Streng geheim: Europäische Union plant gigantischen Schuldenschnitt

Die Eurokraten haben letzte Woche hinter verschlossenen Türen eine massive Schulden-„Restrukturierung“ der südlichen Euroländer beschlossen. Auch deutsche Sparer und Steuerzahler werden bluten. Das Einzige, was Europa jetzt noch zusammenhält, ist der Wille Merkels. Die politischen Eliten wollen gar nicht daran denken, was passiert, wenn bei den kommenden Bundestagswahlen etwas schiefläuft

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 26.05.2013

Hinter den Kulissen hat es jede Menge Bewegung gegeben, da sich die südlichen Euroländer nun immer stärker in Richtung des vollständigen Zusammenbruchs bewegen. Ich hatte bereits in der Vergangenheit gewarnt, dass unsere Kontakte auf den höchsten Ebenen der deutschen Regierung uns gegenüber schon vor über einem Jahr klargestellt hatten, dass, müsste man sich zwischen der Aufgabe des Euros und der Austerität entscheiden, man sich immer für den Euro entscheiden würde.

Den Euro einfach aufzugeben, wäre eine viel zu große öffentliche politische Niederlage, und die Politiker werden jeden einsperren und alle mitsamt ihren Familien umbringen, bevor sie jemals zugeben werden, dass sie es gewesen sind, die das ganze Chaos überhaupt erst ins Leben gerufen haben. Laut unserem Modell war der Tag der Entscheidung in der Woche vom 20.05. bis 24.05.2013 gewesen.

Ich habe darüber berichtet, dass in Spanien nun erste verzweifelte Anzeichen einer einsetzenden Mad-Max-Krise zu sehen sind. Der entsprechende Beitrag scheint weltweit massiv verbreitet worden zu sein. Die Spanier, die in den Städten leben, haben nun damit begonnen, Bauernhöfe zu plündern – und an einem Ort haben sie sogar 100 Rinder gestohlen!

Darüber hinaus sehen wir in Spanien nun die Anfänge einer großflächigen Liquidierung notleidender Immobilien. Dadurch werden die überhitzte Baubranche angegangen und die Häuserpreise wieder auf bedeutend realistischere Niveaus gezwungen. Nichtsdestotrotz werden aber einige Banken zusammenbrechen, da sie massive Geldzuflüsse benötigen, um die Verluste zu kompensieren. Sie werden daher aller Vorausschau nach in die Insolvenz gehen.

Innerhalb der EU ist Italien so riesig, dass eine Rettung dieses Landes gar nicht möglich ist. Das wäre so, als würden die USA pleitegehen und dann alle versuchen, für die Rettung zusammenzulegen.

Gegenwärtig liegen keinerlei Alternativen auf dem Tisch – bis auf die Schulden-„Restrukturierung“ der südlichen Euroländer, was nichts anderes als ein teilweiser Zahlungsausfall ist. In der Woche vom 20.05. bis 24.05.2013 wurde hinter verschlossenen Türen die Entscheidung getroffen, eine massive Schulden-„Restrukturierung“ durchzuführen: In der EU sind die Vorbereitungen derzeit bereits im Gang.

Sie haben versucht, alles zusammenzuhalten; sie haben sich nachts unter der Bettdecke verkrochen, bis der schwarze Mann wieder verschwindet; sie haben es mit Kaugummi und Bindfaden versucht und alles schön in Blisterfolie verpackt – natürlich mit einem tollen Schleifchen drum rum, blau, mit goldenen Sternchen drauf, damit es nach der EU-Flagge aussieht. Selbst Gold ist im Preis zurückgegangen, während diese Leute hinter verschlossenen Türen mit einer Zahlungsunfähigkeit auf die Schulden konfrontiert sind – das ist die klassische Deflation.

Und während die schlimmsten Befürchtungen nun wahr werden, findet sich hinter den verschlossenen Türen nichts außer den Trümmern falscher Hoffnungen – die ihnen bei den Cocktailpartys noch auf den Lippen lagen –, dass die Europäische Zentralbank im Laufe der Zeit schon alles richten würde.

Aber nicht nur die EZB hat sich als Kaiser ohne Kleider erwiesen, auch der Internationale Währungsfonds mit seinen Wutanfällen – der Austerität innerhalb seines vorgegebenen Rahmenwerks einfordert, da ansonsten keine Nation überleben würde – hat sich als geistesgestörte, vor sich hinmurmelnde, senile und korrupte Institution herausgestellt, die überhaupt keine Ahnung hat, wo sie eigentlich steht. Der IWF hat sich von seinem eigenen Pomp und den Zeremonien des Jahres 1945 blenden lassen und überhaupt noch nicht begriffen, dass sich seine Funktion 1971 mit dem Zusammenbruch von Bretton Woods in Rauch aufgelöst hat.

Unterdessen weiß das Europäische Parlament natürlich nur zu gut, dass das Einzige, was derzeit noch alles zusammenhält, der persönliche Wille von Merkel ist. In den USA wird die deutsche Bundestagswahl heruntergespielt, aber hinter verschlossen Türen ist die Wahl in Deutschland der wahre Albtraum. Niemand will sich vorstellen, „was wäre, wenn …“

Solange es in Europa keine Reformen gibt, werden die deutschen Sparer indirekt – ohne sich dessen bewusst zu sein – zur Rettung Europas herangezogen werden. Die Bundestagswahl im September ist für ganz Europa von entscheidender Bedeutung, und die Europäische Union weiß, dass sich Merkel eine Siegchance bewahren muss, da Europa andernfalls tot ist. Rechnen Sie nicht damit, dass hier bei irgendetwas die ganzen Details an die Öffentlichkeit gelangen werden – sie werden streng gehütet.

Nichtsdestotrotz ist die Agenda zunächst einmal, Europa zusammenzuhalten und es immer stärker in Richtung Föderalisierung zu treiben, was nach außen hin als „Vereinigung“ Europas verkauft werden wird, um den Anschein zu erwecken, dass die Souveränität der Euroländer erhalten bleibt.

Aber genauso wie in den USA haben die einzelnen Mitgliedsländer überhaupt keine Rechte – die US-Verfassung trumpft alles; sie ist das höchste Recht des Landes. Artikel IV, Absatz 2 der amerikanischen Verfassung (die sogenannte „Supremacy Clause“) war es, der gegen die Südstaaten zum Einsatz kam, um die Bürgerrechte zu erzwingen. Europa wird ebenfalls föderalisiert werden, nur dass man es nicht so nennen wird. Und es wird keinerlei Rechte geben, über Fragen des föderalen europäischen Staats abzustimmen.

In Europa brodelt es und die Europäische Union fängt nun an sich zu fragen, warum man überhaupt eine Regierung braucht, wenn es auf europäischer Ebene kein Einlagensicherungssystem gibt. Am Ende wird die EU sogar dazu gezwungen sein, über die Schuldenrestrukturierung der Euroländer hinauszugehen. Sie wird keine andere Wahl haben, als zu der Schlussfolgerung zu gelangen, dass man neue Euro-Bonds braucht, die dann zweifelsohne von europaweiten Austeritätsmaßnahmen flankiert werden, um Deutschland glücklich zu machen.

Wir haben bei unserem Computer zahlreiche Szenarien abgefragt, aber es kommt immer ein und dasselbe Ergebnis dabei heraus: Es muss eine großflächige Währungsreform geben, bei der die alten Theorien verworfen werden und mit der der nächste Schritt im evolutionären Prozess unserer Weltwirtschaft eingeleitet wird.

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