Das Zwangsschulsystem & die Zentralbank: Systemische Ausbeutung bedarf professioneller Gehirnwäsche

Gary North, Lew Rockwell, 23.07.2012

Das Wort „unberührbar“ bedeutet in Indien etwas anderes als im Westen. In Indien will niemand zu den Unberührbaren gehören. Im Westen stellt der Status der Unberührbarkeit hingegen das oberste Ziel einer jeden Regierungsbehörde dar.

Unberührbar zu sein, bedeutet in Indien, dass man innerhalb der Gesellschaft nicht aufsteigen kann. Im Westen bedeutet es, dass man vor jedweder Kritik gefeit ist.

In jedem westlichen Land gibt es bestimmte Institutionen, die unberührbar sind. Jeder, der diese Organisationen hinterfragt oder herausfordert, wird als Revolutionär, Spinner oder geltungssüchtige Person abgestempelt.

Der Unberührbarkeits-Status bedeutet, dass die Gesellschaft die Organisation schalten und walten lässt, wie sie will. Ihre Fehler werden einfach ignoriert. Ihre Abweichungen von gesellschaftlich etablierten Standards werden einfach übersehen. Die Organisation ist immun gegenüber Kritik, der sich alle anderen Organisationen gewöhnlich ausgesetzt sehen.

In der Sowjetunion hatte die Kommunistische Partei diesen Status, genauso wie das Politbüro.

Diese Organisationen stehen im Zentrum der gesellschaftlichen Ordnung. Gegenüber der Politik sind sie völlig immun, da sie ihre Machtbasis darstellen. Die Strippenzieher, deren Interessen mit dem Erfolg dieser Organisationen in direktem Zusammenhang stehen, verfügen über solch einen Einfluss, dass sie auf all jene, die diese Organisationen attackieren, gesellschaftlichen Druck ausüben können.

Es wird schlicht als unvorstellbar erachtet, dass die Gesellschaft ohne unberührbare Institutionen funktionieren kann. Diese Organisationen sind so tief im Denken der gebildeten Schichten verankert, dass die politischen Führer buchstäblich unfähig sind, sich vorzustellen, dass eine Gesellschaft auch ohne diese Organisationen existieren könnte.

Es gibt undurchsichtige Bürokratien, die nie in schriftlicher Form kritisiert werden. Der Grund dafür ist, dass sie über so wenig Einfluss verfügen, dass praktisch niemand weiß, dass sie überhaupt existieren.

Aber derartige Organisationen meine ich nicht. Ich spreche von mächtigen Behörden mit einer großen Anhängerschaft. Sie haben kaum Feinde. Sie werden nicht zum Ziel von Haushaltskürzungen. Es gibt keine rivalisierenden Wählerschaften, die diese Organisationen gerne abschaffen würden.

Und trotzdem gab es irgendeinen Punkt in der Geschichte eines Landes, wo die Gesellschaft und die Politik ohne diese heute bestehenden Organisationen auskamen. Sie waren nicht unberührbar, sondern existierten schlicht nicht.

Im Westen gibt es heutzutage zwei derartige Organisationen: Das staatliche Schulsystem und die Zentralbank.

Das staatliches Zwangsschulsystem

Der erste prominente westliche Verfechter eines Zwangsschulsystems war Martin Luther. Schottische Calvinisten verabschiedeten 1616 das erste Gesetz dazu. 30 Jahre später wurde in Massachusetts die Teilnahme an staatlichen Schulen verpflichtend und die Finanzierung armer Eltern durch den Steuerzahler geregelt. Das Gesetz fand aber über 200 Jahre keine landesweite Anwendung.

Und dann kamen die Unitaristen an die Macht. Die Freikirchen von Massachusetts wurden 1833 aufgelöst. Vier Jahre später begann man mit dem landesweiten staatlichen Schulsystem …

Für den Durchschnittsamerikaner ist es heute nicht mehr möglich, sich ein Amerika ohne steuerzahlerfinanzierte Schulen und Schulzwang vorzustellen, genauso wie sich der Durchschnittsbewohner von Massachusetts im Jahre 1650 nicht vorstellen konnte, wie ein Gemeinwesen ohne steuerzahlerfinanzierte Kirchen möglich sei. Und dennoch hat sich die Welt genau in diese Richtung entwickelt. Die Menschen haben ihre Auffassungen dazu schließlich geändert.

