Euro-Crash: Italien am Abgrund

Im Grunde wird Italien jetzt auf einen Zustand der Anarchie reduziert, wo die Gesellschaft von der Spitze her zusammenbricht. Wenn genügend EU-Länder in Schutt und Asche gelegt worden sind, wird sich der Euro auflösen

Patrick Wood, The August Forecast, 13.03.2013

Die staatlichen Austeritätsmaßnahmen gehen mit vorhersagbaren Nebenwirkungen einher. Sie führen zu einem Rückgang der Wirtschaftsaktivität, dafür brauchen wir bloß nach Griechenland oder Italien zu blicken. Eine weitere Nebenwirkung ist, dass das gesellschaftliche und politische Leben paralysiert wird, weil das Vertrauen in allen Bereichen wegbricht.

Es ist eine echte Zwickmühle. Wenn die Regierungen so viele Schulden anhäufen, dass die Märkte die Fähigkeit der Schuldenrückzahlung hinterfragen, fangen die Kreditgeber damit an, ihre Gelder zurückzufordern. Und das ist nicht unvernünftig, da der Kreditgeber zu Recht erwarten kann, dass ihm der Kreditnehmer sein Geld zurückzahlt.

Wenn eine Regierung schneller Schulden anhäuft, als die Wirtschaft wächst, ist es letztlich unvermeidlich, dass es zu einer Beschneidung der verantwortungslosen Staatsausgaben kommt.

Bereits im November 2011 hatte die italienische Schuldenkrise dafür gesorgt, dass der politische Prozess zum Erliegen kam. Was auch immer man getan hätte, irgendjemand wäre massiv geschädigt worden.

Hätte Italien auf seine Schulden die Zahlungsunfähigkeit erklärt, wären die Investoren die Leidtragenden gewesen. Hätten sie die Steuern erhöht, hätte es die Bürger Italiens getroffen. Und hätten sie versucht, den Staat zurückzubauen, wäre es zu einer Wirtschaftsschrumpfung gekommen und es hätte alle erwischt.

Für uns ist es nun natürlich verführerisch, einfach zu sagen: „Was für ein Chaos die Italiener bei ihrem Staat angerichtet haben!“ – das Problem ist nur, dass die USA genau dasselbe getan haben. Die USA befinden sich auf demselben Weg wie Italien, wenn auch ein paar Meilen dahinter.

Als offenkundig wurde, dass die italienischen Politiker nicht in der Lage waren, irgendeine Lösung zu finden, übernahmen die Kreditgeber die Operation ein und rissen die Regierungskontrolle an sich.

Das ist der Grund, warum der Trilaterale Kommissar Mario Monti zum Premierminister Italiens ernannt (nicht gewählt) wurde. Er wurde weithin als Technokrat gefeiert – also im Sinne der „Herrschaft durch Experten“ im Gegensatz zur Herrschaft durch eine demokratisch gewählte Regierung. BBC News berichtete zu jener Zeit:

„Mario Monti wurde gebeten, eine neue italienische Regierung zu bilden, um die akute Schuldenkrise anzugehen, die zum Rücktritt von Silvio Berlusconi führte. Monti, ein ehemaliger EU-Kommissar, sagte, dass er umgehend Gespräche zur Regierungsbildung einleiten würde, um die Staatsfinanzen wiederherzustellen.“

Die EU-Führer feierten Montis Ernennung als „ein weiteres ermutigendes Zeichen … der Entschlossenheit der italienischen Behörden, die aktuelle Krise zu überwinden.“

Die Ernennung Montis wurde komplett fehlinterpretiert. Die italienische Regierung hat Monti nicht „gebeten“, eine Regierung zu bilden, sondern Monti wurde den Italienern von der EU-Führerschaft aufgezwungen!

Das wird anhand der nachfolgenden Randnotiz völlig offenkundig: „Ein EU-Team hat seine Arbeit in Rom begonnen und überwacht dort, wie Italien plant, die Schuldenlast von 120% der jährlichen Wirtschaftsleistung (BIP) zu reduzieren.“

Im Grunde haben die Kreditgeber einen Insolvenzrichter eingesetzt, der den Angelegenheiten einer insolventen Nation vorsteht, um die Interessen der Kreditgeber zu schützen, nicht der Kreditnehmer.

In den darauffolgenden zwölf Monaten stellte Monti sicher, dass Italien sich an das EU-Ultimatum hält und seine Staatsschulden durch die Implementierung von Austeritätsprogrammen reduziert. Am 12.03.2013, gerade einmal 14 Monate nach Montis Ernennung, meldete die New York Times:

„Da letztes Jahr ein staatlicher Austeritätsplan in Kraft getreten ist, ist die italienische Wirtschaft in eine der schlimmsten Rezessionen aller Euroländer abgetaucht … Die Unternehmen, große wie kleine, sind im letzten Jahr mit einer Rate von 1.000 pro Tag bankrott gegangen. Von den geschätzten sechs Millionen italienischen Unternehmen traf es die kleinen und mittelständischen Betriebe, die das Rückgrat der italienischen USD 2 Billionen Wirtschaft sind, besonders hart …

Aber Italiens seit langem bestehende Probleme sind im letzten Jahr nur noch schlimmer geworden, da Monti – der im November 2011 das Amt als Premierminister übernahm, nachdem die Schuldenkrise Silvio Berlusconi zum Rücktritt zwang – Steuererhöhungen und Ausgabeneinsparungen durchsetzte. Die Wirtschaft schrumpfte letztes Jahr um 2,4%.“

