Rick Rule: Edelmetallsektor aktuell in sehr guter Verfassung; Gold dürfte mit Anstiegen glänzen

Henry Bonner, Sprott Asset Management, 08.07.2014

Rick Rule, der Vorsitzende von Sprott US Holdings Ltd., erklärte Anfang März dieses Jahres, dass der Edelmetallmarkt einen überhitzten Eindruck mache und eine Korrektur wahrscheinlich sei. Gold und Silber hatten zuvor innerhalb weniger Monate zweistellige Zugewinne verzeichnen können. Und so kam es dann auch: Von Mitte März bis Anfang Juni gaben die beiden Metalle wieder einen Großteil ihrer Zugewinne ab.

Seit Anfang Juli sind die Edelmetallminenaktien aber wieder stark gestiegen. Meine Frage war daher: Was wird mit Gold im weiteren Jahresverlauf geschehen und wird die aktuelle Rally weiter anhalten?

Rick Rule: „Meine Prognose für den Rest des Jahres ist, dass Gold weiter steigen wird, aber mit einigem Auf und Ab. Das letzte Mal, als wir miteinander sprachen, war es bei Gold und Silber und einer Reihe großer Minenaktien zu raschen Anstiegen gekommen. Damals sagte ich, dass der Markt wahrscheinlich ein wenig verschnaufen müsste, und so war es dann auch.

Jetzt hat der Markt einen abermaligen Aufwärtsschub eingeleitet. Wohlmöglich ist jetzt wieder eine kleine Verschnaufpause angesagt. Dieses Muster dürfte uns in den kommenden 12 Monaten begleiten. Wir werden erleben, wie der Markt unstetig steigen und daraufhin wieder zurückgehen wird, um die vorangegangenen Gewinne zu konsolidieren. Wir befinden uns in einer Erholung – und diese Erholung wird relativ flach ausfallen und von Aufs und Abs geprägt sein, manchmal wird es dabei auch zu 10%igen Rückgängen kommen. Das ist im Grunde die Art, wie diese Märkte funktionieren.

Das ist gut. Ich glaube sogar, dass der Markt aktuell in einer sehr guten Verfassung ist. Aktuell hegt niemand irgendwelche Erwartungen, was den Rohstoffsektor anbelangt, wodurch es für den Markt einfacher ist, mit Aufwärtsbewegungen zu überraschen. Und es sieht so aus, als hätten wir im Juli letzten Jahres das Tief ausgebildet, und das heißt, dass Gold und Silber gemeinsam mit den Edelmetallminenaktien weiter steigen dürften, und zwar auf ziemlich unstete Art und Weise.“

Aber wie kann man von dieser schrittweisen Erholung profitieren? Ich habe gehört, wie Sie vor geraumer Zeit sagten, dass Sie auch riskantere Investments mögen. Sollten wir uns auch solche Titel anschauen?

Rick Rule: „Ich habe keine Ahnung wie es kurzfristig aussieht, aber die riskanteren Investments erscheinen mir derzeit sehr attraktiv, gerade weil sie so verschmäht werden.“

Mit riskanteren Investments sind im Edelmetallsektor gewöhnlich Edelmetallminenaktien oder Lagerstätten gemeint, die auf steigende Edelmetallpreise angewiesen sind, um höhere Gewinne zu erzielen. Viele Anleger konzentrieren sich zurzeit auf Projekte, die auch bei den aktuellen Edelmetallpreisen Gewinne machen dürften. Rick Rule sagt, dass die Aversion gegenüber riskanteren Minentiteln zur Folge hätte, dass diese Papiere noch attraktiver würden:

„Die Edelmetallminenaktien und die Edelmetallmärkte haben meines Erachtens einen Aufwärtszyklus, der in der Regel rund 5 Jahre anhält. Und das sagt mir, dass die Edelmetallpreise in den nächsten paar Jahren steigen dürften. Aktuell will niemand Juniorminentitel besitzen; jeder will die Titel halte, die über hochwertige Goldvorkommen verfügen, da diese Unternehmen nicht so stark auf steigende Edelmetallpreise angewiesen sind. Und das bedeutet, dass diese riskanteren Positionen wahrscheinlich billig sind.

Aber ich warne Sie, es kann durchaus sein, dass Sie in den kommenden zwölf Monaten nicht sonderlich viel Freude haben werden, wenn Sie diese Titel halten. Doch wenn wir uns ein Zeitfenster von 3 oder 4 Jahren anschauen, könnten Sie dafür ordentlich belohnt werden.

Wenn Sie von dem Konzept, billig zu kaufen und teuer zu verkaufen, überzeugt sind, dann müssen Sie kaufen, wenn die Dinge billig sind. Man kauft, wenn die Sachen billig sind und sie keiner haben will. Zurzeit gibt es einige sehr riskante Titel, die extrem geschmäht werden. Das hängt damit zusammen, dass diese Unternehmen bei einem Goldpreis von USD 1.300 pro Unze keine Gewinne machen. Sie brauchen einen höheren Goldpreis, um Gewinne zu erwirtschaften, aber bei diesen Titeln kann das Aufwärtspotenzial hoch sein.

Die Langzeitbeobachter des Edelmetallmarkts werden sich an den Beginn des letzten Zyklus erinnern, der zwischen 1998 und 2000 seinen Anfang nahm. Sie werden sich auch noch daran erinnern, dass es da so Titel wie Silver Standard gab, eine 1-Dollar-Aktie, die dann auf USD 40 stieg. Oder an Aktien wie Allied Nevada, eine 5-Dollar-Aktie, die bis auf USD 45 kletterte.

Das ist aber nichts für schwache Nerven, und es ist auch nichts für Leute, die bei einem Trade nur vier Monate oder noch kürzer involviert sein wollen. Für Leute, die bereit sind, zu spekulieren, die sich das Risiko leisten können und über den Willen verfügen, zwei oder drei Jahre an ihrem Trade festzuhalten, sind derartige Investments meines Erachtens aber sehr attraktiv.“

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