Die Strippenzieher senden ihrer Kinder aber nicht in steuerzahlerfinanzierte Zwangsschulen. Das war bereits vor 140 Jahren so. Sie riefen separate Schulen im Nordosten des Landes ins Leben, die im Grunde nach dem Modell der englischen Privatschulen aufgebaut waren. Ihre Kinder kamen nie mit den Kindern der gewöhnlichen Bevölkerung in Berührung.

Die Spitze der Gesellschaft kauft ihre Kinder also frei. Sie stellen sicher, dass die Jugend der Masse dutzende Jahre in den Propagandamühlen verbringt. Es gibt speziell für sie entworfene Lehrinhalte, die von den Professoren der Elite-Universitäten wie Columbia, Harvard, Yale, Chicago und Stanford zertifiziert werden. Die Mittel der gesellschaftlichen Kontrolle liegen in ihrer Hand, aber ihre eigenen Kinder werden der Autorität des Systems nicht unterstellt.

In Europa ist es genau dasselbe. Die Machtelite hält die Kontrolle über das Zwangsschulsystem aufrecht, während es ihnen durch ihr Vermögen möglich ist, diesem System zu entkommen.

Ja man kann die Methoden und pädagogischen Ansätze der staatlichen Schulen kritisieren. Reformvorschläge sind so zahlreich wie Eintagsfliegen. Aber die nachfolgenden Dinge dürfen keinesfalls hinterfragt werden:

1. die Steuerzahlerfinanzierung staatlicher Schulen,
2. die Zwangsteilnahme an staatlichen Schulen,
3. die zurückgehenden Leistungen bei den Schülern,
4. der steigende prozentuale Haushaltsanteil für die Verwaltung,
5. das Lehrerausbildungs- und Akkreditierungssystem an den Hochschulen,
6. die Zunahme der Gewalt,
7. die Langeweile unter den Schülern,
8. der steigende Drogenkonsum …

Genauso erging es auch den Kirchen des Westens, die ständig von innen heraus reformiert wurden. Neue Theologien kamen und gingen. Neue Methoden der Predigt kamen und gingen. Was nie verschwand, war die Bürokratisierung.

Das beste Buch über US-amerikanische Kirchenpraktiken ist „The Churching of America“. Die Autoren zeigen darin, dass die Steuerfinanzierung und die politische Vetternwirtschaft die bestehenden Kirchen untergruben. Wenn die staatliche Finanzierung und die politischen Gefälligkeiten ausbleiben, sind sie dann plötzlich nicht mehr überlebensfähig.

Das Entscheidende beim Unberührbarkeits-Status ist der folgende Satz: „Ohne [X], wäre es nicht möglich, zu …“ Oh doch, es wäre möglich – und früher oder später wird es das auch sein.

Das Zentralbankwesen

Es gibt heute mehr Kritiker des Zentralbankwesens als noch in 2007. Und in 2007 gab es mehr Kritiker als 1997. Und so nimmt die Zahl der Kritiker Jahrzehnt für Jahrzehnt weiter zu. Es gibt also eine Zunahme der Kritik, aber nur unter der Bevölkerung und nicht unter den Entscheidern.

Das 20. Jahrhundert war das Jahrhundert des Zentralbankwesens. 1999 hatte praktisch jedes Land eine eigene Zentralbank. Monaco hatte keine, aber bei Monaco handelt es sich im Grunde auch um ein einziges großes privates Spielcasino. Es braucht überhaupt keine Zentralbank.

Das Zentralbankwesen ist ebenfalls unberührbar. Außer den Ökonomen der Österreichischen Wirtschaftsschule und den Verfechtern des klassischen Greenbacks fordert praktisch niemand die Abschaffung der Zentralbanken. Wenn man sich der Gruppe anschließt, die dem Zentralbankwesen Widerstand leistet, ist das ungefähr so, als würde man sich um eine Mitgliedschaft bei den Alu-Mützen tragenden Verschwörungstheoretikern bewerben .

Es gibt drei Orte, wo Sie Kritik am Federal Reserve System – dem Rückversicherer und Marktmacher des Geschäftsbankenkartells – niemals finden werden:

1. in Hochschul-Lehrbüchern über Ökonomie,
2. in den Finanzmedien,
3. im US-Kongress.

Rechtlich untersteht die Fed dem US-Kongress. Trotzdem steht eine Prüfung der Fed durch den Kongress inklusive einer eingehenden Überprüfung der US-Goldreserven immer noch aus. Die Fed entscheidet eigenständig über ihre Politik.

