Europäisches Schulden-Inferno: Machen Sie sich auf das Schlimmste gefasst!

Behalten Sie die Zinssätze im Auge! Die Finanzwelt steht Kopf. Verwirrung macht sich breit. Und auch die Zentralbanker sind extrem nervös und verstehen die Welt nicht mehr. Die Aussichten in Europa sind extrem düster: Dort drohen massive Kapitalflucht, eine gigantische Kapitalvernichtung, Banken- und Staatspleiten und die Totalenteignung der Bürger. Wenn die Politiker nicht endlich begreifen, dass der Marxismus tot ist, werden sie es halt auf die ganz harte Tour lernen

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 12.05.2013

Wir befinden uns jetzt inmitten einer der komplexesten Situationen der Finanzgeschichte. Wir haben jetzt Unmengen an Geld, die für eine unglaubliche Liquidität sorgen, während die Zinssätze buchstäblich bei 0% liegen.

Und jetzt sind sogar schon die G7-Finanzminister bezüglich des hohen Niveaus an Liquidität alarmiert; selbst ihnen fällt langsam auf, dass die Geldpolitik nicht in der Lage ist, die strukturellen Probleme Europas oder der Weltwirtschaft zu lösen. Umso länger diese Phase exzessiver Niedrigzinsen anhält, desto größer ist die Gefahr, dass es zu einem alles auf den Kopf stellenden Zusammenbruch der Weltwirtschaft kommt.

Selbst die US-Notenbank ist nun besorgt darüber, was geschehen wird, wenn die Zinsen zu steigen beginnen. Die Banken haben mit dem kostenlosen Geld riskante Vermögenswerte gekauft und Eigenhandel betrieben. Ein Anstieg bei den Zinssätzen könnte katastrophal sein, da diese Leute glauben, dass jedweder Trend, der gerade im Gang ist, auf immer und ewig anhalten wird.

Durch die niedrigen US-Zinssätze ist jedoch eine gigantische globale Short-Dollar-Blase geschaffen worden, wie sie die Welt in diesem Ausmaß noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hat. Die Banken haben weltweit Dollarkredite verkauft und als Möglichkeit angepriesen, die Zinskosten zu senken. Zahlreiche Dritte-Welt-Länder haben ihre Schulden auf Dollarbasis ausgegeben.

Und genau das ist auch der Punkt, wo all die alten Theorien in sich zusammenbrechen, denn der Dollar hat sich nicht bloß zu einer Reservewährung entwickelt, sondern er ist mittlerweile „die“ internationale Währung schlechthin, was auf die strukturellen Probleme des Euros und das Scheitern des Yens zurückzuführen ist, zu einer ernsten Währung heranzureifen, da der Yen zahlreichen staatlichen Auflagen und Regulierungen unterworfen ist. Ja man kann in London nicht einmal eine Anleihe auf Yenbasis ausgeben, wenn man zuvor nicht die Freigabe des japanischen Finanzministers in Tokio eingeholt hat.

Überdies wird es immer offenkundiger, dass die Zinssätze nicht mehr länger auf derart niedrigen Niveaus gehalten werden können. Diese niedrigen Zinssätze sorgen bei den Pensionsfonds für Probleme und schicken sogar die staatlichen Rentenkassen immer stärker in die Pleite.

Ohne eine Rückkehr der Zinssätze zu normalen Niveaus sind die „konservativ“ ausgerichteten Pensionsfonds pleite. US-Bundesstaaten wie Pennsylvania stört es nicht einmal mehr, dass sie ihre Pensionen bereits seit fünf Jahren finanzieren. Und am Ende wird die US-Notenbank versuchen, ihr Portfolio an US-Staatsanleihen zu verkaufen – und was wird die Fed dann tun, wenn sie begreift, welche Verluste mit den steigenden Zinssätzen einhergehen?

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Die Erkenntnis, dass die Ausweitung der Geldmenge durch die US-Notenbank völlig dabei versagt hat, Inflation hervorzubringen, hat praktisch jede inlandsorientierte Wirtschaftstheorie durcheinandergebracht. Es ist ihnen nicht gelungen, die globalen Aspekte der Wirtschaft zu verstehen und ihnen Rechnung zu tragen – denn dafür müsste man nämlich auch begreifen, dass der Dollar sich in eine internationale Währung verwandelt hat und nicht mehr bloß eine Reservewährung, sondern weltweit jetzt erste Wahl ist, da es keine andere vernünftige Alternative zum Dollar gibt.

