Jay Taylor: Der nächste Bullenmarkt wird selbst die eingefleischtesten Goldbugs schockieren

Kevin Michael Grace, The Gold Report, 09.04.2014
(in Auszügen)

Jay Taylor ist sich im Klaren darüber, dass die Gold- und Goldminenanleger zurzeit extrem vorsichtig agieren, dennoch drängt der Herausgeber von „J. Taylor´s Gold, Energy & Tech Stocks“ sie dazu, nicht das große Ganze aus den Augen zu verlieren – den großen Bullenmarkt. Die Junior-Goldminen, die über Einnahmen und gute Projekte verfügen, werden gegenwärtig zu einem Bruchteil ihres Werts gehandelt. Aber nicht mehr lange. In diesem Interview mit The Gold Report sagt Taylor, dass wir kurz vor einem historischen Bullenmarkt stehen.

The Gold Report: Janet Yellens Kehrtwende bei der quantitativen Lockerung (QE) ist nun bereits der zweite panikartige Rückzug der US-Notenbank beim Ausstieg aus QE. Kann man sagen, dass wir jetzt auf immer und ewig QE haben werden?

Jay Taylor: Ich weiß nicht, ob es ewig anhalten wird, da nichts ewig anhält. Aber Ihre Annahme ist im Grunde richtig, weil eine Aussetzung der quantitativen Lockerungsmaßnahmen so schmerzlich wäre, dass es ein ziemlich guter Tipp ist, davon auszugehen, dass die Lockerungsmaßnahmen noch eine lange Zeit anhalten werden.

TGR: Wir hören nun schon seit rund drei Jahren vom Ende von QE und dem Ende der Nullzinspolitik (ZIRP). Es wurde behauptet, dass das aber aus verschiedenen Gründen unwahrscheinlich sei. QE ist der einzige Grund für das bisschen Wirtschaftserholung, das wir seit 2008 sahen, und würde ZIRP enden, könnten die USA nicht mehr die Zinsen auf ihre Schulden bezahlen und Zinsderivate im Wert von Milliarden von Dollars würden in die Verlustzone abrutschen.

JT: Ja, das ist völlig richtig. Und der Privatsektor ist auch auf die Droge des billigen Geldes angewiesen. Wie ich bereits sagte, die quantitative Lockerung und die Nullzinspolitik werden erst enden, wenn das System zusammenbricht und die Schaffung eines anderen Geldsystems erzwungen wird.

Was wir „die Wirtschaft“ nennen, ist in Wirklichkeit eher ein Casino. Das Geld, das geschaffen wird, fließt nicht in die Realwirtschaft. Die Wall Street Typen mit ihren Mathematikabschlüssen haben Diebstahl-Maschinen gebaut, mit denen das Kapital in ihre eigene Tasche, die endlose Ausweitung des Staats und weitere Militärmaßnahmen der Vereinigten Staaten umgelenkt wird. Das wird sehr böse enden. Das Einzige, was wir tun können, ist, uns und unsere Familien so gut als möglich vorzubereiten.

TGR: Wie bricht das System zusammen?

JT: Mit der Pleite von Lehman Brothers im Jahr 2008 haben wir einen ersten Vorgeschmack bekommen. Ganz allgemein lässt sich sagen, dass das Bankensystem als erstes zusammenbrechen wird. Sie können ja so tun, als hätten sie es wieder in Gang gesetzt, aber wir haben ja gesehen, dass Citicorp seinen Stresstest nicht bestanden hat. Nachdem das Bankensystem gescheitert ist, scheitert auch die Wirtschaftswelt, weil man dann nicht mehr länger in der Lage sein wird, die Regale der Läden mit Waren zu füllen. Als nächstes können sie die Feuerwehren und Polizeidienststellen nicht mehr bezahlen. Und dann haben wir Chaos.

TGR: Sie stimmen Jim Rickards zu, dass die Versuche der USA, Russland „hart ranzunehmen“, scheitern werden. Können Sie erklären, warum?