„Wo ist das Gold der USA?“ „In unseren Tresoren.“ „Woher sollen wir das wissen?“ „Vertraut uns einfach.“

Das Board of Governors der Fed ist die einzige Regierungsbehörde in den USA, die gegenüber der Regierung rechtlich unabhängig ist und von den führenden Meinungsmachern überdies für ihre Unabhängigkeit gefeiert wird. Kurzum: Die Fed ist die antidemokratischste Behörde des Landes.

Aber es ist ja nicht nur so, dass die Politik keine Kontrolle über die Fed hat – das gilt ja praktisch für die meisten Regierungsbehörden, nein, das Problem besteht vielmehr darin, dass all jene, die die Demokratie als die Religion einer gesunden Gesellschaft predigen, hinter dieser Behörde stehen, die angeblich zentrale wirtschaftlichen Institutionen des Landes – die Geschäftsbanken – kontrollieren soll, während sie selbst jedoch unter der Kontrolle der größten Geschäftsbanken steht.

Hier wird der Bock zum Gärtner gemacht. Die größten Banken der USA haben allesamt Rettungspakete erhalten. Bernanke versprach den Banken in 2008 Unterstützungsmaßnahmen in Höhe von USD 16 Billionen, und trotzdem fand sich im US-Senat nur ein einziger Senator, der parteilose Bernie Sanders, der sich überhaupt um dieses Thema scherte. Genau genommen ist Sanders sogar dafür verantwortlich, dass diese Informationen überhaupt an die Öffentlichkeit gelangten.

Die Fed ist eine Institution, deren staatlich ernannte Vertreter von der Regierung bezahlt werden – und das obwohl sich die zwölf Fed-Regionalbanken im Privatbesitz befinden und keiner im US-Kongress weiß, wem sie nun eigentlich gehören. Diese zwölf Regionalbanken verfügen über die Macht von Zivilregierungen, sind gegenüber der Zivilregierung jedoch immun.

Kein Kongressabgeordneter oder lokaler Politiker wagt es, einen öffentlichen Sitz in ihren Aufsichtsgremien einzufordern. Es gibt in den USA keine vergleichbare Organisation. Die Fed ist übrigens schon die dritte Inkarnation einer amerikanischen Zentralbank.

1832 bekämpfte Andrew Jackson die zweite US-amerikanische Zentralbank, es war ein Kampf, den er letztlich mit politischen Mitteln für sich entscheiden konnte. Die Regierung weigerte sich 1836 das Mandat der Bank zu verlängern, und dennoch wird Jackson in jedem Schulbuch, wo dieser Kampf thematisiert wird, für seine Handlungen kritisiert. Er wird als jemand beschrieben, der von Ökonomie nicht die geringste Ahnung hatte. Und obschon er unter allen US-Präsidenten der ideologischste Verfechter des Goldstandards gewesen ist, wird er als Fiatgeld-Vertreter, der im Interesse verschuldeter Farmer agierte, niedergemacht.

Wenn man absichtlich eine Institution schafft, die die offizielle zivilisatorische Religion – die Demokratie – untergräbt, während die Priester und Gläubigen dieser Religion diese Organisation dann auch noch über den Klee loben, können Sie sich sicher sein, dass da irgendwas faul ist.

Kritiker der US-Notenbank im Kongress

Heutzutage hat die US-Notenbank in der Tat ihre Feinde, was jedoch ausschließlich auf den Kongressabgeordneten Ron Paul zurückzuführen ist. Seine unermüdliche Kritik an der Fed begann in seiner ersten Woche als Abgeordneter im Repräsentantenhaus im April 1976. Noch bevor er in den Kongress eingezogen war, forderte er bereits die Abschaffung der US-Notenbank. Und das ist heute immer noch der Fall. Und er ist im Kongress auch immer noch der Einzige mit dieser Forderung.

Es gab auch noch ein paar weitere Fed-Kritiker im Kongress, die jedoch weder über eine landesweite Anhängerschaft verfügten noch aufgrund ihrer Auffassungen bezüglich der Fed in ihre Ämter gewählt wurden.

Einer dieser Kritiker war Howard Buffett aus Omaha, der von 1942 bis 1952 im Kongress saß. Er war ein Verfechter des Goldstandards und er war Anhänger der freien Marktwirtschaft. Es gelang ihm nicht, den Kongress zu überzeugen. Ja er konnte noch nicht einmal seinen eigenen Sohn überzeugen.

