstatus, und die italienischen Anleiheauktionen sind mittlerweile zu einer reinen Zitterpartie verkommen. Spanien hat verkündet, dass es Austeritätsmaßnahmen implementieren will, wozu auch die Konfiskation der Rentenfonds der Arbeitnehmer gehören soll.

Und, hört sich das nun so an, als würde die Wirtschaft in Europa wieder in eine „Erholung“ eintreten – so wie es die Massenmedien vor zwölf Monaten überall herumposaunten – oder eher so, als befände sich die EU hier in echten Schwierigkeiten?

China fährt unterdessen mit seiner Strategie fort, mit seinen weltweiten Handelspartnern bilaterale Vereinbarungen abzuschließen, die auf eine Schwächung der Rolle des Dollars als Weltreservewährung abzielen – und die jüngsten Ereignisse deuten darauf hin, dass sich dieser Prozess nun zunehmend beschleunigt.

Und da die US-amerikanische und europäische Nachfrage einbricht, sind die chinesischen Hersteller nun mit der Gefahr konfrontiert, dass es bei ihnen zu einem noch stärkeren Exporteinbruch kommt als in 2008. Es ist daher nur eine Frage der Zeit, bevor die BRICS-Länder bzw. die ASEAN-Wirtschaften ihre Handelsbeziehungen noch stärker konsolidieren und sich vom Dollar abwenden.

Was Finanzmeldungen anbelangt, war 2012 bisher ein Jahr voller erstaunlicher Meldungen. Für mich ist 2012 diesbezüglich sogar noch verblüffender als 2008. In 2008 hat man für die Massen ja noch sorgsam die Illusion aufrechterhalten, dass die Banken und Regierungen im Grunde nichts miteinander zu tun haben. Die innigen Beziehungen zwischen den Regierungen und den verbrecherischen Finanzinstitutionen wurden gewissenhaft übertüncht.

Es wurden methodische Anstrengungen unternommen, um uns glauben zu machen, dass es sich bei den Krisenproblemen des Jahres 2008 um Nebenerscheinungen handeln würde und das System und seine Grundfeste im Grunde jedoch solide seien. Mittlerweile ist die Korruption aber auf sehr krasse und hässliche Art offen zu Tage getreten.

Das Zentralbankwesen und die Privatbanken unternehmen keinerlei Anstrengungen mehr, um die Tatsache zu verschleiern, dass es sich beim Finanzsystem um nichts weiter als einen billigen Taschenspielertrick handelt. Fakt ist, dass sie mit ihren Marktverzerrungen nun sogar schon haussieren gehen, so als würden sie die Wirtschaft dadurch nicht zerstören, sondern ihr sogar noch „helfen“.

Und wenn sich die Verbrecher nicht mehr darum scheren, ihre Verbrechen geheim zu halten, ist für den Rest von uns tatsächlich die Zeit gekommen, sich Sorgen zu machen. Das aktuelle Verhalten des Establishments lässt für mich nur eine Schlussfolgerung zu: Wir treten jetzt in eine neue Krisenphase ein.

Unter all den Ereignissen, die wir dieses Jahr bereits mitverfolgen konnten, gibt es drei, die besonders hervorstechen und die man sich genauer anschauen sollte, wenn man die Beschleunigung des globalen Finanz-Chaos erfassen will:

1. Konzertierte Geldpolitik der weltweiten Zentralbanken

Es ist gerade mal eine Woche her, als die angeblich unabhängigen Zentralbanken von China, Großbritannien und der Europäischen Union verschiedene geldpolitische Veränderungen wie die Absenkung des Leitzinses und die Implementierung wirtschaftbelebender Maßnahmen verkündet haben. Und das Beste daran: All diese Maßnahmen wurden innerhalb von einer Stunde bekanntgegeben.

Es ist das offene Eingeständnis der Zentralbanken, dass sie nicht nur die Wirtschaftsstruktur ihrer Heimatländer dominieren, sondern dies auch noch auf konzertierte Art und Weise tun. Früher haben die Zentralbanker wenigsten noch so getan, als würden sie nicht miteinander unter einer Decke stecken und nach einer zentralplanerischen Methodologie arbeiten. Heute scheint es sie garnicht mehr zu stören, dass die Öffentlichkeit darüber Bescheid weiß, wie sie tatsächlich arbeiten.

