Währungskrieg: Frankreich fordert 20%ige Abwertung des Euros; Bundesbank warnt vor Immobilienblase

„Wir fordern, dass die Europäische Zentralbank das macht, was alle anderen Regierungen tun: Die Zinssätze gemäß unserer Interessen anzupassen. Der Euro ist zu teuer, zu stark und ein klein wenig zu deutsch. Er sollte etwas italienischer, französischer, im Grunde europäischer sein.“ – Arnaud Montebourg, französischer Industrieminister

Wolf Richter, Testosteronepit.com, 22.10.2013

Der Euro; sein geschicktes Management durch eurokratische Institutionen; die „koste es, was es wolle“-Garantie des EZB-Präsidenten Mario Draghi; die brillante Nullzinspolitik, mit der die Sparer vernichtet werden; die Billionen, mit denen herumgeworfen wird, um die Banken und Regierungen zu stützen – all diese Anstrengungen zur behelfsmäßigen Aufrechterhaltung der Eurozone haben die Länder auf unterschiedliche Art und Weise getroffen. Auch Deutschland und Frankreich. Sie gehen derzeit aufeinander los, und dabei haben sie es eigentlich auf die Europäische Zentralbank abgesehen.

Frankreich startete mit einem Direktangriff. Die Bundesbank agierte da ein wenig subtiler. Die Bundesbank – die bei der berauschten Gelddruckorgie der Zentralbanken oftmals für etwas frischen Wind sorgt – erhob die deutsche Immobilienpreisinflation in ihrem Oktoberbericht zu einer ihrer größten Sorgen. So wichtig, dass sie diesen Abschnitt des Berichts auch noch einmal separat veröffentlichte, damit ihn auch ja alle sehen. Um diesen Punkt deutlich herauszustreichen, hat sie sogar noch eine Kurzversion davon veröffentlicht, so dass sich nicht jeder durch jedes Detail des 140-Seiten starken Berichts durcharbeiten muss.

Die Preise für Wohnimmobilien in Deutschlands größten Städten sind seit 2010 steil in die Höhe geschossen, bis zu einem Punkt, wo sie von der Bundesbank nun als „überbewertet“ erachtet werden. Diese Überbewertung ist aber nicht nur in den großen Städten anzutreffen. Der Preissprung von über 25% seit 2010 lässt sich „fundamental nur noch schwer rechtfertigen“, so die Warnung der Bundesbank. Und die „Befürchtungen hinsichtlich eines breit angelegten Immobilienpreisbooms“ steigen.

Die graue Linie in der nachfolgenden Grafik zeigt die prozentualen jährlichen Preisanstiege von Wohnimmobilien in den sieben größten Ballungsräumen: Berlin, Hamburg, München, Köln, Frankfurt, Stuttgart und Düsseldorf. Die blaue Linie zeigt die Preisanstiege für 93 Städte; und die schwarze Linie für Gesamtdeutschland:

Germany-housing-price-increases-Bundesbank-2013-10

Basierend auf den Ergebnissen der Untersuchung warnt die Bundesbank, dass die Preise in diesen urbanen Regionen den tatsächlichen Wert der Immobilien um rund 20% übersteigen könnten.

„So gewann der über Jahre hinweg ruhige deutsche Immobilienmarkt nach dem Platzen der Preisblasen am US-amerikanischen und an einigen europäischen Häusermärkten bei internationalen Investoren an Attraktivität.“, heißt es in dem Bericht.

Die Immobilieninvestments sind aufgrund der Nullzinspolitik – mit der halbwegs vernünftige Investments zunichte gemacht wurden – zunehmend beliebter geworden. Abgeschreckt von der „Finanz- und Staatsschuldenkrise“ seien immer mehr internationale Anleger in den Markt gekommen.

Die Bundesbank hat in ihrer offenen Art somit all die Anekdoten über verzweifelte, mit Geld beladene Griechen und Spanier bestätigt, die sich nach Berlin, München und in andere Städte aufgemacht haben, um dort die Preise von Wohnimmobilien in die Höhe zu treiben und ihr Geld vor der Sonne zu schützen – und vor den Banken.

Dass die Bundesbank diesen Abschnitt ihres Berichts so prominent veröffentlichte, war ein Warnschuss in Richtung der größer werdenden Zahl von Euroländern, die sich für eine Abwertung des Euros ausspricht. Frankeich ist der Anführer dieser Palastrevolte gewesen. Unterdessen sorgt die lockere Geldpolitik der EZB in Deutschland für eine Immobilienblase, so die Warnung. Bei dieser Blase müsste man gegensteuern, und eine straffere Geldpolitik wäre in diesem Zusammenhang mit Sicherheit hilfreich. Zumindest sollten die geldpolitischen Lockerungsmaßnahmen nicht weiter ausgeweitet werden!

