Chinas harte Landung: Immobilienmarkt weiterhin rückläufig; faule Kredite nehmen weiter zu

Martin Armstrong, Armstrongeconomics.com, 15.05.2014

Es gibt immer mehr Hinweise darauf, dass der chinesische Immobilienmarkt nach Herbst 2015 – wenn es weltweit zu einem massiven Vertrauenseinbruch kommen wird – drastisch zurückgehen wird. Die ersten Hinweise auf den Niedergang des chinesischen Immobilienmarkts sind heute bereits sichtbar.

Mit einem durchschnittlichen jährlichen BIP-Wachstum von fast 10% in den letzten 25 Jahren – das nur kurzzeitig wegen der Japankrise von 1989 bis 1990 auf 5% absank – hat das Land den Neid der Industrieländer auf sich gezogen. Die Industrieländer würden jubeln, wenn sie das hätten, was bei den Chinesen als „harte Landung“ gilt.

Und obwohl der Markt Chinas erste große Konzernpleite (Shanghai Chaori Solar) gut verkraftet zu haben scheint, könnten die Bankrotte der chinesischen Immobilienentwickler und Treuhandgesellschaften in der gesamten chinesischen Wirtschaft für Beben sorgen. Dank der chinesischen Kapitalverkehrskontrollen verfügen die Chinesen nur über eingeschränkte Investmentmöglichkeiten, weshalb die chinesischen Bürger ihre Ersparnisse in Immobilien und hochrentierende Treuhandprodukte gesteckt haben.

Ganz allgemein lässt sich sagen, dass Immobilien rund 33% aller langlaufenden Investments und 16% des BIP-Wachstums stellen. Die Treuhandgesellschaften haben den Unternehmen, die bei den Banken keine Kredite bekommen konnten, Finanzierungen zur Verfügung gestellt. Bei diesen Unternehmen handelt es sich vornehmlich um Kohleminen und Immobilienentwickler.

Und genauso wie es bei jedem anderen Markt der Fall ist, hängen die Preise auch hier vom Vertrauen der Anleger ab. Nichts sorgt für einen schnelleren Crash am Immobilienmarkt als der Vertrauensverlust bei den Anlegern, der dann wiederum einen weiteren Vertrauensverlust nach sich zieht. Laut der chinesischen Statistikbehörde sind die Eigenheimverkäufe im ersten Quartal dieses Jahres gegenüber dem Vorjahr um 5,2% zurückgegangen. Im April sind die Eigenheimverkäufe gegenüber dem Vorjahresmonat laut Homeline (einem der größten Immobilienmakler Chinas) um 18,8% gefallen.

Aufgrund der schwachen Verkaufszahlen macht sich in China nun im Hinblick auf die Eigenheimbranche ein weitflächiger Pessimismus breit. Die Guang Real Estate Group mit Sitz in Shenzhen in der Provinz Guangdong räumte ein, dass man einige Projekte aufgrund finanzieller Schwierigkeiten nicht an die Eigenheimkäufer übergeben konnte.

Die Fälligkeiten bei den Treuhandprodukten nehmen dieses Jahr weiter zu. Die Vermögenswerte der Treuhandgesellschaften sind in den letzten paar Jahren im Schnitt um 50% pro Jahr auf geschätzte USD 6 Billionen gestiegen. Die chinesischen Treuhandgesellschaften stellten Finanzierungen außerhalb des Bankensystems bereit, Kredite, die zu weiten Teilen an Kohleminen und Solaranlagenhersteller gingen. Bei vielen dieser Kohleminen liegt das Schuldenverhältnis bei über 100% und der schwache Kohlepreis hat der Profitabilität der Unternehmen geschadet. Ein paar Minenunternehmen sind bereits in finanzielle Schwierigkeiten geraten und haben damit zu kämpfen, ihre Verbindlichkeiten zu den Fälligkeiten zu bedienen.

China Cinda Asset Management – ein Staatsunternehmen, das gegründet wurde, um von den Großbanken faule Kredite aufzukaufen – warnt nun davor, dass die Zahl der Zahlungsausfälle „explodieren“ könnten. Auf dem chinesischen Festland nimmt die Zahl der faulen Kredite zu, und China Cinda Asset Management warnt davor, dass man jetzt nach Jahren des schnellen, aber fragwürdigen Wachstums bei dem gigantischen Treuhandfinanzierungssektor auf eine Pleitewelle zusteuern würde.

Die erhöhten Kreditkosten sorgen dafür, dass die Kosten für den Schuldendienst bei den Unternehmen steigen. Das Staatsunternehmen, das früher noch in der Lage war, bei der chinesischen Zentralbank besonders günstigen Kredit zu bekommen, muss nun höhere Aufpreise zahlen. In China können aber bereits kleine Zinsanstiege bedeutende Auswirkungen haben, was mit der starken Fremdfinanzierung und den kurzen Schuldenlaufzeiten chinesischer Unternehmen zu tun hat. Der chinesische Renminbi hat seit Anfang dieses Jahres bereits 3% an Wert eingebüßt.

Zur selben Zeit werden gegen die Geschäftsführer immer mehr Korruptionsvorwürfe erhoben, einige dieser Korruptionsvorwürfe stehen mit faulen Krediten in Zusammenhang. Es ist bei jedem wirtschaftlichen Rückgang so, dass die grenzwertigen Kredite faul werden, und dadurch entsteht dann der Eindruck, dass Betrug im Spiel ist, selbst wenn dem gar nicht so ist, was die Krise nur noch weiter befeuert und die Kapitalrückgänge nur noch stärker anheizt.

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