Das ist erst der Anfang: 21 Hinweise, dass die Weltwirtschaftskrise in eine völlig neue Phase eintritt

Michael Snyder, The Economic Collapse, 14.10.2015

Die weltweite Schuldenkrise hat jetzt eine gefährliche neue Phase erreicht. Bedauerlicherweise haben die meisten Amerikaner davon noch überhaupt nichts mitbekommen, da sich die meisten Ereignisse im Ausland abspielen und die US-Finanzmärkte auf dem Höhenflug sind. Aber nur weil die Weltwirtschaftskrise in Zeitlupe stattfindet, heißt das noch lange nicht, dass sie nicht unglaublich gefährlich ist.

Ich hatte ja bereits darüber berichtet, dass der Wirtschaftszusammenbruch kein singuläres Ereignis sein wird. Ja, es wird Tage geben, an denen der Dow Jones Industrial Average um mehr als 500 Punkte einbrechen wird, und es wird auch Tage geben, wo die Reporter auf CNBC völlig durchdrehen werden. Aber die meiste Zeit über wird es einfach nur eine Art stiller Hoffnungslosigkeit sein, während sich das Weltwirtschaftssystem immer weiter auflöst.

Es ist völlig offenkundig, dass sich die Lage gegenwärtig weiter verschlimmert. Die Lage in Griechenland ist heute viel schlimmer als noch vor sechs Monaten, und die Lage in Spanien ist heute ebenfalls bedeutend schlimmer als vor sechs Monaten. Dasselbe ließe sich über Italien, Frankreich, Japan, Argentinien und eine Reihe anderer Länder sagen.

Die gesamte Weltwirtschaft schwächt sich ab, und wir treten nun in eine Phase ein, die für alle Menschen mit unglaublichem Leid verbunden sein wird. Die USA befinden sich aktuell aufgrund der beispiellosen finanz- und geldpolitischen Konjunkturmaßnahmen immer noch in einer Art Rausch – doch wenn dieser Rausch erst einmal abklingt, wird ein qualvoller Kater einsetzen.

Die rücksichtslose Kreditaufnahme und das hemmungslose Ausgeben und Drucken von Geld haben uns eine kurze Periode „wirtschaftlicher Stabilität“ beschert, aber unsere närrischen finanzpolitischen Entscheidungen werden der Garant dafür sein, dass der letztlich einsetzende Zusammenbruch bei Weitem schlimmer ausfallen wird, als es normalerweise der Fall gewesen wäre.

Sie sollten besser nicht davon ausgehen, dass die USA der kommenden Weltwirtschaftskrise irgendwie entkommen werden. Die Wahrheit ist, dass die ganze Welt die USA als den Hauptverursacher der Krise erachten wird, noch bevor das Ganze vorbei ist.

Im Folgenden finden Sie 21 Hinweise, dass die Weltwirtschaftkrise jetzt in eine völlig neue Phase eintritt:

1. Stanley Fischer, Gouverneur der israelischen Zentralbank, sagt, dass sich die Weltwirtschaft zurzeit „schrecklich nahe“ an einer Rezession befindet.

2. Vergangene Woche wurde gemeldet, dass die Arbeitslosenrate in Griechenland auf ein neues Allzeithoch von 25,1% geklettert ist. Die Jugendarbeitslosigkeit (bis 24 Jahre) beläuft sich aktuell auf über 54%. Im April 2010 lag die Arbeitslosenrate Griechenlands noch bei rund 11,8%.

3. Der Internationale Währungsfonds warnt, dass Griechenland unter Umständen eine abermalige Schulden-Restrukturierung benötigen wird.

4. Der schwedische Finanzminister Anders Borg hält es für „wahrscheinlich“, dass Griechenland die Eurozone in den kommenden sechs Monaten verlassen wird.

5. Auf den Straßen Athens versammelte sich kürzlich eine wütende Menge von rund 40.000 Demonstranten, um gegen den Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu protestieren:

„Von Studenten bis hin zu Rentnern kamen gestern tausende griechische Demonstranten nach Athen, um gegenüber der deutschen Kanzlerin Angela Merkel ihre Entrüstung bezüglich der anhaltenden Austeritätsmaßnahmen in Griechenland zum Ausdruck zu bringen.

