Rick Rule: Die zwölf drängendsten Fragen rund um den Edelmetall- und Rohstoffsektor

Henry Bonner, Sprott Asset Management, 25.03.2014

Am 18.03.2014 beantworte Rick Rule, der Vorsitzende von Sprott Global Ressource Investment Ltd., die wichtigsten Fragen rund um Edelmetalle und Rohstoffe. Er hatte jüngst davor gewarnt, dass die Anleger nicht allzu schnell bullisch werden sollten, da uns noch weitere Rückschläge und Abverkäufe bevorstehen.

Wo wird die Reise für Gold in den kommenden 5 Jahren hingehen?

„Ich glaube, dass der Goldpreis sein Tief 2013 ausgebildet hat. Die Trader hatten den Goldpreis zwischen 2011 und 2013 nach unten getrieben und ihre gehebelten Goldwetten abgebaut. Den überwiegenden Teil dieser Phase traten sie daher gezwungenermaßen als Verkäufer auf, nicht so sehr als Käufer.

Mitte 2013 sahen wir dann eine Pattsituation zwischen den erschöpften Verkäufern und den Käufern. Und nachdem die erzwungenen Abverkäufe der gehebelten Trader vorbei waren, fing Gold wieder damit an, die Oberhand zu gewinnen und zuzulegen, und das hielt bisher bis ins Jahr 2014 an.

Die Goldpreisrally muss in 2014 nicht unbedingt weitergehen. Als ein Anleger mit einem Zeithorizont von drei bis fünf Jahren bin ich überzeugt, dass der Goldbesitz in den nächsten paar Jahren von entscheidender Bedeutung sein wird, um sein Vermögen zu erhalten.“

Gibt es Finanzinstitutionen, die die Preise absichtsvoll nach unten treiben, indem sie die Metalle shorten?

„Das kommt ganz darauf an, je nachdem, welches Metall man sich anschaut. Bei Platin und Palladium gibt es beispielsweise praktisch überhaupt keine Short-Verkäufer. Bei Gold ist es so, dass die Trader zurzeit ihre Shortpositionen eindecken, was darauf hindeuten könnte, dass das Abwärtsmomentum nachlässt.

Gab es konzertierte Aktionen, um die Edelmetallpreise zu drücken? Ich glaube, dass sich mögliche Manipulationen derzeit in Luft auflösen. Die Banken und andere große Finanzinstitutionen werden von den Regulierungsbehörden im Hinblick auf ihre Fähigkeiten, die Edelmetallpreise zu manipulieren, zunehmend skeptischer beobachtet.“

Wie lange wird die US-Notenbank die Zinssätze so niedrig lassen?

„Solange sie damit davonkommen. Durch künstlich niedrige Zinssätze nimmt man den Sparern ihr Geld weg, weil sie dadurch nur künstlich niedrige Renditen erhalten, und man belohnt die Verschwender, da sie sich Geld zu niedrigeren Zinsen leihen können.

Und da die Verschwender gegenüber den Sparern in der Mehrzahl sind, neigen Wahlen wie auch die politischen Kräfte dazu, eine Politik der niedrigen Zinssätze wie die aktuelle Nullzinspolitik in den Vereinigten Staaten zu begünstigen.

Wir befinden uns in einer sehr merkwürdigen Situation: Wir haben eine Wirtschaftserholung, bei der keine neuen Arbeitsplätze entstehen und es kaum neue Investments bei der Produktion gibt. Und daher ist die Nachfrage nach Kapital schwach, was das billige Geld bisher davon abhielt, sich in Form einer höheren Inflation bemerkbar zu machen.

Und da die Wirtschaft gegenwärtig so schwach ist, könnten die Zinssätze auch noch die nächsten zwei oder drei Jahre niedrig sein. Aber am Ende werden sich die Märkte immer durchsetzen. Ich gehe davon aus, dass die Inflation und die Zinssätze letztlich wieder steigen werden.“

Wird es noch eine „Kernschmelze“ im Edelmetallsektor geben, bevor ein neuer Bullenmarkt einsetzt?

„Ich glaube nicht, dass wir eine weitere Abwärtsbewegung wie die von 2011 bis 2013, bei der Gold um 30% zurückging und die Minenaktien um über 50% fielen, sehen werden. Aber wir haben es hier nach wie vor mit dem volatilsten Sektor der Welt zu tun. Genauso wie Gold nur einige Monate brauchte, um über USD 1.000 pro Unze zu steigen, könnten wir vor Jahresende auch noch einen Preisrückgang auf USD 1.150 pro Unze sehen.

Ich gehe sogar davon aus, dass sich der Markt in den kommenden 18 Monaten die meiste Zeit über seitwärts bewegen wird und es in dieser Phase zu vorübergehenden Rallys und daraufhin einsetzenden Abverkäufen kommt. Wenn diese Phase vorbei ist, könnte es sein, dass ein großer neuer Bullenmarkt richtig abhebt.“

Gibt es irgendeinen Vermögensspeicher, der nicht manipuliert werden kann?

