Der Crash ist unvermeidlich: Womit in diesem Jahr noch zu rechnen ist

Steve Saville, The Speculative Investor, 10.02.2014

1. Der geldpolitische Hintergrund in den USA bleibt nach wie vor ein anderer als bei früheren Phasen, die auf das Platzen von Blasen folgten. Das hat zur Folge, dass der Korrektur- und Bereinigungsprozess der Wirtschaft verlangsamt wird und es zu neuen Preisverzerrungen kommt, die mittels eines weiteren verheerenden Wirtschafts-Crashs „gelöst“ werden müssen. Werden wir jemals dazulernen?

2. Die wirtschaftlichen Rückgänge werden zunehmend schlimmer und die wirtschaftlichen Erholungsphasen immer schwächer ausfallen, bis sich letztlich die Erkenntnis breit machen wird, dass die Zentralbank ein großer Teil des Problems ist und nicht Teil der Lösung, wie heute noch geglaubt wird.

3. Im Januar letzten Jahres schrieben wir:

„Es ist deutlich geworden, dass die aktuelle Geldpolitik der Fed – bei der in einem entsetzlich fehlgeleiteten Versuch, die Wirtschaft anzukurbeln, neues Geld auf die Wirtschaft geworfen wird – auch 2013 weiter anhalten und sogar noch aggressiver umgesetzt werden wird als in 2012.

Diese Gelddruckerei könnte zur Folge haben, dass die wirtschaftliche Rezession von weiten Teilen der Bevölkerung einige weitere Monate nicht wahrgenommen wird, doch geht dies mit erheblichen langfristigen Kosten einher. Damit eine Wirtschaft effizient funktioniert, müssen die Preissignale echt sein; das heißt, die Preissignale des Markts müssen die nachhaltigen Konsum- und Produktionstrends widerspiegeln.“

Die US-Notenbank fängt jetzt damit an, die Rate ihrer Gelddruckmaßnahmen zu verlangsamen – doch der Schaden ist bereits angerichtet worden. Die Saat des nächsten Wirtschafts-Crashs ist bereits gelegt worden.

4. Es kann durchaus sein, dass die US-Wirtschaftsdaten während der ersten paar Monate des Jahres 2014 okay sind, aber sollte das Kreditwachstum der Geschäftsbanken weiterhin auf der aktuellen, niedrigen Rate verharren, wird es im dritten Quartal dieses Jahres wahrscheinlich genug Schwäche am Aktienmarkt und genug Zeichen des wirtschaftlichen Niedergangs geben, um die US-Notenbank dazu zu veranlassen, von ihren geldpolitischen Straffungsmaßnahmen Abstand zu nehmen.

5. Zu Beginn des Jahres 2013 schrieben wir:

„China hat riesige wirtschaftliche Probleme, aber diese Probleme werden innerhalb einer mehrjährigen Phase nur ganz allmählich an die Öffentlichkeit gelangen und in 2013 aller Vorausschau nach nicht zum Auslöser für große Bewegungen an den Weltfinanzmärkten werden.“

Dasselbe gilt für 2014.

6. Anfang 2013 dachten wir, dass das Schuldendebakel der Euroländer ab der zweiten Jahreshälfte wieder auf den Titelseiten landen würde. Das war aber nicht der Fall. Eine weitere Banken- und Schuldenkrise der Eurozone ist unvermeidlich, aber derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass sie unmittelbar bevorsteht.

Beispielsweise liegt die Rendite für 10-jährige spanische Staatsanleihen aktuell auf einem 5-Jahrestief. Und auch der EURO-STOXX Banken-Index konnte jüngst ein 2-Jahreshoch ausbilden. Wir werden die europäischen Anleihen und die Bankaktien weiter im Auge behalten, um mehr über das Timing der unvermeidlichen Krise herauszufinden. Das Einzige, was wir gegenwärtig dazu sagen können, ist, dass sie wohl nicht während der ersten Hälfte des Jahres 2014 stattfinden wird.

7. Letztes Jahr dachten wir, dass eine plötzlich eintretende Schwäche der US-Wirtschaft eine unmittelbare Gefahr sei und man eine solche Entwicklung im Auge behalten sollte. Das gehörte im letzten Jahr aber nicht zu den drei größten Risiken. Eine plötzliche Abschwächung der US-Wirtschaft gehört heute jedoch zu den drei größten Risiken, obwohl es sich hierbei um ein Risiko handelt, das aller Vorausschau nach erst in der zweiten Jahreshälfte zum Tragen kommen wird.

