London-Zürich-Hongkong: Massive Goldabflüsse in Richtung Asien

Michael J. Kosares, USAGold, 20.10.2013

Die britischen Goldexporte in die Schweiz sind in den ersten acht Monaten 2013 gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 85 Tonnen auf 1.016 Tonnen explodiert – das ist eine Verzwölffachung der Ausfuhren. Einige Beobachter des physischen Edelmetallmarkts sagen, dass dieser riesige Anstieg bei den Goldexporten auf die Geldabflüsse bzw. Verkäufe börsennotierter Goldfonds (Gold-ETFs) zurückgeht – aber in Wirklichkeit ist das nur die halbe Wahrheit … wenn überhaupt.

Laut der Internetseite von Koos Jansen hat die Schweiz bis Juli dieses Jahres fast 500 Tonnen Gold nach Hongkong exportiert. Hongkong hat wiederum während desselben Zeitraums über 1.200 Tonnen Gold aufs chinesische Festland exportiert. Und jetzt, wo uns die Meldungen über die massiv gestiegenen Exporte aus Großbritannien vorliegen, haben wir auch einen weiteren Puzzlestein. Langsam ergibt sich ein ziemlich deutliches Bild, was zur derzeitigen Gold-Mobilisierung alles dazu gehört. Die Schweiz und Hongkong dienen als Transportweg, über den das Gold aus dem Westen in Richtung China geht – wo es dann wohlmöglich als Goldreserve bei der chinesischen Zentralbank landet.

In welchem Umfang diese Gold-Mobilisierung ein Ergebnis bisher noch nicht identifizierter Faktoren ist, mit denen Druck auf die Londoner Edelmetallbanken ausgeübt wird, oder ob es sich dabei lediglich um gewöhnliche Geschäfte handelt, müssen wir erst noch herausfinden, aber Goldbewegungen dieser Größenordnung finden normalerweise nicht mir nichts dir nichts statt.

Die Hedge-Fonds liquidieren die Gold-ETFs bereits seit April dieses Jahres, was, wie es scheint, auf Geheiß der Edelmetallbanken erfolgte, die ihren Kunden (zu denen auch Hedge Fonds zählen) im Hinblick auf ETFs allgemeine Verkaufsempfehlungen gaben.

10-19mkDie ETF-Verkäufe sind wiederholt für den raschen Goldpreisverfall verantwortlich gemacht worden. Wenn all dies mit Absicht geschah, um den Papiergoldpreis zu drücken und erhebliche Mengen an physischem Gold nach China zu transferieren, stellt sich die Frage, wer bei diesem Spiel Gewinner und wer Verlierer ist und warum es überhaupt gemacht wird.

Der Goldmarkt ist unglaublich undurchsichtig – ganz gleich, wie sorgsam oder wie oft die Argumente hervorgebracht werden, die das Gegenteil besagen –, was wohl auch der Grund dafür sein dürfte, warum so viele von ihm fasziniert sind. All jene, die arglos Gold halten, um ihre Vermögenswerte zu schützen, können sich unterdessen aber sicher sein, dass sie bezüglich derartiger Angelegenheiten nie zu einem Kollateralschaden werden, solange sie nicht die Geduld zu verlieren und auch immer daran denken, warum sie überhaupt Gold halten.

Gold ist noch nie von Leuten gekauft worden, die glauben, dass in der Welt alles in Ordnung ist. Die Leute, die Gold kaufen, sind diejenigen, die glauben, dass auch etwas schiefgehen könnte oder die Lage bereits sehr schlecht ist. So ein Überzeugungstäter könnte beispielsweise eine Privatperson sein, die unglaublich vermögend ist, so wie es bei Bernard Baruch in den 30er Jahren der Fall war. Genauso gut könnte es sich aber auch um eine große Nation wie Deutschland oder China handeln.

Als Bernard Baruch vom damaligen US-Finanzminister gefragt wurde, warum er so viel Gold kauft, antwortete er ohne zu zögern, dass ihm „bezüglich der Währung Zweifel gekommen sind.“

China und Deutschland agieren hier zweifelsohne ebenfalls im Alleingang. Bis zum heutigen Zeitpunkt waren wir uns über das Ausmaß dieser Zweifel, die sich in den verborgenen Gängen des weltweiten Goldmarkts ausgebreitet haben, nicht im Klaren … jetzt wissen wir Bescheid. In den ersten acht Monaten dieses Jahres hat China 270 Tonnen Gold produziert und theoretisch zusätzlich noch einmal fast das Vierfache davon über die Verbindung London-Zürich-Hongkong gekauft. In ein paar Jahren dürfte dies im Rückblick als großer Finanzputsch angesehen werden.

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