Planlose Zentralbanker: Warum die Aktienmärkte wirklich steigen

Die von den Massen- und Finanzmedien verbreitete Behauptung, dass die Aktienmärkte aufgrund der Geldpolitik der Zentralbanken steigen würden, ist ein Mythos. Hier geht es ausschließlich um internationale Kapitalströme, die versuchen, dem Chaos und der Vernichtung zu entkommen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 03.05.2013

Frage: „Würden Sie bitte das Folgende kommentieren. Ich höre unaufhörlich davon, dass Bernanke den Markt stützen würde. Die US-Notenbank wird dafür gelobt, dass der Aktienmarkt steigt. (Und wenn er fällt, wird ihr vorgeworfen, sie würde nicht genug tun.) Wie viel Wahrheit steckt in diesem Mantra? In welchem Umfang beeinflussen die Aktivitäten der Fed tatsächlich die Aktienpreise? Es ist sehr verwirrend, Tag für Tag die CNBC-Kommentatoren zu hören, die darauf hinweisen, dass die Fed anscheinend die Ursache für alles Gute und Schlechte in den Aktienmärkten und in der Wirtschaft ist.“

Antwort: Das ist blanker Unsinn! Die Fed sorgt sich derzeit um die Anstiege des Aktienmarkts, da sie genauso planlos ist wie die TV-Moderatoren. Das Problem der TV-Moderatoren ist, dass sie immer nur einseitig auf die Inlandswirtschaft blicken, so als würde sich alles nur um die USA drehen.

Wir arbeiten zurzeit mit Hochdruck daran, ein Buch über die Globalisierung der Wirtschaft zu veröffentlichen, das veranschaulicht, dass dieses Problem nicht nur die TV-Kommentatoren, sondern auch die Wirtschaftslehre an sich plagt.

Der Grund, warum die Geldmengenausweitung der US-Notenbank im Hinblick auf die Schaffung von Inflation ein Reinfall gewesen ist, ist, weil sie dabei scheitern, die Weltwirtschaft zu verstehen. Es sind die weltweiten Kapitalströme – zu denen auch die Ströme von Schulden und Investmentkapital zählen –, die alle weltweiten Aktienmärkte und den Wert der Währungen antreiben. Die US-Notenbank kontrolliert ja noch nicht einmal die Geldmenge! Das internationale Kapital kontrolliert die Geldmenge!

1927-bankersmeetingDie Zentralbanken führten bereits 1927 Geheimtreffen durch. Sie versuchten, die Kapitalströme, die sich über die USA ergossen, aufzuhalten und wieder nach Europa zurückzulenken. Auf dem Foto sehen Sie die damaligen Zentralbanker. Sie versuchten, die Weltwirtschaft zu manipulieren und sind jämmerlich dabei gescheitert – das Einzige, was sie erreichten, war, dass das Kapital danach erst richtig damit begann, in die USA zu fließen, was 1929 zu einer Blasenbildung führte.

Die Zentralbanker kontrollieren überhaupt nichts – sie verschlimmern lediglich die Kapitalströme. Und heute ist es genau dasselbe Problem, während die TV-Kommentatoren bezüglich der Kapitalflüsse und ihrer Bedeutung im Dunkeln tappen.

Bei unserem Seminar in London war auch die Financial Times dabei. Sie berichtete dann auf der Titelseite darüber, dass wir davor warnten, dass Russland unmittelbar vor dem Zusammenbruch stehen würde, weil wir zwar USD 100 Milliarden an Kapitalzuflüssen aber auch USD 150 Milliarden an Kapitalabflüssen ausgemacht hatten. Diese Prognose war richtig und sorgte für den Zusammenbruch von Long-Term Capital Management im September 1998.