Die Ausweitung der Geldmenge durch die Fed ist weltweit aufgesaugt worden. Die Vorstellung, dass man die Wirtschaft durch den Aufkauf von Staatsanleihen ankurbeln könnte, weil so theoretisch Geld ins System gepumpt wird, ging ins Leere, weil man nicht begriff, dass 40% aller US-Staatsanleihen von ausländischen Institutionen gehalten werden. Daher sind die alten Theorien in der Tat alle antiquiert und haben überall – von der Wirtschaftslehre über die Aktienmärkte und Gold bis hin zu den Zinssätzen – für ein enormes Maß an Verwirrung und Täuschung gesorgt.

Aus US-Inlandsperspektive heraus müssen die Zinsen steigen, damit die Pensionsfonds gerettet werden. Die US-Notenbank wird sich dabei der weltweiten Auswirkungen und der riesigen Dollar-Shorts überhaupt nicht bewusst sein, und ein Anstieg der Zinssätze wird für eine massive Short-Covering-Rally beim Dollar sorgen.

Und die heraufziehende Bundestagswahl in Deutschland im September wirkt von Tag zu Tag immer bedrohlicher. Es könnte bis ins Jahr 2016 hinein zu einer massiven Dollar-Rally kommen, die mit einer Rally des Dow Jones einhergeht, der bis Herbst 2015 auf 17.330, 18.900 oder 23.388 Punkte klettern könnte. Sollten die Zentralbanker das Ganze wie üblich vergeigen, könnte hier auch eine Blase im Stile Japans geschaffen werden.

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Und da die Europäische Zentralbank und die Bank von Japan ihre Gelddruckmaßnahmen nun verstärkt haben, könnte die Fed die Zinssätze aus Sorge heraus anheben. Die EZB könnte die Zinsen schon bald ein weiteres Mal senken, und die Fed könnte versucht sein, dem Euro beizustehen, indem sie die Zinsen anhebt – alles in dem Glauben, dass dies Europa helfen wird (im Gegensatz zu dem, was sie 1927 taten, als die USA die Zinsen senkten, um das Kapital wieder in Richtung Europa zu treiben).

Auf dem G7-Treffen haben alle Teilnehmer versucht zu beteuern, dass es keinen Währungskrieg geben sollte. Das ist aber nur Gerede, da sich umgehend nach dem Treffen wieder alle daran machten, ihr eigenes Süppchen zu kochen. Es ist aber in der Tat so, dass es eine Art von weltweit orchestrierter Gelddruckpolitik gegeben hat – diese manipulativen Maßnahmen sind ein unausgesprochenes Geheimnis der Zentralbanker.

Für die großen internationalen Investoren ist die aktuelle Lage, gelinde gesagt, verwirrend. Die Zahl der uns erreichenden Anfragen beginnt nun, exponentiell zu steigen. Die Zentralbanken haben keine andere Wahl, als durch Aktienkäufe zu diversifizieren – die US-Notenbank kehrt also zu ihren Wurzeln zurück, da sie ja ursprünglich konstruiert wurde, um Wertpapiere von Unternehmen aufzukaufen, nicht Staatsschulden.

Es ist richtig, dass die Zentralbanken weder in der Lage sind, die Weltwirtschaft noch die Geldversorgung zu kontrollieren. Die Liquidität könnte erneut zu einer weitflächigen Inflation bei den Vermögenswerten führen, da das Kapital aus den Staatsschulden flieht, speziell in Europa.

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Sollte die US-Notenbank die Zinsen erhöhen, ginge das für die Eigenhandel treibenden New Yorker Banken wie üblich mit Gefahren einher. Zur selben Zeit droht durch die „Bail-in“-Politik der EZB – bei der man das Geld der Bankkunden nimmt, um damit die unter den faulen Euro-Anleihen leidenden Banken zu retten – aber ein massives Deflationsrisiko, begleitet von einem massiven Wertverlust aller bestehender Vermögenswerte in Europa. Und das kann nur dazu führen, dass noch mehr Kapital in den Dollar flüchtet.

Unter den weltweiten Zentralbankern herrscht derzeit zweifelsohne eine unglaubliche Verwirrung, Bestürzung und direkte Nervosität. Die fanatischen Bemühungen der Europäer, die gewillt sind, ohne strukturelle Reformen weiter am Euro festzuhalten, haben dafür gesorgt, dass die Spielregeln einfach über Nacht geändert wurden.

