Das Vertrauen in die Fiatwährungen bröckelt – Deutschland will sein Gold zurück

John Browne, Euro Pacific Capital, 23.01.2016

Letzte Woche überraschte die Bundesbank die weltweiten Märkte mit der Ankündigung, dass sie einen beträchtlichen Teil ihrer in Frankreich und den Vereinigten Staaten gelagerten Goldreserven repatriieren will. Für Viele ist diese Ankündigung des zweitgrößten Goldhalters auf dem Planeten ein Hinweis darauf, dass das Misstrauen unter den Zentralbanken, wenn auch im Verborgenen, wächst – eine Entwicklung, die unter Umständen durch unterschiedliche politische Zielstellungen angeheizt worden ist.

Die Deutschen versuchten unterdessen, ihre Rückholaktion herunterzuspielen, indem sie auf unzählige logistische, praktische und historische Gründe verwiesen, warum ihre Ankündigung eigentlich nichts Außergewöhnliches sei. Doch angesichts des Ausmaßes und des Timings dieses Schritts ist es schwer, nicht zu anderen, strategischeren Schlussfolgerungen zu gelangen.

Inmitten einer Zeit angeblicher Kooperation unter den Zentralbanken sorgte die Entscheidung, physisches Gold im Wert von Milliarden von Dollars abzuziehen, für Verwunderung. Die staatlichen Goldreserven Deutschlands belaufen sich aktuell auf rund 3.396 Tonnen. 1.500 Tonnen davon lagern in New York und weitere 374 Tonnen in Paris.

Deutschland will bis 2020 675 Tonnen Gold ins Land zurückbringen – 300 Tonnen von der Federal Reserve in New York (im Wert von USD 17,9 Milliarden) und die gesamten Bestände in Paris (im Wert von USD 22,3 Milliarden).

Und obwohl Finanzführer wie der Fed-Vorsitzende Ben Bernanke erklärten, dass Gold kein Geld ist, und führende Investoren wie Warren Buffett das gelbe Metall als ein „barbarisches Relikt“ beschrieben, sorgt dieser Schritt für eine starke emotionale Reaktion. Aber ist eine solche Reaktion überhaupt gerechtfertigt?

Nach dem Zweiten Weltkrieg überzeugte die Gefahr einer sowjetischen Invasion viele westeuropäische Länder von der Notwendigkeit, ihre Goldreserven im Ausland zu lagern, speziell in den USA und Großbritannien. Heute hält Deutschland nur noch 31% seiner Goldreserven in den Tresoren der Bundesbank. Die restlichen Goldreserven werden zu 45% bei der Fed in New York, zu 11% bei der Bank von Frankreich in Paris und zu 13% bei der Bank von England in London gehalten. Doch nun, wo die militärische Bedrohung Russlands verschwunden ist, haben die Deutschen diese Strategie erneut überdacht.

Die weltweiten Zentralbanken hielten die Details zu ihren Goldbeständen über Jahrzehnte hinweg geheim. Doch ungeachtet dieser Tatsache vermuteten nur die Wenigsten, dass bei den veröffentlichten Berichten der Zentralbanken über ihre Goldbestände etwas nicht stimmen könnte.

Mittlerweile werden jedoch ernste Fragen aufgeworfen; man will wissen, wer die tatsächlichen Besitzer des bei den Zentralbanken und einigen Geschäftsbanken gelagerten Goldes sind. Und zum Erstaunen vieler deutscher Bürger und internationaler Beobachter musste die Bundesbank vor ein paar Jahren einräumen, dass sie ihre Goldbestände bereits seit Jahrzehnten keiner eingehenden Prüfung mehr unterzogen hatte, sofern sie eine solche Prüfung überhaupt jemals durchgeführt hat.

Die weltweiten Industrieländer haben eine Art keynesianischer Wirtschaftslehre implementiert, die dafür gesorgt hat, dass die Welt nun in entwertendem Fiatgeld schwimmt, das durch anscheinend nicht tragfähige Berge an Staatsschulden gestützt wird. In einer solchen Welt ist es verständlich, dass die deutschen Bürger der Meinung sind, dass das Gold ihres Landes zuhause gelagert werden sollten.

Und eine solche Auffassung, könnte um sich greifen. Die niederländische Partei CDA hat bereits darum gebeten, die Goldreserven des Landes in Höhe von 612 Tonnen aus den USA, Großbritannien und Kanada zurückzuholen.

Einige Fragen sich nun, ob diese Einstellung weiter um sich greifen wird und es dadurch zu einer Goldverknappung in den Tresoren kommen könnte, wo diese ausländischen Goldreserven gelagert werden. Und in einer Welt, wo das Vertrauen in die Zentralbanken immer schneller schwindet, könnten auch die Zentralbanken selbst damit anfangen, sich untereinander nicht mehr zu trauen.

Zur selben Zeit kaufen die Zentralbanken der Schwellenländer Gold auf – speziell China und die Länder Südostasiens, aber auch Russland, die Türkei und die Ukraine. China ist mittlerweile der weltgrößte Goldproduzent, hält jedoch nicht nur die gesamte landeseigene Goldproduktion zurück, sondern tritt auf dem Goldmarkt überdies auch noch als Käufer auf.

Und das alles spielt sich in einem Umfeld ab, wo die großen weltweiten Zentralbanken überhaupt keine nennenswerten Mengen an Gold mehr verkaufen. Die katastrophalen Verkäufe der Bank von England zu Beginn des 21. Jahrhunderts – wo hunderte Tonnen Gold für weniger als USD 300 pro Unze verkauft wurden – waren in diesem Zusammenhang mit Sicherheit noch ein stabilisierender Faktor gewesen.

Der Widerwille der Zentralbanken, vom Goldhorten abzulassen – was ja durch die Repatriierung des deutschen Goldes sehr deutlich herausgestrichen wird –, steht im starken Widerspruch zu den geldpolitischen Maßnahmen der Zentralbanken in den 70er und 80er Jahren, wo konzertierte Anstrengungen unternommen wurden, um Gold zu demonetisieren, was nur mittels aktiver Abverkäufe erreicht werden konnte.

Spiegeln die jüngsten Veränderungen ein zunehmendes und sich weiter ausbreitendes Misstrauen der Privatanleger gegenüber den Fiatwährungen wider?

Auch wenn Deutschland nur einen Teil seiner im Ausland befindlichen Goldbestände repatriiert, sollte das Grund zur Sorge sein – besonders dann, wenn diese Maßnahmen anderen Ländern wie den Niederlanden auch noch als Vorbild dienen.

Keine Zentralbank würde sich heutzutage wagen, grundlos Staub aufzuwirbeln. Aber da die keynesianischen Wirtschaften immer stärker in Richtung einer Finanzkatastrophe abgerutscht sind, könnte jedwede Zunahme bei den Bemühungen, Zentralbankgold zu repatriieren, ein Hinweis auf die wirklichen Ängste der wichtigsten Insider – also der Zentralbanken – sein.

Das besonders Interessante an der Erklärung der Bundesbank ist der außerordentlich lange Zeitraum von sieben Jahren, in welchem die Deutschen ihr Gold wiederbekommen wollen. Die 300 Tonnen Gold, die sie aus den Tresoren der New Yorker Fed zurückholen, repräsentieren ja gerade einmal 5% der dort gehaltenen Goldreserven von über 6.700 Tonnen. Vielen Beobachtern erscheint es merkwürdig, dass die Fed so viel Zeit brauchen soll, um etwas auszuliefern, was normalerweise keine Probleme machen dürfte.

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