Es heißt, wenn es Gott nicht geben würde, müsste der Mensch ihn erfinden, damit er nachts ruhig schlafen kann. Und genauso schätzen wir auch Washington ein – niemand weiß dort eigentlich, was er gerade treibt, irgendjemand muss aber wissen, was er tut, uns so wird dann der US-Notenbank seitens der Kommentatoren alles zugeschrieben. Sorry – die Wirtschaft läuft auf Autopilot und derlei Auffassungen sind Unsinn. Man braucht nur der Spur des Geldes folgen!

Wenn ein Amerikaner einem anderen Amerikaner das Rockefeller Center für USD 3 Milliarden verkauft, dann hat das auf die inländische Geldversorgung keine Auswirkung, wenn wir hier einmal davon ausgehen, dass bar bezahlt wird. Wenn nun aber die Japaner das Rockefeller Center kaufen, müssen sie das Geld dafür in die US-Wirtschaft einführen, und dadurch wird die Geldmenge ausgeweitet. Die Fed hat damit überhaupt nichts zu tun.

Die US-Aktienmärkte steigen, wenn es in Europa geopolitische oder wirtschaftliche Risiken gibt. 1914 schloss die US-Regierung die US-Aktienmärkte vier Monate lang, aus Angst, dass es aufgrund des Kriegsausbruchs in Europa zu einer massiven Abverkaufspanik kommen würde. Als sie die Börsen dann wieder aufmachten, legten die Märkte zum Entsetzen der Experten eine Rally hin. Warum? Europa befand sich im Krieg und die Leute wollten ihr Vermögen aus dieser Region abziehen.

1896 waren die USA pleite. J. P. Morgan musste dem US-Finanzministerium Gold leihen, da es kurz vor dem Zusammenbruch stand. Bis Ende des Ersten Weltkriegs waren die USA bereits das Finanzzentrum des Planten. Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs hatten die USA 76% aller weltweiten Goldreserven.

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Aufgrund der Angst um Europa strömte das Kapital in die USA und konzentrierte sich im Dollar, was auch der Grund dafür ist, warum der US-Dollar zur Weltreservewährung wurde. Die Presse hat die Globalisierung damals schon nicht begriffen, und sie wird sie nie begreifen. Das sind Journalisten – keine Analysten. Das übersteigt einfach ihren Horizont.

Was ich gelernt habe, stammt direkt von unseren Kunden. Das hat nichts mit Büchern oder Theorie zu tun. Sie treten doch auch nicht an einen 5-Jährigen heran, wenn Sie Fahrschulunterricht nehmen wollen? Wenn jemand keine Erfahrung hat, vergessen Sie es einfach. Nur die gelebte Erfahrung ermöglicht es einem, die entscheidenden Feinheiten zu erfassen. Mit dem Trading ist es dasselbe. Jemand, der nie getradet hat, hat davon auch keine Ahnung.

Alle wussten, dass wir nach dem Crash von 1987 die Mehrzahl der Zentralbanken beraten hatten. Ein Freund von mir, der für die Intervention der Bank von Kanada verantwortlich zeichnete, kam zu meinem Seminar in Toronto und brachte 15 Zentralbanker mit. Die Institutionen begannen mich zu fragen, worauf die Zentralbanken eigentlich achten würden … Als ich mit meiner Rede fertig war, sagte ich zu meinem Freund bei der Zentralbank, dass ich hoffentlich nichts Falsches gesagt hätte, womit sie sich angegriffen fühlen. Er sagte, dass es die beste Rede gewesen sei, die er je gehört hatte, und er sich wünschen würde, dass er auch so reden könnte, um diesen Leuten zu erklären, dass sie noch nicht einmal die Hälfte von dem verstehen, was sie von sich geben.

Die Zentralbanken waren sogar durch heiße Drähte miteinander vernetzt. Eines Tages war ich dort und das Telefon klingelte. Sie weigerten sich, den Hörer abzunehmen, weil sie nicht im Markt intervenieren wollten. Das hat nichts mit dem zu tun, was die Leute gemeinhin glauben. Ich konnte schreiben, wem ich wollte, sie antworteten, weil sie wussten, dass man uns ernst nehmen muss.

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