Finanzkriegsführung: Soros, Goldman Sachs und Hedge Fonds attackieren Griechenland um den Euro zu zertrümmern

Webster G. Tarpley, 04.03.2010

Es war schon einige Zeit lang erkennbar, dass die anhaltenden spekulativen Angriffe auf Griechenland und andere Länder, wie Spanien, Irland, Portugal und Italien ihre Ursache nicht primär in den wirtschaftlichen Kennzahlen dieser Länder fanden, auch nicht in einer spontanen Bewegung des „Marktes“, sondern als Akt wirtschaftlicher Kriegsführung orchestriert wurden. Während des vergangenen Sommers bis in den Herbst 2009 hinein befand sich der Dollar gnadenlos im Sinkflug. Offenkundig kam dabei einigen angloamerikanischen Finanziers der Gedanke, dass ein Ablenkungsangriff auf den Euro, beginnend bei den schwächeren südeuropäischen Ländern des Mittelmeerraumes, ein geeignetes Mittel sei um Druck vom ramponierten Dollar zu nehmen. Da diese degenerierten Eliten nicht in der Lage sind das Problem des Dollars durch einen Anstieg der Produktion, Vollbeschäftigung und wirtschaftliche Erholung selbst zu lösen, ist eine der wenigen ihnen verbliebenen Alternativen die Schaffung einer Situation, in welcher der Euro schneller zusammenbricht und der Dollar dabei als eine Art verbliebener Fluchtmöglichkeit in Richtung Qualität, Reflexbewegung hin zu einem sicheren Hafen übrigbleibt.

Das ist das Resultat der Entwicklung aus dem spekulativen Anschlag bzw. die Leerverkäufe gegen griechische und spanische Regierungsanleihen und den Euro selbst. Begleitet wurde das Ganze von einer verleumderischen Medienkampagne, bei der man es auf die „PIIGS“ abgesehen hatte, eine Abkürzung für die zuvor genannten Länder, die aus den Gewölben von Goldman Sachs stammt. Das Phänomen ist von mir mehrere Male in den letzten zwei, drei Wochen in meiner Radiosendung auf GCN besprochen worden.

Nun taucht der konkrete Beweis dieser Verschwörung in Form eines „Ideen-Dinners“ auf, das am 08.02.2010 im Stadthaus von Monness, Crespi, Hardt & Co, eine kleine Investmentbank, in Manhattan abgehalten wurde. Zu den Anwesenden zählten SAC Capital Advisors, David Einhorn von Greenlight Capital (ein Veteran des schicksalsschweren Anschlags auf Lehman Brothers im Spätsommer 2008), Donald Morgan von Brigade Capital und, am passendsten, Soros Fund Management. Der Konsens, der an diesem Abend bei Filet Mignon erzielt wurde, bestand in der Erkenntnis, dass griechischen Regierungsanleihen die schwache Flanke des Euro sind und wenn Griechenlands Schuldenkrise erst einmal explodiert ist, alle weiteren Ereignisse für den Euro negativ ausgehen würden. Die versammelte Räuberbande stimmte darin überein, dass Griechenland der erste Domino in Europa ist. Donald Morgan war felsenfest überzeugt, dass Griechenland als Auslöser schon bald die gesamten Staatsschulden in der Welt anstecken würde, wozu Schulden der Nationalstaaten, der Bundesländer, Gemeinden und alle anderen Formen von Regierungsschulden zählen. Dies würde bedeuten, dass es auch Kalifornien, Großbritannien, die USA und viele andere trifft. Die Details des Abendessens wurden in einer Titelgeschichte des Wall Street Journal am 26.02.2010 enthüllt.

Dies war jedoch nicht die einzige Verschwörung mit der Absicht die schwache Flanke des Euro anzugreifen. Der Artikel legt nahe, dass GlobeOp Financial Services und Paulson & Co. ebenfalls Druck ausübten. Die Zombiebanken waren auch massiv daran beteiligt. In dem Artikel wird berichtet, dass Goldman Sachs, Bank of America-Merill Lynch und Barclays Bank of London den Spekulanten ebenfalls bei der Platzierung stark gehebelter Wetten auf den Sturz des Euros behilflich waren. Berücksichtigen Sie, dass diese Zombiebanken heute alle noch am Leben sind, weil sie Gelder vom US-Steuerzahler erhielten, im Falle Barclays über AIG.

