Geheimes CIA-Strategiepapier: Die Unterstützung Deutschlands und Frankreichs für den Afghanistankrieg aufrecht erhalten

Propagandafront.de, 31.03.2010

WikiLeaks veröffentlichte am 26.03.2010 ein geheimes CIA-Memorandum vom 11.03.2010, welches Empfehlungen ausspricht, wie die Massenmedien in Frankreich und Deutschland manipuliert werden sollten, um die Bevölkerungen der Länder zu überzeugen die Fortführung des ISAF-Militäreinsatzes in Afghanistan weiterhin zu unterstützen und wie der Widerstand gegen eine Fortführung der Nato-geführten Mission einzudämmen ist. Der Text informiert unter Anderem über angedachte Einflussmethoden der Geheimdienste und Militärs, die darauf abzielen die erwarteten zunehmenden Opferzahlen in Afghanistan im Frühjahr und Sommer dieses Jahres zu rechtfertigen. Ferner geht aus den Ausführungen implizit hervor, wie die Massen-, Konzern- und Staatsmedien als leicht kontrollierbare Werkzeuge und willfährige Organe der Militärs und Geheimdiensten angesehen werden. Auch erlaubt er Einblicke zu den Auffassungen der Westeuropäer über US-Präsident Obama und die seitens der CIA empfohlenen strategischen Propagandaeinsätze, die man ihm nahelegt. Im Folgenden finden Sie die den Text in deutscher Sprache.

CIA Red Cell – Ein Red Cell Sondermemorandum, 11.03.2010

Afghanistan: Die Aufrechterhaltung der Unterstützung Westeuropas für die NATO-geführte Mission – Warum auf Gleichgültigkeit zu setzen nicht genug sein könnte

Der Sturz der niederländischen Regierung wegen ihres Truppenengagements in Afghanistan zeigt die Zerbrechlichkeit der europäischen Unterstützung für die NATO-geführte ISAF-Mission. Einige NATO-Staaten, besonders Frankreich und Deutschland, haben auf die Gleichgültigkeit der Öffentlichkeit zum Thema Afghanistan gesetzt um ihre Verpflichtungen bei der Mission auszuweiten, aber dieser Gleichmut könnte sich in aktive Feindseligkeit verwandeln, wenn die Kampfergebnisse im Frühjahr und Sommer zu einem Anstieg militärischer oder ziviler Opfer führen und sich eine Debatte im niederländischen Stile auf andere Truppen stellende Länder ausbreitet. CIA Red Cell lud einen Experten für strategische Kommunikation ein, einen Analysten für die Beobachtung der öffentlichen Meinung beim Büro für nachrichtendienstliche Erkenntnisse und Forschung (INR) im Außenministerium, um Informationsansätze zu überlegen, mit denen man einen besseren Zusammenhang zwischen der Afghanistanmission und den Prioritäten Frankreichs, Deutschlands und anderen westeuropäischen Ländern herstellen könnte.

Öffentliche Gleichgültigkeit ermöglicht es den Führern die Wähler zu ignorieren…

Die geringe öffentliche Aufmerksamkeit bezüglich der Afghanistan-Mission hat es französischen und deutschen Führern erlaubt den öffentlichen Widerstand zu missachten und ihr Truppenengagement bei der International Security Assistance Force (ISAF) fortwährend auszubauen. Berlin und Paris halten aktuell die dritt- und vierthöchste ISAF-Truppenstärke, trotz einer Opposition von 80% in Deutschland und Frankreich im Hinblick auf eine Erhöhung der ISAF-Truppen, wie aus einer INR-Erhebung vom Herbst 2009 hervorgeht.

…Aber Opfer könnten zu einer Gegenreaktion führen

Wenn einige der Vorhersagen eines blutigen Sommers in Afghanistan eintreten, könnte sich die passive Ablehnung in Frankreich und Deutschland bezüglich ihrer Truppenpräsenz in aktive und politisch wirksame Feindseligkeit verwandeln. Der Ton der vorangegangenen Debatte legt nahe, dass ein Anstieg bei französischen oder deutschen Opfern oder bei Opfern der afghanischen Zivilbevölkerung zu einem Umkehrpunkt führen könnte, wo sich der passive Widerstand in aktive Forderungen für den umgehenden Rückzug verwandelt.

