Goldpreis unter Druck: Langfristig sind nur die Realzinsen von Bedeutung

Goldanleger müssen steigende Zinssätze nicht fürchten, solange diese unter der Inflationsrate liegen. Während des Goldbullenmarkts in den 70er Jahren lagen die Zinsen für 10-jährige US-Staatsanleihen auch zwischen 7% und 13%

Michael Pento, King World News, 15.10.2012

Es gibt zwei Gründe, warum der Goldpreis vergangene Woche unter Druck geriet. Einer dieser Gründe ist legitim, während der andere überhaupt keine Bedeutung hat.

Das US-Arbeitsministerium verkündete am Donnerstag, dass die Arbeitslosenneuanmeldungen in der ersten Oktoberwoche um 30.000 zurückgegangen sind. Dieser Einbruch sorgte dafür, dass die Neuanmeldungen für die Arbeitslosenversicherung auf ein 4-Jahrestief gesunken sind. Ungeachtet der Tatsache, dass dieser Rückgang vornehmlich darauf zurückgeht, dass ein großer US-Bundesstaat seine Quartalszahlen nicht akkurat gemeldet hatte, vermutete der Goldmarkt aufgrund dieser Daten, dass die Zinssätze schon bald wieder steigen könnten.

Ich erachte es daher als sinnvoll, hier noch einmal auszuführen, warum steigende Zinssätze keine negativen Auswirkungen auf den Goldpreis haben, solange es sich bei diesen Anstiegen um eine vom Markt herrührende Reaktion auf die Inflation handelt und die Zentralbanken die Realzinsen nicht absichtlich in den positiven Bereich treiben.

Der Goldpreis lag 1976 noch bei USD 100 pro Unze und stieg bis 1980 auf USD 850 pro Unze. Während dieses Zeitraums stieg die Rendite für die 10-jährige US-Staatsanleihe von 7% auf 12,5%. Der Grund, warum Gold während dieses Zeitraums so starke Zuwächse zu verzeichnen hatte, obschon die nominellen Zinssätze stiegen, ist, weil die Realzinsen unterdessen in Wirklichkeit sanken.

Die US-Behörde für Arbeitsmarktstatistik weist aus, dass die Inflation, die aus dem offiziellen Verbraucherpreisindex hervorgeht, von 6% im Jahr 1976 bis auf 14% im Jahr 1980 stieg. Hier kommt noch hinzu, dass die US-Notenbank die Federal Funds Rate während der Amtszeiten von Arthur Burns und G. William Miller weit unter der Inflationsrate hielt; der Interbankenzinssatz stieg von 5% im Jahr 1976 auf gerade einmal 10,5% im Jahr 1979 – also kurz bevor Paul Volcker sein Amt als Fed-Chef antrat.

Der jetzige Fed-Chef Ben Bernanke weiß natürlich, dass sich der US-Arbeitsmarkt in Wahrheit garnicht so stark verbessern kann, dass es dadurch zu einem Anstieg des Preisniveaus kommen würde. Deswegen braucht sich der Goldmarkt bezüglich der Zinsanstiege, die von besseren Arbeitsmarktdaten und damit einhergehenden Aktivitäten der Fed herrühren, auf absehbare Zeit auch keine Sorgen zu machen.

Solange die Zinssätze real nicht steigen, stellen sie keinerlei Gefahr für den Goldmarkt dar. Nur wenn die Zentralbank die Zinssätze über die Inflationsrate heben würde, würde der Goldpreis zurückgehen – aber es gibt keinerlei Hinweise drauf, dass irgendeine Zentralbank auf dem Planten dies zum jetzigen Zeitpunkt vorhat.

Der Goldpreis ist in den vergangenen zwölf Jahren von USD 250 pro Unze in 2011 auf aktuell USD 1.760 pro Unze explodiert, genauso wie dies bereits in den 70er Jahren beobachtet werden konnte. Die realen Zinssätze fallen weiter, und die Zentralbanken hielten die Federal-Funds-Rate während dieser Zeit weiter unter der Inflationsrate.

Das Entscheidende ist, dass Edelmetallinvestoren lediglich die Entwicklung der Realzinsen im Blick haben müssen. Solange die Inflationsrate schneller steigt als die nominellen Zinssätze, werden wir einen Goldbullenmarkt haben.

Der zweite Grund – und wahrscheinlich der einzig legitime –, warum der Goldpreis jetzt unter Druck gerät, ist, weil die USA nun immer stärker der sogenannten „Fiskalklippe“ entgegensteuern. Das Hauptszenario, von dem wir bei Pento Portfolio Strategies ausgehen, ist, dass die Politiker beider Parteien aus Eigeninteresse wieder einmal einen Kompromiss finden werden, anstatt im Interesse des Landes zu handeln.

Die US-Politiker werden also drastische Haushaltseinsparungen, die zu Beginn nächsten Jahres automatisch einsetzen würden, vermeiden. Ein massiver Rückgang bei den Staatsausgaben würde kurzfristig zu einer schweren Rezession führen, wäre für das langfristige wirtschaftliche Wohlergehen der USA jedoch extrem wichtig.

Stattdessen lagen die US-Haushaltsdefizite in den letzten vier Jahren aber fortwährend über der Marke von USD 1 Billion. Die Federal Reserve hat ihre Bilanz bereits um Billionen Dollars ausgeweitet; und dieses Geld wird zurzeit von den Geschäftsbanken genutzt, um die Staatsschulden zu monetisieren und die Geldversorgung zu erhöhen.

Sollten die USA tatsächlich über die Fiskalklippe jagen, würden die jährlichen Haushaltsdefizite der US-Regierung um 50% zurückgehen. Der Goldpreis würde dann den potenziellen Rückgang des Schuldenwachstums und der Geldmenge mit einpreisen. Die Anleger sollten alle Meldungen über „Verbesserungen“ am Arbeitsmarkt ignorieren und sich stattdessen lieber auf die sich zurzeit rasch eintrübende Lage der Weltwirtschaft konzentrieren.

Sicher, Austeritätsmaßnahmen sind natürlich immer deflationär. Sollten die USA diesen Weg tatsächlich beschreiten – sie könnten ja auch dazu gezwungen werden –, würden die Rohstoffpreise, ja praktisch alle Finanzmärkte, dies zu spüren bekommen.

Es ist nach wie vor die richtige Strategie, Edelmetalle, Energie, landwirtschaftliche Rohstoffe und ihre Aktien zu halten. Es kann aber nicht schaden, seine Investments abzusichern – nur für den Fall, dass das unwahrscheinliche Szenario eintritt und die USA wie Thelma und Louise über die Klippe rauschen.

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