Wirbel um deutsche Goldreserven könnte den Goldpreis kräftig anheizen

Die Entscheidung der Bundesbank, einen Teil ihrer in den Tresoren der US-Notenbank gelagerten Goldbestände einer Überprüfung zu unterziehen, könnte Auswirkungen auf den Goldpreis und Edelmetallinvestments haben

Dorothy Kosich, Mineweb.com, 31.10.2012

Die immer lauter werdenden Forderungen deutscher Regierungsvertreter und Politiker, eine formelle Überprüfung der in den USA gelagerten deutschen Goldreserven durchzuführen, sorgten für Medienberichte, in denen davon ausgegangen wird, dass die Goldreserven der westlichen Länder geringer sind, als ursprünglich angenommen.

In einem am 30.10.2012 von Coin Week veröffentlichten Artikel führt Louis Golino dazu aus:

„Sollten diese Berichte richtig sein, haben sie bedeutende Auswirkungen auf den künftigen Goldpreis und daher auch auf die Edelmetallinvestoren. Zunächst einmal legen sie nahe, dass viel weniger gefördertes Gold existiert, als ursprünglich angenommen. Zweitens ist es für die sogenannte Manipulationsthese von besonderer Wichtigkeit, die besagt, dass die Regierungen versuchen, den Goldpreis zu drücken. Sollten die Regierungen weniger Gold halten, als wir glauben, wird ihre Fähigkeit der Preisbeeinflussung ebenfalls massiv zurückgehen.“

 Es wird davon ausgegangen, dass Deutschland 3.396 Tonnen Gold hält und somit nach den USA die zweitgrößten Goldbestände der Welt besitzt. Deutsche Politiker und der Bundesrechnungshof haben die Bundesbank aufgefordert, die deutschen Goldreserven zu überprüfen, von denen der überwiegende Teil in ausländischen Banken gelagert wird.

Ganz zu Beginn hatte die Bundesbank diese Forderungen noch zurückgewiesen und behauptet:

„Der Umfang der vom Bundesrechnungshof verlangten Überprüfungen steht mit den unter den Zentralbanken üblichen Praktiken nicht in Einklang … An der Integrität und Reputation dieser ausländischen Aufbewahrungsstätten bestehen keinerlei Zweifel.“

 Vergangene Woche wurde von den Medien dann ein Bericht des Bundesrechnungshofs veröffentlicht. In dem Dokument gelangt man zu der Feststellung, dass die Goldbarren Deutschlands „noch nie von der Bundesbank selbst oder anderen unabhängigen Prüfern physisch überprüft worden sind.“ Stattdessen vertraue man auf „schriftliche Bestätigungen von den Lagerstätten.“

Seit dem Zweiten Weltkrieg lagert Deutschland, das Angst vor einem möglichen Landkrieg mit den ehemaligen Sowjetstaaten hatte, rund zwei Drittel seiner Goldreserven, die über einen Gesamtwert von USD 190 Milliarden verfügen, in den Tresoren der US-Notenbank Federal Reserve (geschätzte 66%), der französischen Notenbank (8%) und der Bank von England (21%).

Neben den Transportkosten, die im Rahmen einer Überführung des Goldes nach Frankfurt anfallen würden, verweist die Bundesbank laut einem Spiegel-Artikel vom Mai dieses Jahres auch darauf, dass die

„symbolischen Wirkung, die eine Repatriierung ihrer Goldreserven hätte, die nervösen Finanzmärkte verunsichern könnte, die dies als Zeichen eines unmittelbar bevorstehenden Euro-Zusammenbruchs auffassen könnten.“

 Jetzt meldet Der Spiegel aber, dass die Bundesbank zugestimmt hat, ihre Goldreserven zu überprüfen. Die Bundesbank wird Vereinbarungen treffen, um einen Teil der Goldreserven des Landes zu repatriieren und auf Echtheit zu überprüfen.

Angeblich erklärte sich die Bundesbank damit einverstanden, innerhalb der kommenden drei Jahre 150 Tonnen bei der New Yorker Notenbank gelagerten Goldes nach Deutschland zu bringen. Die Bild-Zeitung meldete, dass pro Jahr 50 Tonnen Gold nach Deutschland zurückgebracht werden, wo es dann eingeschmolzen und auf Reinheit getestet werden wird, bevor man es wieder zu Standardbarren verarbeitet.

Als CNBC an die Fed herantrat, um eine Stellungahme zur Forderung der Bundesbank zu erhalten, hielt sich die US-Notenbank bezüglich der Frage, wie die Bitte um Überprüfung der Goldreserven gehandhabt werde, bedeckt. CNBC zitiert jedoch eine anonyme Quelle, die nahelegte, dass „sie wahrscheinlich eine Vereinbarung ausarbeiten werden, die den Deutschen irgendeine Art von Inspektion ermöglicht.“

Das in den USA ansässige „Gold Anti-Trust Action Committee“ (GATA) behauptet bereits seit langem, dass die Finanzinstitutionen gemeinsame Sache machen würden und die Zentralbanken in Wirklichkeit gar nicht die Mengen an Gold besitzen, die von ihnen immer ausgewiesen werden.

John Embry, der Chef-Investmentstratege von Sprott Asset Management, behauptet ebenfalls seit langem, dass die Goldbestände der Zentralbanken viel geringer seien, als offiziell verlautbart. Im Gespräch mit King World News erklärte er am 29.10.2012:

„Ich bin fest davon überzeugt, dass, wenn man sich all die westlichen Zentralbanken und das Gold, das sie angeblich besitzen, anschaut, ja dann glaube ich, dass ein bedeutender Teil davon nicht in ihren Tresoren ist. Die können sagen, was sie wollen, am Ende, wenn sie nicht mehr genügend Gold haben, um den Preis unter Kontrolle zu halten, wird der Markt die Wahrheit über das fehlende physische Gold erfahren.“

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