US-Schuldenkrise: Amerikaner hassen den Kongress, ihre Konjunkturzuversicht bricht ein und jetzt geben sie auch noch weniger Geld aus

Wolf Richter, Testosteronepit.com, 08.10.2013

Langsam sieht man es auch den Zahlen: Die Debakel rund um die Schuldenobergrenze und den Regierungs-Shutdown bahnen sich ihren Weg bis zur Wirtschaft. Die Amerikaner machen die ohnehin bereits am meisten verachtete Institution, den US-Kongress, dafür verantwortlich und haben nun auch damit begonnen, wirtschaftlich zu reagieren.

Die Zustimmungsrate des Kongresses ist von bereits armseligen 19% im September auf 11% im Oktober eingebrochen – damit liegt sie jetzt fast gleichauf mit dem Allzeittief, das das Umfrageinstitut Gallup mit 10% angibt. Dabei strafen die Republikaner den Kongress noch relativ moderat ab. Bei ihnen fiel die Zustimmungsrate von 19% auf 13%. Den Demokraten reichte das nicht, sie demolierten den Kongress noch stärker. Bei ihnen sank die Zustimmungsrate von 20% im September auf nun 5%.

Was die Verachtung des Kongresses anbelangt, sind sich die Demokraten einig. Genauer gesagt, so Gallup, verachten sie das von den Republikanern kontrollierte Repräsentantenhaus wegen des aktuellen Angriffs auf den Affordable Care Act, nachdem ja alle anderen demokratischen und juristischen Maßnahmen, darunter auch eine Anfechtung vor dem Obersten Gerichtshof, dabei scheiterten, das Gesetz wieder abzuschaffen.

Und diese himmelschreiende Ablehnung des Kongresses dürfte noch schlimmer werden, wenn uns die vorangegangenen Bemühungen, die Gefahr eines US-Zahlungsausfalls als Verhandlungsmasse zu nutzen, als Leitfaden dienen: Während des Theaters im Jahr 2011 sank die Zustimmungsrate auf 13%. Und im Anschluss, nachdem die Amerikaner immer noch einen bitteren Nachgeschmack hatten, schickten sie die Zustimmungsrate auf 11% in den Keller. Sollte sich dieses Muster abermals wiederholen, dürfte die Zustimmungsrate schon bald im einstelligen Prozentbereich liegen.

Aber wie heißt es so schön: Die Gesetzgeber verteilen den Kuchen und die Amerikaner stimmen mit ihrer Geldbörse ab. Daher geben sie ihrem eigenen Kongressvertreter dann im Schnitt auch eine Zustimmungsrate von 44%, was auf dem Prinzip beruht, dass alle Abgeordneten verachtenswert sind, außer meinem eigenen Abgeordneten. Im Mai dieses Jahres lag dieser Wert noch bei 46%.

Die Kongressmitglieder lesen diese Umfragen vielleicht auch – falls sie zwischen dem Spendensammeln und der Selbstdarstellerei noch Zeit dazu finden – und sind sich unter Umständen im Klaren darüber, dass sie als Ganzes gesehen ein ziemlich verachtenswerter Haufen sind. Aber derlei Sorgen, so Gallup, „könnten etwas abgemildert werden, wenn man erfährt, dass viel mehr Amerikaner ihrem eigenen Abgeordneten zustimmen, als sie dem Kongress im Allgemeinen zustimmen.“ Denn was zählt, ist das Geldeinsammeln, wiedergewählt zu werden und für einige gehört auch noch der Sieg bei den Präsidentschaftsvorwahlen dazu. Nach uns die Sintflut.

Aber die Sintflut ist bereits da. Das erste Opfer des Affentheaters rund um die Schuldenobergrenze und den Shutdown: Das Vertrauen, das die Amerikaner in die Wirtschaft haben. Das wurde richtig zu Boden gehämmert. Der gleitende 3-Tagesschnitt von Gallup hatte Anfang Juni mit -3 Punkten ein Hoch ausgebildet, als die Amerikaner zu weiten Teilen den Hype geschluckt hatten, der ihnen die Monate zuvor gefüttert worden war. Sie wurden mit Q-Ewigkeit und Vermögensblasen an der Nase herumgeführt. Jeder liebt Vermögensblasen. Diese -3 Punkte waren der höchste Stand seit Ausbruch der Finanzkrise.

Aber dann wurde Q-Ewigkeit plötzlich mit einem großen Fragezeichen versehen und bei den Vermögensblasen ging ein klein wenig die Luft raus – und das beeinflusste auch das Vertrauen der Amerikaner in die Wirtschaft. Bis Anfang September war die Konjunkturzuversicht um 10 Punkte auf -13 Punkte zurückgegangen. Und dann begann der Kampf um den Regierungs-Shutdown und die Schuldenobergrenze, und bis Ende September war das Vertrauen der Amerikaner in die Wirtschaft auf -20 Punkte abgesunken. Aber letzte Woche brach es dann auf -34 Punkte ein. Dieser 14-Punkte Rückgang war der größte Wochenrückgang seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers (damals ging der Wert innerhalb einer Woche um 15 Punkte zurück). Seit Anfang Juni ist der Index um 31 Punkte abgestürzt.

Und jetzt macht es sich auch beim Geld bemerkbar: Nachdem die Amerikaner ihre Ausgaben das ganze Jahr über von durchschnittlich USD 80 pro Tag zu Anfang dieses Jahres auf USD 95 pro Tag im August erhöhten – ein Wert, der letztmals in den glorreichen Tagen vor der Lehman-Krise in 2008 gesehen wurde! –, haben die Amerikaner ihre Ausgaben im September plötzlich wieder auf USD 84 pro Tag zusammengestrichen.

Wie groß ist der Rückgang von USD 11 pro Tag bei den August-September-Ausgaben eigentlich? Nun, man kann ihn mit dem USD 3 bis USD 4 Rückgang der Jahre 2010 und 2012 vergleichen oder dem USD 1 bis USD 2 Zuwachs während der Jahre 2008 und 2009. Die aktuellen Einzelhandelsindikatoren wie die wöchentlichen Verkäufe von Einzelhandelsketten gehen auch zurück. Dafür werden nun direkt die Mätzchen in Washington verantwortlich gemacht – da sie auf den Haufen der hässlichen anderen Wirtschaftsprobleme noch oben draufkommen.

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