Einige mögen nun behaupten, dass die Zentralbanken der einzelnen Länder bereits in der Vergangenheit zusammengearbeitet haben und es überhaupt nichts Neues sei. Das stimmt. Die Zentralbanken immer wieder konzertierte Maßnahmen eingeleitet – aber gewöhnlich erst nachdem diesen Aktionen absurdeste Mengen an Propaganda und Krisengipfeln vorausgegangen sind.

Das Gepränge der G8- und G20-Gipfel, des Weltwirtschaftsforums und einer Vielzahl weiterer globaler Gipfel war immer der entscheidende Aufhänger, den die Zentralbanken zum Vorwand nahmen, um ihre Forderungen gegenüber den jeweiligen Bevölkerungen zu begründen.

Sicher, die Zentralbanker planten, diese multilateralen Maßnahmen so oder so durchzusetzen, doch zuerst musste eine große Show mit viel Tamtam abgezogen werden. Heute hingegen ergreifen die Zentralbanken diese konzertierten Maßnahmen ohne irgendwelche öffentlichen Treffen – ja es werden noch nicht einmal fingierte Treffen veranstaltet.

Ich gehe davon aus, dass es sich hierbei um eine weitere Zentralisierung der Wirtschaften handelt. Die Zentralbanken könnten schon bald so agieren, als säße ihnen ein globaler geldpolitischer Vorstand vor und als sei die Weltwirtschaftsregierung rechtmäßig und das natürlichste auf der Welt.

2. Das Handelsvolumen der Finanzmärkte bricht ein

Der weit gefasste US-amerikanische Aktienindex S&P 500 hat gegenwärtig das schlechteste Handelsvolumen der vergangenen zehn Jahre. Die Kleininvestoren flüchten in Scharen aus den Aktien, während der Markt nun ausschließlich von großen institutionellen Investoren beherrscht wird.

Dieser extreme Einbruch beim Handelsvolumen wird natürlich einen Anstieg der Marktvolatilität zur Folge haben. Wir stehen jetzt kurz davor, am Aktienmarkt dieselbe Berg- und Talfahrt zu sehen, wie sie bereits vor drei Jahren beobachtet werden konnte.

Hierzu ließe sich noch anmerken, dass die Federal Reserve fast schon mit religiösem Eifer wartet, bis der Aktienmarkt einen Herzstillstand erleidet, bevor sie neue geldpolitische Maßnahmen ankündigt. Die Fed zögert diese Maßnahmen solange hinaus, bis ihr die Investmentwelt bettelnd zu Füßen liegt – und erst dann werden die Lockerungsmaßnahmen eingeleitet.

3. Der Libor-Skandal

Genauso wie die Pleite von Lehman Brothers, die der Vorbote der Kreditkrise des Jahres 2008 war, verfügt der aktuelle Libor-Skandal über das Potenzial, die Grundfeiler des globalen Bankensystems ins Wanken zu bringen. Der Durchschnittsbürger sollte bezüglich des Libor-Skandals drei Dinge wissen:

Auf den letztgenannten Sachverhalt weise ich übrigens schon seit Jahren hin: Der Wirtschafts-Zusammenbruch kann kein „zufälliges“ Ereignis sein. Für den Wirtschaftskollaps müssen so viele privatwirtschaftliche und staatliche Einrichtungen gemeinsam unter einer Decke stecken, dass es einfach nur närrisch wäre, hier nicht von einer Verschwörung zu sprechen.

Und, was kommt als nächstes? Laut dem Szenario, das ich zu Beginn dieses Jahres vorgestellt habe, steht der Wirtschaft in nächster Zeit ein entscheidendes Ereignis bevor. Vielleicht ist es die Bekanntgabe der dritten Runde der quantitativen Lockerung (QE3) durch die US-Notenbank, die zu einer hässlichen Dollarentwertung führt; vielleicht ist es die Pleite eines „systemrelevanten“ Konglomerats, das einen Aktienausverkauf auslöst; oder vielleicht ist es gar der Austritt bestimmter Euroländer aus der Währungsunion – vielleicht ist es aber auch alles von dem und noch viel mehr!

Das Entscheidende ist, dass man die Finanzbranche die nächsten Monate genau im Auge behalten sollte. Was sich hier gerade am Horizont zusammenbraut, sieht jedenfalls nicht gut aus …

Weitere Artikel zu diesem Thema