Greyerz: Eskalierendes Staatsschuldendebakel wird Gold auf USD 2.500 und Silber auf USD 70 treiben

„Es wird überall zu Bail-ins kommen, das ist absolut sicher.“

King World News, 07.09.2013

Während die Ängste bezüglich der Weltwirtschaft überall auf dem Planeten immer weiter zunehmen und nun auch noch die Gefahr eines Konflikts im Nahen Osten droht, erklärte der seit 42 Jahren tätige Marktveteran Egon von Greyerz gegenüber King World News, warum Gold und Silber jetzt kurz davor stehen, auf die Marke von USD 2.700 bzw. USD 70 pro Unze zu schießen.

Darüber hinaus sprach Greyerz – der Gründer des schweizerischen Unternehmens Matterhorn Asset Management – auch darüber, warum sich der Zusammenbruch, mit dem die Welt konfrontiert ist, jetzt weiter beschleunigen wird. Im Folgenden finden Sie, was Greyerz während des Interviews zu sagen hatte:

Greyerz: „Jeder in den Massenmedien erklärt uns, dass sich die Lage in Europa und den USA verbessert. Sie leben in einer Fantasiewelt! Die Regierungen und die Medien füttern uns mit guten Meldungen, weil es das ist, was die Menschen hören wollen.

Aber die Meldungen, die sie uns zukommen lassen, spiegeln nicht das wider, was sich derzeit tatsächlich abspielt. Die Meldungen werden manipuliert und angepasst, so dass sie mit der wirklichen Lage nur sehr wenig zu tun haben.

Wenn wir nach Europa blicken, dann gibt es dort einige kleine gute Meldungen, die im Grunde ziemlich bedeutungslos sind – der Produktionsmanagerindex beispielsweise. Aber wenn wir uns die echten Zahlen anschauen, sehen wir, dass sie katastrophal sind, speziell die der Mittelmeerländer. Die Mittelmeerländer befinden sich in einem absolut entsetzlichen Zustand.

Die Schulden steigen massiv an. Wenn wir Portugal, Spanien, Irland, Griechenland und Italien nehmen, dann sind die Schulden dort alleine in diesem Jahr zwischen 15% und 25% gestiegen. All diese Länder haben nun also riesige Schulden. Das niedrigste Schulden/BIP-Verhältnis dieser Länder liegt bei 100%, doch wenn wir uns das griechische Schulden/BIP-Verhältnis anschauen, dann liegt es bei atemberaubenden 180%. Das ist eine absolute Katastrophe. Italiens Schulden/BIP-Verhältnis liegt bei über 130%. Und das ist natürlich völlig untragbar, besonders wenn man bedenkt, dass die Zinsen derzeit wieder steigen.

Das Problem dieser einzelnen europäischen Länder ist, dass sie kein Geld drucken können. Das BIP geht in diesen Ländern ebenfalls zurück. In Griechenland ist das BIP beispielsweise seit 2008 massiv zurückgegangen, und wenn wir hier noch die Jugendarbeitslosigkeit mit hinzunehmen, die in den Mittelmeerländern zwischen 40% und 65% liegt, dann blicken wir auf eine Situation, die sehr ernste Konsequenzen haben wird.

Viele Menschen in diesen Ländern leiden heute bereits. Und da die Lage in der Realwirtschaft jetzt damit beginnt, noch schlimmer zu werden, wird hier bald etwas Großes stattfinden müssen. Es wird ein riesiges Gelddruckpaket seitens der EZB mit Unterstützung der Fed und des IWF geben müssen. Aber wir wissen ja alle, dass damit rein gar nichts gelöst werden wird, weil mit gedrucktem Geld kein Vermögen geschaffen wird, sondern nur noch mehr Schulden.

Das andere Problem bei vielen dieser Länder ist, dass sie nicht wettbewerbsfähig sind. Die Mittelmeerländer sind 20% weniger wettbewerbsfähig als die nordeuropäischen Länder. Und jetzt hat man auch noch das Problem, dass der Euro gestiegen ist. Der Euro ist gegenüber dem Yen um 30% und gegenüber der Rupie um 25% gestiegen. Das macht die Lage nur noch schlimmer.

Die andere Lösung ist, dass einige dieser Länder aus der Eurozone ausbrechen, ihre Währungen abwerten und auf ihre Schulden die Zahlungsunfähigkeit erklären. Das ist es, was sie tun sollten – aber ich bin mir sicher, dass die Eurokraten alles daran setzen werden, sie davon abzuhalten. Man wird das verhindern, damit sie ihr gescheitertes Euro-Projekt fortführen können, das vielmehr auf hochtrabenden Träumereien beruht, anstatt auf soliden wirtschaftlichen Prinzipien.