JT: Russland hat seine eigenen Interessen, die es schützt, und dasselbe gilt für Europa. Ich bin mir nicht so sicher, dass die Europäer sich unbedingt auf die Seite der Vereinigten Staaten stellen werden. Im NATO-Bündnis könnte es zu einem richtigen Riss kommen. Die Deutschen brauchen Erdgas und die Russen haben es. Und die Franzosen helfen den Russen dabei, ihre Erdgas und Ölproduktion mithilfe von Fracking zu erhöhen. In Russland sind auch viele deutsche Firmen aktiv.

TGR: Sie sprachen darüber, dass der Petrodollar durch „Petrogold“ ersetzt wird?

JT: Gegenwärtig fließen enorme Mengen an Gold nach China. Und China hat nun eine zweite Goldbörse aufgemacht, die es auch Nicht-Chinesen erlauben wird, Gold zu kaufen und zu verkaufen. Nicht Papiergold, das ist Fantasiegold, sondern echtes, physisches Gold. Der Goldpreis wird durch die Futures-Märkte manipuliert, und zwar von genau denselben Leuten, über die wir gerade sprachen: Von den Bankern, den Edelmetall-Typen und den Leuten, die es sich wirklich nicht leisten können, dass der Dollarschwindel auffliegt.

Die Chinesen wollen nichts damit zu tun haben. Sie haben genügend Dollars und wollen nicht noch mehr davon. Darüber hinaus wollen sie Amerikas militärisch-industrielle Offensive nicht unterstützen, welche ja über die Dollarmanipulation bezahlt wird.

TGR: Wie würde Petrogold praktisch funktionieren?

JT: Russland würde China bei einem bedeutenden Teil des chinesischen Energiebedarfs unterstützen und dafür in Yuan bezahlt werden. Die Russen würden die chinesischen Yuans nehmen, um damit an der chinesischen Börse Gold zu kaufen, wenn sie es wünschen. Ich glaube, dass die Infrastruktur dafür gerade mit Rohölbörsen und Goldbörsen in Russland, China und anderen asiatischen Ländern aufgebaut wird.

Wir würden heute eine viel ausbalanciertere Welt haben, wenn uns US-Präsident Nixon nicht vom Goldstandard abgekoppelt hätte. Das erlaubte es der Elite und dem militärisch-industriellen Komplex, die gesamte Welt in den amerikanischen Orbit zu ziehen und sie mit amerikanischen Schulden und amerikanischen Macht zu überfrachten.

Und jetzt gibt es eine Gegenreaktion gegen die amerikanische Macht, die Währungskriege und den US-Dollar als Reservewährung. Russland, China und andere Länder sagen: „Es reicht.“

TGR: Gold und Goldminenaktien hatten einen exzellenten Winter, aber der Frühling war überhaupt nicht nett zu ihnen. Warum?

JT: Ich glaube, dass das, was wir jüngst sahen, einfach zum natürlichen Auf und Ab an den Märkten gehört. Das ist jetzt wohlmöglich die letzte gute Gelegenheit in Bezug auf viele Junior-Minenaktien. Ich bin heute so begeistert wie noch nie, seit ich 1981 erstmals mit meinen Newsletter begann. Ich glaube, dass wir einen Bullenmarkt sehen werden, der selbst die eingefleischtesten Goldbugs schockieren wird.

TGR: Abschließende Gedanken?

JT: Die Anleger befinden sich immer noch in einer Schockstarre und die Massenmedien sind überzeugt davon, dass bei Gold überhaupt nichts passieren wird, weil ihnen die Idee verkauft wurde, dass der Papierstandard viel besser ist als der Goldstandard. Und wenn man das glaubt, ja warum soll man dann Goldminenaktien kaufen? Ich würde sagen, dass 99% der amerikanischen Anleger nicht das geringste Interesse daran haben. Bei den Kanadiern verhält es sich ein klein wenig anders, weil die Minenbranche in Kanada eine große Branche ist. Aber ich glaube, dass wir uns jetzt am Anfang eines historischen säkularen Bullenmarkts befinden, etwas, das größer ist, als ich zu Lebzeiten gesehen habe.

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