Das französische und deutsche Engagement bei der NATO sind ein Schutz vor voreiligem Abzug, aber die Führer haben Angst vor einer Gegenreaktion im Hinblick auf die bevorstehenden Regionalwahlen und es könnte sein, dass sie nicht gewillt sind für die Erhöhung des Truppenniveaus oder die Ausweitung von Stationierungen einen politischen Preis zahlen zu wollen. Wenn die einheimische Politik die Niederländer dazu zwang abzuziehen, könnte dies für Politiker in anderen Ländern einen Beispielfall darstellen „auf die Wähler zu hören“. Französische und deutsche Führer hatten innerhalb der letzten zwei Jahre Schritte ergriffen um einem plötzlichen Anstieg des Widerstands zuvorzukommen, aber ihre Verwundbarkeit könnte nun höher sein:

Maßgeschneiderte Nachrichtenvermittlung könnte die Gegenreaktion zumindest begrenzen

Die Öffentlichkeit Westeuropas könnte auf ein Tolerieren höherer militärischer und ziviler Opferzahlen im Frühjahr und Sommer vorbereitet sein, wenn sie einen deutlichen Zusammenhang zwischen dem Ausgang der Entwicklung in Afghanistan und ihren eigenen Dringlichkeiten erkennt. Ein beständiges, sich wiederholendes strategisches Kommunikationsprogramm unter NATO-Truppenstellern, das die wichtigsten Sorgen einer speziell westeuropäischen Zuhörerschaft aufgreift, könnte als Puffer dienen, wenn die heutige Gleichgültigkeit gegenüber ISAF zur künftigen Opposition wird und den Politikern ein größeres Maß an Unterstützung für Truppenstationierungen in Afghanistan geben.

Der französische Fokus auf Zivilisten und Flüchtlinge. Die Konzentration auf die Botschaft, dass die afghanische Bevölkerung von ISAF profitiert und das Anführen von Beispielen mit konkreten Verbesserungen, könnte den Widerstand gegenüber der Mission begrenzen und vielleicht umkehren. Solch eine maßgeschneiderte Nachrichtenvermittlung könnte sich der akuten französischen Sorgen um Zivilisten und Flüchtlinge annehmen. Jene, die in den INR-Umfragen vom Herbst 2009 die ISAF-Mission unterstützten, gaben dafür meistens ihre Auffassung an, die Mission helfe der afghanischen Zivilbevölkerung, während die Gegner meistens behaupteten, die Mission schade Zivilisten. Das Widerlegen des Eindrucks, „ISAF richte mehr Schaden an, als zu helfen“, ist ganz klar von Wichtigkeit, im Besonderen für die muslimische Minderheit in Frankreich:

Deutsche machen sich Sorgen um den Preis und die Prinzipien der ISAF-Mission

Deutsche Gegner der ISAF-Mission machen sich Sorgen darüber, dass ein Krieg in Afghanistan eine Verschwendung von Ressourcen, kein Deutsches Problem und grundsätzlich fraglich ist, so eine INR-Umfrage von Herbst 2009. Einige Gegner der ISAF-Mission in Deutschland könnten dadurch verstummen, indem man Beweise des Fortschrittes vor Ort präsentiert, über die möglichen Konsequenzen einer Niederlage für Deutschland warnt und versichert, dass Deutschland ein geschätzter Partner in einer notwendigen NATO-geführten Mission ist.

Apelle von Präsident Obama und durch afghanische Frauen könnten Zugkraft gewinnen

Das Vertrauen der französischen und deutschen Öffentlichkeit in die Fähigkeit von Präsident Obama mit Auslandsangelegenheiten im Allgemeinen und Afghanistan im Besonderen umzugehen, legt nahe, dass sie gegenüber seiner direkten Versicherung ihrer Wichtigkeit bei der ISAF-Mission empfänglich wären – und sensibel, wenn man direkt die Enttäuschung über Alliierte zum Ausdruck bringt, die nicht mithelfen.

Wegen der Fähigkeit der Frauen persönlich und glaubwürdig über ihre Erfahrungen unter den Taliban, ihre Hoffnungen für die Zukunft und ihre Ängste vor dem Sieg der Taliban zu sprechen, könnten afghanische Frauen als ideale Botschafterinnen dienen um der Rolle der ISAF bei der Bekämpfung der Taliban eine persönliche Note zu geben. Eine PR-Initiative die afghanischen Frauen Medienmöglichkeiten verschafft um ihre Geschichten mit französischen, deutschen und europäischen Frauen zu teilen, könnte dabei helfen die tiefgreifende Skepsis unter Frauen in Westeuropa gegenüber der ISAF-Mission zu überwinden.

CIA Afghanistan

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