Die Lage in Europa kann also nicht gelöst werden, denn egal welche Lösung auch immer versucht werden wird, der Zusammenbruch der europäischen Wirtschaft wird trotzdem weiter anhalten.

Und wenn wir uns den USA zuwenden, stellen wir fest, dass es dort auch nicht besser ist. Die Kombination aus manipulierten Daten, USD 1 Billion an jährlich frisch gedrucktem Geld und explodierendem Kredit – wie bei den Subprime-Autokrediten – hat in den USA für die Illusion gesorgt, dass sich die Wirtschaft erholen würde. Aber wenn wir uns die echten Fakten anschauen, dann erhalten derzeit sieben von zehn Amerikanern mehr staatliche Zuwendungen, als sie an Steuern zahlen.

Heute wurden die US-Arbeitslosenzahlen veröffentlicht, und wenn wir uns die Erwerbsquote von [58,6%] ansehen, stellen wir fest, dass das der niedrigste Stand seit 1978 ist. Derzeit gibt es rund 90 Millionen Amerikaner, die nicht der Arbeiterschaft angehören. Und die reale Arbeitslosigkeit liegt nicht bei 7%, wie von den USA verkündet wird, sondern stattdessen bei rund 24%. Alleine im letzten Monat sind 516.000 Menschen aus der Arbeiterschaft herausgefallen. Und die Realeinkommen sind in den USA seit den 70er Jahren fortwährend zurückgegangen.

Schauen wir auf die US-Notenbank: Die Fed hat dieses Jahr 117% der neu ausgegebenen Schulden monetisiert. Das sind keine Hinweise auf eine robuste Wirtschaft, vielmehr sind es Hinweise darauf, dass uns eine Katastrophe bevorsteht. Und hier kommen ja auch noch die weltweiten Wirtschaftsprobleme hinzu, und jetzt gibt es zusätzlich auch noch Kriegsgerassel, was für die Welt ebenfalls sehr ernste Folgen haben könnte.

Die Anleger müssen jetzt also Maßnahmen ergreifen, um sich und ihr Vermögen vor den kommenden Dingen zu schützen. Und dazu gehört auf alle Fälle auch, dass man große Vermögenswerte aus dem Finanzsystem herausholt. Es wird überall zu Bail-ins kommen, das ist absolut sicher.

Und ich habe ja schon vielfach darauf hingewiesen, dass die Pensionsfonds nicht sicher sein werden, ganz gleich, ob es sich dabei nun um staatliche Rentenkassen oder private Fonds handelt.

Das jüngste Beispiel kommt aus Polen. Sie haben gerade erst bekanntgegeben, dass sie USD 37 Milliarden an Staatsanleihen aus der staatlichen Rentenkasse holen werden. Danach werden die Schulden einfach für nichtig erklärt, wodurch die Rentner um USD 37 Milliarden ärmer werden und die Staatsverschuldung um USD 37 Milliarden abgesenkt wird. Viele Regierungen werden wahrscheinlich dasselbe machen wie Polen. Sie werden die Rentenkassen nutzen, um ihre Schulden zu stützen. Ich bin mir sicher, dass das in Europa wie auch in den USA passieren wird.

Und wenn wir uns die Edelmetalle anschauen, dann sind physisches Gold und Silber immer noch die besten Mittel, um sein Vermögen zu schützen, solange die Metalle außerhalb des Bankensystems gelagert werden. Das ist wahrscheinlich die einzige Möglichkeit, wie sich die Menschen vor den kommenden Ereignissen schützen können.

Bei physischem Gold wird es zu einer Verknappung kommen. Darüber hinaus sind die Kosten für die Goldförderung von USD 300 pro Unze in 2004 auf heute USD 1.200 pro Unze gestiegen – und wenn wir hier jetzt noch den Streik der 80.000 südafrikanischen Minenarbeiter mit hinzunehmen, dann wird das alles zusammen zu einem noch stärkeren Rückgang der Produktion führen.

Meine Preisprognose für Gold und Silber bleibt unverändert. Ich rechne damit, dass uns sehr starke zwölf Monate bevorstehen werden. Meine kurzfristigen Kursziele sind immer noch dieselben – USD 2.500 pro Unze für Gold und USD 70 pro Unze für Silber. Danach werden sie natürlich noch viel stärker ansteigen.“

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