Wirtschafts-Armageddon: Weltgrößter Wirtschaftsraum bricht vor aller Augen zusammen

Der weltgrößte Wirtschaftsraum bricht vor aller Augen zusammen, und niemand scheint irgendeine Idee zu haben, was man dagegen tun kann

Michael Snyder, The Economic Collapse, 07.10.2012

Gegenwärtig verheert eine sich immer stärker ausweitende Wirtschaftsdepression den größten Wirtschaftsraum des Planeten. Die Arbeitslosigkeit explodiert, aus den Banken wird in atemberaubender Rate Geld abgezogen, faule Kredite soweit das Auge reicht und eine Monat für Monat weiter abnehmende Wirtschaftsaktivität.

Aber von welcher Region spreche ich überhaupt? Nein, ich meine nicht die Vereinigten Staaten – der Wirtschaftsraum, den ich meine, hat ein Bruttosozialprodukt, das mehr als USD 2 Billionen größer ist als das der USA. Nein, China ist es auch nicht, die Wirtschaft, von der hier die Rede ist, ist mehr als doppelt so groß wie die der Chinesen.

Ja, Sie haben es wahrscheinlich bereits erraten – die Europäische Union ist der weltgrößte Wirtschaftsraum. Und die Lage in Europa spitzt zu immer stärker zu. Griechenland und Spanien befinden sich bereits in vollumfänglichen Wirtschaftsdepressionen, die sich weiter verschlechtern, und Italien und Frankreich haben sich nun auf genau denselben Weg gemacht, den Griechenland und Spanien bereits seit langem beschreiten.

Tag für Tag werden die europäischen Tageszeitungen von Schlagzeilen über gewaltsame Ausschreitungen und wirtschaftliche Verzweiflung dominiert. Die politischen Führer Europas halten eine Konferenz nach der anderen ab, aber mit ihren „Lösungen“, die nach diesen Treffen immer verkündet werden, scheint nie irgendeins der Probleme gelöst werden zu können.

Fakt ist, dass die größte Wirtschaft auf dem Planten weiterhin vor aller Augen zusammenbricht und die wirtschaftlichen Schockwellen dieser Implosion in allen Winkeln des Planeten zu spüren sein werden.

Am Freitag meldeten die Zeitungen in Europa, dass Griechenland (wieder einmal) kurz vor der Zahlungsunfähigkeit steht.

Die griechische Regierung erklärte, dass sie weitere Hilfsgelder benötigt oder ihr ansonsten im November das Geld ausgeht. Natürlich wird der Rest Europas die Griechen auch in Zukunft mit Geld versorgen, weil sie wissen, dass, tun sie es nicht, dies an den Finanzmärkten zu einer Panik führen würde.

Im Gegenzug verlangen sie von Griechenland aber, noch massivere Einsparmaßnahmen vorzunehmen, und das obwohl die vorangegangenen Runden an Haushaltseinschnitten bei der griechischen Wirtschaft bereits massive Schäden hinterließen.

Die griechische Wirtschaft ist in 2010 um 4,9% und in 2011 um 7,1% zurückgegangen. Alles in allem ist die griechische Wirtschaft seit 2008 um 20% geschrumpft.

Ja genau: Das passiert, wenn man für sehr lange Zeit bedeutend über seine Verhältnisse lebt und auf einmal der Tag der Abrechnung kommt. Die daraufhin einsetzende Anpassung kann extrem schmerzlich sein.

Griechenland implementiert eine Runde an Austeritätsmaßnahmen nach der anderen – und obwohl diese Austeritätsmaßnahmen das Land bereits in eine tiefe Depression gestürzt haben, kann Griechenland immer noch keinen ausgeglichen Haushalt vorweisen!

Die griechische Regierung gibt immer noch mehr Geld aus, als sie einnimmt, und die griechischen Politiker warnen davor, was weitere Haushaltseinsparungen für die griechische Gesellschaft bedeuten könnten. Beispielsweise ist das, was der griechische Premierminister Antonis Samaras dazu zu sagen hat, einfach nur entsetzlich:

„Die griechische Demokratie steht vor etwas, das wohlmöglich ihre größte Herausforderung sein dürfte,“ so Samaras gegenüber der deutschen Wirtschaftszeitung Handelsblatt in einem Interview, das nur wenige Stunden vor der Ankündigung aus Berlin veröffentlicht wurde, dass Angela Merkel nächste Woche erstmals seit dem Ausbruch der Krise wieder nach Athen fliegen wird.

Für einen Mann, der seine Worte gewöhnlich genau abwägt, waren die Aussagen des 61-jährigen Politikers recht ungewöhnlich. Er zog sich auf die griechische Nazipartei ´Goldene Morgendämmerung“ zurück, um die Bedrohung, der sich Griechenland nun gegenübersieht, herauszustreichen, und erklärte, dass die Gesellschaft ´durch eine steigende Arbeitslosigkeit bedroht wird, so wie es in Deutschland zum Ende der Weimarer Republik der Fall war.`

´Die Bürger wissen, dass diese Regierung ihre letzte Chance ist,` so Samaras, der die internationalen Geldgeber bei der EU und dem IWF wiederholt darum gebeten hatte, die beschwerlichen Auflagen der Rettungsvereinbarung zur Stützung der griechischen Wirtschaft zu lockern.“

Wir sollten hier aber nicht auf Griechenland herabblicken. Griechenland ist lediglich schon ein wenig weiter als die anderen Länder. Am Ende werden auch die USA und der Rest Europas genau denselben Weg beschreiten.