Das Demonstrationsverbot der Regierung missachtend machten sich rund 40.000 Menschen – viele von ihnen trugen Poster, auf den Frau Merkel als Nazi zu sehen war – in Richtung des Syntagma Platzes nahe des Parlamentsgebäudes auf. Maskierte Jugendliche bewarfen die Bereitschaftspolizei mit Steinen, während die Beamten darauf mit Tränengas reagierten.

Die Behörden hatten 7.000 Polizisten im Einsatz. Wasserwerfer und Hubschrauber waren dabei. Auf den Dächern wurden Scharfschützen postiert, um die Sicherheit der deutschen Politikerin zu gewährleisten.“

6. Die Schuldenkrise in Argentinien spitzt sich immer weiter zu.

7. Das Schulden/BSP-Verhältnis von Italien wird dieses Jahr voraussichtlich auf die Marke von 126% klettern. Bei Griechenland wird damit gerechnet, dass das Verhältnis die Marke von 198% erreicht, und bei Japan soll das Schulden/BSP-Verhältnis auf atemberaubende 237% steigen.

8. Die Kreditratingagentur Standard & Poor´s hat die Bonitätsnote für spanische Staatsschulden auf BBB- abgesenkt – das ist gerade einmal eine Stufe über Ramschstatus.

9. Im Jahr 2000 belief sich das Gesamtschulden/BSP-Verhältnis Spaniens auf 192%. Bis 2011 ist dieses Verhältnis auf 363% explodiert.

10. Zurzeit werden aus den spanischen Banken Rekordsummen abgezogen, und viele spanische Großbanken eilen nun immer schneller der Pleite entgegen.

11. Die Wirtschaftsaktivität des spanischen Fertigungsbereichs ist bereits den 17. Monat in Folge rückläufig.

12. Es wird davon ausgegangen, dass die spanischen Eigenheimpreise bis Ende 2013 um weitere 15% zurückgehen werden.

13. Die Arbeitslosenrate Frankreichs liegt aktuell über 10% und ist bereits 16 Monate in Folge gestiegen.

14. Es gibt Hinweise, dass sich die Schweiz aktuell auf große europaweite Bürgerunruhen vorbereitet.

15. Jürgen Stark, der ehemalige Chefökonom der Europäischen Zentralbank, sagt, dass die Europäische Zentralbank nun in einen Zustand der „Panik“ verfallen sei und händeringend darum bemüht ist, die europäische Schuldenkrise unter Kontrolle zu bekommen.

16. Laut einem kürzlich veröffentlichten IWF-Bericht müssen die europäischen Banken in den kommenden 14 Monaten wohl USD 4,5 Billionen an Vermögenswerten abstoßen, um neue strengere Eigenkapitalanforderungen zu erfüllen.

17. Die US-Exporte waren im August rückläufig und sind auf den niedrigsten Stand seit Februar abgesunken.

18. Der Wirtschaftsprofessor Barry Eichengreen macht sich bezüglich der kommenden Entwicklung an den US-Aktienmärkten große Sorgen: „Ich bin besorgt, dass die Aktienmärkte, speziell die der Vereinigten Staaten, dem Wirtschaftswachstum vorausgeeilt sind.“

19. In der letzten Septemberwoche haben Investoren über USD 10 Milliarden aus US-Anlagefonds abgezogen. Seit Anfang dieses Jahres sind schon über USD 100 Milliarden aus US-amerikanischen Anlagefonds abgezogen worden.

20. Ich hatte ja jüngst erst darüber berichtet, dass der IWF zurzeit davor warnt, dass das Risiko einer sich verstärkenden Abschwächung der Weltwirtschaft „alarmierend hoch“ ist.

