Gold: Leitfaden für 2013

Michael J. Kosares, USAGOLD.com, 02.01.2013

Bis wir das Ende des Jahres 2013 erreicht haben, werden wir einen Großteil der Dinge vergessen haben, die das Jahr 2012 prägten. Doch wenn wir heute noch einmal auf 2012 zurückblicken, dann lassen sich einige zutiefst entmutigende, wenn nicht gar besorgniserregende Trends ausmachen, die die Finanzmärkte, auch den Goldmarkt, noch eine ganze Weile maßgeblich prägen dürften.

Zunächst einmal wäre da die Unfähigkeit der Politik zu nennen, das „Wirtschaftsproblem“ anzugehen. Von Jinpings Peking über Putins Moskau, Merkels Berlin und Hollandes Paris bis hin zu Camerons London, Obamas Washington D.C. und Abes Tokio – die weltgrößten Nationen sind in einem Netz heftiger und erschreckender Unordnung gefangen.

Die Frage lautet nicht mehr länger, ob Stabilität erreicht werden kann oder nicht, sondern in welchem Umfang die Instabilität eingedämmt wird. Geschichtsinteressierten sind derartige Umstände nicht neu, doch der moderne Anleger ist in der Regel schutzlos und auf ein solches Umfeld überhaupt nicht vorbereitet.

Zweitens gibt es weltweit die Neigung zum Gelddrucken. Dank der katastrophalen Ereignisse, die durch den Finanzcrash des Jahres 2008 ausgelöst worden sind, haben die weltweiten (sich Wählerstimmen kaufenden) Politiker ihre in der Regel konservativeren Zentralbanker in der Schlacht um die Gelddruckerpresse geschlagen.

Ben Bernankes Führungsstil der US-Notenbank ist nicht nur emblematisch für diesen Trend, sondern dient überdies auch noch als schlechtes Beispiel und gefährlicher Präzedenzfall für andere Zentralbanker.

Die Geldpolitik von Ben Bernanke, Mario Draghi und Mervyn King (der schon bald durch den noch gelddruckfreundlicheren Mark Carney ersetzt werden wird) kann heutzutage überhaupt nicht mehr voneinander unterschieden werden. Shinzō Abe, der neue japanische Premierminister, hat damit gedroht, die Souveränität der Bank von Japan zu beschneiden und sie unter direkte staatliche Kontrolle zu nehmen, sollte sie sich weigern, Geld zu drucken. Es scheint, als wäre John Law gleichzeitig in jedem bedeutendem Staat auf dem Planeten wiedergeboren worden.

Der dritte wichtige Aspekt wurde uns von Raoul Pal präsentiert. Pal ist ein hochangesehener Hedge-Fonds-Manager, der in London einst eine der weltgrößten Hedge-Fonds-Gruppen, GLG Global Macro Fund, mitverwaltete. Hierbei geht es um das Wesen der Schuldenkrise an sich – eine Krise, die 2007 ihren Anfang und in Wirklichkeit nie richtig endete.

Während eines Seminars in Shanghai im Sommer 2011 umriss Pal die Grundzüge des Problems. Der Finanzblog Zerohedge.com bezeichnete seinen Vortrag, den er vor anderen Hedge-Fonds-Managern hielt, als einen der „gruseligsten aller Zeiten“.

Pal sagte voraus, dass es zu einem stufenweisen weltweiten Staatschuldenkollaps kommen würde, der in Europa seinen Anfang nimmt, später auf London übergreift und sich dann sukzessive bis nach Japan, Südkorea und letztlich bis nach China durchfressen würde. Am Ende würden auch die Vereinigten Staaten davon erfasst werden. Das Problem, so Pal, sei, dass die USD 70 Billionen an Staatsschulden der G10-Länder als Sicherheit für Finanzderivate im Wert von USD 700 Billionen dienten. Pal sagte:

„Sie müssen begreifen, dass ein weltweiter Bankenkollaps und massive Zahlungsausfälle den größten Wirtschaftsschock herbeiführen würden, den die Welt jemals gesehen hat. Es gäbe dann keine Finanzierung des Handels mehr, keine Finanzierung des Transports, keine Finanzierung der Landwirte, kein Leasing, keinen Anleihenmarkt; es gäbe gar nichts mehr. Und die Märkte befinden sich zurzeit an dem erschreckenden Punkt, wo sie erkennen, dass das LTRO-Programm, der EFSF und QE usw. diesen Kollaps nicht werden verhindern können.“

Ich habe keine Ahnung, ob Raoul Pal richtig liegt. Ich kann noch nicht einmal sagen, ob er auch nur ansatzweise richtig liegt. Was ich hingegen sagen kann, ist, dass er erfolgreich genug gewesen ist, um sich im Alter von 36 Jahren an der Küste von Valencia zur Ruhe zu setzen, und es sich bei ihm um jemanden handelt, wo alle hinhören, wenn er etwas zu sagen hat.

Und ich kann Ihnen sagen, dass zurzeit etwas in der Luft liegt – bei der Psychologie der Anleger findet aktuell ein tiefgreifender Wandel statt, den man zur Kenntnis nehmen sollte. Und das sage ich als jemand, der im Rahmen seiner über 40-jährigen Tätigkeit in der Goldbranche ähnliche Veränderungen bei der Stimmung der Anleger bereits mehrere Male erlebt hat.

In den letzten zwei Monaten des Jahres 2012 haben wir bei USAGOLD Verkaufszahlen gehabt, die an die der Jahre 2008 und 2009 heranreichen – und das waren Rekordjahre. Die US-Münzprägeanstalt bestätigt unsere eigenen Daten und meldete, dass die Verkäufe von Gold Eagles im November und Dezember auf ein 2-Jahreshoch kletterten.

Darüber hinaus ist die Nachfrage nach alten Goldmünzen, die vor dem Jahr 1933 geprägt wurden, stark angestiegen. Das ist ein sehr bedeutender Hinweisgeber, da diese Tatsache darauf hindeutet, dass speziell die Goldinvestoren, die auf der Suche nach sicheren Häfen sind, im Goldmarkt wieder aktiv werden. Und da diese Gruppe von sicherheitsorientierten Goldinvestoren dazu neigt, der Masse vorauszueilen, könnte es durchaus ein Hinweis darauf sein, dass die Goldnachfrage im Verlauf des Jahres 2013 weiter anziehen wird.

Die Edelmetallgroßhändler sagten uns, dass die Nachfrage nach British Sovereigns, niederländischen Gulden und Schweizer Franken in den Vereinigten Staaten und Europa aktuell sehr hoch sei. Speziell die Sovereigns seien nur noch schwer erhältlich. Wenn ich all diese Hinweise richtig lese – und ich bin der Meinung, dass man den Markt am besten für sich selbst sprechen lässt –, dann könnte sich 2013 für Gold als ein sehr gutes Jahr herausstellen.

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