Massaker an den Anleihemärkten: Größte Blase der Menschheitsgeschichte platzt gerade

Wolf Richter, Testosteronepit.com, 05.09.2013

Das Massaker bei den Anleihefonds ist spektakulär ausgefallen. Bestes Beispiel: Ängstliche Anleger zogen im August USD 7,7 Milliarden aus dem Total Return Fund von Pimco ab, dem größten Anleihefonds der Welt. Im Juli zogen sie bereits USD 7,5 Milliarden ab und im Juni erreichten die Abflüsse mit USD 14,5 Milliarden einen neuen Rekord.

Vom 01.05.2013 bis 31.08.2013 gingen die Vermögenswerte dieses Fonds um 14% zurück und sanken von USD 292 Milliarden auf USD 251 Milliarden; USD 26 Milliarden waren Abflüsse und USD 15 Milliarden gingen auf den sinkenden Wert der Anleihen zurück.

Und während der Fonds auf der größten Finanzblase der Menschheitsgeschichte ritt, wurde er als Ort bekannt, wo die Anleger – die sich an kleineren Renditen nicht stören, denen es aber beim Gedanken an den Verlust ihrer Investments eiskalt den Rücken hinunterläuft – ihr Geld parken können, ohne sich darüber Sorgen machen zu müssen. Aber jetzt machen sie sich Sorgen.

Und es sieht so aus, als würde der September sogar noch schlimmer werden. Die Anleihen sind weltweit in den Sinkflug übergegangen, während die Renditen steigen. Die 10-jährige US-Staatsanleihe touchierte Donnerstagabend kurzzeitig die magische Marke von 3,0% – erstmals seit Juli 2011, nachdem die Rendite zu Anfang dieses Monats noch bei 2,75% lag. Und das wird auch andere Anleiherenditen nach oben ziehen, und die Hypothekenzinsen und die Zinsen für Verbraucher- und Unternehmenskredite gleich mit.

Aber Pimcos Fonds stand nicht alleine da: Insgesamt wurden im August USD 39,5 Milliarden aus den Anleihefonds abgezogen. Im Juli waren es USD 21,1 Milliarden und im Juni erreichten die Abflüsse mit USD 69,1 Milliarden einen neuen Rekord. Die Schwellenmarkt-Fonds, die internationalen Anleihefonds … es hat alle erwischt.

Ist das die „Große Rotation“ in Richtung Aktien? Leider wird dieses Konzept – das irgendwo zwischen Spinnerei und betrügerischem Hype anzusiedeln ist – von Wall Street aus Eigeninteresse verbreitet. In Wirklichkeit gibt es diese Große Rotation nicht.

Während die Anleiheinvestoren ihre Anteile abziehen, sind die unglückseligen Fonds dazu gezwungen, Anleihen zu verkaufen – aber für jede Anleihe, die sie verkaufen, muss es auch einen Käufer geben, und für jeden Dollar, den der Fonds für seine Anleihen erhält, muss es einen Käufer geben, der bereit ist, diesen Dollar aufzugeben. Es ist also ein Nullsummenspiel. Nun ja, die Gebühren müssen noch abgezogen werden – weil an Wall Street immer irgendjemand Geld macht.

Die Gesamtmenge der ausstehenden Anleihen steigt also fortwährend, da die Regierungen und Unternehmen ständig neue Anleihen ausgeben und endfällige Anleihen prolongieren, anstatt sie mit dem Geld, das für diesen Zweck zurückgelegt wurde, zu tilgen (ein Konzept, das mittlerweile zu einem bizarren Witz verkommen ist).

Diese Flut neuer Anleihen muss Käufer finden. Die Zentralbanken sprangen ein – die US-Notenbank kauft derzeit USD 85 Milliarden pro Monat davon auf, die Bank von Japan kauft jede Menge davon auf, gemeinsam mit anderen Zentralbanken. Am Ende muss es für jede Anleihe einen Käufer geben.

