QE: Fed fährt Gelddruckmaßnahmen zurück; Analysten rechnen mit weiteren Turbulenzen

„Es ist in Wirklichkeit eine psychologische Sache, und aktuell glauben die Leute, dass alles großartig laufen wird – genauso wie es 1999 und 2007 der Fall war …“

Propagandafront.de, 19.12.2013

Der Vorsitzende der US-Notenbank Ben Bernanke hat gestern angekündigt, dass das aktuelle Anleiheaufkaufprogramm in Höhe von USD 85 Milliarden pro Monat auf USD 75 Milliarden pro Monat abgesenkt wird. Darüber hinaus hat die Fed versprochen, den Leitzins noch länger als bisher geplant nahe der Marke von 0% zu halten.

Die Fed-Ankündigung hat an den Finanzmärkten für Bewegung gesorgt und auch die Einschätzungen der Analysten und Finanzmarktexperten gehen auseinander. Während die einen der Auffassung sind, dass die Straffungsmaßnahmen einen Aktienmarktcrash und eine neue Wirtschaftskrise herbeiführen könnten, glauben andere, dass die QE-Maßnahmen im Grunde bedeutungslos sind. Im Folgenden finden Sie drei aktuelle Einschätzungen der Finanzmarktexperten Fleckenstein, Pento und Armstrong:

Michael Pento, von Pento Portfolio Strategies, im Interview mit King World News vom 18.12.2013:

„Sie werden nicht dazu in der Lage sein [die geldpolitischen Straffungsmaßnahmen aufrecht zu halten, ohne dabei nicht auch einen vollumfänglichen Zusammenbruch in Europa und den Vereinigten Staaten herbeizuführen]. Fakt ist, dass Bernanke von einem Reporter gefragt wurde, was geschehen würde, sollte die Wirtschaft 2014 aufgrund der Straffungsmaßnahmen ins Straucheln geraten, woraufhin Bernanke sagte: ´Die Straffungsmaßnahmen könnten rückgängig gemacht und die Vermögensaufkäufe könnten ausgeweitet werden.`

Ich glaube, das ist genau das, was auch passieren wird, da es keine Möglichkeit gibt, wie die Wirtschaft steigenden Zinssätzen standhalten könnte, da das nominelle Schuldenniveau heute viel größer ist als zu Beginn der Großen Rezession. Wir haben im Staats- und Privatsektor Gesamtschulden von rund USD 55 Billionen, das sind USD 6 Billion mehr als zu Beginn der Großen Rezession im Dezember 2007.

Also: Wenn wir heute mehr Schulden haben als je zu vor, während die Staatsverschuldung auf demselben Niveau liegt wie das BIP oder die Wirtschaftsleistung, ja wie soll es dann möglich sein, dass steigende Zinssätze – die uns Ende 2007 ja die Große Rezession brachten –, nun in 2014 auf einmal nicht zu einem Zusammenbruch der Wirtschaft führen sollen?

Die Antwort ist, dass es auf alle Fälle dazu kommen wird. Es wird den Immobilienmarkt, den Aktienmarkt und die Wirtschaft zermalmen. Und ich glaube, dass die Straffungsmaßnahmen irgendwann im nächsten Jahr wieder abgebrochen werden und eine permanente Form der quantitativen Lockerung aufgelegt wird – genug QE, um die Realzinsen im negativen Bereich zu halten und dafür zu sorgen, dass die Banken weiter Aktien und Anleihen kaufen.

Die Fed wird ihre Manipulation der Geldversorgung und der Zinssätze niemals aussetzen, solange ihr gewünschtes Inflationsziel nicht erreicht ist, das, so wie sie es messen, bei mindestens 2% bis 2,5% liegt. Das ist auch der Grund, warum Gold und Minenaktien, die die letzten anderthalb Jahre dezimiert wurden, gar nicht anders können, als zu steigen.“

Bill Fleckenstein, der Präsident von Fleckenstein Capital, erklärte King World News im Hinblick auf die Straffungsmaßnahmen der Fed:

„Ich schätze, dass Ben Bernanke in der Lage sein wollte, zu sagen, dass er vor seinem Ausscheiden aus der Fed mit dem Rückbau der quantitativen Lockerungsmaßnahmen begonnen hat. Das ist der einzige Grund, den ich mir denken kann, warum er heute damit beginnen wollte, besonders angesichts der Regeln, an die sie sich bei früheren Entscheidungen gehalten haben, und angesichts der Tatsache, dass sie die Straffungsmaßnahmen nicht bereits im September eingeleitet hatten.

Der Aktienmarkt ist offensichtlich zu der Schlussfolgerung gelangt, dass alles nach Plan läuft und es ein märchenhaftes Happy End geben wird, aber der Anleihemarkt scheint nicht richtig mitzuspielen. Sie kaufen jetzt also USD 75 Milliarden pro Monat, anstatt USD 85 Milliarden pro Monat, was immer noch eine enorme Monetisierung ist […]

Sollte die Wirtschaft wieder abstürzen, werden sie genau das tun [das Fed-Anleiheaufkaufprogramm wieder ausweiten]. Einzig der Blick auf die Aktienmärkte ließe die Schlussfolgerung zu, dass QE ein Erfolg gewesen ist. Durch die Monetisierung ist es ihnen gelungen, den Aktienmarkt in den letzten vier oder fünf Jahren massiv in die Höhe zu treiben.

