Deflationsschock: US-Geldumlaufgeschwindigkeit bricht auf neues Allzeittief ein!

Seit 2008 hat sich die Größe der Fed-Bilanz von weniger als USD 1 Billion auf über USD 4 Billionen erhöht. Mit dieser beispiellosen Marktintervention konnte die bevorstehende deflationäre Depression erfolgreich hinausgezögert werden, aber sie hat auch dazu geführt, dass unsere langfristigen Probleme nur noch schlimmer geworden sind

Michael Snyder, The Economic Collapse, 01.06.2014

Wenn eine Wirtschaft gesund ist, finden zahlreiche Käufe und Verkäufe statt und das Geld neigt dazu, ziemlich schnell den Besitzer zu wechseln. Bedauerlicherweise findet in den USA zurzeit das genaue Gegenteil statt. Fakt ist, dass – wie ich Ihnen im Folgenden noch zeigen werde – die Geldumlaufgeschwindigkeit von M2 auf ein neues Allzeittief gefallen ist. Das ist ein unglaublich wichtiger Indikator, der darauf hindeutet, dass wir nun in eine deflationäre Phase eingetaucht sind, und das obwohl die US-Notenbank Federal Reserve versucht hat, genau das zu verhindern, indem sie das Finanzsystem mit immer größeren Geldmengen geflutet hat.

Durch diese Geldschwemme wurden bisher riesige Finanzblasen geschaffen – aber die grundlegenden Probleme der US-Wirtschaft sind dadurch nicht beseitigt worden. Ganz grundlegend kann gesagt werden, dass die Wirtschaftsaktivität, die sich derzeit beobachten lässt, nicht ansatzweise in dem Bereich liegt, wo sie eigentlich liegen sollte, und wir es hier mit einem stagnierendem Geldfluss zu tun haben.

Natürlich kann man den lieben langen Tag versuchen, unsere Probleme mit optimistischem Gerede zu übertünchen, doch letztlich wird offen zutage treten, dass keiner der langfristigen Trends, die unsere Wirtschaft zurzeit vernichten, adressiert wurde.

Diskussionen über die Geldmenge können schnell ziemlich kompliziert werden, was zur Folge haben kann, dass die Leute einfach abschalten, aber das muss nicht so sein.

Um es hier noch einmal ganz einfach auf den Punkt zu bringen: Dort, wo viel Wirtschaftsaktivität stattfindet, zirkuliert das Geld schneller unter den Marktteilnehmer als dort, wo sich die Wirtschaft abschwächt. Schwächt sich die Wirtschaft ab, sinkt die Geldumlaufgeschwindigkeit.

Das ist auch der Grund, warum die aktuellen Ereignisse in den USA so beunruhigend sind.

Lassen Sie uns zunächst noch einmal auf die Geldmenge M1 blicken. Die Geldmenge M1 wird ziemlich stringent definiert. Investopedia beschreibt M1 wie folgt:

„M1 ist ein Gradmesser für die Geldmenge, zu der das gesamte physische Geld wie Münzen und Banknoten sowie Sichteinlagen und Girokonten gehören. M1 erfasst die liquidesten Komponenten der Geldmenge, da es Bargeld und Werte berücksichtigt, die rasch in Währung umgewandelt werden können. M1 enthält keine ´geldähnlichen` oder ´fast geldähnlichen` Werte wie M2 oder M3.“

Wie aus dem nachfolgenden Chart hervorgeht, sinkt die Geldumlaufgeschwindigkeit von M1 gewöhnlich immer dann, wenn Wirtschaftsrezessionen stattfinden. Wirtschaftsrezessionen sind auf dem Chart grau hinterlegt. Das Lustige ist aber, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit nun bereits seit dem Ende der letzten Wirtschaftsrezession immer weiter in die Tiefe sinkt. Die Geldumlaufgeschwindigkeit fällt einfach immer weiter und notiert derzeit nahe eines 20-Jahrestiefs.

Velocity-Of-Money-M1

Schauen wir uns nun M2 an. Die Geldmenge M2 enthält mehr Dinge, als die Geldmenge M1. Investopedia schreibt:

„M2 ist ein Gradmesser für die Geldmenge, zu der Bargeld und Sichteinlagen (M1) und fast geldähnliche Werte gehören. Zu dem ´Fast-Geld` von M2 gehören Sparbücher, Geldmarktfonds und andere Festgelder, die weniger liquide und als Tauschmedien nicht so geeignet sind wie M1, jedoch relativ schnell in Bargeld oder Giralgeld umgewandelt werden können.“

Auch im nächsten Chart ist zu sehen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit von M2 gewöhnlich während wirtschaftlicher Rezessionen zurückgeht. Und es ist zu sehen, dass die Geldumlaufgeschwindigkeit von M2 nach der jüngsten Rezession einfach immer weiter absank und heute auf dem niedrigsten Niveau aller Zeiten notiert.

Velocity-Of-Money-M21

Das ist ein extrem deflationärer Chart.

Dieser Chart weist ganz unzweideutig darauf hin, dass sich die Wirtschaftsaktivität in den USA immer stärker abgekühlt hat.

