Unersättliche Umverteiler: Der Staat ist der echte Wirtschaftskiller

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 13.04.2014

Frage: „Glauben Sie, dass es ein faireres System wäre, wenn es ein Mindesteinkommen und ein Maximalvermögen gäbe? Wir leben in einem Zeitalter, wo die Produktivität aufgrund des technologischen Fortschritts durch die Decke geschossen ist. Glauben Sie nicht, dass die Menschheit nun in einer Phase angelangt ist, wo man es sich leisten könnte, den Menschen ein Grundeinkommen zu garantieren, sodass bessere Kontrollmechanismen implementiert werden könnten, um die Menschen vor Ausbeutung zu bewahren (zum Beispiel in der Dritten Welt)?

Ein Maximalvermögen würde auch beim Unternehmensbesitz als eine Art positiver Filter dienen, glauben Sie nicht? Der Unternehmer, der vornehmlich von Gier getrieben wird, würde diese Stellen gar nicht annehmen, aber all jene, die von anderen Motiven – hoffentlich besseren – getrieben werden, würden dann in die Positionen von Geschäftsführern, Managern usw. gelangen.

Können Sie ein gutes Argument nennen, das gegen ein Maximalvermögen von sagen wir USD 20 Millionen spricht? Können Sie sich eine Situation vorstellen, wo eine Privatperson mehr als USD 20 Millionen braucht, außer um andere damit auszubeuten? Wenn das Vermögen nach oben hin nicht begrenzt wird, führt das zur Entwicklung von Industriemagnaten, also den Ausbeutern einer Branche. Ein erhöhtes Kapital erlaubt die weitere Anhäufung von Kapital mit beschleunigter Rate. Wenn das nicht kontrolliert wird, sorgen Gier und Eigennutz für einen Nettoverlust, anstatt für einen Nettogewinn.

Wir dürfen hier ja nicht vergessen, dass alles miteinander vernetzt ist. Man kann nicht auf der individuellen Ebene denken und dann glauben, dass das der Evolution nicht schaden würde. Und darum geht es doch im Leben, um die Evolution.

Wir haben uns in Richtung Untergang aufgemacht, und der Feind ist nicht nur der Sozialismus, sondern es sind auch Vetternwirtschaft und Wirtschaftsgangster.“

Antwort: Der Lebensstandard der Menschen ist zusammengebrochen. Heute braucht man zwei Einkommen, um zu überleben, nicht nur eins. Und das ist nicht etwa so, weil die Gehälter nicht hoch genug sind, sondern, und das dürfen wir nicht vergessen, weil auch die Produktionskosten steigen, wenn man die Gehälter anhebt und die Verbraucher dann einfach mehr bezahlen.

Es gibt keine einseitige Lösung – man kann nicht einfach die Gehälter anheben, ohne dass dabei nicht auch die Preise steigen. Würde es keine 30-jährigen Jumbo-Hypotheken geben, würden die Eigenheimpreise drastisch einbrechen, denn die Menschen müssten ein Haus dann in bar bezahlen. Der Preis für ein Haus würde bis zu dem Punkt sinken, wo man es sich mit einem Durchschnittseinkommen wieder leisten könnte. Roosevelt schuf die 30-jährigen Hypotheken, um den Menschen ein Werkzeug zu geben, um sich Eigentum zu kaufen. Dieses Werkzeug hat die Eigenheimpreise im Laufe von Jahrzehnten beeinflusst.

Die Antwort findet sich im Konsum von Vermögen, es geht nicht darum, dass jemand mehr Vermögenswerte hat als jemand anderes. Wenn man die Besteuerung abschafft, reduziert man dadurch die Arbeitskosten, bringt Arbeitsplätze zurück und schafft damit gleichzeitig auch die Lobbyarbeit ab.

Henry Ford erfand die Fertigungsstraße und senkte dadurch die Kosten für Autos auf USD 240, sodass auch die Mittelklasse Autos kaufen konnte. Er machte damit jede Menge Geld und weitete sein Unternehmen damit aus. Würde man Maximaleinkommen einführen, würde man dadurch die Arbeitsplatzschaffung vernichten. Man braucht die Vermögenskonzentration, um Innovationen zu schaffen. Wäre das Vermögen gleichmäßig verteilt, würde man nicht genügend Menschen finden, die sich darauf einigen, alles davon zu riskieren. Die meisten kleinen Unternehmen scheitern bereits kurz nach ihrer Gründungsphase. Einige schaffen es, und nur die wenigsten schlagen richtig ein. Das ist die Belohnung fürs Risiko.

