Die Deflations-Lüge: Warum es im heutigen Geldsystem ausschließlich Preisinflation geben kann

Steigende Preise, steigende Preise, steigende Preise: Im heutigen Mindestreserve-Bankensystem kann es überhaupt nicht zur Deflation kommen, außer es handelt sich dabei um die erklärte Politik der Zentralbank wie 1924 beim Währungsschnitt in Deutschland. Seit dem U.S. Banking Act des Jahres 1933 ist die Geldmenge nicht mehr abgesunken – alle anderslautenden Beteuerungen sind reine Propaganda

Gary North, GaryNorth.com, 03.08.2013

Ein Inflationist ist jemand, der glaubt, dass die Preisinflation das Ergebnis von zwei Aspekten ist: (1) der Geldinflation und (2) der Zentralbankpolitik.

Ein Deflationist ist jemand, der glaubt, dass die Deflation trotz (1) der Geldinflation und (2) der Zentralbankpolitik unvermeidlich ist.

Die Deflationisten liegen seit 1933 komplett daneben.

Am bekanntesten ist Milton Friedman für sein 1963 veröffentlichtes Buch „A Monetary History of the United States“, das auf von Anna Schwartz zusammengetragenen Daten basiert. Bekannt ist das Buch vor allem wegen eines ganz bestimmten Arguments: Die US-Notenbank Federal Reserve verursachte die Große Depression, weil sie sich weigerte zu inflationieren.

Dieses Argument, das von Mainstream-Ökonomen immer wieder herangezogen wird, ist falsch.

In der Vergangenheit habe immer wieder eine Untersuchung zitiert, aus der hervorgeht, dass die US-Geldbasis von 1931 bis 1932 in Wirklichkeit gestiegen ist. Die nachfolgende Grafik stammt von einem Vortrag des Vizepräsidenten der Federal Reserve Bank of St. Louis:

Wie aus der Grafik hervorgeht, gab es Anfang der 30er Jahre eine Gelddeflation, die 1931 und 1932 anhielt –  und das obwohl die US-Notenbank ab Mitte 1931 und in 1932 eine inflationäre Politik verfolgte.

Die Bankkunden zogen ihre Währung aus den Banken ab und horteten sie. Das Geld wurde nicht zu anderen Banken getragen. Dadurch kam es im gesamten Bankensystem zum Zusammenbruch des Mindestreserve-Bankenprozesses. Die Geldmenge M1 ging zurück: Gelddeflation.

Die Fed konnte die Geldmenge M1 nicht kontrollieren, sie konnte einzig die Geldbasis kontrollieren.

Das Argument von Friedman und Schwarz wurde von den Mainstream-Ökonomen aufgegriffen und gilt heutzutage weithin als anerkannte Position. Friedman wurde von Bernanke in 2002 anlässlich seines 90. Geburtstages dafür gefeiert.

Doch warum ist das Argument im Hinblick auf die Periode von 1931 bis 1933 falsch? Vier Buchstaben, genauer gesagt neun Buchstaben, sind die Antwort darauf: FDIC und FSLIC [US-Einlagensicherungsfonds]. Sie existierten zu jener Zeit noch nicht.

Nachdem Franklin Roosevelt das Amt des US-Präsidenten angetreten hatte, fror er im März 1933 alle Bankkonten ein. Das beruhigte die Bevölkerung, als die Banken ein paar Tage später wieder geöffnet wurden. Roosevelt versprach den Bürgern, dass die Banken nun sicher seien.

1933 schuf die US-Regierung den US-Einlagensicherungsfonds FDIC. Wikipedia beschreibt den Banking Act des Jahres 1933, der im Juni in Kraft trat, mit den Worten:

„Die FDIC [US-Einlagensicherungsfonds] wurde als vorübergehendes Regierungsunternehmen geschaffen. Man gab der FDIC die Befugnis, den Banken Einlagenversicherungen zu Verfügung zu stellen. Man gab der FDIC die Befugnis, Nichtmitgliedsbanken der Bundesstaaten zu regulieren und zu überwachen. Die FDIC wurde zu Beginn mit einem Kredit vom US-Finanzministerium in Höhe von USD 289 Millionen finanziert.“

Das bescherte den Bank-Runs ein Ende. Die Geldversorgung erlebte eine Trendwende; sie explodierte, ebenso wie die Geldbasis.

Das Entscheidende Ereignis war also der Banking Act des Jahres 1933. Nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes ist die Geldmenge nie wieder gesunken. Nach dem Inkrafttreten dieses Gesetzes sind die Preise nie wieder stärker als 1% gefallen, und selbst das war einmalig, und zwar im Jahre 1955.

Alles, was es für die Preisanstiege und die Trendumkehr bei der Geldmenge brauchte, war: Eine Ausweitung der Geldbasis in Verbindung mit einer Kreditvergabe der Geschäftsbanken.