Dafür brauchen wir uns nur Spanien anzuschauen. Als die griechische Wirtschaftsimplosion begann, beharrte Spanien darauf, dass eine solche Entwicklung bei ihnen völlig undenkbar sei. Trotzdem setzte sie ein.

Spanien ist für sich genommen die zwölftgrößte Wirtschaft des Planeten, und gegenwärtig befindet sich die spanische Wirtschaft in einer absolut katastrophalen Situation, ohne dass eine Besserung in Sicht wäre.

Die Nationalregierung ist am Ende, die Regionalregierungen sind am Ende, das Bankensystem ist zahlungsunfähig und nebenbei macht Spanien auch noch den schlimmsten Eigenheim-Crash seiner Geschichte durch. Aber das ist nicht alles: Die spanische Arbeitslosigkeit liegt bereits bei über 25% und die Jugendarbeitslosigkeit (bis 25 Jahre) ist deutlich über die Marke von 50% geklettert.

Atemberaubende 9,86% aller von spanischen Banken gehaltenen Kredite gelten als faule Kredite und sind aller Vorausschau nach uneinbringlich. Bevor die Krise vorbei ist, dürfte jede spanische Großbank mindestens einmal gerettet worden sein.

Die Wirtschaftsaktivität des spanischen Fertigungsbereichs ist bereits den 17. Monat in Folge rückläufig, und die Zahl der spanischen Unternehmenspleiten nimmt mit atemberaubender Rate zu.

Fünf spanische Regionen haben die Nationalregierung bereits formell um Rettungspakete gebeten – während die Nationalregierung selbst in einem Meer aus Schulden versinkt.

Unterdessen hat die Panik in Spanien und Griechenland bereits einen Bank-Run entfacht. Bloomberg meldete:

„Banco Santander SA, Spaniens größte Bank, hat im Juli 6,3% seiner Inlandseinlagen verloren … Die Ersparnisse bei der Banco Popular Espano SA, der sechstgrößten Bank, gingen im selben Monat um 9,5% zurück.

Eurobank Ergasias SA, Griechenlands zweitgrößter Kreditgeber, hat von Ende März 2011 bis Ende März 2012 22% seiner Kundeneinlagen verloren … Alpha Bank SA, die drittgrößte Bank Griechenlands, hat während desselben Zeitraums 26% ihrer Kundenersparnisse verloren.“

Aus dem spanischen Bankensystem wurden allein im Juli dieses Jahres Gelder in Höhe von 7% des Bruttosozialprodukts abgezogen.

Tausende Spanier sind so verzweifelt, dass sie sich darauf zurückgezogen haben, in den Müllcontainern der Supermärkte nach Nahrungsmitteln zu suchen. In Reaktion darauf sind diese Container in einigen Regionen bereits mit Schlössern versehen worden.

Aber Griechenland und Spanien sind nicht die einzigen Länder, deren Wirtschaften implodieren. Ich habe ja jüngst erst darüber berichtet, dass die Zahl der arbeitslosen Italiener in den vergangenen zwölf Monaten um über 37% zugelegt hat.

Und die französische Wirtschaftat fängt ebenfalls an zusammenzubrechen. Die Arbeitslosenrate Frankreichs liegt aktuell bei über 10% und ist bereits den 16. Monat in Folge gestiegen.

Es ist nur eine Frage der Zeit, bevor sich die Lage in Italien und Frankeich weiter zuspitzt und genauso eskaliert wie in Griechenland und Spanien.

Der Chefökonom des IWF geht jetzt davon aus, dass es mindestens bis 2018 dauern dürfte, bis sich die Weltwirtschaft wieder erholt hat – aber ich erachte diese Einschätzung leider als überoptimistisch.

Ich habe ein ums andere Mal darauf hingewiesen, dass die nächste Welle der Weltwirtschaftskrise immer schneller herannaht. Die Depression hat heute bereits einen bedeutenden Teil Südeuropas fest im Griff, und es ist jetzt nur noch eine Frage der Zeit, bevor sie sich bis nach Nordeuropa und Nordamerika durchfrisst.

Weder Barack Obama noch Mitt Romney werden in der Lage sein, das aufzuhalten. Die Weltwirtschaft wird zusehends schwächer. Die weltweiten Zentralbanken können ja gerne den lieben langen Tag Geld drucken – die grundlegenden Probleme werden dadurch garantiert nicht gelöst werden.

Der weltgrößte Wirtschaftsraum bricht vor aller Augen zusammen, und niemand scheint irgendeine Idee zu haben, was man dagegen tun kann.

Falls Sie wirklich glauben, dass die Politiker oder die Zentralbanker uns auf wundersame Art vor der kommenden wirtschaftlichen Schockwelle bewahren können, machen Sie sich etwas vor.

Und nur weil sich der Crash in Europa zurzeit in „Zeitlupe“ abspielt, heißt das noch lange nicht, dass die Auswirkungen deswegen weniger verheerend sein werden.

Ja sicher, wir können die Ereignisse zurzeit genau mitverfolgen und die Ursachen nachvollziehen – aber das heißt noch lange nicht, dass wir auch in der Lage sein werden, den Konsequenzen zu entrinnen.

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