Ansteckungsgefahr in den Schwellenmärkten; Gold könnte auf neue Mega-Hochs schießen

Michael J. Kosares, USAGOLD, 29.08.2013

Während derzeit alle nach Syrien blicken, braut sich in den Schwellenmärkten unter der Oberfläche – und von weiten Teilen der Öffentlichkeit völlig unbeachtet – ein Problem zusammen, das für die Weltwirtschaft noch viel unheilvoller sein könnte.

Am Ende könnte das neue Währungs- und Schuldendebakel der Schwellenländer dazu führen, dass die weltweiten Aktienmärkte (auch Wall Street), der Wert der Währungen dieser Länder und die in diesen Währungen denominierten Schulden zersetzt werden.

Zur Liste dieser Länder gehören China, Indien, Brasilien, Argentinien, Indonesien, Südafrika, Russland und Mexiko, um hier nur ein paar Namen zu nennen – und auf die Probleme der südlichen Euroländer wollen wir hier gar nicht erst eingehen. Einige erachten die sich derzeit entwickelnde Situation als eine Wiederholung der Asienkrise 1996/1997, aber es geht weit über den Pazifischen Raum hinaus, da im Grunde der überwiegende Teil der südlichen Hemisphäre betroffen ist.

Kevin Lai, der Chefökonom von Daiwa Securities, führte kürzlich in einem Financial Times Artikel aus, dass

„das ganze QE-Geld in Asien zu einer massiven Kreditinflationsblase geführt hat. Der Verbrechen hat bereits stattgefunden, das sind jetzt nur noch die Nachwirkungen. Während dieses Prozesses wird jede Menge Schaden angerichtet werden … Es ist wie ein Margin Call. Die Haushalte werden ihre Vermögenswerte verkaufen müssen. Es wird jede Menge Vermögensvernichtung geben.“

Im Verlauf des Artikel weist er noch auf eine weitere Sorge hin: „Die Entscheidung ist, ob man seine Währung oder sein inländisches Wachstum schützt. Es geht immer nur eines von beiden. Da gibt es keine einfache Lösung.“ Ersteres würde zur Inflation führen; letzteres würde zur Disinflation oder Stagflation führen, je nachdem, welches Wort ihnen besser gefällt.

Wer wissen will, welche Auswirkungen dieses sich derzeit entwickelnde Szenario auf den Goldmarkt hat, braucht nur nach Indien zu blicken, wo der anhaltende Zusammenbruch der Indischen Rupie zu einer Explosion der Goldnachfrage geführt hat. Indiens geldpolitische Vertreter haben auf die Situation reagiert, indem sie Einfuhrkontrollen für Gold implementiert haben, um die Bevölkerung davon abzuhalten, aus der Rupie zu flüchten und Gold zu kaufen. Einige Kommentatoren sind sogar so weit gegangen, zu behaupten, dass in Indien auch eine Goldkonfiskation denkbar sei.

Sicher, abgesehen von China ist Indiens Vorliebe für Gold wirklich einzigartig, aber nichtsdestotrotz beschert uns dieses Beispiel Hinweise darauf, wie die Fundamentaldaten des gelben Metalls durch die Krise beeinflusst werden könnten.

Wenn Indien und China – China hat seine ganz eigenen Probleme – Beispiele sind, könnte eine weltweite Ansteckung dazu führen, dass die Goldnachfrage noch viel stärker angeheizt wird, als dies derzeit ohnehin bereits der Fall ist. Und angesichts der Tatsache, dass Gold kürzlich im Übernachthandel stark gestiegen ist, dürfte die jüngste Stärke des Markts eher auf die weltweite Krise als auf die Ereignisse in Syrien zurückgehen – obwohl sich die Mainstream-Finanzmedien auf letzteres konzentriert haben.

Albert Edwards, ein Spitzen-Analyst von Société Générale, glaubt, dass China letztlich gezwungen sein wird, den Renminbi abzuwerten, und er warnt davor, dass es in nicht allzu ferner Zukunft zu einem Währungs-Debakel ähnlich dem der Asienkrise kommen könnte:

„Die ´Erfolgsstory` der Schwellenmärkte hat sich wieder einmal als ein Haufen Unsinn herausgestellt. Die ganze Veranstaltung der Schwellenmärkte ist in sich zusammengebrochen, da die zu Grunde liegende Schwäche ihrer Handelsbilanzen zunächst durch den Kursrutsch beim Yen und dann durch die Androhung der US-Notenbank, die Geldpolitik zu straffen, zutage getreten ist.

China – das Bernanke in 2010 noch energisch wegen der QE-Maßnahmen kritisierte – warnt jetzt vor den negativen Auswirkungen für die Schwellenmärkte, sollte es zu einer Straffung der Geldpolitik der Fed kommen! Es ist mir ein Rätsel, wie irgendjemand – von den Aktivisten, die die westlichen Zentralbanken übernommen zu haben scheinen, einmal abgesehen – glauben kann, dass die quantitativen Lockerungsmaßnahmen die Lösung für die Probleme der Weltwirtschaft sein könnten.

Aber indem sie die Risse vorübergehend übertünchten, haben sie es auch zugelassen, dass sich diese Risse in unglaubliche tiefe Gletscherspalten verwandelt haben. Und auf die Gefahr hin, dass man mich abermals einen Spinner nennt, wiederhole ich hier meine Prognose von 450 Punkten für den S&P 500, einer Rendite für 10-jährige US-Staatsanleihen von -1% und einem Goldpreis von über USD 10.000 pro Unze.“

Und während am Donnerstag ein Ökonom einer globalen Megabank (Albert Edwards von SocGen) erklärte, dass Gold auf USD 10.000 pro Unze steigen wird, sagte am Mittwoch bereits ein anderer Ökonom einer anderen globalen Megabank (Tom Fitzpatrick von Citibank), dass sich Gold auf USD 3.500 pro Unze verteuern wird:

„Bezüglich der Dynamik von Gold glauben wir, dass diese jüngste Korrektur sehr stark der Entwicklung ähnelt, die der Goldmarkt während der Jahre 1974 bis 1976 erlebt hat – wo sich die Aktienmärkte von ihrem Bärenmarkttief von 1974 erholten. Kürzlich fiel das gelbe Metall 14% unter seinen gleitenden 55-Monatsschnitt – genau so, wie es auch 1976 der Fall war.

4 Wochen nach dem Goldpreistief von 1976 bildete der Aktienmarkt sein Hoch aus. Bisher liegt das aktuelle Goldpreistief bei USD 1.181 pro Unze und der Höhepunkt bei den Aktienmärkten folgte fünf Wochen später. Die historische Aufwärtsbewegung von Gold setzte dann 1976 ein, als der Aktienmarkt ein Hoch ausbildete und danach in eine Korrekturphase abtauchte. Und ab dem Zeitpunkt legte Gold dann richtig los.

Wir gehen also davon aus, dass wir bei Gold wieder auf Kurs sind, da Gold die beste Hartwährung ist, und wir rechnen damit, dass sich dieser Trend künftig noch beschleunigen wird. Wir sind immer noch der Auffassung, dass der Goldpreis in den nächsten paar Jahren auf rund USD 3.500 pro Unze steigen wird. Und sollte das Gold/Silber-Verhältnis in den Bereich von 1:30 einbrechen, würde dies einen Silberpreis von über USD 100 pro Unze nahelegen.“

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