Hier handelt es sich um den absichtlichen Versuch eine umfassende und weltweite Geldkrise zu schaffen, die mit Sicherheit die gefürchtete zweite Welle der gegenwärtigen Weltwirtschaftsdepression mit sich bringen würde. Die Schaffung von finanziellem Chaos in Europa durch die Zerstörung des Euros im Rahmen spekulativer Angriffe würde die Güterproduktion in Westeuropa lahmlegen und die immer kleiner werdenden Bereiche untergraben, in denen die Weltwirtschaft noch funktioniert. Die völkermörderischen Implikationen für die Menschheit sollten offenkundig sein, aber die versammelten Hedge Fonds Hyänen machten sich über diese Konsequenzen keine Sorgen.

George Soros hat jedem Mediennetzwerk, das es wissen wollte, erklärt, dass der Euro dazu verdammt ist auseinanderzufallen und in Kürze zusammenbrechen wird. Soros hat als Teil seines spekulativen Angriffs sogar eine Theorie anzubieten: Er argumentiert, dass der tödliche Fehler bzw. die Erbsünde des Euros darin besteht, dass er auf einer gemeinsamen Zentralbank der teilnehmenden Länder beruht, eine gemeinsame Finanz- und Steuerpolitik jedoch fehle. Das bedeutet, dass ein Land wie Griechenland sich nicht länger selber mit einfachen Mitteln, wie der Währungsabwertung, gegen spekulative Angriffe auf seine Anleihen zur Wehr setzen kann, da es keine Drachme mehr gibt und der Euro von Frankfurt und nicht von Athen aus kontrolliert wird. Das Sprachrohr Großbritanniens ist schnell dabei, darauf hinzuweisen, dass – obwohl die finanzielle Situation Londons wesentlich gravierender ist als die Athens – die britische Regierung das Pfund bereits durch unsaubere Emissionen abwertet.

Angesichts von Soros berüchtigter Vorgeschichte, muss er ernstgenommen werden. 1992 wurde Soros für seinen Angriff auf den europäischen Wechselkursmechanismus weltberühmt, den er durch einen stark gehebelten Anschlag auf das britische Pfund exerzierte, zu jener Zeit einer der schwächeren Teile des europäischen Wechselkursmechanismus. Soros spekulativer Angriff führte zu einer Entwertung des britischen Pfundes und dem Aufbersten des Wechselkursmechanismus. Dies brachte ihm GBP 1 Milliarde ein. Das ist ungefähr so, als hätte Soros jedem Man, Frau und Kind in Großbritannien einen 20-Pfund Schein gestohlen. Die spekulativen Gewinne waren ohne jeden Zweifel erfreulich, aber der vorrangige politische Zweck des Anschlags war es diese Phase der europäischen Währungspolitik zu sabotieren.

Der Londoner Ökonom hat keine Mühen gescheut die Bemerkungen des spanischen Premierministers Zapatero zu verhöhnen, dass Spanien sich unter einem Angriff internationaler Spekulanten befand. Presseorgane der City of London und Wall Streets zogen die Griechen als eine Nation paranoider Verschwörungstheoretiker ins Lächerliche. Und dennoch sind die bisher aufgetauchten Enthüllungen starke und detaillierte Beweise eines Vorkonzertes, wie Lincoln sagen würde. Selbst das US-Justizministerium sah sich dazu gezwungen an alle Teilnehmer des berüchtigten „Ideen-Dinners“ Briefe zu versenden, in denen sie gewarnt wurden keine ihrer Aufzeichnungen zu zerstören und in Kenntnis gesetzt wurden, dass gegen sie ermittelt wird. Während wir uns keine Illusionen über den staatsanwaltlichen Eifer von Generalstaatsanwalt Eric Holder machen sollten – eine Person, die einst den internationalen Finanzbanditen Marc Rich vertrat – ist es zumindest ein Anfang. Spanische und italienische Richter sind für ihre Unabhängigkeit bekannt und einer von ihnen könnte danach verlangen die Aktivitäten von Soros, Goldman Sachs und ihren Verbündeten Hedge Fonds zu untersuchen.

