Euro-Krise: Zypern ist nur die Spitze des Eisbergs

Der Euro ist ein verheerendes Fehlkonstrukt und langsam gehen die Notlösungen aus

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 14.01.2013

Zypern ist das 5. von 17 Eurozonenländern, das um ein Rettungspaket bittet. Die gesamte Struktur der Eurozone ist eine einzige Katastrophe. Es ist weithin bekannt, dass Vertreter der EU-Kommission 1997 an unserer Londoner Konferenz teilnahmen, unsere Warnungen aber in den Wind schrieben. Wir erklärten ihnen, dass, würde man zulassen, dass jedes Land seine Staatsschulden behält, dadurch keine echte Einheitswährung geschaffen würde, da jedes Land einzeln angegriffen werden könnte – und genau das fand ja dann auch statt. Die Anleihen haben lediglich die Währungen ersetzt.

Ja richtig, wir waren damals die Einzigen, die öffentlich davor warnten, dass genau das passieren würde. Wir waren aber ganz sicher nicht die Einzigen, die dieser Auffassung waren. Praktisch jeder Trader an den Handelstischen der großen Banken lachte sich über die Struktur des Euros schlapp. Das Problem bei diesen Leuten, die für solche Banken arbeiten, ist aber, dass sie damit nicht an die Öffentlichkeit gehen können, da ihre Aussagen der Bank zugeschrieben werden, nicht ihnen selbst. Für diese Menschen ist Schweigen Gold.

Es ist durchaus möglich, dass Zypern die Staatspleite ausruft und die Eurozone verlässt – aber das könnte zu einem interessanten Problem führen. Die Verwendung von Steuerzahlergeld durch die EZB, um Griechenland zu retten, hat bei zu vielen Menschen bereits einen allzu faden Beigeschmack gehabt – und das zu Recht.

Der Euro fiel nach seiner Einführung auf USD 0,80 und stieg dann auf rund USD 1,60. Das bedeutet, dass sich die früheren Staatsschulden nach internationalen Wertmaßstäben verdoppelten. Das ist der Grund dafür, warum die Eurokrise ausbrach. Es waren nicht die aktuellen Ausgaben Griechenlands, die korrupten Spekulanten, die Politiker oder jedes andere kapitalistische Label, das für die Anschuldigungen hervorgekramt wurde. Sicher, der Euro ist zwischenzeitlich wieder gesunken, aber bei Weitem nicht stark genug, um die ausstehenden alten Schulden abzuwerten.

Die einzige Methode, wie der Euro hätte überleben können, bestand darin, die Schulden aller Eurozonenländer mittels eines Eurobonds zu konsolidieren. Im Anschluss daran wäre jedes Land individuell für seine eigenen Schulden verantwortlich gewesen, so wie es in den USA der Fall ist. Das Entscheidende dabei ist, dass die Schulden der einzelnen Euroländer nicht als Reserven für das Bankensystem gedient hätten.

Durch dieses gehirnamputierte Euro-Konstrukt bringen sie jetzt die gesamte Welt in Gefahr, und es wird auch der Auslöser sein, der den Marxismus ein und für allemal vernichten wird. Das Euro-Konstrukt ist sogar eine Gefahr für die internationalen Beziehungen, da sich die Verluste außerhalb der Eurozone auftürmen.

Das könnte – von dem Zusammenbruch der europäischen Wirtschaft mal ganz abgesehen – sogar dazu führen, dass Russland mit hineingezogen wird. Die Barbaren konnten Rom nur deshalb erobern, weil es intern mit wirtschaftlicher Korruption, Missmanagement und nichtfinanzierten Verbindlichkeiten und Forderungen seiner Staatsbediensteten zu kämpfen hatte.

Zypern ist mit russischem „Schwarzgeld“ auf Engste verstrickt, was auf internationaler Politikebene Sorgen bereitet. Das Land befindet sich in einem entsetzlichen Zustand, da seine Banken EUR 152 Milliarden an gehebelten Vermögenswerten halten, was dem 8,5-fachen des zypriotischen BSP von EUR 17,8 Milliarden entspricht. Allein schon die griechischen Risikopositionen kosten die zypriotischen Banken EUR 4,5 Milliarden. Rund 30% der von den Banken in Zypern gehaltenen Vermögenswerte sind notleidend.

Der deutsche Bundesnachrichtendienst erklärte 2012, dass rund EUR 26 Milliarden an russischem „Schwarzgeld“ nach Zypern geflossen seien. Die Deutschen beschuldigten Zypern, den Russen Geldwäsche im großen Stil ermöglicht zu haben. Sie hätten die Gelder gewaschen und wären in Russland zu einem der bedeutendsten Auslandsinvestoren geworden. Und sie beschuldigen Zypern, dass das Land russischen Oligarchen Pässe ausgestellt hat, damit sie in der EU leben können.

Die Größe des notwendigen Rettungspakets für Zypern liegt bei rund 100% des zypriotischen BSP – ca. EUR 17,5 Milliarden. Hinter den Kulissen sorgt das Ganze für erhebliche Kopfschmerzen, und es wird sogar schon darüber gesprochen, Zypern aus der EU rauszuwerfen und die Pässe für ungültig zu erklären.

Aber das ist ja nur die Spitze des Eisbergs. Während die verschiedenen Bündnisse für den Ausbruch des Ersten Weltkriegs verantwortlich gemacht werden, ist es heute der Euro, der finanzielle Bündnisse geschaffen hat, die überhaupt niemand mehr nachvollziehen kann. Der Euro ist ein verheerendes Fehlkonstrukt und langsam gehen die Notlösungen aus.

Die gesamte Weltwirtschaft steht auf dem Spiel. Es ist an der Zeit, mit dem Unsinn aufzuhören. Es werden echte geldpolitische Reformen benötigt. Aber halt – bedauerlicherweise scheint es erst vorbei zu sein, wenn das Ganze bis zu seinem Ende getrieben wurde.

Die Europäische Kommission hat einen Bericht mit dem Titel „2012 State Aid Scoreboard“ veröffentlicht. In diesem Bericht über die Bankenrettungen heißt es, dass die EU-Staaten ihren Banken aufgrund des fehlerhaften Euro-Konstrukts – wo alle Staatsanleihen der Euroländer als Bankreserven genutzt werden – bereits EUR 1,6 Billionen ausgehändigt haben. Wir sprechen hier von 13% des BSP, um das Bankensystem über Wasser zu halten, und es gibt immer noch Schwachstellen und Löcher, die über das Risiko verfügen, das gesamte durch die Anleihen der Euroländer gestützte Bankensystem zum Einsturz zu bringen.

Hier kommt noch hinzu, dass das europäische BSP-Wachstum in 2013 aller Vorausschau nach bei 0% liegen wird – real könnte es sogar im negativen Bereich liegen. Diejenigen, die immer noch glauben, dass der Dollar die größte Gefahr sei, sollten also langsam mal aufwachen. Die USA sind immer noch der beste Gaul auf dem Weg zum Metzger; die vereinigten Staaten werden als letztes fallen.

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