Gold & Silber so bullisch wie nie

Stephan Bogner, Analyst bei Rockstone Research und Geschäftsführer des Edelmetallhändlers Elementum International, wartet mit der gewagten These auf, dass man derzeit zu 100% in physische Edelmetalle und Gold- und Silberminenaktien investiert sein sollte

The Gold Report, 15.07.2013 (in Auszügen)

The Gold Report: Sie sind heute bezüglich Gold und Silber bullischer, als sie es zu Beginn des Edelmetallbullenmarkts vor fast 13 Jahren waren. Dennoch erklärt die schweizerische Bank UBS, dass der Superzyklus bei den Rohstoffen jetzt vorbei ist.

Stephan Bogner: Als ich 2002 meine Diplomarbeit mit dem exotischen Thema „Gold im makroökonomischen Kontext“  fertigstellte, war ich ziemlich bullisch im Hinblick auf Gold und Silber. Heute bin ich noch bullischer, weil sich an den makroökonomischen Aspekten nichts geändert hat; es ist noch schlimmer geworden.

Die Fundamentaldaten für Gold und Silber sind nie so bullisch gewesen, wie es heute der Fall ist. Es ist heute viel wahrscheinlicher, dass das Geld in den Sektor strömen wird, da es keinen anderen Ort gibt, wo man sich vor der zunehmenden Unsicherheit und den Exzessen unseres Finanzsystems verstecken kann. Die jüngste Krise in Zypern hat gezeigt, dass das Geld auf dem Bankkonto nicht mehr sicher ist, und dabei haben wir die Inflation ja noch nicht einmal mit berücksichtigt.

TGR: Haben Goldbullen wie Sie die Fähigkeiten der weltgrößten Banken und mächtigsten Regierungen, den Goldpreis zu kontrollieren, unterschätzt?

SB: Gold und Silber sind einfach nur Barometer, die über die Gesundheit des Geldsystems Auskunft geben. Diejenigen, die das aktuelle System aufrecht erhalten wollen, versuchen vielleicht, die Barometer zu manipulieren, damit die Massen die Situation so lange als möglich fehlinterpretieren.

Die Preise werden aber nicht sonderlich lange so niedrig sein; die Fundamentaldaten von Angebot und Nachfrage werden Anstiege zur Folge haben. Professor Hans Bocker, der meine Diplomarbeit betreute und in Europa ein bekannter Wirtschaftsexperte ist, betont immer, dass nichts und niemand stärker ist als die Märkte.

TGR: Wie sollten die Anleger ihre Portfolios für diese neue Weltordnung ausrichten?

SB: Man sollte alle verfügbaren Vermögenswerte liquidieren und mindestens 70% seines Vermögens aus dem Bankensystem herausholen, indem man physisches Gold und physisches Silber kauft und die Metalle dann in einer unabhängigen Lagerstätte in einem sicheren Land verwahrt.

Ich rate jedem davon ab, Papiergold und Papiersilber in Form von Zertifikaten, Optionsscheinen oder Futures zu erwerben. Das sind die gefährlichsten und am stärksten manipulierten Märkte. Hierzu gehören auch die börsennotierten Rohstofffonds (ETFs). Man kann sich einfach nicht sicher sein, dass man wirklich physisches Gold und Silber kauft, wenn man sein Geld in ETFs steckt, oder dass man die physischen Edelmetalle tatsächlich ausgeliefert bekommt, wenn man verkaufen will. Professor Bocker, der auch der Vorsitzende von Elementum ist, streicht heraus, dass es wichtig ist, die Metalle physisch zu halten, um die bevorstehende Finanzkrise zu überleben.

Edelmetallminenaktien passen sehr gut in ein aus physischem Metall bestehendes Portfolio. Man kann 70% seiner Gelder in physische Anlagemetalle, die entscheidende Lebensversicherung, stecken und 30% seines Vermögens in Minenaktien investieren, da es sich dabei um Finanzinstrumente handelt, die während eines Gold- und Silberbullenmarkts gewöhnlich für exorbitante Gewinne sorgen.

TGR: Was ist mit Bargeld? Dann hätte man ja praktisch überhaupt keine Liquidität mehr im Portfolio?