Als Buffett 1943 vereidigt wurde, gab es noch zwei weitere Kritiker im US-Kongress. Diese zwei Kritiker waren sogenannte Greenbacker. Die Greenback-Bewegung nahm in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts ihren Anfang. Greenbacker fordern ein reines Fiatgeld, das direkt von der Bundesregierung ausgeben wird. Ihr Name geht auf die hellgrüne Rückseite der Dollarscheine zurück, die von der Union während des Bürgerkriegs ausgegeben wurden. Sie sind Gegner des Goldstandards. Sie sind Gegner der Banken. Und sie kämpfen gegen die Fed.

Ein Fed-Kritiker war der texanische Abgeordnete Wright Patman. Er hasste die Fed wirklich. Er war ein Greenbacker. Er wollte, dass der US-Kongress das Geld direkt kontrolliert und die Greenbacks in Eigenregie ausgibt und dass die Zinszahlungen auf die von den Banken gehaltenen US-Staatsanleihen ausgesetzt werden. 1975 verlor er sein Amt als Vorsitzender des Bankenausschusses des Repräsentantenhauses.

Patman starb praktisch zu genau der Zeit, als Ron Paul erstmals in den Kongress einzog. Patman war seit 1925 Abgeordneter gewesen. Die Frage, die er an Arthur Burns, den Fed-Chef unter Nixon, richtete, erlangte Berühmtheit: „Können Sie mir einen Grund dafür nennen, warum Sie nicht im Zuchthaus sitzen sollten?“

Während des Zweiten Weltkriegs fügten Patman und der kalifornische Kongressabgeordnete Jerry Voorhis der US-Notenbank den größten Schaden zu, den sie jemals erleiden musste. Sie schafften es, dass ein Gesetz verabschiedet wurde, das die Fed dazu zwang, den Großteil der an die Fed gezahlten Zinsen zum US-Finanzministerium zurück zu überweisen.

Seit 1914 hatte das US-Finanzministerium Zinsen an die Privatbanken gezahlt, die die Anteile an der Fed halten – und das obwohl die Fed die Schuldscheine des Finanzministeriums ja mit aus dem Nichts geschaffenem Geld kaufte! Dieser gigantische Schwindel, der zwischen 1914 und dem Zweiten Weltkrieg abgezogen wurde, war der größte Goldesel in der Geschichte der USA. Wikipedia schreibt zu Voorhis:

„Voorhis sprach sich dafür aus, dass die US-Regierung die von den Mitgliedsbanken gehaltenen Anteile der Federal Reserve Banken kauft, um auf diese Art die Regierungsausgaben zu bestreiten. Dafür hatte er kurzzeitig die Unterstützung von Präsident Roosevelt, bis die Berater des Präsidenten Roosevelt davon überzeugten, es sich anders zu überlegen.

Voorhis tat sich später mit dem künftigen Vorsitzenden das Bankenausschusses Wright Patman zusammen, um die Federal Reserve Banken dazu zu zwingen, den überwiegenden Teil der mit den Staatsanleihen verdienten Zinsen an die US-Regierung zurückzuzahlen, anstatt die Gelder an die Anteilseigener der Banken weiterzureichen.“

Das war einer der wichtigsten Siege ökonomischer Logik über die Vetternwirtschaft, der jemals in den USA errungen wurde. Diese Geschichte ist weitgehend unbekannt. Es gibt keine Werke, die beschreiben, wie Patman und Voorhis dies überhaupt zustande brachten. Totenstille in den Geschichtsbüchern.

Voorhis war ein Greenbacker und schrieb ein Buch darüber mit dem Titel „Out of Debt, Out of Danger“. Richard Nixon schlug ihn 1946 im Wahlkampf, als die Republikaner wieder die Kontrolle über den Kongress erlangten.

Nachdem Patman 1975 gestürzt worden war, glaubte das Establishment, dass die Fed-Kritiker im Kongress endlich verstummt seien. Ein Jahr später zog dann Ron Paul in den Kongress ein. Der beste Plan, ob Maus, ob Mann, geht oftmals ganz daneben …

Wenn sich QE3 in eine galoppierende Inflation verwandelt

Irgendwann wird die Fed ihre Geldbasis wieder ausweiten. Irgendwann werden die Geschäftsbanken wieder mit der Kreditvergabe beginnen. Tun sie es nicht, werden sich die US-Unternehmen nie wieder von der Abschwächung erholen, die heute bereits für eine offizielle Arbeitslosigkeit von 8% sorgt. Wir haben es hier also mit der schwächsten Erholung der Nachkriegsgeschichte zu tun. Die Hyperinflationierung der US-Geldbasis durch die Fed hat überhaupt nichts gebracht. Von Erholung keine Spur.