Auf der anderen Seite des Rheins stößt das alles auf taube Ohren. Dort sitzt der französische Industrieminister Arnaud Montebourg, der oberste Verfechter und Propagandist des „le made in France“ oder des „Wirtschaftspatriotismus“, wie er es selbst nennt. Montebourg erbat oder forderte – da bin ich mir nicht so sicher – eine 20%ige Abwertung des Euros.

Das tat er während einer von der Tageszeitung „Le Parisien“ organisierten Fragestunde, wo ihm verschiedene „Leser“ zu heißen Themen Fragen stellen konnten. Zu diesen Themen gehörten das französische Arbeitsmarktdesaster, das ungewisse Schicksal von PSA Peugeot Citroën, über dessen Rettung die Chinesen nachdenken, aber nur wenn „die Firma in Frankreich und französisch bleibt“, und der Euro.

Und dann bekam er eine explosive Frage: „Die Franzosen sind angewidert … Ihr Versagen ist enorm: Bei der Besteuerung, den Fabrikschließungen, den Menschen, die unter der Last eines Kredite zu leiden haben. Wie können Sie diese Menschen wieder für sich gewinnen?“

„Mit Ergebnissen, nicht Worten“, sagte Montebourg zum Aufwärmen. „Das bedeutet auch, dass unsere europäischen Partner“ – Codename für Deutschland – „begreifen, dass wir uns nicht mehr länger für die Rezession entscheiden können. Europa ist die einzige Region der Welt, die fünf Jahre nach der Finanzkrise immer noch nicht zu Wachstum zurückgekehrt ist.“

Aber er hatte auch eine Lösung parat:

„Der Euro ist zu teuer! Wäre er gegenüber dem Dollar 10% niedriger, würden wir unser Volksvermögen um 1,2% steigern“ – mittels der Abwertung – „150.000 Arbeitsplätze schaffen und unsere Defizit um EUR 12 Milliarden reduzieren. Würden der Euro um 20% fallen, würden wir dadurch unser Außenhandelsdefizit eliminieren, 300.000 Arbeitsplätze schaffen und unser Haushaltsdefizit um ein Drittel senken.“

Was Montebourg nicht erwähnte, ist die noch viel stärkere Lösung: Würde der Euro um 30% … oder 40% abwerten. Bis der Euro 95% seines Werts verloren hat – etwas, wofür die US-Notenbank beim Dollar 100 Jahre brauchte –, wären alle Wirtschaftsprobleme Frankreichs gelöst.

„Wir fordern, dass die Europäische Zentralbank das macht, was alle anderen Regierungen tun: Die Zinssätze gemäß unserer Interessen anzupassen. Der Euro ist zu teuer, zu stark und ein klein wenig zu deutsch. Er sollte etwas italienischer, französischer, im Grunde europäischer sein“, so Montebourg.

Währungsabwertungen sind immer wirkungslos. Italien wertete 1990 die Lira ab und dann noch einmal 1992. Und jetzt schauen Sie nur, wie gut es Italien geht. Und in Frankreich gab es nach 1945 eine ganze Reihe von „Neubewertungen“ des Franc: 1960 wurden 100 Franc in 1 neuen Franc umgewandelt. Und dann ging es wieder von vorne los. Von 1960 bis 1999 – also dem Zeitpunkt, wo der Franc durch den Euro ersetzt wurde – hatte die französische Währung abermals 88% ihres Werts verloren.

Eine Geißel, die den Deutschen größtenteils erspart geblieben ist. Aber die französische Regierung blickt liebevoll auf die alten Zeiten zurück und will sie wiederhaben. Es geht daher darum, „seine Stimme Brüssel gegenüber zu erheben“, so Montebourg, um im Hinblick auf den halbharten Euro „bestimmte Irritationen, wenn nicht gar Ungeduld, zum Ausdruck zu bringen“.

Ungeachtet der Tatsache, dass Montebourg versucht hat, die EZB in einen Währungskrieg zu verstricken und der Bundesbank die Zustimmung dafür abzuringen, wird die US-Notenbank – der ultimative Währungs-Manipulant – weiterhin als Sieger dastehen, während der Dollar gegenüber dem Euro abschmiert und die Bank von Japan wild mitzuhalten versucht.

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