Zinssätze in 2013: Der Spaß fängt gerade erst an

Der Goldpreis steigt erst dann, wenn die Krise richtig zuschlägt und die Zinsen steigen. 2013 dürfte das Jahr sein, an dem die Zinssätze ihr finales Tief ausbilden und zum Anstieg ansetzen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 04.01.2013

Ausgehend von dem Hoch des Jahres 1981 wird 2013 zum Pi-Zieljahr für das Tief bei den Zinssätzen werden. Der entscheidende Aspekt dieser gigantischen Finanzkrise ist immer noch Europa. Der Marxismus ist gescheitert. Russland und China wurden mit dieser Tatsache bereits 1989 konfrontiert – und der Westen wird diese Lektion auch noch lernen. Europa wird das geringste Wirtschaftswachstum aller weltweiten Regionen ausweisen, real wird es sogar eine Wirtschaftsschrumpfung sein.

Alles deutet darauf hin, dass es in 2013 zu einer Trendwende bei den Zinssätzen kommen wird. Und das ist der Zeitpunkt, wo der Spaß richtig losgehen wird. Barack Obama und Frankreich führen die Welt gerade direkt in den Untergang.

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Zinssätze für 10-jährige US-Staatsanleihen seit Anfang der 60er Jahre

Das ist das Entscheidende. Diejenigen, die predigen, dass Gold auf USD 30.000 pro Unze klettern wird, behaupten das bereits seit Ewigkeiten, und wenn sie falsch liegen, erklären sie, dass eine Verschwörung dahintersteckt. Gold wird aber nicht steigen, solange es keine echte Krise gibt. Und die beginnt erst, wenn die Zinssätze wieder steigen. Und mit denen, die behaupten, dass der Dow Jones um 90% einbrechen wird, ist es dasselbe.

Um solch heftige Kursbewegungen zu bekommen, bedarf es eines Hochs bei den Zinssätzen, nicht eines Tiefs. Im Folgenden finden Sie eine Grafik, die die US-Tagesgeldzinssätze von 1876 bis 1932 ausweist. Jede einzelne Panik folgte auf ein Hoch bei den Zinssätzen – und diesem Kollaps bei den Zinssätzen folgt dann ein Einbruch bei den Vermögenspreisen, da das Kapital in Richtung Staat strömt, so wie wir es in 2007 beobachten konnten.

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US-Tagesgeldzinssätze von 1876 – 1932

Um so etwas in heutiger Zeit zu erreichen, müssten die Zinssätze ins Negative abrutschen. Sie müssten der Regierung also 2% zahlen, damit sie Ihr Geld hält. Können Sie sich das allen Ernstes vorstellen?

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Eine Analyse darf niemals isoliert erfolgen. Alles ist mit allem vernetzt. Solch extreme Entwicklungen sind nicht möglich, ohne dass nicht auch alles andere betroffen wäre. Hier geht es ums nackte Überleben – nicht um irgendeine Religion, bei der die Finanzgötter jeden, der mehr Geld besitzt als Sie, mit Feuer und Blitzen vernichten.

fish-bowl-economyGenausowenig findet eine Wiederholung des Jahres 1929 statt, wo die USA noch einen Goldstandard hatten und praktisch dasselbe taten, was Deutschland heute macht – Austeritätsmaßnahmen durchsetzen.

Es wird ohnehin schlimm genug werden. Wir brauchen jetzt bestimmt keine eindimensionalen Analysen. Die echte Welt ist bedeutend komplexer. Zu versuchen, einen einzelnen Markt isoliert zu betrachten, ist total veraltet. Das ist derselbe Fehler, den die US-Notenbank macht, die glaubt, die US-Wirtschaft beleben zu können, indem sie US-Staatsanleihen mit 30-jähriger Laufzeit kauft, um Geld ins System zu pumpen, während der Verkäufer in Wirklichkeit China ist. Lächerlich!

Vielleicht bin ich der erste, der um die ganze Welt gezogen ist, um sich überall mit jedem zu treffen und die Welt aus ihrer Perspektive zu betrachten. So funktioniert die Welt wirklich. Es ist Adam Smith2!

Wir leben nicht in einer Fischglas-Wirtschaft, wo man mit einer einzigen inländischen Analyse auskäme. Das ist auch der Grund dafür, warum die Mehrzahl der Analysen grundfalsch ist. Sie blenden Europa komplett aus und konzentrieren sich ausschließlich auf die US-Wirtschaft, so als sei die US-Notenbank tatsächlich in der Lage, alles zu konzentrieren.

Das Kapital springt von einem Fischglas zum nächsten. Keynes lag völlig daneben, genauso wie Marx. Dafür braucht man sich lediglich Herbert Hoovers Memoiren über das Jahr 1931 durchzulesen.

„Während dieser neuen Phase der Depression trieb es den Flüchtling Gold und die ausländischen Deviseneinlagen durch Ängste befeuert fortwährend von einem Ort des Planeten zum nächsten. Wir mussten mit ansehen, wie die Währungen zermürbt und die Regierungen in Verlegenheit gebracht wurden, während das Gold aufgrund der Angst von einem Land zum nächsten trieb. Fakt ist, dass es eine Masse an Gold und kurzlaufenden Krediten gab, die sich auf dem sturmgetriebenen Schiffsdeck der Welt wie ein unsicherer Kanonist verhielten.“ – US-Präsident Herbert Hoover, Memoires, Band II

Hoover beschreibt exakt dieselben Kapitalbewegungen, die auch bei der Griechenland-Krise beobachtet werden konnten, nachdem Griechenland in Schwierigkeiten geriet. Dann schaute sich das Kapital um und sah Portugal, Spanien, Italien und Frankreich. Bei einer Krise jagt das Kapital von einer Wirtschaft (Fischglas) zur nächsten. Das liegt in der Natur des Kapitals.

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