21. Wenn die Transportunternehmen damit anfangen, Stellen zu streichen, ist das einer der besten Hinweisgeber dafür, dass die Wirtschaftsaktivität zurückgeht. Das ist auch der Grund, warum es so beunruhigend war, als FedEx bekanntgab, dass es in den kommenden Monaten „mehrere tausend“ Mitarbeiter entlassen würde. Laut AFP werden seine „Geschäfte zurzeit von einer weltweiten Wirtschaftsabschwächung in Mitleidenschaft gezogen“.

In meinem Artikel „Weltgrößter Wirtschaftsraum bricht vor aller Augen zusammen“ finden sich noch weitere Hinweise darauf, dass sich die Weltwirtschaft aktuell rasch verschlechtert.

Und, gibt es überhaupt irgendjemanden, dem es zurzeit gut geht?

Ja, wie sich herausgestellt hat, beschert die dritte Runde quantitativer Lockerung (QE3) den US-amerikanischen Großbanken ordentliche Profite und sorgt dafür, dass die Reichen noch reicher werden, genauso wie es von mir vorhergesagt wurde. Laut der Washington Post hilft QE3 eher den Großbanken und nicht den Verbrauchern. Hat das die US-Notenbank von Anfang an im Sinn gehabt?

„JPMorgan Chase und Wells Fargo, die größten Hypothekengeber des Landes, erklärten am Freitag, dass sie die Eigenheimkredite für die Verbraucher nicht wesentlich verbilligen würden – und das obwohl sie in diesem Geschäftsbereich boomende Gewinne gemeldet hatten.

Diese Schwergewichte sind mit staatlichen Konjunkturbelebungsprogrammen gehätschelt worden. Die Federal Reserve gibt aktuell USD 40 Milliarden pro Monat aus, um die Hypothekenzinsen zu senken und die Amerikaner zum Kauf von Eigenheimen zu bewegen – aber ihre geldpolitischen Strategien könnten stattdessen dafür sorgen, dass die Banken stärker davon profitieren als die Verbraucher.“

Und, wie genau hat QE3 den Banken nun geholfen? Dafür brauchen wir uns lediglich die Zahlen anzuschauen: „Bei JPMorgan stiegen die Einnahmen aus Hypotheken im dritten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 57% und bei Wells Fargo um über 50%.“

Ist von der US-Notenbank Federal Reserve irgendetwas anderes zu erwarten gewesen?

Das amerikanische Volk vertraut darauf, dass die US-Notenbank die Wirtschaft schützt – die Fed ist aber noch nicht einmal in der Lage, ihre eigenen Geldlieferungen zu schützen. Fakt ist, dass der Fed jüngst eine große Lieferung neuer 100-Dollarscheine abhanden gekommen ist.

Aber vielleicht lässt es die US-Notenbank ja absichtlich zu, dass ihr das Geld von ihren eigenen Trucks gestohlen wird, um auf diese Art die „Wirtschaft anzukurbeln“ … Wie dem auch sei, die Wahrheit ist, dass die US-Wirtschaft und das US-Finanzsystem nicht tragfähig sind, ganz egal, wie man es auch drehen und wenden mag.

Die US-Regierung versinkt in einem Meer aus Staatsschulden, die US-Bürger versinken in einem Meer aus Privatschulden, Wall Street hat sich in ein hochriskantes Finanzcasino verwandelt, wo die größten US-Finanzinstitutionen jeden Tag alles auf Spiel setzen, die USA konsumieren weit mehr als sie produzieren, es gibt über 100 Millionen US-Bürger, die auf Sozialhilfe angewiesen sind, und wir stehlen von künftigen Generationen über USD 100 Millionen pro Stunde, um für alles zu bezahlen.

Jeder, der glaubt, dass sich die USA in einer „guten Verfassung“ befinden, hat von Ökonomie nicht die leiseste Ahnung. Und leider stehen die USA damit nicht alleine da. Überall auf dem Planeten haben die Länder mit ähnlichen Problemen zu kämpfen. Die Weltwirtschaftskrise steht erst am Anfang und wird noch bedeutend schlimmer werden. Ich hoffe, Sie sind entsprechend vorbereitet.

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