Es kann also überhaupt keine Rotation aus den Anleihen heraus geben. Was es geben kann, ist eine Rotation aus den Anleihefonds in die Anleihen selbst, so einfach ist das – und genau das beobachten wir gerade. Und es ist ein sehr schmerzlicher Prozess.

Da die Anleihe-Fonds gegenwärtig gezwungen sind, ihre Bestände abzuverkaufen, springen andere in den Markt, um diese Anleihen zu immer stärker fallenden Preisen zu kaufen. Das sorgt für ein weiteres Ausbluten der Anleihefonds und für noch mehr verängstigte Anleger, die ihr Geld abziehen, was bei den Anleihe-Fonds wiederum weitere Abverkäufe nach sich zieht.

Was wir hier beobachten, ist die Vernichtung des „Vermögenseffekts“, den die US-Notenbank unter Greenspan aus einem riesigen Berg aus Luft zauberte und in ihr nichtfundiertes Glaubenssystem integrierte und der unter der Führung von Bernanke dann zu einer Staatsreligion erhoben wurde. Darüber hinaus musste der Vermögenseffekt für das Drucken von USD 3 Billionen herhalten und wird nun auch von der Bank von Japan als Teil ihres neuen Glaubenssystems verbreitet.

Sie behaupten, dass durch das Aufblähen des Werts von Anleihen, Aktien, Immobilien, Agrarland und hypothekarisch besicherten Wertpapieren – ja im Grunde von allen möglichen Werten – in Verbindung mit der Drückung der Zinssätze nahe null sowie dem Drucken von LKW-Ladungen voller Geld „Vermögen“ aus dem nichts geschaffen wird, und dass die Menschen, die auf diese Art „vermögend“ wurden, mehr ihres „Vermögens“ ausgeben und die Wirtschaft anheizen.

In den USA hat diese Religion nicht sonderlich gut funktioniert – die Fed hat USD 3 Billionen rausgehauen. Wenn es überhaupt funktioniert, dann nur für kurze Zeit. Einige Privatanleger – die Glücklichen – können ihr Geld abziehen und ihre Zugewinne verkonsumieren, aber die Anleger als Ganzes können es nicht, denn würde jeder Investor seine Vermögenswerte abstoßen, gäbe es keine willigen Käufer mehr.

Aber zumindest fühlen sie sich reicher, wenn sie dabei zusehen, wie ihre Rentensparpläne anschwellen. Und so könnte es sein, dass sie sich etwas vom Sparbuch abzwacken oder ihr inflationiertes Vermögen als Kreditsicherheit hinterlegen, um sich irgendwelches Zeug zu kaufen.

Und dann setzt die Katerstimmung ein. Die Vermögenswerte können nicht auf immer und ewig inflationiert werden. Irgendwann muss es krachen. Und jetzt schmieren die Anleihen ab und ziehen die Anleihefonds mit nach unten, und unsere ängstlichen Anleger werfen ihre Anteile auf den Markt, was die Anleihefonds zwingt, noch mehr Anleihen zu verkaufen – und zwar genau zu dem Zeitpunkt, wo andere Anleger zurückhaltend dabei sind, in den Markt zu springen; genau zu dem Zeitpunkt, wo die US-Notenbank darüber nachdenkt, sich ebenfalls zurückzuziehen … und die Preise rutschen weiter nach unten.

Der schummerige „Vermögenseffekt“, den die Fed ins Leben gedruckt hat, löst sich in Luft auf, und die Menschen sind am Ende ärmer, nicht nur wegen dem Geld, das sie zu besitzen glaubten und dann ausgaben, sondern auch aufgrund des Betrags, den ihre Vermögenswerte im Wert zurückgingen. Das ist kein Aufwärtsprozess. Das ist der umgekehrte Vermögenseffekt – es ist die unvermeidliche Folge eines jeden Vermögenseffekts –, und die US-Notenbank ist schlau genug, sich bezüglich dieses Themas in Schweigen zu hüllen.

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