Die Fed kann die Wirtschaft jederzeit wieder ankurbeln. Beispielsweise könnte die Fed die Regel erlassen, dass für alle bei ihr geparkten überschüssigen Geldreserven der Geschäftsbanken eine Gebühr von 5% zu entrichten ist. Die Banken würden die Gelder von heute auf morgen abziehen und umgehend mit der Kreditvergabe beginnen. Der M1-Multiplikator würde in die Höhe schießen und die Hyperinflation würde zu einer realen Gefahr werden. Die Fed weiß das natürlich, was auch der Grund dafür ist, warum sie es nicht tut. Stattdessen wurschtelt man sich durch. Man muss die Sache ja bloß aussitzen. Ron Paul wird schon bald in Pension gehen.

Und ungeachtet aller Beteuerungen Bernankes stehen die USA an der Schwelle zur nächsten Rezession, während das Land auf das sogenannte finanzpolitische Kliff zusteuert, womit das Auslaufen der unter Bush erlassenen Steuersenkungen zum 01.01.2013 gemeint ist. Und dann haben die USA ja auch noch ein jährliches Haushaltsdefizit, das sich zusehends der Marke von USD 2 Billionen annähert. Das staatliche Rentensystem ist massiv defizitär. Die Asiaten könnten ihr Käufe von US-Staatsanleihen aussetzen. Ja und was dann?

Dann heißt es: Inflationiere oder stirb.

Bernankes Amtszeit läuft im Januar 2014 aus. Wenn er bis dahin durchhält, ist er den Schwarzen Peter los. Er kann dann einfach im Dunkel der Nacht verschwinden. Genauso gut könnte er aber auch im Board of Governors bleiben oder zu seinem Lehrstuhl in Princeton zurückkehren.

Irgendwann muss sich sein Nachfolger dann entscheiden: Hyperinflation oder Große Rezession III oder Große Depression II.

Eine galoppierende Inflation von 20% bis 25% wäre für die Fed schon eine massive Niederlage – die Hyperinflation oder die Große Depression II wären jedoch noch eine viel größere Niederlage. Nichtsdestotrotz sind genau das die Alternativen.

Die Fed wird ein weiteres Mal versuchen, die Boom-Bust-Karte auszuspielen, schließlich hat es die vergangenen 60 Jahre auch funktioniert. Ja gut, das jährliche Haushaltsdefizit lag nicht bei USD 1,2 Billionen, das staatliche Rentensystem machte keine Defizite, die Baby-Boomer gingen nicht gerade in Rente und die ausländischen Zentralbanken hielten auch nicht 40% aller Staatsschulden.

Bernankes Nachfolger wird jedenfalls nicht mehr über den Spielraum verfügen, den Bernanke noch hatte: Er konnte zwischen 2008 und 2011 fast USD 2 Billionen an Staatsanleihen aufkaufen, und das bei fast gleichbleibenden Verbraucherpreisen.

Schlussfolgerung

Für die Zentralbanken wird in den kommenden zehn Jahren die Stunde der Wahrheit schlagen. Man wird von ihnen verlangen, die westlichen Wirtschaften zu retten – ein Hilferuf, der auch in Osteuropa und China ertönen wird.

Die tiefreligiöse Auffassung, dass das Fiatgeld der Grund für den Wohlstand und der Garant der Stabilität sei, wird von den kommenden mit dieser Religion in Widerspruch stehenden Ereignissen in Mitleidenschaft gezogen werden.

Und genauso wie die Wähler in Massachusetts im Jahre 1833 zwei Jahrhunderte an freikirchlicher Geschichte einfach in den Wind schrieben, werden die westlichen Wähler zu der Auffassung gelangen, dass die Zentralbanken nichts weiter als eine Last sind.

Es dürfte insgesamt vielleicht zwei Jahrzehnte dauern, bis die Zentralbanken vollständig abgeschafft worden sind, aber sie werden verschwinden. Religionen, die die nachgefragten Dienstleistungen nicht bieten können, gehen immer unter. Und danach sind dann die Staatsschulen an der Reihe.

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