Darüber hinaus erwägt die US-Notenbank gerade, bei den US-Bankern restriktive Maßnahmen zu implementieren – aber schrittweise, um Schocks zu vermeiden. Sie haben keine Lust, den New Yorker Banker erneut einen Scheck auszustellen. Deshalb gehen sie vorsichtig vor. Sie begreifen, dass ein Anstieg der Zinssätze eine Schockwelle durch den Anleihemarkt senden, die Banken extrem hart treffen und ihre Finanzierungskosten erhöhen würde. Bleiben die Zinsen jedoch auf dem derzeitigen Niveau, werden die Pensionsfonds in die Pleite abrutschen.

Die Menge an in Europa ausgegebenen Schulden spottet jeder Beschreibung. Fast überall in Europa besteht die ernste Gefahr einer massiven Kapitalflucht, was die Politiker aber schlicht nicht begreifen. Die widersprüchlichen Aussagen seitens der Zentralplaner sind nicht im Geringsten vertrauensbildend. Das Einzige, was sich dort beobachten lässt, ist, dass die Hoffnung über reale Erfahrungen zu triumphieren scheint.

Europäische Staatspleiten würden die europäischen Banken in den Bankrott treiben, da die Banken das billige Geld genutzt haben, um Staatsanleihen aufzukaufen, in dem Glauben, dass die Staaten überleben würden. Wir haben es hier also mit massiven Risiken bei den europäischen Banken zu tun.

Die Anleihen von Spanien, Portugal und Italien notierten jüngst auf Rekordtiefs, und das trotz der wirtschaftlichen Lage in diesen Ländern und der Aussicht darauf, dass sie die Austeritätspolitik ablehnen könnten. Es scheint, als würden sich am europäischen Horizont auf allen Ebenen massive Enteignungen abzeichnen. Zwangsabgaben, Bail-ins, ein härteres Vorgehen der Steuerfahnder, die Besteuerung von Aktienmarkttransaktionen – das wird in der Kombination dazu führen, dass das Kapital in Richtung Dollar flüchten wird.

Der gewöhnliche Europäer – der keine Yacht besitzt – ist mit einer steigenden Arbeitslosenrate und negativem Wirtschaftswachstum konfrontiert. Die Jugend hat keine Zukunft – selbst 50% der französischen Jugendlichen wollen jetzt Frankreich verlassen. Die Politiker leben in der Vergangenheit. Der Marxismus ist tot. Die Jugend hat sich all diesen Schwachsinn, dass man die Reichen besteuern soll, anhören müssen, aber sie begreifen nicht, wie davon irgendwer außer der Regierung profitieren soll.

Fakt ist, dass der Sozialismus der europäischen Wirtschaft den Garaus macht. Die Schweiz beginnt jetzt, darüber nachzudenken, die Zahl der EU-Bürger, die in der Schweiz arbeiten können, zu begrenzen. Eine jüngste Gallup-Umfrage zeigte, dass unglaubliche 150 Millionen Menschen aus aller Welt gerne in die USA auswandern würden. Das Ganze wird langsam komplett verrückt.

Was braucht es, um diesen Politikern begreiflich zu machen, dass der Marxismus tot ist? Wir brauchen eine neue Weltwirtschaftskonferenz. Auf dem Weg, auf dem wir uns derzeit befinden, gibt es keine Zukunft. Speziell die Pensionsfonds in Europa und den USA sind betroffen, von Japan ganz zu schweigen.

Die nächste Finanzkrise wird nicht durch noch mehr staatliche Bail-outs und Bail-ins gelöst werden. Wir befinden uns jetzt an dem Punkt, wo es kein Zurück mehr gibt und nur noch umfassende Strukturreformen möglich sind, bei denen man begreift, wie sich die Weltwirtschaft verändert und weiterentwickelt hat.

Und genau das ist der alleinige Zweck der Gründung der ersten Internationalen Denkfabrik, bei der Menschen aus aller Welt hinzugezogen werden. Diese Denkfabrik wird sich nicht einer einzelnen Regierung oder politischen Agenda verschreiben, sondern es geht ausschließlich ums wirtschaftliche Überleben. Eine internationale Mitgliedschaft wie auch Publikationen zu globalen Trends werden in Kürze zur Verfügung stehen. Das Beratungsgremium wird sich ausschließlich aus Menschen zusammensetzen, die auf Erfahrungen aus dem wahren Leben zurückgreifen können, so dass es möglich ist, Synergien für Lösungen zu finden. Es ist an der Zeit, dass die echte Welt ein Update bekommt.

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