Schuldenimperium: 40% der US-Bürger haben weniger als USD 500 an Ersparnissen

My Budget 360, 23.10.2012

Wenn sich die Amerikaner zwischen Sparen und Geldausgeben entscheiden müssten, würden sich die meisten von ihnen dazu entschließen, sich auf die Seite des Geldausgebens zu schlagen. Die Amerikaner sind so ans Geldausgeben gewöhnt, dass sie sich sogar Dinge kaufen, die sie sich überhaupt nicht leisten können.

Eine jüngst durchgeführte Umfrage ergab, dass 40% der US-Bürger weniger als USD 500 an Ersparnissen haben. Dies steht mit einer anderen Umfrage von 2011 in Einklang, bei der herauskam, dass ein Drittel der US-Bevölkerung praktisch überhaupt keine Ersparnisse hat.

Wie ist es möglich, dass die Menschen in dem vermögendsten Land auf dem Planeten so ausgabensüchtig sind und diese Ausgaben dann auch noch mit unglaublichen Bergen an Schulden finanzieren? Das Schuldenniveau der USA bricht immer neue Rekorde, und es ist völlig klar, dass es so nicht weitergehen kann.

Natürlich hört man bezüglich der Staatsverschuldung von über USD 16 Billionen zahlreiche Plattitüden und Lippenbekenntnisse – aber das ist nur ein weiterer Hinweis darauf, dass die USA gewillt sind, sich massiv zu verschulden, nur damit die Party noch ein paar Stunden weitergeht.

Die Finanzierung einer Schuldengeneration

Einer der aussagekräftigeren Charts ist der, wo die Verschuldung der Haushalte der Sparquote gegenübergestellt wird:

Von 1950 bis Anfang der 80er Jahre lag die Sparquote der Amerikaner bei rund 10% ihres Einkommens. Hier sollte man auch im Hinterkopf behalten, dass dies eine Ära war, wo die Unternehmen den Arbeitnehmern noch großzügige Rentensparpläne anboten.

In den 80er Jahren fingen die Amerikaner dann jedoch damit an, mehr auszugeben, als sie verdienten, und einen größeren Teil ihres Konsums zu finanzieren (blaue Linie in der Grafik). Es schien, als würde die Party kein Ende nehmen. Die Verschuldung der Haushalte kletterte von USD 1 Billion in den 70er Jahren auf das aktuelle Hoch von über USD 14 Billionen.

Viele müssen tatsächlich geglaubt haben, dass die Finanzierung all diesen Konsums eine gute Sache ist; sich Häuser zu kaufen, die man sich gar nicht leisten kann, Autos zu finanzieren, die viele offenkundig nicht unterhalten können … Die USA sind eine Nation von Hyper-Konsumenten. Und diese nunmehr seit Jahrzehnten anhaltende Leidenschaft spiegelt sich auch in den US-Regierungsausgaben wider. Alle wollen alles haben – aber keiner will dafür zahlen!

Im 21. Jahrhundert wurde dann auf einmal die Rechnung fällig, was auch der Grund dafür ist, warum sich die USA jetzt zurückentwickeln und viele Haushalte damit zu kämpfen haben, über die Runden zu kommen.

Der entscheidende Unterschied zu früheren Krisen ist, dass die US-Haushalte ihre Austeritäts-Pille bereits geschluckt haben, während die Banken – die über beste Beziehungen verfügen – Billionen Dollars an Rettungsgeldern erhalten haben und nach wie vor Geld verdienen, indem sie ihre Verluste sozialisieren und unrechtmäßig erworbenen Gewinne einbehalten.

Die USA leisten sich unglaubliche Haushaltsdefizite:

Bei den Haushaltsdefiziten handelt es sich um ein langjähriges Phänomen, das bereits in den 70er Jahren begann. Die USA waren nur deshalb in der Lage, diese Defizite aufzutürmen, weil in der Vergangenheit so viel Vermögen angehäuft wurde. Das Fundament der USA ist solide, wird nun aber zunehmend stärker ausgehöhlt. Wer über viele Jahre hinweg erfolgreich war, hat natürlich auch mehr Geld zum verzocken übrig.

Doch jetzt erkennen viele Amerikaner die verstecken Kosten dieser Konsumfinanzierung: Die Haushaltseinkommen sind bereits auf das Niveau des Jahres 1995 abgesunken, 46 Millionen US-Bürger sind auf staatliche Lebensmittelmarken angewiesen und die Kosten für eine Vielzahl an Gütern steigen. Mit anderen Worten: Die Rechnung wird fällig.

In den USA herrscht die Illusion von wirtschaftlichem Wohlergehen vor. Das hängt damit zusammen, dass die Menschen den Zugang zu Krediten mit echtem Reichtum durcheinanderbringen. In den USA befindet sich der wirkliche Reichtum zu weiten Teilen in den Händen Weniger. Und die oben aufgeführten Umfragen – die veranschaulichen, dass die Amerikaner kaum genug Geld haben, um auch nur einen ausbleibenden Gehaltsscheck zu überstehen – weisen unmissverständlich darauf hin, dass es sich hier um ein tiefgreifendes Problem handelt.

Viele US-Bürger werden in Niedriglohnjobs gezwungen. Und dadurch, dass derart große Summen für Bankenrettungen – also für Geldgeschenke für systemrelevante Banken – ausgegeben werden und die US-Notenbank die Kreditkosten für die Menschen absenkt, wird das Unvermeidliche lediglich hinausgezögert.

Geld auszugeben, das man nicht hat, ist nicht gerade eine kluge Finanzentscheidung, und wer auch nur kurz darüber nachdenkt, wird die dahinter stehende Logik sofort erkennen. Doch all die Voodoo-Finanzierung und anderer Unsinn überzeugten die Amerikaner davon, einfach wie Zombie-Hamster zu handeln und Geld auszugeben, selbst wenn sie garnicht in der Lage sind, diese Schulden mit ihrem rückläufigen frei verfügbaren Einkommen zu finanzieren.

Die Medien fungieren diesbezüglich in weiten Teilen wie eine Beruhigungspille. Die Bevölkerung wird mit Reality-TV-Shows und iPhones beschäftigt – ansonsten würden die Menschen ja auch mitbekommen, dass etwas im Argen liegt, wenn die Hälfte des Landes praktisch pleite ist.

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