Griechenland braucht kein Austeritätsprogramm, eine Auffassung, die bereits durch die griechische Arbeiterbewegung im Verlauf ihres erfolgreichen und bewundernswerten Generalstreiks, der letzte Woche stattfand, energisch vertreten wurde. Griechenland braucht auch keine Rettung durch Deutschland, den sinisteren Internationalen Währungsfonds oder von Irgendjemand anders. Am wenigsten von alledem muss Griechenland den Ratschlag der Scharlatane der Österreichischen oder Chicagoer Schule akzeptieren, die eine Entspannung durch deflationären Crash empfehlen, welcher eine gesamte Generation durch Arbeitslosigkeit, Armut und Hoffnungslosigkeit vernichten würde. Griechenland muss sich mit einer 1%igen Tobin-Steuer auf alle Derivate und andere Finanztransaktionen zur Wehr setzen. Griechenland sollte bei dem Verbot von Kreditausfallderivaten (Credit Default Swaps) die Führung übernehmen, die praktisch darauf hinauslaufen, Versicherungspolicen herauszugeben ohne dafür die Kapitalanforderungen einer Versicherungsfirma mitzubringen. Griechenland muss die Kartellgesetze des Landes und der EU vollstrecken. Wenn Soros und seine Gang bei der Zerstörung des Euros Erfolg haben, sollte Griechenland das Beste daraus machen, indem es umgehend massive Börsenkontroll- und Kapitalkontrollmaßnahmen einleitet um seine neue Drachme zu schützen, so wie es Malaysia vor rund 10 Jahren tat. Griechenland sollte alle heimischen Zombiebanken schließen und die eigene Zentralbank beschlagnahmen um diese dafür einzusetzen Branchen der Realproduktion im Industrie- und Landwirtschaftsbereich Kredit zu 0% Zinsen zu geben. Wenn den Griechen klar machen, was sie beabsichtigen, sollten sie dazu gezwungen werden wieder auf die Drachme zurückzufallen, würde dies ein weiterer Grund für die Finanziers sein abzulassen, da sie ein solches Exempel fürchten.

Ein weiteres zweifelhaftes Mittel ist der Bear Squeeze oder Short Squeeze. Soros, Goldman Sachs und die mit ihnen verbündete Hedge Fonds Gang haben jetzt Derivate dazu genutzt Short-Position gegen griechische Anleihen und den Euro aufzubauen und setzen darauf, dass beides weiter fallen wird. Nun wird auf die europäische und griechische Zentralbank Druck ausgeübt im Terminmarkt unangekündigt umfangreiche Aufkäufe der griechischen Anleihe und des Euros durchzuführen, was für die Wall Street Räuber den Verlust ihrer Wetten bedeuten und sie mit außerordentlichen Verlusten abstraften würde. Das ist ein normales Vorgehen von Zentralbanken und es wäre erstaunlich, wenn die Griechen dieses Manöver nicht sehr bald durchführten.

Die Welt muss sich für eine von zwei Möglichkeiten entscheiden und Wall Street macht Druck auf das Thema. Die erste Alternative besteht darin, dass sich die Zombiebanken und Hedge Funds für den Gefallen, von den Ländern und ihren Steuerzahlern gerettet worden zu seien, dadurch bedanken, dass sie die Staaten und alle Formen staatlicher, kommunaler und städtischer Regierung in den Bankrott treiben. Das ist gleichzusetzen mit der Zerstörung der modernen Zivilisation als solches. Die zweite und wünschenswerte Alternative ist, dass die Nationalstaaten den politischen Willen fassen ihre ihnen innewohnenden Regierungsbefugnisse zu nutzen die Zombiebanken, Hedge Funds und ähnliche Derivatehändler unter Konkursverwaltung zu stellen, sie ein und für allemal dichtmachen und sich bei der Beschaffung von Kredit künftig auf die verstaatlichten Zentralbanken verlassen. Die zweite Alternative würde den Erhalt der modernen Zivilisation, wie wir sie heute kennen, erlauben. Aber mittlerweile hat der auf Derivaten beruhende spekulative Angriff auf die südliche Flanke des Euros das Herannahmen der zweiten Welle der Depression beschleunigt und es hat den nun den Anschein, als würde diese wahrscheinlich vor Ende des Jahres 2010 aufschlagen.

Weitere Artikel zu diesem Thema