Emanuele Tedeschi, ein kleiner italienischer Geschäftsmann, sagte:

„Innerhalb von anderthalb Jahren hat sich alles verändert. Die Menschen haben Angst bekommen und aufgehört, Geld auszugeben. All die Versprechungen Montis, die Wirtschaft wiederzubeleben und uns dabei zu helfen, produktiver zu werden, sind nie Wirklichkeit geworden.“

Laut der New York Times gehen zahlreiche Ökonomen davon aus, dass sich die Pleitewelle des Landes sogar noch weiter verschärfen könnte, sollte die Regierungsbildung scheitern. Mario Monti sei zwar „aus dem Amt geworfen“ worden, doch im Parlament ist es nach den Wahlen zu einem Stillstand gekommen.

Ja richtig, Monti ist aus dem Amt geworfen worden. Die italienischen Wähler haben Monti völlig zu Recht die Schuld daran gegeben, dass er ihre Wirtschaft gecrasht hat, aber sie begreifen nicht, dass sein wichtigstes Ziel darin bestand, Italiens noch verbliebenes Staatsvermögen „zu privatisieren“, um die Schulden zurückzuzahlen und die Globalisten zu bereichern.

Die Privatisierung ist seit langer Zeit eine der wichtigsten Strategien der Trilateralen Kommission und ihrer „Neuen Internationalen Weltordnung“, die darauf abzielt, das Vermögen in den Händen einiger weniger privilegierter Insider zu konsolidieren.

Fakt ist, dass Italien schon seit mindestens 1992 unter der Privatisierung leidet – und dafür sind genau dieselben Leute verantwortlich, die auch die moderne Globalisierung ins Leben riefen. Dieser OECD-Bericht von 1997 zeigt, dass die Privatisierung in Italien 1997 bereits voll im Gang. Die italienische Regierung verkaufte damals milliardenschwere Vermögenswerte weit unter ihrem tatsächlichen Wert.

Würde der heute noch verbliebene Staatsbesitz vollumfänglich verkauft werden, könnte man damit lediglich rund 7% der Gesamtschulden tilgen. Und trotzdem ist es genau dieser Abverkauf, der Italien als nächstes bevorsteht.

Und nachdem das erledigt ist, wird Italien überhaupt keine öffentlichen Vermögenswerte mehr haben, immer noch völlig pleite sein und mit einer zu Grunde gerichteten Wirtschaft dastehen. Am Ende werden die Bürger Italiens 100% der Schuldenlast tragen müssen. Und es ist vorhersehbar, dass sie rebellieren werden, genauso wie wir es bereits in Griechenland sahen.

Der angesehene Ökonom Nouriel Roubini sprach im Hinblick auf Italien kürzlich von einem „Tsunami-Risiko“:

„In Italien sehen wir jetzt die Anfänge eines politischen Sturms. Die Ergebnisse der Italienwahl signalisieren, dass die Mehrheit der Bevölkerung gegen Austerität ist – und zwar nicht nur in Italien, auch in Lissabon waren eine halbe Million Menschen auf der Straße, und in Griechenland und Spanien, wo die Arbeitslosigkeit bei 25% und die Jugendarbeitslosigkeit bei 50% liegt, herrscht Unruhe.

Italien ist nicht Griechenland, es verfügt über Einfluss in der Eurozone. Es kann Deutschland glaubhaft drohen, indem es sagt, dass die Lage explosiv werden könnte und es aus der Eurozone austritt, sollten die [Rettungs-]Bedingungen nicht gelockert werden.“

Bedauerlicherweise gibt es für Italien keine Lösung und die Lage wird nur noch schlimmer werden, da die politischen Kräfte, die Finanzgemeinde und die Kreditgeber jetzt miteinander in Konflikt geraten.

Das größte Hindernis, dass einer Lösung im Weg steht, ist die Tatsache, dass sich das Vertrauen in Luft aufgelöst hat. Die Menschen trauen der Regierung, den Bankern und den Globalisten nicht mehr, und die Banker trauen der Regierung mit Sicherheit ebenfalls nicht mehr. Im Grunde wird Italien jetzt auf einen Zustand der Anarchie reduziert, wo die Gesellschaft von der Spitze her zusammenbricht.

Die Ansteckung Griechenlands hat Italien voll erfasst, und zwar aus genau denselben Gründen, wie es in Griechenland der Fall gewesen ist. Portugal, Spanien und Frankreich sind beiden Ländern dicht auf den Fersen. Und auch Deutschland zeigt Anzeichen der Schwäche. Wenn genügend EU-Länder in Schutt und Asche gelegt worden sind, wird sich der Euro auflösen. Dann werden die alten Rivalitäten Europas und die Gefahr eines neuen europäischen Kriegs wieder zutage treten. Und all das nur wegen der Schulden, der Gier und der Dummheit.

Ich habe ja schon früher gesagt, dass keine Aussicht darauf besteht, dass die Geschehnisse in Griechenland, Italien und Europa spurlos an Amerika vorübergehen werden. Das ist ein globales Problem allergrößten Ausmaßes, und am Ende werden alle gemeinsam durchkommen oder gemeinsam untergehen.

Unterdessen bringt die Überschrift eines jüngst auf ABC veröffentlichten Artikels die Position des US-Präsidenten auf den Punkt: „Präsident Obama: Es gibt keine Schuldenkrise“.

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