Und das ist auch die Art, wie jeder die Effizienz der quantitativen Lockerung bewertet. Würde man die QE-Maßnahmen anhand ihres Erfolgs in der Wirtschaft oder beim Beschäftigungswachstum bewerten, würde man sagen, dass sie ein totaler Reinfall gewesen sind. Aber wie heißt es so schön: ´Der Aktienmarkt macht die Meldungen.` Es ist offensichtlich, dass, sollten die Wirtschaftsdaten 2014 schwächer werden, die Fed sagen wird: ´Hey, wir werden wieder mehr machen`, und angesichts der aktuellen Stimmung am Aktienmarkt, könnte dieser dann sogar weiter steigen.

Der Aktienmarkt ist jetzt in einer Stimmung, wo der Fed geglaubt und vollstes Vertrauen geschenkt wird. Sollte sich das ändern, würde das jede Menge Ärger bedeuten, wenn sich die Wirtschaft abermals abschwächt und die Fed wieder einschreiten und mehr machen muss. Es ist in Wirklichkeit eine psychologische Sache, und aktuell glauben die Leute, dass alles großartig laufen wird – genauso wie es 1999 und 2007 der Fall war […]

Sollte sich die Lage wieder eintrüben, könnten sie [die Marktteilnehmer] damit anfangen, sich zu sagen: ´Oh mein Gott, diese Lockerungsmaßnahmen funktionieren nicht`, und das könnte dazu führen, dass es die Aktien erwischt. Es geht alles auf das zurück, was ich bereits seit einiger Zeit sage: Der Anleihemarkt wird der Fed ihre Druckerpresse wegnehmen müssen. Und derzeit verhält sich der Anleihemarkt nicht so, wie es die Fed gerne hätte, und das ist ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man will, dass wieder Vernunft einkehrt.

Das Entscheidende ist, dass die Vernunft erst dann wieder einkehren wird, wenn die Fed gezwungen ist, diese Geldpolitik zu beenden. Und solange die Menschen an diese Geldpolitik glauben, wird die Fed sie auch weiter verfolgen.“

Der Finanzmarktexperte Martin Armstrong war einer der wenigen, die die Vermutung äußerten, dass Bernanke tatsächlich geldpolitische Straffungsmaßnahmen einleiten könnte. Nach der Verkündung der Straffungsmaßnahmen führte Armstrong aus:

„Die U.S. Federal Reserve verkündete Pläne, ihr aggressives Anleiheaufkaufprogramm um USD 10 Milliarden zu reduzieren, den Leitzins jetzt jedoch noch länger als zuvor versprochen auf niedrigen Niveaus zu halten. Und exakt so laufen die Dinge in Washington.

Zugegeben, nur 12% aller Analysten waren der Auffassung, dass die Fed heute Straffungsmaßnehmen verkünden würde. Die meisten glaubten, dass es erst im März soweit wäre. Doch genau hier gilt es, die politischen Spielchen zu verstehen.

Das ist die Lahme-Ente-Strategie. Da brauchen wir uns ja nur den Kongress anzuschauen. Nach der Wahl, also kurz bevor ein neuer Kongress einzieht, beschließen sie Dinge, die ansonsten nie jemand beschließen würde. Warum? Weil das der Zeitpunkt ist, wo die Leute den Kongress verlassen und nichts zu verlieren haben.

Die Lockerungsmaßnahmen sind ein psychologischer Schwindel und haben keinerlei realen Einfluss auf die Wirtschaft. USD 10 Milliarden entsprechen gerade einmal 0,00058% der USD 17 Billionen an US-Staatsschulden. Wenn jemand ins Schwimmbecken pinkelt, hat das größere Auswirkungen.

Die Erklärung der Fed, dass sie die Zinssätze nun sogar noch länger unten halten will, als ursprünglich gedacht, zielte darauf ab, zu verhindern, dass die Märkte Schaden nehmen. Hierzu sollten Sie wissen, dass die US-Notenbank gestern E-Mails verschickte, in denen sie Mitglieder des Kapitols um Gespräche bat, um ihre Position zu erklären …

Der Dow Jones muss [am 18.12.2013] mit über 16.060 Punkten aus dem Handel gehen, um kurzfristig auf neue Hochs zu steigen. Doch warum sorgt sich die Fed überhaupt um die Aktienmärkte? Ich werde immer nur dann vom Kapitol angerufen und um meine Meinung gebeten, ob sie intervenieren sollen oder nicht, wenn der Aktienmarkt fällt – ansonsten nicht. Warum? Weil die Leute am Kapitol alle über Pensionsfonds verfügen und solange es sie nicht persönlich betrifft, interessiert es sie auch nicht.

Daher erklärt die Fed nun auch, dass die Veränderungen bei den QE-Maßnahmen durch ihr Versprechen, die Zinssätze länger unten zu halten, wieder ausgeglichen werden. Das ist aber ein leeres Versprechen, da es zu erheblichen Veränderungen kommen wird – Veränderungen die aufgrund der Trends erzwungen werden, ungeachtet dessen, was sie versprechen.

So läuft es in Wirklichkeit auf dem Kapitol hinter den Kulissen und fernab des Hypes. Es ist nie so, wie es gegenüber Öffentlichkeit dargestellt wird.“

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