Afghanistan: Wenn der Feind verschwindet, töte Zivilisten

Robin Beste, Stop the War Coalition (Großbritannien), 16.02.2010

Die aktuelle Offensive in der afghanischen Stadt Mardschah wird als Operation mit geringen Opferzahlen in einem „guten Krieg“ beschrieben, bei dem es darum geht die Taliban loszuwerden.

Wenn Sie den Nachrichtenberichte Glauben schenkten, ist sie bereits jetzt ein Erfolg.

Bereits von Anfang an war es beabsichtigt, dass der Angriff vielmehr eine Werbeveranstaltung als eine Operation, die irgendeinem militärischen Ziel dient, sein sollte. Barack Obama und Gordon Brown werden sicherlich mit Freude zur Kenntnis nehmen, wie die Medien den Köder geschluckt haben und als Stenografen für NATO-Pressemitteilungen agieren.

Die Wahrheit ist jedoch, dass der überwiegende Teil der paar hundert Talibankämpfer in Mardschah verschwunden war, lange bevor die beworbene Offensive begann, da sie nicht dumm genug sind sich mit bis zu 15.000 der am schwersten bewaffneten Soldaten auf diesem Planeten anzulegen.

Viel von dem, was wir auf den Fernsehbildschirmen sehen, sieht nach wahllosen Schüssen in den leeren Raum aus um den Kameras Material für die Abendnachrichten zu liefern.

Aber mit nur wenigen Feinden, die man bekämpfen könnte, dauerte es nicht lange – tatsächlich zwei Tage – bis die Tragödie ihren Lauf nahm, als eine Raketenangriff, der auf Talibankämpfer abzielte, es schaffte 12 Zivilisten abzuschlachten, 5 davon waren Kinder. Es wurden also genau die Menschen getroffen, die angeblich nicht zu Schaden kommen sollten.

Der Angriff in Mardschah unterscheidet sich auch nicht von den zahlreichen anderen NATO „säubern, halten und bauen“-Missionen – bis auf die Truppenstärke und den Umfang des Medientamtams.

Und es gibt auch keinen Grund, warum das Ergebnis der Mission ein anderes sein sollte: Sich zurückziehende Taliban die abwarten, bevor sie wieder in die Stadt einsickern, nachdem die bombastische Operation Muschtarak und der sie begleitende Medienzirkus zu einem anderen Spannungsgebiet des Widerstands ausländischer Besatzung weitergezogen ist.

Der einzige Grund, warum die Invasionsarmeen weiterhin einen Krieg kämpfen, der nicht gewonnen werden kann, ist die Hoffnung irgendeinen Ausweg für Obamas und Browns „notgedrungenen Krieg“ zu finden um so die Glaubwürdigkeit der Westmächte wiederherzustellen, damit diese dann ungestraft in andere Länder einmarschieren können.

Während sich die Medien mit all ihre Ressourcen auf den schnellen „Erfolg“ in Mardschah konzentrierten, fand schon wieder ein weiterer Massenmord in der Provinz Kandahar statt, wo 5 Zivilisten bei NATO-Luftangriffen ermordet wurden, als sie vermuteten, dass „Personen eine improvisierte Bombe“ platzierten, was an einen anderen „bedauerlichen Zwischenfall“ vom letzten August erinnert, bei dem man eine Gruppe Bauern ermordete, die Gurken auf ein Truck luden, die man versehentlich für Munition hielt.

Die getöteten Zivilisten in Kandahar und Mardschah sind eine brutale Erinnerung an den enormen Preis, den viele Afghanen in den kommenden Monaten und Jahren zahlen werden, um das Gesicht Derer zu wahren, die für die Durchführung dieses zwecklosen und nicht zu rechtfertigenden Krieges verantwortlich sind.

Weitere Artikel zu diesem Thema