8. Als 2013 begann, gingen wir davon aus, dass eine zunehmende Instabilität im Nahen Osten eine der größten unmittelbaren Gefahren für die Finanzmärkte sei. Darüber hinaus dachten wir, dass sich dieses Risiko aller Vorausschau nach in der zweiten Jahreshälfte manifestieren würde. Unsere Begründung dafür war, dass die US-Regierung – die mit Abstand größte Gefahr für den Weltfrieden – aggressiver auf eine Militärintervention im Nahen Osten hinarbeiten würde, wenn klar werden würde, dass die US-Wirtschaft wieder in einer Rezession versinkt, und das hielten wir für die erste Jahreshälfte 2013 unwahrscheinlich.

Um das hier noch ein wenig auszuführen: In wirtschaftlich schwachen Phasen neigen Staaten dazu, Bedrohungen im Ausland als willkommene Ablenkung zu betrachten. Darüber hinaus ist es in einer Welt, die von „keynesianischen“ Entscheidungsträgern und Politikberatern dominiert wird, so, dass großflächige und umfassende Militäreinsätze auch als bequeme Ausrede für noch stärkere Staatsausgaben und eine noch stärkere Geldinflation genutzt werden können.

Die Gefahr, dass dieser Schmelztiegels aus territorialen Konflikten, religiösem Hass, politischen Feindseligkeiten und wirtschaftlichen Problemen – der auch unter dem Namen „Naher Osten“ bekannt ist – überkocht, ist allgegenwärtig; das kann jederzeit passieren.

Doch da nun an einem Deal bezüglich des iranischen Atomprogramms gearbeitet wird und der Beginn der nächsten US-Rezession immer noch mehr als sechs Monate in der Zukunft liegt und da im November dieses Jahres in den USA auch noch Zwischenwahlen anstehen, dürfte es 2014 wahrscheinlich zu keinem Krisenausbruch in Nahost kommen, der von globaler Bedeutung ist.

9. Letztes Jahr schrieben wir:

„Im Verlauf des Jahres 2013 wird es ein neues großes mittelfristiges Risiko für die Finanzwelt geben: Das Risiko, dass die Staatsanleiheblase platzt. Das Platzen der Staatsanleiheblase ist ein drückenderes Problem als vor sechs Monaten, da auf die Bank von Japan derzeit immenser politischer Druck ausgeübt wird, um die Kaufkraft des Yen abzusenken.“

Wahrscheinlich ist die Staatsschuldenblase letztes Jahr tatsächlich bereits geplatzt, aber die anderen Finanzmärkte haben diese erste Phase des neuen säkularen Bärenmarkts bei Staatsanleihen locker weggesteckt. Darüber hinaus konnte sich der japanische Anleihemarkt trotz der auf eine höhere „Inflation“ abzielenden Maßnahmen der Bank von Japan von den drastischen Abverkäufen im April und Mai 2013 wieder erholen. Die Rendite bei japanischen Staatsanleihen war zu Ende des Jahres sogar niedriger als zu Beginn des Jahres.

Und obschon der säkulare Bärenmarkt bei Staatsanleihen wahrscheinlich bereits begonnen hat, gehen wir davon aus, dass es im Hinblick auf US-Staatsanleihen derzeit keine unmittelbaren Abwärtsrisiken gibt. Wir rechnen sogar damit, dass der US-Staatsanleihemarkt 2014 Zugewinne verbuchen wird.

Im Hinblick auf japanische Staatsanleihen sind die Risiken aber bedeutend größer. Das hängt vornehmlich damit zusammen, dass japanische Staatsanleihen viel höher bewertet sind (also eine niedrigere Rendite haben), aber es hängt auch damit zusammen, dass der japanische Staatsanleihemarkt bei der langfristigen Ausbildung seines Hochs schon viel weiter vorangeschritten ist.

10. Aufgrund des Abwärtstrends bei der US-Geldinflationsrate und dem Abwärtspotenzial des US-Aktienmarkts – Letzteres geht auf die hohen Aktienbewertungen zurück – halten wir eine US-Deflations-Hysterie für ein realistisches Szenario für die zweite Jahreshälfte.

11. Für Spekulanten, die Rohstoffe und mit Rohstoffen in Zusammenhang stehende Aktien traden, wird es 2014 bedeutend einfacher sein, mit Long-Positionen Geld zu machen als in den Jahren 2012 und 2013. Das gilt speziell für die erste Jahreshälfte – da sich in der zweiten Hälfte Ängste bezüglich einer Deflation breit machen könnten – und für Spekulanten, die Gold und mit Gold in Zusammenhang stehende Aktien traden.

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