„Die größte Gefahr für unser Vermögen sind nicht der Staat, die Banken oder Marktmanipulanten – es ist fast immer der eigene Mangel an Überzeugung, Mut und Wissen.

Jeder möchte gerne gegen den Strom schwimmen und ein Querdenker sein, aber immer nur dann, wenn es gerade populär ist. Das ist auch der Grund, warum viele Leute 2011 investieren wollten, als die Edelmetelle bereits einen beispiellosen Anstieg hinter sich hatten. 2012 und 2013, als die Edelmetalle und Minenaktien viel billiger waren, wollte hingegen niemand investieren.

Wenn man langfristig von den Edelmetallen überzeugt ist, dann sind Manipulationen durch Finanzinstitutionen oder staatliche Institutionen, um den Preis zu drücken, eine Kaufgelegenheit. Man kann genau die Vermögenswerte, die man will, zu einem künstlich niedrigen Preis kaufen.

Daher sollte man Manipulationen auch nicht fürchten. Vielmehr sollte man seine eigenen Fehler fürchten, die auf emotionale Entscheidungen und Vorurteile … zurückgehen.“

Wie werden sich Platin und Palladium entwickeln?

„Wir konnten beobachten, dass die Popularität der Platinmetalle bei den Finanzinstitutionen jüngst wieder zunahm. Sie spekulieren mit Platin. Ich glaube, es könnte sein, dass sie diese Positionen nun wieder abbauen, was kurzfristig zu einem sinkenden Preis führen könnte.

Langfristig gesehen rechne ich aber mit einem höheren Platinpreis. Die Minenunternehmen machen mit ihrer Platinproduktion gegenwärtig Verlust, was sie dazu zwingen könnte, zu schließen. Aber Platin und Palladium sind in der modernen Gesellschaft extrem nützlich – hauptsächlich, weil sie mit dazu beitragen, Smog zu verhindern.

Aus diesen Gründen muss der Preis steigen.“

Was ist mit Silber?

„Wir machen oft den Witz, dass die ´Silberbugs` die ´Goldbugs auf Anabolika` sind. Die Preisbewegungen von Silber neigen dazu, dramatischer auszufallen als die von Gold. Wenn Gold steigt, kann Silber also noch stärker steigen – und es kann auch viel stärker fallen.

Das Problem mit Silber ist, dass eine Menge Silber ein Nebenprodukt ist, das bei der Produktion von irgendwelchen anderen Metallen anfällt. Wenn man die Silberproduktion abschätzen will, muss man also auch die Ökonomie der anderen Metalle kennen, bei deren Förderung Silber als Nebenprodukt anfällt.

Ein weiterer Haken ist, dass die Schätzungen bezüglich des heute in Umlauf befindlichen Silbers sehr weit auseinandergehen – speziell in Orten wie Indien, Sri Lanka, Bangladesch oder Pakistan.“

Steht dem allgemeinen Aktienmarkt ein neuer Crash ins Haus?

„Es scheint, als sei der allgemeine Aktienmarkt durch künstlich niedrige Zinssätze angeheizt worden. Würden die Zinssätze wieder steigen, und ich glaube, dass dies letztlich passieren wird, könnte es sein, dass dies den meisten Aktien massiv schadet.

Es gibt keine echte Wirtschaftserholung, die die heutigen, höheren Aktienpreise rechtfertigen würde. Es werden weniger Arbeitsplätze geschaffen und es gibt nur wenige Kapitalinvestments. Es scheint, als hätten wir es hier nur mit einer Erholung auf dem Papier zu tun; es ist eine auf Vertrauen basierende Erholung, die durch die niedrigen Zinssätze angeheizt wird.

Wenn dieses Vertrauen schwindet und die Zinssätze zu steigen beginnen, wird das für den allgemeinen Aktienmarkt meines Erachtens extrem schädlich sein.“

Wenn sich der Rohstoffsektor erholt, wie werden wir dann wissen, wann wir aussteigen müssen?

„Denken Sie mal an 2010 und 2011 zurück und daran, wie gut sich Ihr Portfolio damals entwickelt hat. Viele Anleger sahen dabei zu, wie ihr Portfolio Monat für Monat um einen zweistelligen Prozentsatz gestiegen ist. Das war der Zeitpunkt, wo wir uns am schlauesten vorkamen und am aggressivsten agierten.

Auf dem Höhepunkt eines Bullenmarkts, verwechseln Anleger den Bullenmarkt mit Intelligenz. Wenn wir am furchtlosesten bullisch sind, ist es an der Zeit, damit zu beginnen, seine Aktien zu verkaufen. Der einfachste Hinweis auf ein Hoch ist, wenn man von allen Seiten aufgefordert wird, in diesen Sektor zu investieren – egal ob seitens der Medien oder Verlagshäuser.