SB: Ich erachte Minen-Investments als Bargeld. Man kann jederzeit einen Teil seiner Bestände verkaufen und das Geld umgehend nutzen.

TGR: Aber ist es durch die [geringe] Größe des Edelmetallminenmarkts nicht schwierig, rein- und dann wieder rauszugehen?

SB: Man sollte diversifizieren und sich bei den Aktien auf die Titel konzentrieren, die liquide sind, sodass man schnell und ohne große Probleme wieder herauskommt. Man sollte eine gesunde Diversifikation von Juniortiteln und großen Minen haben und seine Positionen im Portfolio regelmäßig anpassen.

TGR: Was sind die Grundlagen für Ihre These bei den Edelmetallminenaktien?

SB: Bei Rockstone Research schaue ich mir nicht nur die Märkte im Allgemeinen an, sondern ich analysiere auch Juniorminentitel und große Minenbetreiber. Der Minensektor bietet einzigartige Möglichkeiten, um große Gewinne zu realisieren. Wenn man sich ein wenig mit Geologie, Chemie, Metallurgie, Technologie und dem Minengeschäft an sich auskennt, kann man Minenaktien identifizieren, die kurz vor ihrem Anstieg stehen, und zwar völlig unabhängig vom zu Grunde liegenden Edelmetallpreis.

Der Aktienpreis eines kleinen Explorationsunternehmens mit großartigen Bohrergebnissen steigt selbst dann, wenn sich Gold in einem Bärenmarkt befindet. Hier sollte man auch immer daran denken, dass beim nächsten kollektiven Aufwärtsschwung weniger Aktien im Preis steigen werden; viele Projekte und Managementteams haben sich als nicht überlebensfähig herausgestellt. Diese Unternehmen werden aus dem Geschäft gedrängt, was den Markt besser macht; der Markt konsolidiert sich stärker, als dies während des ersten Jahrzehnts der Fall war.

Aus Sicht der Anleger ist der aktuelle, vorübergehende Bärenmarkt also eine positive Sache, weil nur die besten Unternehmen überleben werden. Diese Unternehmen zu identifizieren, bevor andere Anleger sie finden, kann die Chance des Lebens sein. Jetzt ist die Zeit, um mit den Käufen von Minenaktien zu beginnen, da sie aktuell mit massiven Rabatten angeboten werden und niedrig bewertet sind. Man muss all seinen Mut zusammennehmen und kaufen, während alle anderen verkaufen, als gäbe es kein Morgen mehr.

TGR: Was ist für Sie ein effektiver Ansatz, um diese Minentitel zu kaufen? Sollten Investoren bei Rückgängen kaufen?

SB: Ja, bei Rückgängen zu kaufen, ist eine gute Möglichkeit, um in ein Investment einzusteigen. Wenn man mit einem Investment im Minus liegt, kann man entweder versuchen, sich in Geduld zu üben und auf eine allgemeine Erholung zu warten, oder man verkauft die Position und kauft jetzt verschiedene Minenaktien, da sich der Markt in den letzten paar Monaten tiefgreifend verändert hat.

Bei bestimmten Minentiteln hat der Markt mittlerweile für lächerlich niedrige Bewertungen gesorgt, Titel, die ich vor sieben Monaten noch nicht gekauft hätte. Ich bin kein Fan des strikten „Kaufen-und- Halten“-Ansatzes, da sich ganze Märkte, Erwartungen und einzelne Möglichkeiten im Laufe der Zeit verändern. Man kann sogar einen Teil seiner Positionen mit Verlust verkaufen, um andere Positionen zu erwerben, die bedeutend bessere Schnäppchen zu sein scheinen und sehr lukrativ sein können.

TGR: Welchen Geschichten folgen Sie aktuell?

SB: In einem niedergeschlagenen Minenmarkt, so wie es heute angesichts der niedrigen Edelmetallpreise der Fall ist, wo die meisten Produzenten unprofitabel arbeiten, konzentrieren sich die Anleger – und werden es künftig noch viel stärker tun – nicht nur auf die wenigen profitablen Minenfirmen, die es noch gibt, sondern auch auf Minentitel, die über die folgenden sechs Merkmale verfügen:

Weitere Artikel zu diesem Thema