Und wenn wir ehrlich sind, müssen wir auch zugeben, dass die Hinweise dieser Abkühlung überall um uns herum zu erkennen sind. Zahlreiche große Einzelhandelsunternehmen schließen ihre Filialen gegenwärtig so schnell wie seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers nicht mehr, das Verbrauchervertrauen ist rückläufig, die Handelsgewinne der großen Wall Street Banken sind substantiell gesunken und der fortwährende Rückgang bei den Eigenheimverkäufen ist mehr als nur ein klein wenig alarmierend.

Darüber hinaus ist die Beschäftigungssituation in den Vereinigten Staaten bei Weitem nicht so vielversprechend, wie man uns glauben machen will. Laut einem Bericht, der von den Republikanern im Haushaltsausschuss des US-Senats veröffentlicht wurde, taucht jeder achte männliche US-Bürger im besten arbeitsfähigen Alter nicht in der US-Erwerbsbevölkerung auf – das ist ein Allzeitrekord.

„Zum gegenwärtigen Zeitpunkt gibt es 61,1 Millionen männliche Amerikaner, die sich im besten arbeitsfähigen Alter von 25 – 54 Jahren befinden. Jeder atemberaubende achte dieser Männer kommt in der US-Erwerbsbevölkerung aber überhaupt nicht vor, was heißt, dass er weder arbeitet, noch nach Arbeit Ausschau hält. Das ist ein Allzeithoch bei diesen erstmals 1955 erfassten Daten.

Weitere 2,9 Millionen Männer gehören zwar der Erwerbsbevölkerung an, haben aber keine Arbeit (also sie würden arbeiten, wenn sie eine Stelle finden könnten). Insgesamt finden sich 10,2 Millionen Personen in dieser Gruppe – sie gehen in der US-Wirtschaft derzeit also keiner Arbeit nach. Darüber hinaus gehen in dieser Altersgruppe heute 3 Millionen Männer weniger einer Arbeit nach als vor Beginn der Wirtschaftsrezession.“

Nie zuvor war in den USA ein so hoher Prozentsatz an Männern im besten arbeitsfähigen Alter arbeitslos.

Aber da sie nicht einmal mehr unter die „Erwerbsbevölkerung“ fallen, ist es für die Bürokraten auch ein Leichtes, die offizielle „Arbeitslosenrate“ gutaussehen zu lassen.

Würden wir ehrliche Zahlen verwenden, läge die US-Arbeitslosenrate heute natürlich im zweistelligen Prozentbereich und unsere Wirtschaft befände sich seit 2005 in einer Wirtschaftsrezession. Jeder würde das Ende der „Depression“ herbeiflehen.

Und jetzt steuern wir immer schneller auf den nächsten Abschwung zu. In meinen jüngsten Artikeln „Hat die nächste Wirtschaftsrezession für Amerikas Mittelschicht bereits begonnen?“ und „27 Warnhinweise für die US-Wirtschaft“ lege ich im Detail dar, warum vieles genau darauf hindeutet.

Und diejenigen, die die US-Notenbank steuern, wissen das natürlich alles.

Das ist auch einer der Gründe für die „quantitativen Lockerungsmaßnahmen“ der US-Notenbank. Die Leute bei der Fed wissen, dass die US-Wirtschaft wahrscheinlich in einer deflationären Depression versinken würde, würden sie sich einfach zurücklehnen und nichts unternehmen. Daher haben sie das System auch mit Geld geflutet – es ist ein verzweifelter Versuch, die Wirtschaftsaktivität wieder anzukurbeln. Doch das meiste Geld landete einfach nur in den Taschen der Vermögenden und vergrößerte die Kluft zwischen denen an der Spitze und denen, die in unserem Land ganz unten sind.

Und jetzt fährt die US-Notenbank ihre quantitative Lockerung sukzessive zurück, weil sie anscheinend der Auffassung ist, dass sich die Wirtschaft wieder normalisiert.

Wir werden sehen.

Viele sind da nicht ganz so optimistisch.

Beispielsweise Peter Boockvar, der leitende Marktanalyst der Lindsey Group. Boockvar glaubt, dass der S&P 500 nach dem Auslaufen der quantitativen Lockerung zwischen 15% und 20% fallen könnte.

Andere glauben, dass es noch viel schlimmer kommen wird.

Seit 2008 hat sich die Größe der Fed-Bilanz von weniger als USD 1 Billion auf über USD 4 Billionen erhöht. Mit dieser beispiellosen Marktintervention konnte die bevorstehende deflationäre Depression erfolgreich hinausgezögert werden, aber sie hat auch dazu geführt, dass unsere langfristigen Probleme nur noch schlimmer geworden sind.

Wenn der unvermeidliche Crash kommt, wird es daher viel, viel schlimmer werden, als es eigentlich hätte sein müssen.

Bedauerlicherweise haben die meisten Amerikaner von diesen Dingen keine Ahnung. Die meisten Amerikaner vertrauen darauf, dass unsere „Führer“ schon wissen, was sie tun. Daher werden die meisten Menschen von den bevorstehenden Ereignissen auch aus heiterem Himmel überrascht werden.

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