Wenn die Herausgeber aber in einem Bärenmarkt damit anfangen, ihre Publikationen zum Thema Rohstoffe einzustellen, ist das ein Vorbote des Tiefs.“

Welche Folgen wird Russlands Annexion der Krim für Anleger haben?

„Ich glaube, dass die Auswirkungen der aktuellen Geschehnisse in der Ukraine ziemlich gering sein dürften. Die Ereignisse in der Ukraine sind ja Teil der Rohstoff-Argumentation; sie wurden immer als Grund für einen Anstieg der Edelmetallpreise angeführt. Ich glaube, dass Gold und andere Metalle aber auch ungeachtet der Situation in der Ukraine steigen würden, einfach weil die Käufer die Verkäufer überflügeln.

Eine wichtige Auswirkung könnte sein, dass Europa seine Gaslieferungen stärker diversifizieren wird – was zu einer größeren Produktion in Westeuropa und geringeren russischen Exporten führt.

Darüber hinaus könnten die Gesetzgeber in den Vereinigten Staaten das Thema der ´Energiesicherheit` für Westeuropa als Vorwand nutzen, um Öl- und Gasexporte zu erlauben – was den nicht-US-amerikanischen Energieproduzenten einen echten Schrecken einjagt. Die Krise könnte als nützliche Ausrede für alle US-amerikanischen Öl- und Gasinteressen herhalten, um ihre Produktion auf den Weltmarkt zu bringen. Und Westeuropa würde eine alternative Öl- und Gasversorgung sehr wahrscheinlich begrüßen.“

Welche Auswirkungen wird die mexikanische Minensteuer auf die Branche haben?

„Die Politiker und Staaten wenden sich regelmäßig gegen Minen, Öl und Gas, um ihre Steuereinnahmen zu erhöhen, weil diese Vermögenswerte nicht mobil sind. Sie können nicht einfach woanders hingebracht werden.

Ich glaube nicht, dass die neue Steuer Mexiko Vorteile bringen wird. Die im Staatsbesitz befindliche Ölindustrie hat die mexikanische Öl- und Gasbranche stark behindert. Und jetzt widmen sie sich der Minenbranche, was mit Sicherheit keine positive Entwicklung ist.

Die Minenbranche hat erheblich zu den Steuereinnahmen beigetragen und für das mexikanische Volk Arbeitsplätze geschaffen. Das wird durch diese Steuer nur geschwächt werden, was sehr bedauerlich ist.“ […]

Was wird kurz- und mittelfristig gesehen mit dem Uranpreis geschehen?

„Kurzfristig gesehen verarbeitet der Markt immer noch seine überschüssige Versorgung, die auf die Schließlung der japanischen Atomkraftwerke und die Abverkäufe der Bestände zurückgeht.

Langfristig gesehen gehe ich jedoch davon aus, dass Uran im Preis steigen wird. Die Uranminen geben USD 70 Dollar pro Pfund aus, um das grüne Metall zu produzieren, verkaufen es aber für gerade einmal USD 35. Sie machen also mit jedem Pfund Uran rund 50% Verlust.

Im Ergebnis braucht diese Branche gegenwärtig ihr Kapital auf, das sie während des Bullenmarkts von 2004 bis 2011 eingesammelt hat.

Ist das Kapital erst einmal aufgebraucht, müssen sie ihre Produktionsstätten schließen, sollte der Uranpreis bis dahin nicht auf ein profitables Niveau gestiegen sein. Das hätte zur Folge, dass Atomkraftwerke stillgelegt werden – was zu einem massiven Rückgang bei den Stromkapazitäten führen würde.

Und da im Vergleich zu Öl und Gas mit einer relativ kleinen Menge Uran so viel Strom produziert werden kann, sind die Urankosten nur ein ganz kleiner Teil der Stromproduktionskosten einer Atomkraftanlage. Daher wird die Gewinnung von Atomstrom auch dann noch wettbewerbsfähig bleiben, wenn sich die Kosten des Metalls verdoppeln würden, was ich für wahrscheinlich halte, da die Stromproduzenten das bezahlen werden, was sie zahlen müssen, um die Versorgung sicherzustellen.“

In welchen Bereich sollte ein Rohstoffinvestor heute investieren?

„… Das Investieren in Rohstoffe und Edelmetalle ist gegenwärtig attraktiv, da die Branche bedeutend billiger ist als vor drei Jahren. Viele Aktien werden heute gegenüber 2011 mit Preisabschlägen von 90% gehandelt. Für Anleger, die gegen den Strom schwimmen, bieten sich hier meines Erachtens historische Möglichkeiten.“

Weitere Artikel zu diesem Thema