Machterhalt durch die Druckerpresse: Das Wahlprogramm der US-Notenbank

Peter Schiff, Europacmetals.com, 07.09.2012

Als der Vorsitzende der US-Notenbank Ben Bernanke am 31.08.2012 auf dem Treffen der Zentralbanker in Jackson Hole seine alljährliche Ansprache hielt – die Rede zur Lage des US-Dollars, wenn man so will – kam es mir so vor, als würde es sich dabei um die Wahlkampfrede eines Amtsinhabers handeln.

Während Wall Street darauf hoffte, eine konkrete Ankündigung zu erhalten, bekamen wir nichts weiter als ein paar schmalzige Einschätzungen darüber, wie gut die Federal Reserve die Finanzkrise bisher unter Kontrolle gebracht habe, sowie Andeutungen, dass weitere „Hilfen“ auf dem Weg seien.

Wichtig ist, sich hier noch einmal in Erinnerung zu rufen, dass bei den kommenden US-Präsidentschaftswahlen nicht nur Obamas Job auf dem Spiel steht; in zwei Jahren erhält der künftige US-Präsident die Gelegenheit, Bernanke entweder erneut in seinem Amt zu bestätigen oder jemand anderen zum Vorsitzenden der Fed zu ernennen. Daher sollte man auch das Wahlkampfprogramm von Ben Bernanke kennen, denn sein Amt ist im Hinblick auf die weltweiten Märkte sogar noch bedeutender als das des US-Präsidenten.

Für George W. Bush und dann später für Barack Obama war Bernanke der ideale Wasserträger, da diese beiden US-Präsidenten eine Politik der Haushaltsdefizite, Rettungspakete und Konjunkturprogramme verfolgten. Ohne die Stützungsmaßnahmen des US-Eigenheim- und des US-Staatsanleihemarkts wären die Vereinigten Staaten von den Kreditmärkten bereits abgeschnitten worden.

Mit anderen Worten: Die US-Regierung wäre mit einer Schuldenobergrenze konfrontiert gewesen, gegen die keine parteiübergreifende Anstrengung noch etwas hätte ausrichten können. Glücklicherweise stand den Politikern aber Helikopter-Ben zur Seite, um die Schulden zu monetisieren.

Als Bernanke noch seinen akademischen Studien nachging, machte er unmissverständlich klar, dass er, würde sich die Lage zuspitzen, nicht zögern würde, die Druckerpressen anzuwerfen. Bernanke konzentrierte sich bei seinen Untersuchungen auf die Große Depression und gelangte – ganz im Gegensatz zu größeren Geistern wie Murray Rothbard – zu der Feststellung, dass das Problem darin bestand, dass zu wenig Geld gedruckt wurde.

Daraufhin schlug Bernanke verschiedene Arten vor, wie eine Zentralbank mithilfe „groß angelegter Aufkaufprogramme“ (LSAPs) Inflation schaffen könne, selbst wenn die Zinssätze bereits auf null gesunken sind. Und wie der Zufall es wollte, bescherte die Kreditkrise des Jahres 2008 dem Vorsitzenden der US-Notenbank die Möglichkeit, seine Theorie auf Praxistauglichkeit zu testen.

Am Ende hatte die Fed im Rahmen ihrer LSAPs rund USD 2,35 Billionen ausgegeben, davon USD 1,25 Billionen für hypothekarisch besicherte Wertpapiere (MBSs), USD 900 Milliarden für US-Staatsschulden und USD 200 Milliarden für Schulden anderer US-Bundesbehörden.

Das bedeutet, dass die Fed innerhalb weniger Jahre einen Geldbetrag gedruckt hat, der rund 15% des US-amerikanischen Bruttosozialprodukts entspricht. Das ist eine ganze Menge an neuen US-Dollars, die von der Realwirtschaft erst mal absorbiert werden müssen – und für die kranke US-Wirtschaft war es natürlich ein unglaubliches Subventionsprogramm.

Diese Maßnahmen erkauften Präsident Obama genügend Zeit, um ein USD 800 Milliarden schweres Konjunkturprogramm aufzulegen, die Autobranche zu retten, das Gesundheitswesen zu verstaatlichen und weitere wirtschaftlich schädliche Maßnahmen einzuleiten.

Kurzum: Dank der Fed-Interventionen erhielt Obama die notwendige Zeit und das notwendige Geld, um die USA weiter in Richtung einer zentralistisch geplanten Wirtschaft zu treiben. Überdies ist es nun auch viel unwahrscheinlicher geworden, dass Washington den Niedergang des Lebensstandards wieder in den Griff bekommen wird – stattdessen haben sich die USA jetzt aufgemacht, über eine finanzpolitische Klippe zu jagen.