Und dennoch haben die Deflationisten seit 1933 unaufhörlich fallende Preise prognostiziert. Sie nehmen die Prognosen mit ins Grab. Und dann nehmen ihre Nachfolger diese Prognosen mit ins Grab. Sie lernen nie dazu.

Sie verstehen weder Geldtheorie noch Geldgeschichte, was auch der Grund ist, warum sie nie dazulernen. Anstatt ihre Falschprognosen zu korrigieren, halten sie sie Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt, Generation für Generation aufrecht.

Und sie finden immer noch Leute, die ihnen Glauben schenken – Menschen, die ebenfalls weder Geldtheorie noch Geldgeschichte verstehen.

Seit 40 Jahren bringe ich Gegenargumente vor.

Und die Preisdeflation hat auch nichts mit fallenden Aktienpreisen zu tun.

Es kann zu einer Gelddeflation kommen, wenn die Geschäftsbanken überschüssige Geldreserven bei der Fed parken – aber das ist eine politische Entscheidung der Fed. Die Fed zahlt den Geschäftsbanken Zinsen für diese Einlagen. Selbst wenn sie es nicht täte, gäbe es immer noch überschüssige Reserven.

Würde die Fed hingegen für die bei ihr geparkten Gelder eine Gebühr erheben, könnte die US-Notenbank die überschüssigen Reserven über Nacht auskehren. Das hätte zur Folge, dass der Geldschöpfungsmultiplikator in den positiven Bereich umschwenkt und die Preisinflation wieder anzieht, wofür man dann die Fed verantwortlich machen würde. Das ist der Grund, warum die Fed den M1-Multiplikator aus strategischen Gründen einschränkt.

Jeder Inflationist sagt, dass die Geldinflation zu einer Hyperinflation führt, außer die Zentralbank steuert dieser Entwicklung gegen. Nach einem Ereignis, das von Ludwig von Mises als „Crack-up Boom“ bezeichnet wurde, kommt es zu einer Rückkehr der niedrigen Preise. Das klassische Beispiel ist Deutschland 1924. Aber das war eine geldpolitische Frage. Die Zentralbank ersetzte die alte Währung durch eine neue und hörte mit dem Inflationieren auf.

John Exter – ein alter Freund von mir – behauptete in den 70er und 80er Jahren, dass die Gelddeflation ungeachtet der Fed-Politik einsetzen und es aufgrund des Fremdkapitalabbaus zu einem Preiszusammenbruch kommen würde.

Er lag mit seiner Einschätzung daneben. Warum? Weil es für die Bankkunden überhaupt nicht möglich ist, genügend Geldscheine aus den Banken abzuziehen und diese Banknoten dann außerhalb des Bankensystems zu halten, wodurch der Geldschöpfungsprozess des Mindestreserve-Bankensystems umgekehrt würde, was wiederum eine Deflation der Geldmenge zur Folge hätte, so wie es in den USA von 1930 bis 1933 zu beobachten war.

Wenn diejenigen, die Geld horten, ihre Geldscheine ausgeben, dann nehmen die Unternehmen dieses Papiergeld und zahlen es wieder bei ihren Banken ein. Nur wenn die Horter ausschließlich untereinander Geschäfte betreiben würden, wären sie in der der Lage, das Geld aus den Banken herauszuhalten. Doch die überwiegende Mehrzahl aller Geldtransaktionen basiert auf digitalem Geld und nicht auf Papierwährung.

Die Bankkunden können heutzutage zwar enorme Mengen digitalen Geldes von Bank A abziehen – aber nur, um es dann zu Bank B zu transferieren. Das digitale Geld muss sich fortwährend auf einem Bankkonto befinden. Es kann keinen Rückgang bei der Geldversorgung geben, solange das Geld digital ist. Daher kann es auch keine Preisrückgänge geben, außer die Fed entscheidet sich absichtsvoll dafür, eine solche Politik zu verfolgen. Dem war aber von 1930 bis 1933 nicht so.

Die Deflationisten reagieren nie auf dieses Argument, indem sie vielleicht mal eine Geldtheorie ins Spiel bringen oder auf geldgeschichtliche Aspekte verweisen. Sie können und sollten diese Leute einfach ignorieren, solange nicht einer von ihnen auf diesen Sachverhalt eingeht und alle anderen Deflationisten öffentlich erklären: „Ja, das ist es! Seit 1933 haben wir auf dieses Argument gewartet! Ich war blind, aber jetzt verstehe ich das! Ich bin dabei! Ich stehe voll dahinter!“

Sagen Sie mir Bescheid, wenn es soweit ist. Bis dahin können Sie die Deflationisten einfach ignorieren. Und zwar alle – heutzutage leben ohnehin nicht viele von ihnen.

Die Tatsache, dass ab und an irgendein neuer Deflationist auftaucht, ist völlig unerheblich. Jeder kann behaupten, dass die Preisdeflation unvermeidlich ist. Die Deflationisten machen die ganze Zeit nichts anderes.

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