US-Wirtschaftserholung: In Wahrheit fehlen immer noch Millionen Arbeitsplätze

Die frisierten Daten der US-Regierung sehen gut aus. Doch in Wahrheit brauchen die USA immer noch Millionen neuer Arbeitsplätze. Die Gelddruckmaßnahmen der US-Notenbank haben dem Durchschnittsamerikaner bestenfalls nichts gebracht

Wolf Richter, Testosteronepit.com, 07.06.2013

Nun, im Mai dieses Jahres wurden in den USA 175.000 neue Arbeitsplätze geschaffen – das ist eine grobe Schätzung, die ungefähr dem 12-Monatsdurchschnitt von 172.000 Arbeitsplätzen entspricht. Das Beschäftigungswachstum zwischen März und April wurde um 12.000 nach unten korrigiert, und die US-Arbeitslosenrate ist von 7,5% auf 7,6% gestiegen oder „blieb im Grunde unverändert“, so die freundlichen und politisch korrekten Worte der US-Behörde für Arbeitsstatistik. Und das mit den erschreckenden Ungleichheiten, an die wir uns bereits gewöhnt haben: Die Arbeitslosenrate von Asiaten lag bei 4,3%, von Weißen bei 6,7%, von Hispanos bei 9,1% und von Schwarzen bei 13,5%.

Die Zahl der Langzeitarbeitslosen verharrt nach wie vor bei 4,4 Millionen, und die Zahl all jener, die gerne Vollzeit arbeiten würden, aber nur Teilzeitjobs bekommen oder mit Arbeitszeitkürzungen leben müssen, steht immer noch bei 7,9 Millionen. Und es gibt heute immer noch 1,9 Millionen weniger Arbeitsplätze als vor Beginn der Rezession Ende 2007.

Die Arbeitsplatzschaffung im Privatsektor fand letztlich nur in einigen wenigen Branchen statt, während sie in anderen Branchen stagnierte. Der Staatssektor ist eine andere Geschichte: Die Regierungen strichen 3.000 Arbeitsplätze. Die Beschäftigung auf US-Bundesebene ging um 14.000 Stellen zurück – das ist ein Rückgang um 45.000 Jobs innerhalb von 12 Monaten! Allein die Post strich 3.800 Stellen. Die Regierungen der einzelnen Bundesstaaten entließen 2.000 Mitarbeiter, aber die Lokalregierungen stellten ein, was das Zeug hielt, und beschäftigen nun zusätzlich 13.000 Mitarbeiter mehr.

Diese auf Umfragen basierenden Zahlen sind Schätzungen, die statistisch mit unzähligen und oftmals grundlegenden Methoden verändert worden sind, um ihnen überhaupt irgendeinen Sinn zu verleihen. Die Genauigkeit dieser Daten ist aber verschwindend gering. Der am weitesten gefasste und vielleicht auch korrekteste Gradmesser der Realität, den die US-Behörde für Arbeitsstatistik zu bieten hat, dürfte wohl das Beschäftigungs/Bevölkerungs-Verhältnis [Beschäftigungsquote] sein, also der prozentuale Anteil arbeitender Menschen an der Gesamtbevölkerung im arbeitsfähigen Alter.

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Und wer ragt bei all dem heraus? Die US-Notenbank. Wie die Grafik zeigt, haben der Gelddruckwahn und die Nullzinspolitik der Federal Reserve, die ab Dezember 2008 auf das Land losgelassen wurden, im besten Fall überhaupt nichts gebracht oder, noch schlimmer, zu dem Problem sogar noch beigetragen. Wenn die Fed erklärt, dass sie ihren Kumpanen mehr Geld aushändigen will, um Arbeitsplätze zu schaffen, ist es genau dieser Chart, der einem dazu einfällt.

Aber die Fed hat ihre Gründe. Mit ihren geldpolitischen Maßnahmen wurden die Anleger der systemrelevanten Banken gerettet, gigantische Vermögen an der Spitze geschaffen, landesweit Vermögensblasen aufgebläht, eine Reihe an Verzerrungen und Fehlallokationen herbeigeführt und die Sparer vernichtet. Das ist es, worauf die Geldpolitik der US-Notenbank abzielte. Und was war das Einzige, was sie nicht tat? Arbeitsplätze schaffen.

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