Ja, der Fed-Vorsitzende hat diese Tatsache während seiner Rede sogar eingestanden. Im Folgenden finden Sie zwei Zitate dazu:

„Wie ich bereits erwähnte, werden die Aufkäufe von US-Staats- und Behördenanleihen durch die US-Notenbank gesetzlich beschränkt. Es ist vorstellbar, dass, würde die Federal Reserve in bestimmten Marktsegmenten zu einem zu dominanten Käufer werden, der Handel unter Privatakteuren zum Erliegen kommen könnte, wodurch die Liquidität zurückgehen und der Preisfindungsmechanismus geschädigt würde“

„ … eine Ausweitung der [Fed-]Bilanz könnte dazu führen, dass das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Fähigkeit der Fed, aus den geldpolitischen Stützungsprogrammen zu einem angemessenem Zeitpunkt reibungslos wieder auszusteigen, zurückgeht … Ein solcher Vertrauensrückgang könnte das Risiko einer kostspieligen Entankerung der Inflationserwartungen erhöhen, was wiederum zu finanzieller und wirtschaftlicher Instabilität führt.“

Nun sind wir uns ja alle einig, dass die Wahrscheinlichkeit einer inflationären Depression durch die Maßnahmen der Fed nur noch größer geworden ist – aber zumindest hat Bernanke seinen Chef zufriedengestellt. Als Verfechter einer lockeren Geldpolitik scheint Bernanke seine nächste Amtszeit so gut wie sicher, sollte Obama wiedergewählt werden.

Unterdessen erklärte der republikanische Gegenkandidat Mitt Romney, dass er Bernanke feuern würde, sollte er US-Präsident werden. Und obschon ich bezweifle, dass Romney über den wirtschaftlichen Sachverstand verfügt, um einen kompetenten Ersatz zu finden – geschweige denn eine Politik zur Wiederherstellung des Goldstandards zu verfolgen oder auf die Legalisierung frei miteinander im Wettbewerb stehender Währungen hinzuarbeiten –, könnte Bernanke den republikanischen Präsidentschaftskandidaten nicht nur aus reinem Eigeninteresse als Bedrohung wahrnehmen, sondern ihn auch als Gefahr für die inflationäre Agenda als solches betrachten.

Und vor diesem Hintergrund sollten wir uns auch noch mal die Zitate anschauen, die letzte Woche im Zentrum der Medienspekulationen standen: Die US-Wirtschaft sei „bei weitem noch nicht zufriedenstellend“, und die Fed „wird weitere geldpolitische Stützungsmaßnahmen durchführen, sollte dies nötig sein.“

Diese Kommentare zielen natürlich darauf ab, den Märkten (und Washington) zu versichern, dass es in absehbarer Zeit keine bedeutende Trendwende in Richtung Austerität gibt. Die Party kann weitergehen! Und die Kommentare deuten darauf hin, dass Bernanke sogar planen könnte, den Einsatz abermals zu verdoppeln. Ich weise ja bereits seit langer Zeit darauf hin, dass eine dritte Runde quantitativer Lockerung unvermeidlich ist. Und diese scheint nun unmittelbar bevorzustehen.

Die Wahrheit ist aber, dass, wenn der Geldregen einsetzt, dies mehr mit Politik als mit Wirtschaft zu tun hat. Natürlich will die Fed nicht den Eindruck erwecken, als würde sie direkt in die Präsidentschaftswahl eingreifen, indem sie im Herbst Wirtschaftsbelebungsmaßnahmen einleitet – nichtsdestotrotz gibt es für Bernanke enorme Anreize, zu versuchen, die falsche Erholung noch vor November aufzupäppeln und Obama die Wiederwahl zu bescheren. Sollte jedoch Romney gewinnen, kann sich Bernanke, während er um eine weitere Amtszeit kämpft, ja immer noch auf seine Qualitäten als Team-Player zurückziehen.

Für Gold- und Silberkäufer dürfte wahrscheinlich jedes dieser beiden Szenarien kurz- wie auch mittelfristig positiv sein. Wie wir bei der jüngsten Rally an den Edelmetallmärkten gesehen haben, sind die Ängste, dass die Fed von all dem Gelddrucken wohlmöglich genug haben könnte, mittlerweile verflogen. Doch nicht nur das, Fakt ist, dass es mittlerweile ganz danach aussieht, als würde sich die US-Notenbank gegenwärtig sogar auf wesentlich stärkere Gelddruckmaßnahmen vorbereiten.

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