EU-Staatsschuldendebakel: Eurozone rutscht erneut in die Rezession ab

Die Aussicht auf eine nachhaltige Wirtschaftserholung in den Industrieländern rückt in immer weitere Ferne

Patrick Wood, The August Forecast, 21.11.2012

Jetzt ist es offiziell: Die Eurozone ist erneut in die Rezession abgerutscht, die nach 2009 die überwiegende Zeit pausiert hatte. Trotz leichter Zuwächse in Deutschland und Frankreich ging das Wirtschaftswachstum in den anderen Euroländern das zweite Quartal in Folge zurück.

Und ein Land, Griechenland, verharrt nach wie vor in einer vollumfänglichen Wirtschaftsdepression. Die griechische Wirtschaft ist auch im dritten Quartal um 7,2% zurückgegangen. Reuters meldet, dass das BSP im dritten Quartal dieses Jahres im Vergleich zum dritten Quartal 2008 real um 20% zurückgegangen ist.

Griechenland leidet zurzeit unter einer Arbeitslosenrate von 25%, aber die Jugendarbeitslosigkeit liegt bei schwindelerregenden 58%. So sehen vier Jahre knallharter Wirtschaftsdepression aus!

Und falls Sie der Meinung sind, dass Griechenland mit Problemen zu kämpfen hat, sollten Sie vielleicht mal auf die spanische Arbeitslosenrate schauen, die bei atemberaubenden 25,8% liegt!

Die Austeritätspolitik, die den südlichen Euroländern aufgezwungen wurde, konnte durch die Belebungsmaßnahmen der nördlichen Euroländer (speziell durch die deutschen Belebungsmaßnahmen) nicht aufgefangen werden.

Und wie die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel prahlt, hat bisher keiner der bedeutenden EU-Geldgeber bei griechischen Staatschulden auch nur einen einzigen Cent abschreiben müssen. Doch der Tag der Abrechnung kommt. Die Deflation ist ein grausamer Zuchtmeister und schert sich weder um Kreditgeber noch um Schulden.

Die Frage ist nicht, ob es einige Investoren treffen wird, sondern welche. Zur Auswahl stehen die ausländischen Banken, die Zentralbanken, die Regierungen, die Staatsfonds, die Privatanleger und die Sparer. Bisher war es nur die unterste Klasse, die Sparer, die dank der hohen Tiere Verluste einfahren musste.

Frankreich befindet sich ebenfalls am Rande einer Rezession – keine sonderlich schwierige oder gewagte Prognose, wenn man bedenkt, dass Frankreich im vierten Quartal mit nahezu 100%iger Sicherheit abstürzen wird. Und Deutschland ist Frankreich direkt auf den Fersen.

Desmond Supple von Nomura Securities kommentierte die Entwicklung mit den Worten: „Europa hat Strategien aus den 30er Jahren ausgegraben – und sie treiben die peripheren Euroländer jetzt in Richtung einer Depression.“

Ambrose Evans-Pritchard von der britischen Zeitung Telegraph meldet:

„Die weit gefasste Geldmenge M3 ist die letzten sechs Monate zurückgegangen. Aber nicht nur, dass die Kreditvergabe an Privathaushalte und Firmen zurückgeht, nein, der Rückgang beschleunigt sich sogar noch.“

Für Amerika hält diese Entwicklung eine Lektion bereit: Die Verheerungen, die durch eine Deflation angerichtet werden, können nicht einfach dadurch aufgehalten werden, indem man mehr Geld ins System pumpt, so wie es die US-Notenbank zurzeit probiert.

Unterdessen brechen die japanischen Exporte ein; sie sind im Oktober um 6,5% gefallen. Japan war – mit China an zweiter Stelle – über lange Zeit hinweg der Wachstumsmotor Asiens. Nach Jahren wirtschaftlicher Stagnation und hoher Haushaltsdefizite verfällt Japans gealterte Wirtschaft nun zusehends.

US-Wirtschaft

Die Beziehung zwischen der Wirtschaft und den Aktienmärkten ist nach wie vor intakt. Trotz all der zahlreichen negativen Faktoren finden sich hier und da tatsächlich auch ein paar gute Nachrichten. Ungeachtet dessen fällt der Aktienmarkt und die Wirtschaft wird ihm letztlich folgen.

Ein renommierter Ökonom, Jeremy Grantham, sagt voraus, dass die US-Wirtschaft künftig nur noch auf ein inflationsbereinigtes Wirtschaftswachstum von 0,9% pro Jahr kommen wird und die „alte Wachstumsrate von 3%“ jetzt für immer Geschichte ist:

„Das Bevölkerungswachstum ist erledigt; es wird nur noch um 0,5% steigen. Dass die Frauen in die Arbeitnehmerschaft integriert worden sind, half dabei, die Zahl der Arbeitsstunden zu erhöhen, aber die geringere Zahl an Kindern wird das langfristig zunichtemachen. Und das bedeutet, dass es weniger Arbeitsstunden geben wird, was auch bedeutet, dass die Produktivität sinkt.

Grantham sagt, dass die Fertigungsindustrie bis 2040 nur noch 5% der Gesamtwirtschaft ausmachen wird. Die Produktivität im Dienstleistungssektor wird bis 2030 kaum wachsen. Die US-Bürger werden mehr Geld für Rohstoffe wie Öl ausgeben. ´Der Preisanstieg könnte sich sogar noch beschleunigen, wenn die billigen Rohstoffquellen versiegen`, so Grantham.

´Wenn die Rohstoffkosten jährlich um 9% steigen, werden die USA an einen Punkt gelangen, wo all das von der Wirtschaft geschaffene Wachstum schlicht dafür aufgebraucht werden wird, um genug Ressourcen zur Aufrechterhaltung des System zu bekommen.“ In Wahrheit dürfte die Wirtschaft in den kommenden elf Jahren zurückgehen.

Grantham kommt zu dem Schluss: ´Von entscheidender Bedeutung ist, dass der Technologieboom und das Platzen der Blase und der darauffolgende Eigenheimboom und das Platzen der Eigenheim- und Finanzblase dazu beitrugen, die jüngsten unerfreulichen grundlegenden Entwicklungen zu verschleiern: Den kontinuierlichen und wichtigen Rückgang des langfristigen US-Wirtschaftswachstums.`“

Es ist offenkundig, dass sich Grantham der demographischen Trends bewusst ist. Die weltweiten Anstrengungen zur Bevölkerungskontrolle, die in den 70er Jahren ihren Anfang nahmen, haben mittlerweile zu der schlimmen Situation geführt, dass der Anteil der arbeitenden Bevölkerung immer weiter zurückgeht, während die Zahl älterer Menschen immer stärker zunimmt. Laut Experten ist die heutige Geburtenrate so niedrig, dass es mathematisch unmöglich ist, eine Wirtschaftserholung herbeizuführen …

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