Inflation vs. Deflation: Cui bono?

Simon Black, Sovereignman.com, 18.12.2012

Im antiken Rom, zu einer Zeit, wo die Römische Republik noch intakt war, prägte Lucius Cassius, einer der angesehensten Konsuln Roms, die Redewendung „Cui bono?“.

„Cui bono?“ bedeutet „Wem zum Vorteil?“, und Lucius Cassius, der von Natur aus neugierig und analytisch veranlagt war, stellte diese Frage immer dann, wenn er einem Verbrechen nachging oder versuchte, politische Korruption aufzudecken. Ja, schon im alten Rom fand sich immer jemand, der profitierte.

Dieses simple Prinzip kann heutzutage immer noch angewendet werden, speziell wenn es um die von den Regierungen implementierten dümmlichen Gesetze und politischen Strategien geht.

Beispielsweise entschied die US-Heimatschutzbehörde DHS, dass alle Fluggäste in Strahlen gebadet werden müssen, bevor sie das Flugzeug betreten, weshalb sie sich daran machte, Unmengen an Nacktscannern für USD 100.000 pro Stück zu kaufen. Wer profitiert? Der begeisterte Verfechter von Nacktkörperscannern und ehemalige Chef der US-Heimatschutzbehörde Michael Chertoff, so heißt es, habe fragwürdige Verbindungen zu Rapiscan Systems. So, und jetzt dürfen Sie drei Mal raten, was die wohl herstellen.

Manchmal ist die Korruption so offenkundig, dass es einfach nur wehtut.

Cui bono hilft uns auch bei der Beantwortung der Frage, ob nun die Inflation oder die Deflation obsiegen wird – eine der bedeutendsten Wirtschaftsdebatten unserer Zeit.

Einige sind der Auffassung, dass die Überschuldung des Systems am Ende dazu führen wird, dass die Geldversorgung und die Preise zusammenbrechen werden. Und es gibt viele, die der Meinung sind, dass die fortwährenden Gelddruckmaßnahmen und die Politik des billigen Geldes zu bedeutenden Preisanstiegen führen werden.

Cui bono?

In einem deflationären Szenario, wo das Preisniveau sinkt, profitiert der Sparer – also Menschen, die mit ihrem Geld verantwortungsvoll umgegangen sind. In einem inflationären Szenario profitieren die Schuldner – also Menschen, die mit ihrem Geld verantwortungslos umgegangen sind.

Und, welche dieser beiden Gruppen hat nun das Sagen? Die letztere natürlich!

Regierungen, speziell westliche Regierungen, brauchen Inflation. Es ist die einzige Möglichkeit, wie sie die Party weiter aufrecht erhalten und den Schuldendienst leisten können.

In einem extremeren Beispiel wurden während der Hyperinflation der Weimarer Republik in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts alle Staatschulden aus der vorinflationären Zeit vernichtet. Um hier mal ein wenig ins Detail zu gehen: Die Gesamtsumme aller Hypotheken in Deutschland belief sich im Jahr 1913 auf rund 40 Milliarden Mark – was heute rund USD 221 Milliarden entsprechen würde.

Zu jener Zeit machte dieser Geldbetrag rund 16% des deutschen Gesamtvermögens aus. 1923, also zehn Jahre später, war dieser Betrag weniger als USD 0,01 wert!

Der Ökonom Peter Reinhold, der in den 20er Jahren an der Yale University forschte, erklärte, dass die Weimarer Zentralbank so viel Geld gedruckt hatte, dass, würde man die Gesamtsumme in 1.000 Mark-Scheinen aufeinanderstapeln, der Berg 25 Milliarden Mal höher wäre als der Mount Everest!

Von dem Drucken derart gigantischer Geldmengen profitierte die Weimarer Republik, da sie auf diese Art ihre Schulden loswurde – und zwar auf Kosten aller anderen, die die Währung letztlich zum Heizen oder als Tapete nutzen konnten.

Die Regierungen profitieren von der Inflation auf betrügerische Weise. In einem inflationären Umfeld neigen die Gehälter dazu zu steigen – und zwar bedeutend schneller als die Steuergesetzgebung angepasst werden kann. Das hat zur Folge, dass Arbeitnehmer, die einer progressiven Einkommenssteuer unterliegen, in einen immer höheren Steuersatz getrieben werden, obwohl ihre inflationsbereinigten Gehälter in Wirklichkeit gesunken sind.

Gehen wir mal davon aus, dass Sie USD 50.000 pro Jahr verdienen und Ihr Steuersatz bei 25% liegt. Ab einem Jahresverdienst von USD 75.000 steigen Sie in eine neue Steuerklasse auf und Ihr Steuersatz liegt dann bei 35%. Und jetzt nehmen wir einmal an, dass sich die Gehälter und Preise innerhalb von drei Jahren verdoppeln. Sie verdienen jetzt zwar USD 100.000 pro Jahr, müssen nun jedoch einen Steuersatz von 35% entrichten. Inflationsbereinigt sind Sie also in Wirklichkeit schlechter dran als zuvor.

Das ist eine weitere Art von Diebstahl und betrifft vor allem Facharbeiter aus der Mittelschicht und all jene, die auf fixe Rentenzahlungen angewiesen sind – und das alles zum Wohle einer fiskalisch verantwortungslosen politischen Klasse.

Und wie wir alle wissen, ist es die politische Klasse, die die Regeln aufstellt, nicht wir. Die Politiker handeln ausschließlich in ihrem eigenen Interesse, nicht in unserem. Und es ist in ihrem Interesse, die Schulden wegzuinflationieren. Diese Tatsache ist nicht nur völlig offenkundig, sondern kann von uns gegenwärtig auch mit eigenen Augen mitverfolgt werden.

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