US-Wahlen: Besser hätte es für Gold gar nicht laufen können

Jeff Nichols, Nichols on Gold, 07.11.2012

Der Ausgang der US-Wahlen am Dienstag – Präsident Obama bleibt weitere vier Jahre im Weißen Haus, die Demokraten können ihre schwache Mehrheit im US-Senat aufrecht erhalten, ohne dass sie genug Sitze hätten, um bei wichtigen Gesetzesentscheidungen ein Veto der Republikaner zu überstimmen, und die Republikaner verfügen nach wie vor über eine starke Mehrheit im Abgeordnetenhaus – dürfte das Beste sein, was Goldanlegern hätte passieren können.

Es ist gerade mal einen Monat her, als Gold am 05.10.2012 ein 11-Monatshoch erzielte und auf über USD 1.795 pro Unze kletterte. Seit diesem Zeitpunkt, also der heißen Phase vor der Wahl, sank das gelbe Metall auf bis zu USD 1.672 pro Unze, was die Chancen widerspiegelte, dass Romneys Sieg zu einer wirtschaftlichen Trendwende führt – eine Trendwende, die für Gold nicht sonderlich erfreulich gewesen wäre.

Ende letzter Woche, als sich die Umfrageergebnisse wieder zugunsten von Obama veränderten, legte Gold abermals eine Rally hin und kletterte auf knapp USD 1.730 pro Unze, bevor es erneut ein wenig nachgab, da an den Papiermärkten spekulative Gewinne mitgenommen wurden.

Der Goldpreis dürfte weiterhin volatil bleiben. Wir werden auch künftig auf Tages- wie auch auf Wochenbasis starke Aufs und Abs sehen, während der Markt die langfristigen Auswirkungen vier weiterer Jahre mit Obama auszuloten versucht – vier weitere Jahre einer rezessionsartigen wirtschaftlichen Lage, wenn nicht gar noch schlimmer; vier weitere Jahre finanzpolitischer Stillstand, bei dem jedes Jahr billionenschwere Defizite aufgetürmt werden; und, am wichtigsten für den Goldpreisausblick, vier weitere Jahre an geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen durch die US-Notenbank Federal Reserve.

Jetzt, wo die Wahlen hinter uns liegen, wird der Markt seine Aufmerksamkeit erneut auf die möglichen geldpolitischen Entscheidungen der US-Notenbank richten, die bei dem Treffen des Offenmarktausschusses der Fed am 12.12.2012 diskutiert oder sogar gleich implementiert werden könnten. Es wird bereits gemunkelt, dass weitere quantitative Lockerungsmaßnahmen eingeleitet werden – Erwartungen, die sich schon bald als starke neue Triebkraft herausstellen könnten.

Längerfristig gesehen dürfte die Obama-Administration aggressive geldpolitische Belebungsmaßnahmen als die einzige Möglichkeit erachten, um den rezessionsartigen wirtschaftlichen Tendenzen der US-Wirtschaft und der Weltwirtschaft zu begegnen. Darüber hinaus geht die Amtszeit des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke 2014 zu Ende und Obama wird wahrscheinlich abermals eine geldpolitische „Taube“ zum Fed-Chef ernennen.

Ferner werden die Finanzmärkte – auch der Goldmarkt – zunehmend stärker auf die drohende „Fiskalklippe“ reagieren, bei der zu Jahresbeginn automatisch Steuererhöhungen und Haushaltseinsparungen in Gesamthöhe von USD 500 Milliarden zum Tragen kämen … sollten sich der US-Kongress und die US-Administration bis dahin nicht auf eine Lösung einigen, um die staatliche Verschwendungssucht fortsetzen zu können. Wahrscheinlich ist, dass Washington einfach Zeit schinden wird, indem sich die Politiker darauf einigen, dass die Defizitabsenkung einfach zu einem späteren Zeitpunkt erneut auf die Tagesordnung kommt.

Wie auch immer die Sache ausgehen wird, die USA befinden sich zurzeit auf demselben Weg, den Europa bereits eingeschlagen hat: Den Pfad der schlecht getimten finanzpolitischen Selbstbeschränkung – eine Selbstbeschränkung, die die rezessionsartigen Tendenzen nur noch verschlimmern wird, was dann wiederum die US-Notenbank dazu zwingt, noch massivere geldpolitische Belebungsmaßnahmen zu ergreifen.

Diese und andere positive Preistreiber und die Fundamentaldaten des physischen Markts könnten für Gold in den letzten Wochen dieses Jahres zu einem „perfekten Sturm“ werden – und es ist durchaus möglich, dass der Goldpreis zum Jahresende oder zu Beginn des kommenden Jahres sein Allzeithoch testet oder es sogar überschreitet.

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