Große Konzerne sterben, weil sie am Ende von Rechtsanwälten geführt werden, nicht von Unternehmern. Ich wurde zu vielen Vorstandssitzungen gerufen und habe den Prozess persönlich mitverfolgen dürfen. Sobald eine neue Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt wird, halten die Bürokraten Einzug und die Kreativität löst sich in Luft auf. Das ist der Grund, warum sie dann riesige Summen für den Aufkauf von Start-Up-Unternehmen zahlen, die Dinge schaffen, wozu die großen Unternehmen nicht in der Lage sind: Innovationen.

Es geht nicht darum, was die Privatperson braucht – das ist nicht das Problem. Wenn wir Bill Gates all sein Geld wegnehmen, wie soll dadurch das Leben aller Menschen verbessert werden? Die Frage ist vielmehr, wie viel der Staat verkonsumiert. Doch solange der Staat mit dem Finger auf die „Reichen“ zeigt, können sie Ihr Geld verschwenden.

Die Menschen haben keine Ahnung, wie tiefgreifend die Gesellschaft durch das staatliche Rentensystem verändert wurde. Zuvor war der Familienzusammenhalt stärker, weil das System darin bestand, dass sich die jungen Leute um die alten Menschen kümmern. Durch die staatliche Rentenkasse änderte sich alles. Was legen die Kinder denn heute zur Seite, um sich um ihre Eltern zu kümmern? Das ist die Aufgabe des Staats.

Der Sozialstaat hat das System verändert, indem Frauen dafür belohnt werden, dass sie nicht heiraten. Neuseeland ist aufgrund eines Programms, bei dem Kinder, deren Mütter den Vater des Kindes nicht kannten, finanziell unterstützt werden, fast pleitegegangen. Der Staat unterstützte die Kinder und die Mutter erhielt eine Wohnung oder ein Haus. Das hörte sich zunächst nett an, aber am Ende gab es in Neuseeland den höchsten Prozentsatz an Frauen, die keine Ahnung hatten, wer der Vater ihres Kindes war. Welche Frau weiß nicht, wer der Vater ihres Kindes ist, von Vergewaltigungsopfern mal abgesehen?

Chinas Ein-Kind-Politik hat die Gesellschaft ebenfalls tiefgreifend verändert. Pärchen bieten Frauen aus Südostasien heute ihr Immobilieneigentum an, damit sie nach China kommen und sich um sie kümmern. Man kann solche gesellschaftliche Veränderungen nicht implementieren und dann davon ausgehen, dass sie die Gesellschaft nicht nachteilig beeinflussen würden.

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Im oben stehenden Chart sehen Sie die Verteilung der Einkommenssteuerzahler in den USA, und selbst heute ist es noch so, dass die obersten 1% rund 33% aller Einkommenssteuern bezahlen.

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Bis zum Jahr 2000 hatten die Gesamteinnahmen der USA auf Bundes- wie auf Länderebene die Marke von 40% des BIP überschritten. Das ist einfach nur unglaublich und es ist der Grund dafür, warum sich die Wirtschaft in einem langsamen Niedergang befindet. Das hat nichts damit zu tun, ob ein Geschäftsführer USD 100 Millionen oder USD 50 Millionen verdient hat. Das hat null Einfluss auf unser Leben – doch was der Staat einem aus der Tasche zieht, reduziert den Lebensstandard, und zwar auf direkte Art und Weise.

Die Lösung sind nicht Steuererhöhungen bei den Reichen – der Staat wird so oder so mehr ausgeben, als er einnimmt, ganz egal, wer zahlt. Das ist so, als würde man seiner Ehefrau eine Strafzahlung auferlegen, weil der Nachbar von nebenan seinen Müll nicht sortiert. Die Steuern sind das Thema, das ist es, was wir angehen müssen, nicht wie viel jemand verdient.

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